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© WWF
Wildschweine, Elefanten, Leoparde - zurueck in Kambodschas Trockenwaeldern


von Arnulf
04.05.2010
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Schon drei Monate sind vergangen, seit ich meinen ersten Bericht darueber geschrieben habe, wie ich im Rahmen eines Praktikums beim WWF-Kambodscha an einer Feldstudie in den Trockenwaeldern Nordost-Kambodschas mitarbeite. Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, wenn man taeglich so vielen neuen und exotischen Eindruecken ausgesetzt ist.

Inzwischen war ich noch zwei weitere Male im Mondulkiri Protected Forest und habe Daten zu Wasserloechern gesammelt. Ich konnte direkt erleben, wie rasant sich der Wald im Laufe der Trockenzeit veraendert, wie schnell Wasserloecher verschwinden koennen aber auch wie eindrucksvoll der Wald sich in wenigen Wochen nach Feuern regenerieren kann.

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Nach meinem Antrittsbesuch an den Wasserlochern Ende Januar sollte ich nun an die gleichen Orte laufen und feststellen, wie der Wasserstand sich veraendert hatte. Wieder sind ein Ranger und ich also mit dem Moto die sandigen Wege entlang gefahren und haben dann mit einem kleinen GPS-Geraet die einzelnen Wasserloecher geortet. Gleich am ersten Wasserloch trafen wir dann auf grosse Mengen Elefantenspuren, vermutlich aus der Nacht direkt davor. Es gibt in ganz Mondulkiri nur noch wenige Hundert dieser Tiere und ihre Spuren so frisch zu finden war fuer mich schon etwas sehr besonderes. In den grossen Fussabdruecken konnte ich ohne Probleme mit beiden Fuessen stehen (und ich habe Schuhgroesse 47).

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Ein paar Wasserloecher spaeter machten wir gerade eine wohl verdiente Pause im Schatten, als ploetzlich eine grosse Gruppe Wildschweine aus der Deckung kam. Erst haben uns die Tiere gar nicht bemerkt und in Ruhe angefangen, zu trinken und zu baden---wir sassen ja auch auf dem Boden. Ziemlich bald haben sie uns dann aber doch gerochen, sind langsam unruhig geworden und gefluechtet.

Auf dem Rueckweg haben wir im Sand der Strasse noch die Leopardenspuren gefunden, die eine Kollegin schon morgens beim Joggen gesehen und uns davon erzaehlt hatte. Die Leopardenpopulation im Gebiet scheint im Moment zu wachsen, was uns hier natuerlich sehr freut. Immer oefter schiessen die vielen Kamerafallen Fotos von Leoparden, auch wenn Begegnungen weiterhin extrem selten sind. Da ist so ein Fussabdruck schon ziemlich eindrucksvoll, vor allem wenn er nicht mal einen Kilometer vom Camp entfernt ist.

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Am naechsten Tag hatte ich dann noch einmal Glueck und konnte den seltenen Weissschulteribis beim Fressen beobachten. Von diesen Ibissen gibt es weltweit nur noch weniger als 500 Exemplare, die grosse Mehrheit davon in Kambodscha. Ich hatte vorher schon die Spuren der Ibisse im Schlamm gefunden, wo sie naehmaschinenartig nach Wirbellosen suchen, aber den Vogel direkt zu sehen war natuerlich noch besser.

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In den weiter vom Hauptquartier entfernten Gebieten konnte man schon deutlicher die Auswirkungen der Trockenzeit spueren. Einige Wasserloecher waren schon ausgetrocknet, in anderen war nur noch wenig schlammiges Wasser uebrig. Dafuer gab es an diesen Loechern um so mehr Spuren zu entdecken; schliesslich muessen die Tiere ja weiterhin irgendwo trinken. Mitten in einem sehr trockenen Waldstueck sind war dann auf Teile eines schon aelteren Banteng-Skelettes gestossen, das auf ein paar hundert Quadratmetern verstreut war. Insgesamt konnten wir die Knochen aller vier Beine aber weder den Torso noch den Kopf finden. Natuerlich wissen wir nicht, ob dieses grosse Wildrind einmal Wilderern zum Opfer gefallen ist oder vielleicht sogar von einem der letzten Tiger gerissen wurde. In jedem Fall war es ein ziemlich bizarrer Fund.

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Wenn es einmal keine Spuren zu identifizieren oder Tiere zu entdecken gab, habe ich oft einfach die Schoenheit der Waldes an sich genossen, vor allem das frische Gruen, das ueberall zu sehen war. Denn auch ohne neue Regenfaelle schienen sich die Pflanzen schon jetzt auf die naechste Wachstumsphase vorzubereiten.

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Zurueck im Hauptquartier wartete natuerlich auch immer noch der kleine Schweinsaffe. Frech und aktiv wie immer ist er jetzt noch mutiger geworden, klettern gerne auf Menschen und schaukelt besonders gerne ueberkopf von Seilen oder Haenden.

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Bei meinem naechsten Besuch vier Wochen spaeter war dann alles schon wieder anders. Inzwischen waren fast alle Wasserloecher ausgetrocknet, nur noch fuenf der ueber fuenfzig untersuchten Wasserloecher wurden ihrem Namen gerecht.

Nach dem, was mir Kollegen erzaehlt haben, ist diese Trockenzeit besonders heiss und trocken. Fuer die Tiere und auch die Ranger ist das mit schwer wiegenden Problemen verbunden, schliesslich brauchen wir alle dringend Wasser. Meine Studie soll daher auch dabei helfen, Wasserloecher zu identifizieren, an denen wir den Wasserstand kuenstlich erhoehen koennen, damit die Tiere mehr zu trinken haben. So hofft der WWF-Kambodscha, die Populationen verschiedener Pflanzenfresser wie Leierhirschen oder Banteng ansteigen zu lassen.

Auch wenn die Ergebnisse also um so wichtiger fuer das Projekt sind, ist Daten ueber ausgetrocknete Wasserloecher zu sammeln leider weniger reich an Highlights als bei gefuellten. Denn im trockenen Schlamm findet man keine frischen Spuren und an leeren Wasserloechern trifft man auch keine Tiere. Dafuer holt man sich im abgebrannten Wald ziemlich dreckige Fuesse.

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Ab und zu flogen auch mal grosse Adler ueber unsere Koepfe, denn denen macht die Hitze natuerlich wenig aus. Wahrscheinlich freuen sie sich eher ueber die Aufwinde, die das Segeln einfacher machen.

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An den wenigen noch gefuellten Wasserstellen konzentriert sich das Tierleben dafuer um so staerker, vor allem an zwei Wasserloechern in der Naehe das Camps. An dem einen konnte ich an zwei aufeinander folgenden Abenden jeweils zwei Riesenibisse beobachten. Diese urtuemlich wirkenden Wasservoegel sind noch seltener als ihre weissschultrigen Cousins---weltweit gibt es nur noch grob 300, die grosse Mehrheit wiederum in Kambodscha.

Am anderen Wasserloch hatten wir dann noch mehr Glueck und konnten nicht nur sieben Banteng und zwei Leierhirsche sondern auch noch zwei Saruskraniche beobachten. Dieser Abend war definitiv eines der Highlights meiner gesamten Besuche. Leider hatten die Rinder und die Hirsche uns schon gerochen, ehe wir sie lange anschauen konnten. Dafuer haben wir anschliessend noch ausgiebig die Abendsonne in diesem sehr grossen Wasserloch genossen und uns ueber unsere Beobachtung gefreut.

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Am letzten Untersuchungstag haben wir in der Mittagshitze dann an einem Wasserloch noch einmal Leopardenspuren gefunden, dieses Mal allerdings nicht Fussabdruecke sondern einen eindrucksvollen Kothaufen. Im Moment laeuft gerade eine Studie, bei der mit Hilfe moderner DNA-Methoden die Anzahl der Tiger und Leoparden der Region auf  Basis von Kotproben ermittelt wird. Dafuer wurden sogar extra Spuerhunde aus den USA eingeflogen und haben insgesamt ueber 200 Kotproben erschnueffelt; sogar Spiegel-Online hat darueber berichtet. Also haben wir auch unseren Haufen eingesammelt, in ein Blatt Papier gefaltet und spaeter einem anderen WWF-Forscher uebergeben.

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Insgesamt waren es sehr eindrucksvolle drei Besuche im Trockenwald Kambodschas und ich bin sehr froh, diese eindrucksvolle Landschaft besucht und wirklich erlebt zu haben. Nun ist die Trockenzeit fast vorbei und naechste Woche wird es wohl regnen in Mondulkiri. Nach ein paar Stunden schwellen die Fluesse so an, dass man nicht mehr mit dem Auto die 30km durch den Wald zum Hauptquartier fahren kann; bis Ende Oktober kommt man dann nur noch mit per Boot oder Elefant vorwaerts. Bis dahin wird der kleine Affe also nicht mehr so viel Besuch bekommen.

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Fuer mich heisst das, dass ich mich jetzt voll und ganz der Arbeit in der Kommunikationsabteilung hier in Phnom Penh widmen werde. Mit der Neugestaltung der Homepage und der Mitorganisation des Kambodscha-weiten Tigertages steht auch noch so einiges an, ehe in zwei Monaten mein Praktikum schon zu Ende geht. Wie gesagt, kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht...

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Kommentare (3)
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27.05.2010
Liv hat geschrieben:
Es muss wirklich eindrucksvoll sein, in Kambodschas Trockenwäldern. Aber schön, dass du die Zeit gefunden hast diesen ausführlichen Artikel zu schreiben! Die Fotos sind echt genial - das Mädchen mit dem Affen, der ins Bild schaukelt? und die zwei "Vergleichfotos" Trockenzeit/Regenzeit.
Noch viel Spaß und viele neue und andere Eindrücke (wer weiß, vielleicht siehst du noch einen Leopard... ; )
04.05.2010
nera8 hat geschrieben:
Super Artikel =) Scheint echt spannend zu sein und du hast wirklich gut geschrieben, auch das mit den Videos ist gut! Aber am coolsten find' ich den Affen =D
04.05.2010
midori hat geschrieben:
OooOo0oOh ein wunderschöner Artikel! *____*
Das liest sich super spannend und die Bilder sind echt hübsch!
Tolle Arbeit :D
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