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Praktikum beim WWF Vietnam_#Woche 3#_Der kriminelle Charakter deines Croissants


von TheresaBaumkind
04.11.2014
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Uebrigens, Sie leben in einem Naturreservat. Ja, da rechts neben ihrem Kuehlschrank verlaeuft die Grenze. Heben sie bitte mal ihren Fuss? Das da war mal eine artengeschuetzte Pflanze. Haben Sie sich schon Gedanken darueber gemacht, den Teppich zu verschieben? Damit behindern Sie das natuerliche Wachstum der Schismatoglottis cadieri; durch die Beeinflussung der natuerlichen Luft- und Lichtzufuhr. Und ohne Frage koennen Sie nicht weiterhin so ihre Katzte hier frei rumlaufen lassen. Die ist doch importiert oder? Sie koennte eine Nahrungskonkurrenz fuer heimische Arten darstellen.

Ja, sowas kann schonmal dem vorbildlichstem Deutschen passieren. Da wird eben mal ein Naturschutzgebiet um einen herum errichtet, mitten durchs Wohnzimmer. Ja und die Baekerei an der Ecke, die darf man jetzt nicht mehr betreten. Geschuetztes Gebiet. Der Supermarkt ist natuerlich auch tabu. Ja eigentlich alles. So ist das jetzt. Weil halt. Aber dann ist doch wieder Samstag morgen und ich moechte ein Broetchen. Und da ist ja diese Baeckerei an der Ecke…Vielleicht bin ich erst noch etwas verunsichert und blicke mich schuechternd, um als die Klingel an der Tuer mein Eintreten verkuendet. Aber da steht sie, die Omi, wie jeden Samstag zuvor und wartet darauf, Croissants mit Mohnschnecken zu verwechseln und zehn Euro Scheine mit 50 Cent Stuecken. Alles wie immer. Und ich brauche jetzt ein Croissant. Geschuetztes Gebiet hin oder her. Hier geht es schliesslich um mein Fruehstueck.

Ja, hier geht es um dein Fruehstueck!? Welches Argument ist bitte substanzieller, ueberzeugender als dieses? Auf unserem verzuckerten Kontinent wahrscheinlich keines. Waehrend wir also in unser Croissant mit selbstgemachter Erdbeermarmelade beissen und unseren Milchkaffee schluerfen (OMG! vier Wochen in Asien und diese Essensfantasie hoeren nicht auf!), werden unsere Gedanken aus den sorgenfreien Sphaeren gerissen: Es gibt wirklich nur schlechte Menschen in der Welt. Schon wieder liest man einen Artikel ueber Wilderei in Vietnam. Wilderei in den noch einzig urspruenglichen Regionen unseres Planeten. Da wird sich sozusagen an dem letzten bisschen Unschuld vergriffen. Barbarisch ist das. Schon mal was von Artenschutzt gehoert? Oder der Bedeutung fuer unser Oekosystem, wenn ihr weiterhin unsere Regenwaelder niederbrennt? Diese Menschen respektieren keinen Meter die hart erarbeiteten Umwelt-Gesetzte zum Schutz unserer Bio-der-der-vi-si-ni-taet. Und all das. All dieses Morden und und und all das, ja. All das fuer.. fuer was eigentlich? Haben die denn nichts besseres zu tun? Nur fuer ein paar Groschen mehr in der Tasche? Nur um sich morgens ein gutes Fruestueck leisten zu koennen? Sind das die Nachwirkungen der franzoesischen Koloniazeit, die diese Kriminellen fuer ein beschissenes Croissant am Morgen die Ausrottung einer ganzen Art riskieren lassen? --- Scheiss Franzosen.

In Vietnam gibt es zwar wirklich franzoesische Backkunst, allerdings, wahrscheinlich nicht in den Gebieten, von denen wir schockiert in der Zeitung lesen. Die Grenzregionen zu Laos in Zentralvietam gehoert zu den aermsten des Landes. Dort gibt es keine Croissants zum Fruehstueck. Dort gibt es gar kein Fruehstueck. Wenn sich hier ein Familienvater in die -nicht gerade wohnlichen- Waelder begibt, dann tut er das, weil er seiner Familie versorgen muss. Nicht weil er Bock hat, morgen frueh mal so richtig geil zu fruehstuecken.

Andrew hat Michael gefragt, warum die lokalen Behoerden die Wilderer nicht einfach einbuchten.

Andrew ist Biologe.

Ja? Warum koennen die die nicht einfach festsetzten?

Naja erstmal, sind das nicht nur ein paar Leute, sondern Doerfer voll. Und wenn Vietnam Arbeitslager im nordkoreanischen Stil errichtet und die Maenner dort radikal vom Wildern abhaelt –
ja dann kommen eine Menge Faimilienvaeter abends nicht nach Hause.

So und die Leute im Anzug, die dir letzte Woche verboten haben dein Croissant zu kaufen. Ja, also diese Menschen waren Biologen. Diese Menschen setzten Ziele und unterzeichnen Vereinbarungen und diese Menschen arbeiten (auch) beim WWF. Und dann wird dein traditioneller Gang zum Baecker samstagsmorgens mal so schnell illegal und Menschen in Vietnam lesen kopfschuettelnd ueber dich in ihrer Zeitung. Barbarisch. Einfach so den Teppich achtlos in die Zimmermitte zu werfen. Wer weiss, was fuer seltenen, unschuldigen Individuen du gerade die letzte Chance aufs Ueberleben genommen hast!
Und all das. All dieses Morden und und und all das, ja. All das fuer.. fuer ein gutes Fruehstueck.

Ein Bericht ueber die ‘Sozialen und Wirtschaftlichen Verhaeltnisse’ im Rahmen des CarBi-Projektes (Carbon und Biodiversitaet)des WWFs ergab, dass fast ein Viertel (23,6%) der Gemeinden in und am Rande der ‘Geschuetzten Waldbiete’, nicht von der Existenz der Naturschutztgebiete wussten. #Uebrigens, Sie leben in einem Naturreservat#
Ueberraschend stimmten jedoch 72, 5% der Gemeinden darin zu, dass der Schutz ihrer Umwelt langfristig viele Vorteile mit sich bringen wuerde. Doch waren sie nicht imstande, noetige Veraenderungen in ihrem Verhalten zu formulieren, um dieses Ziel zu verfolgen. Die Teilnahme an Projekten, um einen nachhaltigen Umgang mit den natuerlichen Ressourchen zu entwickeln und mit der Aussicht auf eine stabile, alternative Lebendweise, traf bei 46.5% der Befragten auf grosses Interesse.

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Kommentare (4)
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06.11.2014
Killari hat geschrieben:
Hallo! Ich schaff es leider nie so oft bei der WWF Jugend reinzugucken, aber ich bin immer wieder begeistert, was für tolle Berichte man hier findet. Interessanter Gedankengang und echt gut geschrieben. Und wow, Praktikum beim WWF in Vietnam, das klingt ja spannend. :)
04.11.2014
Himbaerchen hat geschrieben:
Sehr interessant geschrieben! Mag ich :)
04.11.2014
Katzenlachen hat geschrieben:
Der bericht ist sehr interessant , und du hast eine sehr schöne Schreibweise!
04.11.2014
Kathy3 hat geschrieben:
Dane für den spannenden Bericht!
Gut wenn auch diese Seiten einmal beleuchtet werden, die einem nicht immer so bewusst sind...
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