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Volunteer Program beim WWF Madagaskar - Laura im Interview


von Cosima
22.05.2015
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Ein philosophisches Zebra, ein liebenswürdiger Löwe, eine ängstliche Giraffe und ein mutiges Nilpferd… Ganz richtig es geht um Madagaskar!

Doch nicht um den Film. Laura ist 25 Jahre alt, kommt ursprünglich aus
Ravensburg und war 3 Monate lang in Madagaskar, um dort für und mit dem WWF zu
arbeiten.

 

Hallo Laura, schön, dass du da bist und dir für uns Zeit genommen hast, um über deine Zeit und dein volunteer program in Madagaskar zu berichten. Es gibt ja wahnsinnig viele Länder, wo der WWF aktiv ist und wo es solche Freiwilligen Dienste gibt. Wie bist du auf Madagaskar gekommen?

Laura: Nach dem Abitur hab ich Kommunikationswissenschaften in Wien studiert
und danach gleich meinen Master in European Studies in Basel dran gehängt. Auch
da habe ich mich schon mit Nachhaltigkeitsforschung beschäftigt, z.B. mit
Abkommen zum Abbau von Ressourcen oder der Frage, wie demokratisch
Klimaverhandlungen sind.
Der Wunsch ins Ausland zu gehen hat sich während der Zeit schon immer wieder in
mein Bewusstsein geschlichen. Jedoch wollte ich nicht nur reisen, sondern auch
arbeiten. Den WWF fand ich schon immer ganz sympathisch. Ich habe den Newsletter abonniert und so hab ich mich über die volunteer programme informiert.

Wie ist es dann zu Madagaskar gekommen?

Laura: Das Land fasziniert mich einfach. Vor allem weil ca. 90% der Tier- &
Pflanzenwelt nur dort vorkommen und zum Glück gab es dort gerade eine passende
Ausschreibung für Freiwilligenarbeit. Mitte Juli hab ich mich dann über die
Online-Maske beworben, im Anschluss meinen Lebenslauf geschickt, danach gab es  noch ein Gespräch per Skype und im August ging
es auch schon los.

Wow. Das ging dann wirklich schnell. Wie´lief die erste Zeit ab?

Laura: Nachdem wir in Andapa angekommen sind, haben wir noch einen
2-Tages-Marsch nach Ankiakabe, wo wir unsere Zeit verbringen würden,
zurückgelegt.
Wir hatten vor der Abreise noch einen Sprachcrashkurs im madagassischen Dialekt
Tsimihety bekommen, doch mein Französisch und Englisch hat mir auch viel
geholfen.  Die kulturellen Eigenheiten waren vor allem am Anfang, aber auch über die Zeit hinweg eine Überraschung, z.B. gibt es sog. „Fadys“. Das sind Tabus, d.h. an manchen Tagen darf nicht gearbeitet werden oder man darf bestimmte Bohnen nicht essen.

Wie sah deine Arbeit dort aus?

Laura: Die UNO Staaten haben beschlossen, dass Klimaschutz auf eine niedrige
Entscheidungsstufe vor Ort verschoben werden soll, die sog. COBA Communité de
Base. Deswegen arbeitet der WWF dort mit Dörfern und kleinen Gemeinden eng zusammen.
Die Menschen sind sehr abhängig von Holz, da es als Baustoff und Heizmaterial
dient. Damit sie aber nicht den artenreichen Regenwald dafür nutzen, der wegen
seiner Komplexität nicht wieder aufgeforstet werden kann, hat der WWF ein
Konzept entwickelt. Es werden Bäume gepflanzt, die eine kurze und schnelle
Wachstumsphase haben, somit kann das Holz der Bäume schon nach einigen Jahren
wieder genutzt werden.
Wichtig dabei ist, den Menschen vor Ort deutlich zu machen, dass es darum geht,
mindestens so viel nach zu pflanzen, wie verbraucht wird. Es geht um die
Zukunft ihrer Kinder.
Wir wurden vom WWF vorher eingewiesen und haben ihn dann dabei unterstützt, die
Projekte umzusetzen. Jeden Tag stand etwas anderes auf der Agenda. Von
Feldarbeit, bis zu Bildungsarbeit mit Kindern. Es war sehr viel Abwechslung
dabei.

 




Damit verändert man natürlich Strukturen
vor Ort. Wie geht die Bevölkerung damit um?

Laura: Ganz klar, das führt auch zu Konflikten. Denn Veränderungen sind erstmal
unbequem. Auch Misstrauen gegenüber dem Neuen ist ganz normal. Doch damit muss man sich auch auseinandersetzten und wenn man gute Absichten hat und die Leute nicht
außen vorlässt, gelingt das meist gut. Hierzu ein Beispiel: Die Ernährungsgewohnheiten
sind sehr einseitig. Es gibt meistens Fleisch von den eigenen Rindern und Reis,
manchmal noch Kohl. Um zumindest auch dort eine Abwechslung rein zu bringen, hat der WWF gemeinsam mit den Leuten an einer nachhaltigen Fischzucht gearbeitet, damit es erst gar nicht zu Bedrohung von Arten kommt. Die neuen Fischzüchter können nun auch an andere Dörfer liefern und haben auch einen wirtschaftlichen Gewinn.
Leider führt dies auch zu Neidern, die dann die Fischzuchtbecken kaputt machen.
Das kam aber zum Glück sehr selten vor.

 

Neben der Arbeit, wie war es für dich in eine andere Kultur einzutauchen?

Laura: Ich hab es mir schwieriger vorgestellt. Wir sind ja alle Menschen und
was mich sehr gefreut hat,ist, dass es viel Verständnis gab, wenn ich etwas
nicht sofort verstanden habe oder etwas nicht essen wollte.
Schwierigkeiten gab es eher bei der Arbeit. Die Madagassen haben ein ganz
anderes Frauenbild, z.B. gilt es als unhöflich, wenn man eine Frau schwere
Dinge tragen lässt. Deswegen wurde mir auf dem Feld manchmal etwas aus der Hand
genommen, obwohl ich ja mit arbeiten wollte und deswegen da war. Doch da ist
Kommunikation der Schlüssel. Das ist generell sehr wichtig.
Besonders ist dort auch noch der Aberglaube, z.B. gehen viele Menschen nachts
nicht raus, da sie vor Geistern Angst haben. Erst fand ich das ziemlich
amüsant, doch wenn alle Menschen so fest daran glauben, bekommt man selbst ein
bisschen Angst nachts rauszugehen.



Was war dein Highlight in der Zeit?

Laura: Das war definitiv als wir drei Nächte im Urwald im Marojejy Nationalpark
übernachtet haben.
Gemeinsam mit einem Guide sind wir dort hingewandert, wo schon kein Auto mehr
hin kommt. Ich habe wahnsinnig viele Tiere gesehen und ganz nah erleben dürfen,
z.B. waren Lemuren über uns auf den Bäumen und einmal saß ein Lemur nur knapp
einen Meter von uns weg. Das war wirklich unglaublich schön und aufregend.

 

Wow. Das klingt sehr beeindruckend. Gibt es noch etwas, dass du der WWF Jugend mitgeben möchtest?

Laura: Wenn ihr Lust auf was Einzigartiges habt, dann bewerbt euch für ein
volunteer program! Das ist eine Erfahrung fürs Leben und man lernt viele tolle Menschen kennen. Auch wenn manche Dinge erstmal überwältigend oder unmöglich erscheinen, wie
ohne Strom oder fließend Wasser zu leben, lasst euch nicht abschrecken.
Ich kann euch wirklich nur ermutigen, man wächst über sich hinaus und macht tolle Erfahrungen.

 

Liebe Laura, vielen Dank für das Interview.


 

 

*Wenn du nun auch Lust auf eine Arbeits- und Auslandserfahrung mit dem WWF hast, findest du hier alle volunteer programme, die der WWF anbietet.*

 alle Bilder © by Laura

 

 

 

 

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Kommentare (8)
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Sortieren nach Aktualität:
01.06.2015
Cosima hat geschrieben:
@Tigerlein:
Das ist tatsächlich etwas missverständlich formuliert.
Damit ist gemeint, dass 90% der Tier-und Pflanzenwelt in Madagaskar ausschließlich dort zu finden ist. Das heißt, ein Tier welches es in Madagaskar gibt, gibt es nicht wo anders.
01.06.2015
Tigerlein hat geschrieben:
Wow, war bestimmt eine tolle Zeit, ich bin echt neidisch :D

Aber eine Frage hätte ich da noch: In dem Interview steht, dass 90 % aller Tierarten nur auf Madagaskar vorkommen. Damit können ja wohl kaum 90 % aller Tierarten weltweit gemeint sein, oder?
27.05.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für das tolle Interview! Das klingt super interessant. ;)
23.05.2015
SarahU hat geschrieben:
Super Artikel und schöne Fotos! Danke! :)
23.05.2015
FranziL hat geschrieben:
Wow, das klingt ja echt super! Da bekommt man gleich Lust, auch nach Madagaskar zu reisen :D
22.05.2015
Cookie hat geschrieben:
Danke für das super interessante Interview! Das klingt wirklich nach einer einzigartigen Erfahrung und die Bilder machen Fernweh! ;-)
22.05.2015
Sunlight hat geschrieben:
Das klingt sehr sehr toll! Da bekommt man sofort Lust, auch solch einen Freiwilliegendienst zu machen :)
Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Cosima! :)
22.05.2015
Madamsel hat geschrieben:
Schon seit ein paar Wochen durchstöbere ich immer wieder die WWF Internships, die es gibt und jetzt hier einen Erfahrungsbericht zu lesen ist wirklich klasse und macht Mut es auch einfach zu probieren :) Danke für das Interview Cosima!
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