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Kanada - mein Work and Travel Abenteuer Teil 6: Wölfe


von Franzi
11.05.2012
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Ja, auch hier in Kanada sind Wölfe ein Thema. Dabei sollte man doch eigentlich meinen, diese Tiere hätten in einem so unglaublich großen und unberühmtem Land keinerlei Probleme! Und zum größten Teil ist das auch so, denn den kanadischen Wölfen geht es deutlich besser als ihren Artgenossen in anderen Teilen der Welt. Doch genau darum sollten wir uns jetzt kümmern. Damit das auch für die nächsten Jahrzehnte so bleibt!

Wir waren heute im „Northern Lights Wildlife Wolf Centre“ hier in der Nähe von Golden, BC. Dieses Zentrum, 1998 von den zwei Wolfliebhabern Casey und Shelley Black gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen über Wölfe aufzuklären und die Tiere damit zu schützen. Zur Zeit leben 6 Wölfe in dem Zentrum, alle wurden bereits in Gefangenschaft geboren und können deswegen nicht wieder ausgewildert werden. Das Zentrum züchtet keine Wölfe, sondern nimmt Tiere von anderen Stationen, wie z.B. Zoos, auf, wenn diese dort nicht mehr leben können. Dadurch dass die Tiere von Geburt an mit Menschen in Kontakt sind, bedeutet es für sie keinen Stress mit ihnen zusammenzuleben. Casey und Shelley sind selbst Teil ihres Rudels und nehmen dort die Rolle der Alphatiere ein.

Mitarbeiter des Zentrums besuchen regelmäßig Schulen und andere Bildungseinrichtungen um die Menschen über das Verhalten und den Charakter von Wölfen aufzuklären und ihnen den Schrecken zu nehmen. Denn obwohl Wölfe in Filmen und Literatur oft als das Böse dargestellt werden, haben sie im Grunde mehr Angst vor Menschen als wir vor ihnen.

In dem halbstündigen Vortrag heute habe ich viel Neues über Wölfe gelernt! Zum Beispiel dass sie ausgezeichnete Läufer sind und am Tag Strecken von bis 80km zurücklegen können, dass sie bei der Jagd Spitzengeschwindigkeiten von über 65kmh erreichen können und dass die Tiere im Schnitt nur einmal pro Woche etwas zu fressen brauchen. Wenn sie jagen, tun sie das zumeist in Rudeln und versuchen möglichst große Tiere, wie hier z.B. Elche und Caribous zu erlegen. Waren sie einmal erfolgreich bei der Jagd können ausgewachsene Tiere bis zu 1/3 ihres Körpergewichts auf einmal fressen. Außerdem sind sie sehr kontakfreudig und haben ein ausgekügeltes Kommunikationssystem untereinander. 

Dennoch sind Wölfe auch hier in Kanada großen Gefahren ausgesetzt. Da sie nicht unter Naturschutz stehen dürfen sie von jedem gejagt und verfolgt werden. In den Nationalparks ist dies zwar verboten, aber aufgrund des hohen Touristenandrangs besonders hier in den Rocky Mountains müssen die Tiere immer wieder in Randgebiete ausweichen und sind Jägern somit hilflos ausgeliefert. Sogenannte „Buffer Zones“ um die Parks, in welchen die Tiere ebenfalls noch geschützt sind, werden von dem Zentrum gefordert.

Die Regierung von BC und Alberta fördert zudem Programme, in denen wildlebende Wölfe entweder erschossen oder kastriert werden, um eine gefährdete Caribou-Art zu schützen. Die Wölfe sind in diesem Fall jedoch nur die Sündenböcke, da das eigentliche Problem der Caribous im Lebensraumverlust besteht. Immer größere Waldflächen werden auch hier gerodet und Populationen dadurch vertrieben und voneinander getrennt.

Das Wolf Centre versucht dagegen vorzugehen. Denn Wölfe sind eine Schlüsselart in ihrem Lebensraum. Durch ihr gezieltes Erlegen kranker und alter Tiere stärken sie auch die Populationen ihrer Beuteart und durch ihre „Leftovers“ haben wiederum andere Tiere Nahrung.
Besonders anschaulich fand ich in dem Zusammenhang die Geschichte des Yellowstone Nationalparks, des ältesten amerikanischen Nationalparks.
Dort wurden in den 1920er Jahren alle Wölfe erlegt, da man aufgrund der Touristen nur noch Elche und Wild im Park haben wollte.
Doch durch das Verschwinden der Wölfe geriet jedoch das ganze Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Elche und Caribous nahmen Überhand und fraßen über Jahre hinweg viel mehr grüne Triebe und Wurzeln weg, als nachwachsen konnten. Aufrundessen wurde der Baumbestand immer kleiner und Tierarten wie der Bieber verschwanden völlig. Der Park hatte sich vollkommen verändert. Als man das in den 90-er begriff wurden Wölfe wiedereingeführt und seitdem befindet sich der Park auf dem Weg der Genesung!

Natürlich sind Wölfe nicht ungefährlich, aber auch hier gilt wiedermal das Prinzip: lassen wir sie ungestört leben, werden sie uns auch nichts tun.
Hier in Kanada gibt es die inzwischen leider seltende Möglichkeit einer Tierart zu helfen, BEVOR sie kurz vor dem Aussterben steht, und das finde ich wirklich fantastisch :)

Für mehr Informationen und auch Petitionen zum Unterzeichnet, hier die Website des „Northern Lights Wolf Centre“

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Kommentare (4)
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13.05.2012
LaLoba hat geschrieben:
Wie schön mal etwas über die Wölfe in Kanada zu hören! Das muss ja wirklich ein interessanter Vortrag gewesen sein. Die Wölfe zu töten, um die Caribous zu schützen ist ja wohl mal Schwachsinn. Wölfe sind viel zu klug, um ihre eigene Nahrung auszurotten, sowas machen nur Menschen! Das Beispiel mit dem Yellowstone NP find ich ja klasse, davon wusste ich noch gar nichts! Hoffentlich nehmen sich die Kanadier daran ein Beispiel und schützen die Wölfe wieder mehr.
13.05.2012
Franzi hat geschrieben:
Naja, es ist ja oft so, dass die Regierung Entscheidungen trifft mit denen Natur- und Tierschützer nicht ganz einverstanden sind, das kommt denke ich in jedem Land vor.
Umso besser wenn es dann engagierte Menschen gibt, die dagegen etwas unternehmen! :)
12.05.2012
Sandsturm hat geschrieben:
Man sieht mal wieder, wie das in einem Land ein Gegensatz sein kann. Einerseits die Regierung, die Wölfe zu Sündenböcken macht, andererseits z.B. dieses Wolf Centre.
12.05.2012
Franzichen hat geschrieben:
muss echt schön gewesen sein!
ich würde so was auch gerne machen...
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