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Mein WWF-Praktikum in Phnom Penh


von Arnulf
25.02.2010
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Wenn ich fuer mein WWF-Praktikum nicht gerade durch den Trockenwald stapfe, arbeite ich in der Kommunikations-Abteilung des WWF-Kambodscha in Phnom Penh. Hier in der Stadt wohne ich in der Naehe des Russian Markets. Auf Khmer heisst der Markt Psar Toul Tom Poung, was interessanterweise etwas anderes als "Russischer Markt" bedeutet. Was genau, konnte mir hier allerdings niemand sagen. Der Markt selbst ist eine ziemliche Touristenattraktion, liegt aber ein bisschen ausserhalb des Zentrums. Ich wohne dort sehr gerne: Es gibt viele Staende mit Essen, Obst oder Gemuese, und es ist von morgens um 6 bis abends um 9 unglaublich viel los. Direkt wenn ich aus der Haustuer trete, stehe ich also mitten im kambodschanischen Alltagsleben. Und jeden Morgen setze ich mich dann auf unser kleines Moto und fahre die zehn Minuten von unserer Wohnung durch die Morgensonne und den wilden Verkehr Phnom Penhs zur Arbeit.

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Auf meinem Weg durch den morgendlichen Berufsverkehr gebe ich mir immer Muehe, moeglichst selten Links abzubiegen. In Kambodscha faehrt man dabei naemlich erst durch den Gegenverkehr auf die linke Strassenseite, biegt dann ab, um schliesslich wieder durch den Gegenverkehr auf die rechte Strassenseite zurueckzufahren. Man muss den Gegenverkehr also zwei Mal kreuzen, und das sieht dann in etwa so aus.

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Auch sonst scheinen die Regeln im Strassenverkehr hier in Kambodscha oft eher als freundliche Hinweise verstanden werden. Trotzdem ist alles recht gemaessigt—man achtet eben sehr auf die anderen Verkehrsteilnehmenden. Zum Glueck fahren die Menschen zwar oft unberechenbar aber selten aggressiv. Es wird allerdings viel gehupt, was aber meistens eher als "Achtung, ich ueberhole" denn als "Mach' mal Platz da" gemeint ist. Am Anfang war es aber definitiv gewoehnungsbeduerftig, wenn einem auf der eigenen Strassenseite ein hupender Luxus-Jeep entgegenkommt. Weiterhin freue ich mich jedes Mal, heil beim Buero des WWF anzukommen.

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Im Buero des WWF in Phnom Penh arbeiten typischerweise etwa 25 Menschen; weitaus mehr sind in den Provinzen direkt in den Projekten taetig. Hier in Phnom Penh sitzt vor allem die Verwaltung, aber auch der Landesdirektor und die Leitenden der groesseren Projekte arbeiten hier im Haus. Im Kommunikations-Team sind wir zu viert und beschaeftigen uns, wie der Name schon sagt, mit der Oeffentlichkeitsarbeit und Aussenwahrnehmung des WWF. Denn schliesslich ist es nicht nur wichtig, die Natur im Einvernehmen mit der Bevoelkerung zu schuetzen und nachhaltig zu nutzen, sondern die Aussenwelt muss auch mitbekommen, was der WWF in Kambodscha alles so macht.

Nun ist Oeffentlichkeits- und Kommunikationsarbeit ziemlich vielfaeltig, deswegen gibt es hier im Buero immer  viele unterschiedliche Dinge zu tun. Die alltaegliche Arbeit teilt sich dabei in eher laengerfristige Projekte und kurzfristigere Aufgaben. Ein laengerfristiges Projekt ist zum Beispiel die Neugestaltung der Homepage des WWF-Kambodscha. Da muss dann erst ein Konzept fuer die Struktur entworfen und, nachdem es fuer gut befunden wurde, mit Inhalt gefuellt werden. Dieser Inhalt muss natuerlich mit den Spezialisten aus den einzelnen Projekten des WWF hier in Kambodscha abgesprochen werden—das ganze ist also ein laengerer Prozess. Wir stecken gerade mitten in der Korrekturarbeit der Inhalte und hoffentlich koennen wir noch im Maerz die neue Homepage freischalten.

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Die kurzfristigeren Projekte, die oft spontan anfallen, sind natuerlich dankbarere Aufgaben, weil man schnell die Resultate seiner Arbeit sehen kann. Neulich zum Beispiel haben uns Kollegen aus Mondulkiri eine Nachricht geschickt, weil sie innerhalb weniger Tage groessere Mengen illegal geschlagenes Palisander-Holz und illegal gejagtes Wildschwein-Fleisch beschlagnahmt hatten. Ich habe dann aus dieser Information einen kleinen Bericht fuer die Website gemacht, der von mehrern kambodschanischen Blogs aufgenommen wurde. Zwei Tage spaeter hat dann sogar eine lokale englischsprachige Zeitung einen Artikel zu unseren Erfolgen gegen Wilderei veroefffentlicht, der auf unserem Web-Artikel aufbaute. Es ist schoen, wenn man so direkt mitverfolgen kann, wie ein bisschen Medienarbeit so ihre Kreise zieht.

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Insgesamt ist die Arbeit im Kommunikationsbereich bisher sehr interessant, weil sie so angenehm vielfaeltig ist. In den naechsten Tagen werden wir uns zum Beispiel mit der Ausarbeitung einer Kampagne beschaeftigen, die versuchen soll, das Bewusstsein der lokalen Bevoelkerung fuer Umwelt-Delikte wie Wilderei oder illegale Abholzung zu schaerfen. Das ist natuerlich kein kleines Problem, schliesslich besteht das Problem nicht nur aus den Taetern in den Schutzgebieten, sondern auch aus den Konsumenten, die fuer eine konstant hohe Nachfrage nach illegalen Holz- und Tierprodukten sorgen. In Suedost-Asien (und nicht nur dort) werden fuer geschuetzte Tierarten wie Baeren und Tiger aber auch Schuppentiere und Plumploris hohe Preise gezahlt wegen ihres Wertes in der traditionellen Medizin. Gleichzeitig koennen manche Holzarten schon auf lokalen Maerkten Preise von mehreren tausend Dollar pro Kubikmeter erzielen. In einem Land, in dem der Durchschnittslohn bei unter 50$ im Monat liegt, lohnen sich Wilderei und Abholzung also leider sehr.  Neben der Bekaempfung von Wilderei in den Schutzgebieten will der WWF mit dieser Kampagne deswegen auch in Restaurants ansetzen, wo Poster gegen den Konsum von illegalem Wildfleisch werben sollen. Damit Umwelt-Delikte besser verfolgt werden koennen, wird auch eine spezielle Hotline eingerichtet, ueber die  man jederzeit Informationen zu diesen Verbrechen melden kann. Bis zum Start der Kampagne warten aber noch viel Arbeit auf uns, was die Konzeption der Kampagne, die Gestaltung von Postern und Print-Materialien aber auch die Mitorganisation von Veranstaltungen angeht. Naechsten Monat ist es dann soweit und ich bin schon sehr gespannt.

Naechste Woche werde ich allerdings erst einmal eine kurze Pause von der Kommunikationsarbeit machen, weil ich zum vorletzten Mal fuer sieben Tage in den Trockenwald fahre. Nach meiner Rueckkehr kann ich dann also frische Felderfahrungen in die Arbeit hier in Phnom Penh einbringen. Und hoffentlich freundliche Gruesse von dem kleinen Schweinsaeffchen…

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Kommentare (4)
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02.03.2010
NinaLuthien hat geschrieben:
Danke schön für deine liebe Antwort... Ja das Weichenstellen ist ganz kräftig in Arbeit...
Im Moment bin ich halt einfach unschlüssig welches Fachgebiet ich machen will...
Aber bis Juni ist ja auch noch ein bisschen Zeit...
Also noch mal Danke und noch viel Spaß in Kambodscha.
Gruß
Nina
01.03.2010
Arnulf hat geschrieben:
Freut mich, dass Dir der Bericht gefaellt! Nach dem Praktikum werde ich weiter an meiner Doktorarbeit in Theoretischer Evolutionsbiologie an der HU-Berlin schreiben. Das Praktikum ist sozusagen nur eine Auszeit von dieser Arbeit. Ich habe in Berlin Bio studiert und fand es insgesamt ziemlich gut. Wenn man allerdings irgendwas Freiland-Oekologie orientiertes machen will, ist Berlin definitiv die falsche Wahl. Da muss man sich bei Bio in der Uni-Wahl also nach den eigenen Schwerpunkten richten. Inzwischen hat sich aber eh soviel geaendert wegen der Bachelor-Master-Umstellung.

Ich wuerde einfach versuchen, mich mal direkt bei den Unis zu erkundigen. Ich habe damals zwischen Umweltwissenschaften und Bio geschwankt und hatte dann sehr produktive Beratungsgespraeche mit Uni-Leuten in Oldenburg und Goettingen. Eigentlich gibt es ziemlich gute Resourcen fuer die Beratung kuenftiger Studierender---schliesslich wollen die Unis ja gerne interessierte Studis haben ;-) Viel Spass also beim Weichen Stellen!
26.02.2010
NinaLuthien hat geschrieben:
Hey genialer Bericht, da wird man wirklich neidisch, bis auf die Tatsache das der Verkehr so ein "Abenteuer" ist...
Weißt du schon, was du nach dem Praktikum machen willst???
Ich bin nämlich im Moment dabei mein Studiumsfach genauer zu definieren und will definitiv was mit Biologie machen... (Bio+ Chemie Lk sprechen dairgendwie für sich), hab aber noch nicht richtig Ahnung, was ich dann mit meinem möglichen Bio-Studium so anstellen kann...
Wär super wenn du nen Rat oder zumindest ein bisschen erfahrung für mich hättest...
Gruß
Nina
26.02.2010
Arnulf hat geschrieben:
Danke! Fuer das Praktikum habe ich mich initiativ beim WWF-Kambodscha beworben. Es hat ein wenig gedauert, aber am Ende zum Glueck geklappt. Ich bin allerdings ja auch fertiger Biologe, das passte ganz gut. Schwieriger war die Finanzierung ueber das Carlo-Schmid-Programm des DAAD---da ist die Auswahl schon eher kompetitiv ;-)
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