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Workaway – Lernen und Entdecken in Neuseeland


von Madamsel
28.01.2015
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Nach meinem 4-monatigen Aufenthalt in Australien reiste ich weiter nach Neuseeland. Denke ich an diese Zeit zurück, so kommen mir sofort gewaltige schneebedeckte Berge in den Sinn, türkisblaue Seen, Lupinenfelder, schwefelgelbe Hochebenen mit Vulkanen und Geysiren, sternklare Nachthimmel, Urwälder, schroffe Plateaus voll Geröll, Fjorde, Palmstrände, Gletscher, und grüne Auenländer . Landschaftlich ist Neuseeland die Diversität schlechthin – 3 Kilometer weiter und man denkt man sei auf einem anderen Planeten gelandet. Genau so einzigartig sind seine Flora und Fauna sowie die Kultur der Maori, der Ureinwohner des Landes.
Ich begann meinen Aufenthalt mit einer kleinen Rundreise auf der Südinsel. Gern möchte ich euch einen Eindruck vermitteln, von dem was ich dort sehen durfte, und dabei sagen Bilder ja bekanntlich mehr als tausend Worte.

Dieses Bild ist nicht bearbeitet! Das Wasser des Lake Tekapo ist so türkisblau durch ein bestimmes Mineral ("rock flour") aus den Bergen

 

Zwischen den Bergen von Milford Sound fühlt man sich ganz, ganz klein.



Die sogenannten Pancake Rocks haben bis heute nicht das Rätsel ihrer Entstehung preisgegeben.


Beim Tongariro Crossing durchwandert man die spektakulären Filmkulissen von Mordor aus Der Herr der Ringe. Dem Mount Ngauruhoe, alias Schicklsalsberg, konnte ich glücklicherweise entkommen ;-)

 

Neben den Naturjuwelen landet man eine Anzahl Treffer, wenn man sich ein bisschen über Neuseeland informiert. Stichworte wie Kiwi, Schafe, Maori oder Herr der Ringe dürften den meisten von euch bekannt vorkommen. Ich möchte daher auf ein paar weniger bekannte, jedoch nicht minder faszinierende Seiten des Landes am anderen Ende der Welt aufmerksam machen. Dabei beschränke ich mich auf eine kleine Auswahl Geschichten, die mir während meiner Zeit zu Ohren gekommen sind oder die ich hautnah erleben konnte.
Zunächst mal ein paar Basics: Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, der Nord- und Südinsel, und einer Anzahl kleineren Inseln drum herum, die allesamt seit etwa 80 Millionen Jahren isoliert im Pazifischen Ozean liegen. Die unüberwindbaren Wassermassen führten dazu, dass die meisten Tiere des Festlandes nicht auf die Inseln gelangen konnten. Ursprünglich bevölkerten also nur Vögel, Insekten und Reptilien Neuseeland, jedoch (abgesehen von zwei Fledermausarten) keine Säugetiere. Die lange Isolation hatte zur Folge, dass sich Neuseelands Tier- und Pflanzenwelt unabhängig von der des Festlandes evolutionär entwickeln konnte. Auf diese Weise entstanden Arten, wie man sie nirgendwo sonst auf der Welt antrifft, und die an ihre Umgebung auf eine verblüffende Weise angepasst sind. So sind 90% der Insektenarten und 25% der Vogelarten auf Neuseeland einzigartig. Beispielsweise gibt es eine Vogelart, die sich ausschließlich von den Ausscheidungen ganz bestimmter Insekten ernährt. Ja, richtig gelesen! Auch ich staunte nicht schlecht, als ich durch den Abel Tasman Nationalpark wanderte und auf eine Anzahl Bäume aufmerksam wurde, deren Rinde komplett schwarz war und deren Blätter ziemlich mitgenommen aussahen. Verkohlt, verbrannt? Ganz und gar nicht. Die Verursacher waren unzählige kleine Insekten, die sich in die Rinde der Bäume hineingebohrt hatten. Bei genauerem Hinsehen konnte man erkennen wir aus der Rinde das Hinterteil der Insekten hervor lugte: Wie ein kurzes, dünnes Härchen sah es aus. An jedem der zahllosen Härchen baumelte ein Tropfen klarer, klebriger Substanz – eine Ansammlung der Exkremente der Insekten. Diese Substanz, die honig-ähnlich schmecken soll (ich habe zwar probiert aber so wirklich kann ich das nicht bestätigen…) ist die einzige Futterquelle des besagten Vogels. Ganz schön gut aufeinander abgestimmt! Und der Art sollte es eigentlich gut gehen müssen, bei den vielen schwarzen Bäumen, an denen ich unterwegs vorbeilief. Wäre da nicht der Europäer gewesen. Denn durch diesen kam auch die Wespe nach Neuseeland, die den süßen Snack ganz vorzüglich findet und dem Vogel so das Futter streitig macht. Hoffentlich fällt diese Art zuletzt nicht auch noch den Folgen menschlicher Koexistenz zum Opfer, die bereits die Hälfte aller Vogelarten Neuseelands zum Aussterben gebracht hat…


Ein paar Kilometer südlich vom Abel Tasman Nationalpark trifft man auf die Southern Alps, die Berge der Südinsel. Zwischen einigen davon erstreckt sich der Fox Glacier – noch. Denn der Fox Glacier erleidet als Folge der Erderwärmung das gleiche Schicksal wie alle Gletscher der Welt. Und das ist mit dem bloßen Auge sichtbar! Jeden Morgen wird von einem Observationsteam eine etwa zwei Meter lange Metallstange in das Eis des Gletschers gebohrt. Später wird kontrolliert, wie lang der Teil der Stange ist, der aus dem Eis ragt. Dieser Teil dient als Indikator für die Masse an Eis, die allein am besagten Tag geschmolzen ist. Ich war bei der Kontrolle am Nachmittag dabei und musste mit Schrecken feststellen, dass mehr als die Hälfte der Stange aus dem Eis herausragte…


Der Fox Gletscher. Man bekommt eine ungefähre Vrstellung von seiner Dimension wenn man in der Mitte des Bildes die Gruppe winziger Menschen entdeckt.


Nicht weniger spannende Geschichten erfuhr ich auf meiner letzten Station der Südinsel, einer kleinen ökologische Farm in der Nähe von Nelson. Meine dortigen Aufgaben bestanden hauptsächlich aus Gartenarbeiten wie Umgraben, Flachs Anpflanzen oder die gesamten Bäume von den nicht in Neuseeland heimischen Trichterwinden zu befreien, die kleinere Pflanzen unter sich zu erdrücken drohten. Bewirtschaftet wurde die Farm von einem pensionierten Ehepaar, die beide vor kurzem noch als Lehrer an der örtlichen Schule unterrichtet hatten und die nun einen Großteil ihrer Zeit ihren Ländereien widmeten. Eines der Fächer von Simon, dem Ehemann, hieß Outdoor Education – ein Fach, das wie ich finde auch in den Stundenplan deutscher Schulen aufgenommen werden sollte! Die Schüler machen Exkursionen in die heimische Natur, lernen über die Wildnis und wie man sich in ihr zurechtfindet. Simons Allgemeinwissen, Begeisterungsfähigkeit und Wissensdurst war unglaublich. Beispielsweise führte er mich und meine Freundin am Tag unserer Ankunft über die Farm und erzählte zu den Bäumen (es gab einen großen Olivenhain und diverse andere Obstbäume), den Vögeln und seinen Bienen Anekdoten. Aussagen wie „Und hier haben wir einen asiatischen Birnbaum, deren Frucht übrigens das am häufigsten vorkommende Objekt in der traditionellen chinesischen Dichtung ist“ waren keine Seltenheit. Das Motto, man höre nie auf zu lernen, prägte auch die Unterhaltungen am Abendbrotstisch: „Du willst Anthropologie studieren?“, richtete sich Simon an meine Freundin. „Dann lass doch mal hören, was deiner Meinung nach die fünf größten Probleme sind, vor die die Menschheit in Zukunft gestellt werden wird!“ Na, wie hättet ihr Simon geantwortet? ;-)


Nach der Zeit auf der Farm verließ ich die Südinsel Neuseelands mit der Fähre - Kurs auf die Hauptstadt Wellington. Trotz einer geringeren Anzahl spektakulärer Berge hatte auch die Nordinsel einiges zu bieten. Einen Monat lang arbeitete ich in einem Restaurant in Taupo, wo ich täglich Aussicht auf den gleichnamigen See hatte. Lake Taupo, der größte See des Landes, war in Wirklichkeit ein gigantischer mit Wasser gefüllter Vulkankrater. Stand man am Ufer des ruhigen Gewässers, konnte man sich beim besten Willen schwer vorstellen, dass sich 6 Kilometer unter einem die Magmakammer des Vulkans befinden sollte. Doch in der Geschichte hatte Taupo bereits unter Beweis gestellt, dass sein Schein trügt: 1830 explodierte er in der weltweit gewaltigsten Eruption der letzten 5000 Jahre, wobei in Dokumenten der Chinesen und Römer aus jener Zeit von einer Verdunklung des Himmels die Rede ist!


Kurz vor meiner Abreise aus Neuseeland machte ich noch einen Abstecher in das Maori Dorf Te Puia. Der Ausdruck „Dorf“ ist dabei nicht wirklich zutreffend, vielmehr handelte es sich um einen für Besucher zugänglichen Park, auf dessen Gelände sich traditionelle Maori Häuser, eine Schnitzwerkstatt, eine Weberei, ein Haus für Aufführungen, ein großes unter Schutz stehendes Gelände voller Geysire und über 100°C heißen Schlammpools und vieles mehr befand. Man nutzt die Einnahmen der Besucher um junge Maori im traditionellen Handwerk auszubilden und dadurch die Kultur aufrecht zu erhalten sowie altes Wissen zu bewahren.



Und auf diese Weise endeten meine zweieinhalb Monate in Neuseeland. Ich hoffe, ich konnte euch ein Gefühl für die Diversität, Einzigartigkeit und Wunderlichkeit dieses Landes vermitteln, die mich beim Zurückdenken noch stets mit Ehrfurcht erfüllen.
Im folgenden Bericht erfahrt ihr, welche Abenteuer Costa Rica für mich bereithielt.

 

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
01.02.2015
Killari hat geschrieben:
Ich habe für April auch eine Neuseelandreise geplant und nachdem ich deinen Bericht gelesen habe, kann ich es kaum noch abwarten! :)
29.01.2015
midori hat geschrieben:
Ach Sina, jetzt hast Du wieder das Fernweh geweckt!
28.01.2015
Kol1br1 hat geschrieben:
Ich möchte nach dem Abi auch unbedingt nach Neuseeland.
28.01.2015
KikiFi hat geschrieben:
Großartiger Bericht! Super spannend zu lesen. Ich freu mich auf den nächsten :)
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