Deine Chance!


Mittendrin


statt nur dabei


© WWF
Praktikum beim WWF_#Woche 6#_Zurueck aus dem Dschungel


von TheresaBaumkind
25.11.2014
9
0
1 P

Wie oft kann in seinem Leben kann man das schon sagen- Zurueck aus dem Dschungel.
Uebrigens ohne Brille, Verstand oder Koerperteile dort zureuck gelassen zu haben. Vielleicht war ich Letzterem noch nie zuvor in meinem Leben naeher.. aber davon wollen wir jetzt nicht weiter reden.

Jetzt kommen wir lieber zu wesentlicheren Frage:.
Was habe ich da ueberhaupt im Dschungel gemacht?


Die Waldhueter und ihr Bewertungsteam vor ihrem Aussenposten im Dschungel

Bezahlt der WWF jetzt von seinen Spendengeldern den Abenteuerurlaub seiner Praktikanten? Nein. Natuerlich nicht. Ich war da im Dschungel, um zu arbeiten- Oder um anderen bei ihrer Abeit zuzusehen. Naemlich den ‚Waldhuetern‘ (Forest Guards) des Saola Nature Reserve der Provinz Hue. Die arbeiten für den WWF, um den Wald von Fallen und Wilderen zu befreien und somit den geschuetzten Tier- und Pflanzenarten ein Chance aufs Ueberleben zu ermöglichen. 22 Tage im Monat sind sie auf Patroullie im Wald unterwegs und das ist besonders während der Regenzeit kein Spaβ .

Wer sich jetzt auf seine Kinoerfahrung verlasst, um sich diese ‚Mannsbilder‘ vorzustellen, ist auf einem falschen Dampfer (was für ein eigenartiges Sprichwort). Mein erster Gedanke, als ich sie sah, war, dass das hier wohl eher Jungen sind als Maenner. – Aber an Kraft fehlt es ihnen trotzdem nicht.Das wurde mir spaetestens bewusst als Danhs Hand mich lange Strecken unserer Tageswanderung bei gefährlichen Passagen stützte und auch tatsächlich sicher festhiel, wenn ich doch einmal abrutschte.

Ich versuche jetzt mal chronologisch vorzugehen.

Dienstag abend kamen meine Arbeitskollegen vom WWF Michael, Thien, Danh und ich in der Rangerstation an. Die liegt am Rande einer groβen Straβe, dem Ho-Chi-Minh-Highways, der einmal komplett von Süd- nach Nordvietnam fuehrt und dabei mitten durch das Naturschutztgebiet. Die Rangerstation kann man denke ich schon als richtiges Haus bezeichnen. Hat also solide Wände, „Betten“, eine „Küche“ und einen Fernseher, auf dem jeden Abend enthusiastisch alle Niederlagen der vietnamesischen Nationalmannschaft verfolgt werden. Dies ist also der feste Stützpunkt, das Zuhause des Teams. Von hier beginnen die vier bis sieben tägigen Reisen in die Isolation.


Abendessen

Mittwoch morgen brachen wir auf. Vier vom WWF Büro, vier Waldhüter und vier Enten, verstaut in den Wanderrucksäcken. Wir brachen auf in ein Gebiet, das eigentlich soweit wie möglich von menschlicher Beeinflussung abgeriegelt sein sollte. Trotzdem finden sich immer wieder abgeschlagene Bambusrohre, in Baumstämmen verewigte Liebesschwüre und natürlich Müll- auch noch in tiefen Teilen des Waldes. Und der aussagekraeftigste Beweis fuer das Eindringen von Menschen in das Naturschutzgebiet: seit Juni 2011 haben die Walhüter unglaubliche 28 419 Fallen aufgespürt und zerstört. Noch einmal: 28 419 Fallen. – Hier sid Spendengelder wirklich gut angelegt.

Die Fortbewegung der Wilderer, als auch die der Waldhueter, verläuft über dünne Pfade, die gerade so einem Fuβ Platz und Halt geben. Dabei klettert man dauerhaft Berge hinauf oder hinab und da alles, auch wenn es gerade nicht regnet, nass und feucht ist, passiert es nicht selten, dass der Boden, auf den man gerade sein Gewicht velagert hat, einfach nachgibt. In so einer Situation ist es essentiel, nicht einfach blindlinks nach der nächstbesteten Pflanze zu greifen, denn mit groβer Wahrscheinlichkeit fasst man dann in ein Meer langer, scharfer Stacheln.

Zu der körperlichen Anstrengung, kommt noch die fast erheblicherer Geistige dazu. Dauerhaft war ich damit beschäftigt, meinen nächsten Schritt zu kalkulieren und eine sichere Baumwurzel als Plan B zu finden.– Natürlich geht das den Waldhütern nicht so. Deren Blicke sind nicht auf den Weg vor ihnen versteift und man würde meinen es sein ein Kinderspiel, so durch den Wald zu spazieren, wenn man ihnen dabei zuschaut. Allerdings habe ich mich für eine ‚Ausländerin und Frau‘ wirklich gut gemacht, so wurde mir versichert.

Naja wirklich heikel wurde es ja auch fuer mich erst, als der zweite Teil der Tagestour begann. Nach dem Mittagessen (Reis und Ei) ging es nämlich nicht mehr an Land, sondern im Wasser voran. Glaubt mir, nichts macht so viel Spaβ, wie im Fluss von Stein zu Stein zu springen.. allerdings ist es schon ein kleines Wunder, dass ich mir dabei nicht mal mindestens einen Knöchel gebrochen habe. Wanderschuhe sind natüerlich in solchen Gefilden mehr als ungeiegnet (und die von Michael wurden im Laufe des ersten Tages auch einfach zerflückt), aber sicherheitstechnisch machen die Sandalen, die ich und auch die Waldhüter getragen haben, mal gar keinen Sinn. Da kann man auch gar keine Schuhe an haben- da hat man genauso viel Halt.

Wie auch immer.

Morgendliche Kulisse beim Zaehneputzen

Nach einem abenteurlichen Marsch, dauerhaft umringt, bewacht, bedroht von Baumriesen, kamen wir dann an. -An einem Fleck Erde, der traumhafter wohl nicht sein kann. Eingeschlossen von zwei sich treffenden Flüssen, auf einem kleinen Berg, steht ein Haus auf Stelzen. Inmitten der Wälderweiten steht dieses Haus ungerührt, umgeben von Beeten, versorgt mit Wasser und etwas Licht. Hier träumt man Hängemattenträume. Hier singen einen Wasserfälle in den Schlaf. Hier schläfst du so tief und fest wie der Wald selbst.

Und morgens, wenn du erwachst, ist alles umhüllt von Nebelschwaden. Und du flüsterst automatisch, wenn du den verbliebenen Enten einen Guten Morgen wünschst. Und dann geht es wieder los. Nach einem Frühstück, das sich nicht vom Abendessen unterscheidet, ziehst du wieder die klamme Kleidung an und kannst kaum erwarten endlich wieder loszuziehen, um noch mehr dieser wunderschönen Einsamkeit zu erkunden.


Es geht los. Und während meine Sinne schon mit Laufen und Stauen vollkommen überfordert sind, inspizieren die Waldhüter unserer Umgebung auf Anzeichen von Wilderen und Fallen. Abgebrochene Aeste, kleine Kerben in Baumstämmen, Fuβspuren. Regelmäβig schwärmen sie dann aus, rechts und links der Wege und kommen mit aufgerollten Drahtseilen in der Hand zurück. Noch einmal: 28 419 Fallen seit Juni 2011.

Fallenfaenger

So. Ich habe das jetzt drei Tage gemacht. Bin also von morgens bis mittags im Wald unterwegs gewesen. Hab mich drei Tage in Flüssen gewaschen, habe morgens mittags abends so ziemlich das gleiche gegessen und keinen Gedanken an die Welt da drauβen verschwendet.

3 Tage. 3 Monate. 3 Jahre. 30 Jahre?

Fuer mich war das ein einzigartiges Abenteuer. Für die Waldhüter ist so ein Leben Realtität. Während der Regenzeit verdoppeln sich Anstrengung und Gefahr. Es ist nämlich kein wunderbares, einzigartiges Abenteuer mehr, wenn man bewusstlos mit einer Kopfverletzung in einem Flussbett liegt. Von hier muss in einem solchen Notfall der Verletzte erstmal zu einem- meist weit entfernten- Punkt transportiert werden, von dem aus ein Hubschrauber ihn abholen kann. Bei einem meiner Kollgen hat das letztes Jahr fünf Stunden gedauert. Und der lag nicht bewusstlos mit einer Kopfverletzung in einem Flussbett. Er konnte noch selber laufen. Wirklich problematisch wird es erst, wenn das nicht mehr der Fall ist.

Und das ist ja eigentlich nicht das mal das Härteste in diesem Beruf.

Als einer der Jüngsten des Teams abends, in seiner Hängematte schaukelnt, Taylor Swifts sanfter Stimme auf seinem MP3-Player lauscht, wird offensichtlich, dass es wohl eher Herzensangelegenheiten sind, die diesen Waldhüter den Schlaf rauben. Frisch verheirate, ein neues Haus und ein wenige Monate altes Toechterchen zuhause -und von all dem ganz und gar isoliert, in einem riesigen Wald, in einer Hängematte, mit Taylor Swifts Herzschmerzsongs.

Dieses Bild werde ich nie mehr los.

Natürlich wird diese Lebenstragik nicht immer so deutlich wie in diesem Moment, aber ich bin mir sicher, dass sie auf allen hier lastet. Nur eine Woche im Monat, können sie bei ihrern Familien sein.

Die anderen drei Wochen verbringen sie in einer anderen Welt und mit einer anderen Familie.

Denn wunderbarerweise sind sie das, die Waldhüter und der Wald. Eine Familie.

Weiterempfehlen

Kommentare (9)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
12.01.2016
Anna166 hat geschrieben:
tolle Bilder! Sieht echt spannend aus! :)
30.11.2014
sophka_ hat geschrieben:
Super interessanter Bericht! Ich konnte mir richtig Vorstellen, wie das so ist.
29.11.2014
Franzichen hat geschrieben:
Wirklich super schöner Bericht, man kann sich in deine Erlebnisse richtig gut hineinversetzen, da bekomme ich schon wieder Fernweh und wünschte ich könnte das selbe erleben. :o :)
28.11.2014
KikiFi hat geschrieben:
WOW! Was für ein Praktikum...
vielen Dank für diesen absolut lesenswerten Bericht.
28.11.2014
TheresaBaumkind hat geschrieben:
Hallo Carina :)
du hast vollkommen Recht! Das muessen die Waldhueter unbedingt wissen! Ich schicke ihnen am besten eine Weihnachtspostkarte :) werde sie naemlich selber nicht nochmal besuchen koennen..
27.11.2014
Carina hat geschrieben:
Liebe Theresa, ich bin so froh, dass du diesen spannenden, amüsanten und z.T. richtig poetischen Bericht geschrieben hast. Danke, dass du deine Erlebnisse mit uns teilst! Falls das irgendwie möglich ist, dann erzähl doch bitte den Waldhütern, dass du den Leuten in Deutschland von ihrer Arbeit erzählt hast und wie beeindruckt und begeistert sie von ihrer Leistung und ihren Opfern sind ... Mir zumindest geht das so. Und es würde sie sicher freuen, zu hören, dass Menschen von so weit weg ihre Arbeit zu schätzen wissen. :)
26.11.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Es ist wirklich aufregend zu verfolgen, was Du so alles erlebst! Danke für den sehr schönen Bericht :) Ich fühlte mich sehr in alles reinversetzt, was Du beschrieben hast :)
26.11.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
25.11.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Wow, klingt6 ja echt spannend! Danke , interressanter Bericht! :D
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Development Instruktor*in/ Klima Aktivist*in bei der karibischen Richmond Vale Aka... weiter lesen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Praktikant/in im Afrika-Programm des NABU in Berlin Für unser Afrika-Team i... weiter lesen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Climate and Energy Internship bei der Heinrich-Böll-Stiftung North America ... weiter lesen
Biologie studieren in Holland
Biologie studieren in Holland
Hinter uns ist der Himmel noch von dunklem Violett, doch am Horizont Richtung Fluss färbt e... weiter lesen
Diese Angelegenheit ist fre...
Liebe WWF Jugend! Motivierter Zuwachs in der Community auch von meiner Seite: ich heiße... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil