Deine Chance!


Mittendrin


statt nur dabei


© WWF
Zoologisches Praktikum


von Janine
13.06.2009
8
0
100 P

Das Studium der Biologie ist sehr vielseitig. Es gibt eine Menge Themenbereiche, die für einen Biologen eine unverzichtbare Ausbildungsgrundlage sind. Neben Fächern wie Botanik, Mathematik, Genetik, oder Zellbiologie, spielt auch das Fach Zoologie eine große Rolle. Denn nur wenn alle Bereiche abgedeckt sind, kann man sein biologisches Verständnis erweitern, und die vielen Einzelteile zusammenfügen.
Zoologie ist das Fach, das mir in meinem bisherigen Studium die meiste Freude bereitet hat. Im letzten Semester haben wir die Tierwelt kennengelernt, und von den Einzellern, über die Insekten und Vögel bis hin zu den Säugetieren beinahe alle Tierstämme behandelt, die unseren Planeten bewohnen.
Ich möchte euch mit diesem Bericht gerne einen Einblick in das zoologische Praktikum geben und euch zeigen was es heißt, die Tierwelt zu begreifen.

Orientierung
Am Anfang des Studiums wusste ich noch nicht genau, was mich im Fach Zoologie erwarten würde. Offiziell wurde es als "Morphologie, Evolution und Systematik der Tiere" bezeichnet. Mit dem Wort Evolution konnte ich etwas anfangen, aber was die Morphologie und die Systematik angeht, stand mir ein Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Um aber ein gutes Verständnis bekommen zu können, musste ich mich schnell mit diesen Begriffen und auch vielen anderen vertraut machen, um nachvollziehen zu können, was es mit der Tierwelt eigentlich auf sich hat.
Unter Morphologie versteht man die Gestalt der Tiere und das Wort Systematik bezeichnet die Verwandtschaftsverhältnisse. Der Begriff Evolution sagt, wie wir alle wissen, etwas über die Entwicklung der Tiere aus, die unter Mutation und Anpassung voranschreitet.

Die erste Entdeckung
Neben den Vorlesungen gab es also auch das Praktikum, das uns wöchentlich half, das Reich Animalia durch den direkten Kontakt mit den zu behandelnden Tieren besser zu begreifen.
Am ersten Tag sahen wir uns zunächst eine Zelle der Mundschleimhaut an, die wir uns zuvor aus unseren Mündern geschabt hatten. Dies taten wir um den Umgang mit dem Mikroskop zu lernen, denn die Arbeit mit der Vergrößerungsmaschine ist im Praktikum unverzichtbar. Ich war ganz verzückt, als ich ein riesiges kreisrundes Etwas entdeckte, das ich für die zu suchende Zelle hielt. Ich fand dieses Objekt so schön und war ganz fasziniert. Als ich meiner Tischassistentin dann begeistert sagte, dass sie mal einen Blick durchs Mikroskop werfen solle, urteilte sie "Ja, da hast du eine Luftblase entdeckt.".
Bei der Arbeit mit dem Mikroskop ist es natürlich auch wichtig zu wissen, was man sieht und zwischen den verschiedenen Zellschichten und Körperteilen zu differenzieren. Damit das gut klappen sollte, mussten wir zu jedem Objekt, das wir behandelten, eine Zeichnung anfertigen. Angefangen von der einfachen Mundschleimhautzelle bis hin zu diffizileren Objekten wie dem Querschnitt eines Seesternarms, war alles dabei und das wissenschaftliche Zeichnen lernte sich beinahe wie von selbst.

alt Zeichnung eines Querschnitts durch den Arm von Asterias rubens (Seestern)

Faszination und Widerwille
Der Besuch des Praktikums ist allerdings nicht immer angenehm gewesen und brachte auch einige Hürden mit sich, die es zu überwinden galt. Denn neben dem Begutachten von lebenden Tieren, wie Gottesanbeterinnen und Regenwürmern, ging es natürlich auch darum, die Anatomie der verschiedenen Tiere kennen zu lernen. Hierzu mussten wir einige Tiere aufschneiden, die wir als bereits tot vorgesetzt bekamen. Dieser Teil war nicht für alle Praktikumsteilnehmer angenehm. Aber um die Tierwelt kennen zu lernen ist es unverzichtbar sich auch mit dem Aufbau des Körpers vertraut zu machen.
Interessant ist es dabei aber allemal zu entdecken, dass auch Lumbricus (der Regenwurm) ein kleines Gehirn hat, das man als winzige weiße Kügelchen wahrnehmen kann. Auch seine Vermehrung ist aufregend und somit auch seine Innereien. Zwar sind Regenwürmer Zwitter, haben also sowohl weibliche wie auch männliche Geschlechtsorgane, trotzdem brauchen sie für die Fortpflanzung einen Partner und können sich nicht selbst befruchten.

alt Das Innere eines Regenwurms

Der Verlauf
Die Evolution nahm uns an die Hand und führte uns von Woche zu Woche zu immer jüngeren Ergebnissen, die sie hervorgebracht hatte. Nachdem wir am ersten Tag den Umgang mit dem Mikroskop gelernt hatten, ging es am zweiten Tag gleich weiter zu den Cnidarien. Einige Vertreter der Cnidaria kennt ihr wahrscheinlich alle. Bei diesen Tieren handelt es sich nämlich um die Nesseltiere, also zum Beispiel auch um Quallen. Mich hat es fasziniert, dass sie einen sogenannten Generationswechsel durchlaufen; das bedeutet, dass die eine Generation, also die Elterntiere, eine andere Form, als sich selbst zur Welt bringen. Wenn wir zum Beispiel an eine dicke Meduse denken, die sich vermehrt, so bringt sie keine neuen Schirme mit Tentakeln hervor, sondern kleine Polypen, die sich an Steinen, oder Korallen festsetzen. Und erst aus ihnen entsteht die nächste Medusengeneration. Kurz: Die Meduse bringt einen Polypen und der Polyp wieder eine Meduse hervor.
Solche beeindruckenden Vorkommnisse haben wir viele kennengelernt.

alt Beim Beobachten einer Gottesanbeterin

Jede Woche brachte nicht nur neue Tiere, sondern auch neues Vokabular mit sich. So war es zum Beispiel auch beim Schneckenkurstag. Hier lernten wir, dass die Schnecken die einzigen Lebewesen sind, die eine sogenannte Radula besitzen. Die Radula ist eine Raspelzunge, die sich nur bei den Schnecken entwickelt hat. Mit dieser "mähen" sie die Wiesen und ernähren sich vom kleingemachten Gras.

Resultate
Nach Abschluss des Praktikums hatten wir dann einen guten Überblick über die Entwicklungsgeschichte der Tiere. Wir wussten nun wann sich Organe, Beine, Flügel und Federn entwickelt hatten und auch, dass die Arten sehr viel Zeit brauchten, um sich so stark zu differenzieren und zu spezialisieren.
Sehr gut nachvollziehen konnten wir den Fortschritt an unseren Kursobjekten, die in folgender Reihenfolge unseren Horizont erweiterten. Als Erstes lernten wir also die Welt der Nesseltiere kennen, darauf folgten verschiedene Wurmstämme, dann die Welt der Krebse, danach kamen Stachelhäuter an die Reihe, zu denen zum Bespiel Seestern und Seegurke zählen, als nächstes die Weichtiere, also Schnecken und Muscheln, dann schlossen sich Insekten, Schädel- und Säugetiere an.
Ein Säugetier haben wir allerdings nicht zerlegt, da dies in Deutschland nicht erlaubt ist.

alt Untersuchungen an einem toten Krebs

Das Praktikum hat uns sowohl dabei geholfen die Verbindungen der Tiere untereinander zu verstehen, als auch ihre Bedeutung für die Umwelt.
Alle Tiere sind voneinander abhängig, ob als Parasit, Nahrungsquelle für Fleischfresser, oder als Pfleger der Ökosysteme. Wenn auch nur eine Tierart verschwindet, so hat dies gleich Auswirkungen auf die Existenz anderer Arten. Geht die eine verloren, so fehlt zum Beispiel die Nahrungsquelle für die andere.
Auch hier ist wieder zu sehen, wie empfindlich das Gleichgewicht der Lebewesen ist und wie schnell das System kippen kann, wenn wir nicht dafür Sorge tragen, feinfühliger mit unserer Umwelt umzugehen und sie so zu erhalten.

 

 

Praktikumsfotos: Sven Matern

Fotos und Anfertigung der wissenschaftlichen Zeichnungen: Janine Koch

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
05.04.2012
Janine hat geschrieben:
@seemslikejenny: Es freut mich, dass dir mein Bericht gefällt! Wenn du noch weitere Fragen zum Biologiestudium hast, kannst du sehr gerne fragen :o)
03.04.2012
missjennifer hat geschrieben:
Ich möchte wahrscheinlich auch mal Biologie studieren und vil. dann als Zoologin weitermachen, bin mir aber noch nicht sicher.
Durch deinen Beitrag hab ich endlich mal viele positive Eindrücke bekommen.
Dankeschön :)
02.05.2010
Asti hat geschrieben:
Super Bericht! Dankeschön...
16.06.2009
Jutta hat geschrieben:
hey Janine,

ich kann deine Faszination für Zoologie und Ökologie sehr gut verstehen...
weil ich die nämlich auch habe;) als Landschaftsökologie- Studentin muss ich zwar (glücklicherweise) keine Tiere aufschneiden, dafür aber umso ausführlicher die Tiere in ihrer natürlichen Umwelt betrachten, bestimmen und ihre Lebensräume und Verflechtungen zu enderen Arten kennen.

Ich wünsch dir auf jeden Fall weiter so viel Freude am Studium!
15.06.2009
MasinoR hat geschrieben:
Echt super Bericht !!! Danke dafür :)
15.06.2009
Janine hat geschrieben:
Kein Problem. Falls ihr noch Fragen haben solltet, immer her damit! ;)
15.06.2009
kate hat geschrieben:
fand bericht auch sehr hilfreich:) nur das ich erst bei meinem biologieleistungskurs bin und nicht schon beim studium;) danke und lg
13.06.2009
Loba hat geschrieben:
Hallo Janine!
Deinen Bericht fand ich sehr informativ! Ich überlege auch, Biologie zu studieren, und so einen Einblick erhält man selten!
Danke dafür!
Lisa
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Bäume pflanzen am Kilimanjaro in Tansania (Freiwilligenprojekt) In der privat... weiter lesen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Bundesfreiwilligendienst bei der Welttierschutzgesellschaft, Welttierschutzgesellschaft e.V.... weiter lesen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. BFD-Stelle im internationalen Tropenwaldschutz ab 1.1.17, OroVerde - die Tropenwaldstiftun... weiter lesen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Volontariat internationale Beziehungen und Entwicklungshilfe in Costa Rica Visioneers e.V. ... weiter lesen
Diese Angelegenheit ist fre...
Liebe WWF Jugend! Motivierter Zuwachs in der Community auch von meiner Seite: ich heiße... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil