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Mein FÖJ beim WWF - Interview


von Cosima
17.11.2015
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„Ich zieh also wirklich nach Berlin“Dieser Gedanke kreiste in meinem Kopf nach vielen Monaten, in denen die große Frage, „Was kommt nach dem Abi?“ , meine Smalltalkgespräche füllte und nächtliches Bettwälzen verursachte.

Mit Sack und Beutel habe ich letztes Jahr im September mein Freiwilliges Ökologisches Jahr, FÖJ, in Berlin beim WWF Deutschland begonnen.

Es ist viel passiert und das Jahr war eine große Bereicherung. Doch was interessiert euch? Ich habe meine Freundin Lena gebeten, ein Interview mit mir zu führen. Also nehme ich euch mit in einen kleinen Ausschnitt meines Jahres in Berlin.

Lena: Es gibt unzählige Möglichkeiten, die einem nach dem Abitur offen stehen. Warum hast du dich für ein FÖJ entschieden? Welche Erwartungen und Hoffnungen gingen damit einher?


Cosima: Es hat lange gedauert, bis ich wirklich herraus gefunden hatte, was ich will. Ich wollte aktiv werden, mich engagieren, mich mit den Themen auseinandersetzten, die mich interessieren und vor allem wollte ich von einer Konsumhaltung, die man als Schüler/in einnimmt, weg kommen. Selber was machen, das war mir wichtig. Außerdem wollte ich gerne ausziehen und eine neue Stadt kennen lernen.
Ich war schon vorher aktiv in der WWF Jugend und habe auch selber beim 2°Campus mitgemacht. Da lag dann das FÖJ beim WWF mit dem Bonus Berlin nahe.

Lena: Wurden deine Erwartungen erfüllt?

Cosima: Lautes JA! Alles was ich wollte, konnte ich ausleben. Ich habe so viele Erfahrungen gemacht, das hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Um die Struktur des FÖJ nochmal zu erläutern: Jedes Bundesland hat einen oder mehrere Träger, die das FÖJ organisieren. In Berlin sind das die SNB - Stiftung Naturschutz Berlin ( bei der ich war), JAO – Jugend Aufbau Ost und VJF –Vereinigung Junger Freiwilliger. Diese Träger betreuen die FÖJler/innen und teilen auch die Einsatzstellen zu. Meine Einsatzstelle war das Bildungsteam des WWF Deutschland. Doch es gibt sehr viele Bereiche, z.B. in der Landwirtschaft, in der Umweltanalytik, in der Landschaftsplanung, in der Pädagogik oder natürlich bei anderen NGOs. Neben der Arbeit in der Einsatzstelle, gibt es 25 Seminartage, über das Jahr verteilt. Diese verbrachten wir in einer festen FÖJ-Gruppe, die anfangs eingeteilt wurde. Wir hatten 5 Einzeltage und 4 einwöchige Fahrten.
Vor allem meine FÖJ Gruppe hat mein Jahr nochmal schöner gemacht.

Lena: Am 1. September ging es für dich los. Anstatt Schule nun eine 38 Stunden Woche Arbeit. Das ist eine große Umstellung. Wie lief ein Arbeitstag bei dir ab und was waren deine Aufgaben?

Cosima: Viel Abwechslung. Das war es was mich auch so begeistert hat. Ich konnte in alle Bereiche der Bildung mal reinschauen und mithelfen. Die ersten Wochen war ich vor allem mit dem 2°Campus beschäftigt. Da stand nämlich gerade der 3te Block und die Abschlussveranstaltung an und natürlich die neue Bewerbungsphase. Genau wie jetzt! Da ich selber beim 2°Campus teilgenommen habe, war es für mich besonders spannend, auch mal hinter die Kulissen schauen zu können. Mitte Oktober kam dann unsere neue Kollegin Tina zu uns, die für die Onlinevorlesung „Klimawandel und seine Folgen“, zuständig ist. Ein ganz neues Feld. Da wurde Unterstützung gebraucht und so konnte ich das ganze Jahr über bei dem Projekt dabei sein. Letzte Woche hat die Vorlesung angefangen und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Also schaut mal rein! Denn informiert, diskutiert es sich besser. Ganz konkret habe ich Workshops und Meetings, vor-und nachbereitet und auch daran teilgenommen. Protokolle geschrieben, Evaluationen dokumentiert, Artikel für die WWF Jugend geschrieben. Doch auch kleinere Dinge, wie Einladungen und Infomaterial verschicken, gehörten dazu. Besondere Highlights waren zum Beispiel ein Drehtermin für die Onlinevorlesung in Hamburg oder der Essensretterbrunch.


Lena: Jede/r FÖJler/in soll die Möglichkeit bekommen, auch ein eigenes Projekt oder eine Idee während des Jahres umzusetzten. Was war das für dich?

Cosima: Ich durfte den Girl’s Day 2014 beim WWF gestalten. Zum Glück konnte ich mich am Konzept des vorherigen Jahres orientieren. Für 20 Mädels haben wir die Türen geöffnet und ihnen den WWF vorgestellt. Anais (die FÖJler aus dem KiJu- und Internetteam) hat mich dabei unterstützt. Wir haben einen Workshop zu Ernährung gemacht und Astrid, aus dem Bildungsteam, hat mit den Mädchen zwei Stunden draußen zum Thema Natur verbindet verbracht. Die Vorbereitung und Durchführung waren total super und hat sehr viel Spaß gemacht. Besonders schön war für mich auch das Vertrauen, dass mir vom Bildungsteam entgegen gebracht wurde.

Lena: Wow, das ist eine ganze Menge. Was hat dir am meisten Spaß gemacht?


Cosima: Ganz klar, die Abwechslung. So viele neue Sachen ausprobieren zu können war toll. Doch besonders toll fand ich die Workshops zur Onlinevorlesung. Dort haben wir über das Konzept, die Inhalte und Umsetzung gesprochen. Das war immer sehr interessant und ich konnte auch meine Ideen einbringen.

Lena: In jedem Bundesland gibt es auch eine Sprecher/innen Gruppe, die sich aus je zwei Leuten aus den einzelnen Seminargruppen zusammen setzt. Du warst auch eine FÖJ Sprecherin. Was waren dort deine Aufgaben?

Cosima: Das Sprecherinnenamt hat mein Jahr nochmal um einiges gesteigert. Als Sprechergruppe hatten wir Ende Oktober ein Wochenende zusammen, in dem wir uns kennen lernen konnten und gemeinsam Projekte für das Jahr planen. Dabei kamen drei große Aktionen raus: Einmal eine FÖJ Party, für alle FÖJler/innen aus Berlin. Was immerhin 300 sind. Das war ein voller Erfolg. Wir hatten ein Mitbringbuffet, DJs, und gute Stimmung. Den Eintritt von je 2 € wurde für weitere Aktionen verwendet. Einen politischen Hintergrund hatte unsere Postkarten-Aktion. Wir haben Postkarten mit dem neu designten FÖJ Logo drucken lassen. Dann hatte jede/r Föjler/in, die Möglichkeit darauf zu schreiben, was ihm/ihr das FÖJ bedeutet, was er/sie erlebt hat oder was eine/n sonst beschäftigt im FÖJ. Diese Karten wurden dann an Politiker/innen geschickt, die mit dem FÖJ zutun haben und vor allem auch die Finanzierung des FÖJs sicher stellen.
Unsere größte Aktion war der Umsonstmarkt. Dies war eine Art Flohmarkt, bei dem Klamotten, Bücher, Spielsachen uvw. gegeben und genommen werden konnten ohne Geld. Außerdem hatten wir einige Impulsvorträge, ein paar Infotafeln und einen Tisch, um sich einen Beutel zu bemalen. Auch diese Aktion war ein großer Erfolg und hat unglaublich viel Spaß gemacht.. Einen Artikel dazu findet ihr hier.

Außerdem durfte ich bei der FÖJ Einsatzstellentagung dabei sein und die FÖJler/innen vertreten. Dort wurde über die aktuelle Lage des FÖJs, die Betreueung und Motivation der FÖJler/innen sowie die weitere Finanzierung gesprochen.


Lena: Das klingt sehr vielfältig und arbeitsintensiv. Doch es gab, wie du schon erwähnt hast, auch einen Ausgleich: die Seminarfahrten. Was kannst du uns davon erzählen?

Cosima: Die Fahrten waren einfach wunderschön und intensiv! Unsere erste Fahrt hatten wir gleich in der dritten Woche auf dem abgelegenen Eichhof in Lychen. Es ging vor allem darum, uns gegenseitig kennen zu lernen und uns als Gruppe zu verstehen. Mit tollen Übungen und vor allem der Offenheit, mit der wir uns begegnet sind, waren wir nach ein paar Tagen schon eng zusammen geschweißt. Vor allem das gemeinsame Kochen fand ich schön. Ein Highlight der ersten Fahrt war der unglaubliche Sternenhimmel, den wir nach Stunden am Lagerfeuer, bewundern konnten. Doch auch die anderen Fahrten waren sehr schön. Jede/r von uns hat auch eine der weiteren Fahrten mitgestaltet. So waren alle Fahrten auch unterschiedlich und einzigartig.

Lena: Zurück zur Arbeit: Warst du mit deinen Kolleginnen und der Stimmung im Büro zufrieden?

Cosima: Auf jeden Fall. Alle waren immer sehr herzlich. Außerdem konnte ich immer Fragen stellen. Besonders toll fand ich, dass ich das Gefühl hatte wirklich nützlich und eine Unterstützung zu sein. Auch jetzt weiß ich, dass ich immer vorbei kommen kann.
Ich hab die ganze Pandafamilie sehr in mein Herz geschlossen.


Lena: Und wie sah es mit der Bezahlung aus?

Cosima: Ich hab pro Monat 355€ von der SNB bekommen, außerdem noch Kindergeld und Wohngeld. Doch meine Eltern haben mich noch finanziell unterstützt.

Lena: Würdest du ein FÖJ, generell oder beim WWF, weiter empfehlen?

Cosima: Ja! Das Jahr war einfach ganz toll für mich. Ich hab sehr viel gelernt, über Umweltthemen, aber auch über mich selbst. Außerdem habe ich so viele tolle Menschen kennen gelernt. Ich bin sehr dankbar, dass ich das machen konnte und kann nur sagen: Traut euch! Es lohnt sich sehr.

 

Lena: Wenn jetzt auch jemand Lust auf ein FÖJ hat, welche Voraussetzungen sollte man mitbringen und wie läuft die Bewerbung?

Cosima: Man braucht einen Schulabschluss und Motivation. In Berlin lockt natürlich auch die Stadt, deswegen gibt es hier viele Bewerber/innen. In anderen Bundesländern sieht es aber anders aus. Das Bewerbungsverfahren ist im ersten Moment etwas unübersichtlich, aber eigentlich simpel. Zuerst bewirbt man sich bei dem Träger. In meinem Fall der SNB. Da reicht ein Zeugnis, ein Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und eine Präferenz der Einsatzstellen. Anschließend wird man zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Wenn auch das klappt, bekommt man eine Einsatzstelle empfohlen und nun hat man dort noch ein Bewerbungsgespräch und manchmal auch Probearbeit. Sollte es dann von beiden Seiten aus passen, heißt es: Auf in ein super Jahr!

Lena: Danke, für das Interview. Jetzt nur noch eine Frage: Wie geht es bei dir weiter?

Cosima: Ich war im Oktober einen Monat in Spanien für einen Sprachkurs und ab Januar werde ich mit einer Freundin, die ich im FÖJ kennen gelernt habe, in Zentralamerika für 5 Monate herrumreisen.

Lena: Da wünsche ich dir eine schöne Zeit!

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
23.11.2015
Ivonne hat geschrieben:
Oh wie schön!! Danke für deinen Artikel. Ach, war das toll mit dir hier zusammenzuarbeiten, liebe Cosima! Ganz liebe Grüße und einen festen Drücker aus dem WWF Büro vom ganzen Team!
18.11.2015
Anais hat geschrieben:
Das Ganze fehlt mir schon sehr. War echt eine richtig schöne Zeit mit dir. ich freu mich schon drauf dich beim Global Climate March wiederzusehen. Fühl dich gedrückt! :))
18.11.2015
Monamona hat geschrieben:
Hey Cosima, danke für das interessante Interview, es war wirklich sehr aufschlussreich. Viel Spaß in Zentralamerika! :)
18.11.2015
Marcel hat geschrieben:
Liebe Cosima, danke für das schöne Interview. Wir vermissen Dich ganz doll hier beim WWF. Aber Du wirst auf jeden Fall viele tolle neue Sachen erleben und Deinen Weg gehen - das freut uns total. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns irgendwann beim WWF wieder... ;)
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