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© WWF
Mein FÖJ/ Kegelrobben hautnah erleben


von fraufuchs
12.02.2016
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71 P

"Da, ich sehe welche!" - "Schnell, das Fernglas!" - "Da, schon wieder, ganz viele!!" - "Ich glaub mir wird schlecht.."

Ein Bericht über meine Tätigkeit als Freiwillige oder: Ein Raubtier-Meeting stellt meine Seetauglichkeit auf die Probe.

Aber erstmal von Anfang an.

 

Liebe Weltverbesserer,

nach fast 6 Monaten wird es wirklich mal Zeit, zu berichten, was ich so während meines FÖJ erlebe. Aber besser spät als nie! Nach dem Abi wusste ich nicht genau, wie es für mich studien- oder ausbildungsmäßig weitergehen soll. Deswegen habe ich mich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr entschieden, und zwar im WWF Ostseebüro in Stralsund.

Seit dem 01.09.2015 bin ich nun dabei, habe schon viele tolle Menschen  getroffen und ein Menge für mich selbst lernen können. Mein Aufgabenfeld ist breit gefächert, ich erledige z.B. Bürokram (Recherche, Telefon, E-Mails), betreue Infostände, kann an Exkursionen teilnehmen  oder helfe beim Monitoring am Greifswalder Bodden. Es gibt hier nämlich Naturschutzgebiete, in denen Angler, Segler, Kanufahrer und Motorboote nach der „Freiwilligen Vereinbarung“ keine oder nur bestimmte Abschnitte der Wasserflächen nutzen sollen (z.B. zum Wasservogelschutz). Ich kontrolliere also ausgewählte (oft sehr idyllische) Orte (siehe Bild), in einem Bogen halte ich Wassernutzer und eventuelle Verstöße fest. Die Daten werden dann für Diagramme und Auswertungen genutzt.

Von Stralsund aus gelangt man auf die schöne Insel Rügen in der Ostsee. Und die Ostsee führt mich zu meinem eigentlichen Thema des Berichts: Die Kegelrobbe.  

Vielleicht wisst ihr, dass die Kegelrobbe mit einer Körperlänge bis zu 2,5m und einem Gewicht von bis zu 300kg das größte Raubtier Deutschlands ist. Noch Anfang des 19.Jh. gab es in der Ostsee ca. 100.000 Tiere. Dieser Bestand begann drastisch zu sinken, als der Mensch anfing die Kegelrobbe bis in die 1950er Jahre intensiv zu bejagen – sie wurde als Konkurrent beim Fischfang gesehen.

Mitte des 20. Jh. wurden krebserregende Giftstoffe aus Landwirtschaft und Industrie in die Ostsee eingeleitet, die v.a. von Plankton und Fischen aufgenommen wurden und dem am Ende der Nahrungskette stehenden Meeressäuger das Leben schwer machten. Es kam zur Tumorbildung und die Weibchen wurden unfruchtbar, wodurch es ab den 80er Jahren nur noch etwa 2.500 Tiere gab.

Inzwischen hat sich die Ostseepopulation wieder auf über 24.000 Tiere in der nördl. Ostsee erhöht – Fangverboten und Giftstoffrückgang sei Dank. Und auch an die deutsche Küste ist die Kegelrobbe zurückgekehrt. Sie ist durch Gesetze geschützt; Umweltstiftungen wie der WWF, Meeres-Museen und Biosphärenreservate auf/um Rügen setzen sich ebenso für ihren Schutz ein und betreiben viel Aufklärungsarbeit.

Damit sind wir auch schon bei den „Robbenbotschaftern“, eine Gruppe Jugendlicher auf Rügen, die zu „Junior Rangern“ ausgebildet werden und beim regelmäßigen Robbenmonitoring helfen. Das Monitoring findet ab dem Frühjahr regelmäßig statt, denn gerade in dieser Zeit sind viele Robben hier, um Hering zu jagen. Auch wenn es schon länger her ist (im November vor „Saisonende“), möchte ich euch davon berichten, wie es war dort mitzufahren. Dabei waren zwei Junior Ranger, zudem zwei Ranger des Biosphärenreservates Südost Rügen und eine Betreuerin des Projekts. Im Laufe des FÖJ hatte ich bereits viel zum Thema Kegelrobbe recherchiert und vor Ort gehört, außerdem bin ich schon mal mit der „Weißen Flotte“ gefahren (mehr später), wo ich aber aufgrund meines Platzes an Bord nicht viel gesehen habe.

Die Junior Ranger machen das alles freiwillig - und müssen für das Monitoring früh aus den Betten. Pünktlich um 8 Uhr legt das kleine WWF-Boot im Hafen Lauterbach auf Rügen ab und steuert die Sandbank „Großer Stubber“ an, ein beliebter Liegeplatz der Robben. Es war ein ziemlich grauer, kalter, aber nicht allzu windiger Tag. Eingepackt in gefühlte 5000 Klamottenschichten -Zwiebellook ;) - ging es also los.

 

„Mir wird nie schlecht!“, sagt ein Junior Ranger, voller Überzeugung und haut sich einen mitgebrachten Smoothie hinter, als wir starten. Etwa 30 – 40 min braucht man zum Stubber. Ich selbst war sehr gespannt, hatte aber Bedenken wegen meiner Seetauglichkeit und daher sicherheitshalber Reisekaugummis gegen Übelkeit dabei ;)

Ein paar Minuten später: Die See ist relativ ruhig, aber für meinen Geschmack brettern wir ziemlich schnell über das Wasser. Um mich abzulenken, erzähle ich den anderen, was ich so mache beim WWF. Bald sind wir auch schon am Ziel, und das Boot hält an. „Da sind schon welche!“, sagt ein Ranger. Wir sind jetzt mitten auf dem Bodden. Die Junior Ranger, die Betreuerin und ich ziehen unsere Schwimmwesten an, schnappen uns die Ferngläser und gehen nach draußen. Gar nicht leicht auf so einem kleinen Boot, das hin- und herschaukelt. Gespannt schauen wir aufs Wasser und fragen uns, wo der Ranger die Robben denn gesehen hat, als dieser lachend sagt: „Dreht euch doch mal um!“. Ups, peinlich… Aber dann: Tatsächlich! Die Köpfe der Kegelrobben ragen aus dem Wasser, sie beäugen mich und meine Begleiter aus maximal 20m Entfernung! Auch von unserer Seite ist das Abstandhalten wichtig, um die Robben nicht unnötig zu stressen. Wir beginnen also mit dem Zählen. Wichtig ist, zu schauen, wie viele Tiere gleichzeitig sichtbar sind, damit keines doppelt gezählt wird. An diesem Tag sehen wir maximal neun Exemplare. Irgendwann sind uns die Finger abgefroren und wir wollen wieder aufbrechen. Bevor wir in die Kajüte zurückkehren, schwimmt ein Tier ganz dicht am Boot vorbei, vielleicht drei Meter weit weg  –  wow!

Drinnen zwängen wir uns aus den Westen und ich bin super glücklich -  das war wirklich ein tolles Erlebnis! Fotografieren konnte man die Tiere aus der Entfernung leider nicht sehr gut.

Es stand nun bloß noch die Rückfahrt an, und ich begann, meine Seeuntauglichkeit zu spüren. Durch den Kaugummi konnte ich aber Schlimmeres verhindern. Alles war wieder gut, als aus der Ecke ein leises „Mir ist schlecht…“ kam. Der Mir-wird-nie-schlecht-Junior-Ranger war kreidebleich. Ich konnte aber auch ihm mit einem Kaugummi helfen. Zehn Minuten später erreichten wir dann schon den Hafen und hatten endlich festen Boden unter den Füßen.

 

Trotz der Temperaturen und des Wellenganges hat mich der Ausflug wirklich begeistert!

Wenn jemand von euch mal den Sommer auf Rügen verbringt, kommt nach Lauterbach, denn ihr könnt „Urlaubsranger“ werden! Die „Weiße Flotte“ bietet für Interessierte Ausflüge inklusive Robbenzählung an. Und keine Sorge, da wird einem nicht so schnell schlecht! ;) Für mehr Infos klickt diesen Link

Weitere Hinweise findet ihr hier: Kegelrobben in der Ostsee

 

 

 

Verwendete Quellen:

http://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/kegelrobbe/ostsee-kegelrobbe/

Wissen aus dem WWF Ostseebüro :)

 

Bild Kegelrobbe: © Wild Wonders of Europe /Laurent Geslin / WWF, http://www.wwf.de/fotostrecke/ostsee-die-kegelrobbe-kehrt-zurueck/

Bild Schoritzer Wiek, WWF-Boot und dick eingepackte FÖJlerin: eigene Fotos

 

 

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Kommentare (9)
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22.02.2016
verbundene hat geschrieben:
Der Bericht ist richtig schön zu lesen. Ich finde auch die Idee mit dem FÖJ super! Ich wusste garnicht, dass es sowas gibt. Für mich ist das auch eine echte Option, denn vielleicht werde ich etwas auf meinen Studienplatz warten müssen (möchte Medizin studieren) und da bietet sich soetwas echt an. Hast du dich denn für dieses Jahr dort ganz normal beworben?
LG
17.02.2016
Ronja96 hat geschrieben:
Vielen Dank für deinen tollen Bericht. Da bekommt man richtig Lust mal wieder ans Meer zu fahren. =)
15.02.2016
fraufuchs hat geschrieben:
Danke für all eure lieben Kommentare! :))
15.02.2016
KikiFi hat geschrieben:
Das WWF-Jugendcamp auf der Lovis hat mich letzten Sommer auch in den Greifswalder Bodden geführt, ist echt schön da! Kegelrobben haben wir leider nicht gesehen...echt toll, dass du dich mit einem FÖJ für den Schutz der Meerestiere einsetzt!
14.02.2016
HelptheWorld hat geschrieben:
Das ist ja toll. Schön dass du dich dafür einsetzt. Weiter so! Hat mir richtig gut gefallen.
13.02.2016
RichardParker hat geschrieben:
Klingt echt super, ich finde es auch echt cool, dass du so vielfältig beschäftigt bist, da bekommt man bestimmt super gut einen Einblick :)

Ich wünsche dir noch ganz viel Spaß!
13.02.2016
Hummelelfe hat geschrieben:
Vielen Dank für deinen FÖJ-Bericht. Ich will das FÖJ auch machen.
Danke für den Einblick :)
13.02.2016
midori hat geschrieben:
Kann mich Anne nur anschließen! Ein sehr schöner Einblick in eine absolut wichtige Tätigkeit. Toll, dass Du das machst! :o)
13.02.2016
Cookie hat geschrieben:
Danke für diesen interessanten Bericht, es hat richtig Spaß gemacht, ihn zu lesen! :)
Ich wünsche dir noch eine tolle Zeit beim WWF und freu mich auf weitere Berichte!
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