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Geoökologie - ein Studium für die Umwelt?


von Sarah25
28.06.2016
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Geoökologie?! – Was ist denn das? Das ist die häufigste Frage, die folgt, wenn ich Leuten erzähle, was ich studiere. In der Tat, es ist ein komisches Wort: Geoökologie. Auch ich wusste nichts mit diesem Begriff anzufangen, als ich ihn das erste Mal auf der Webseite der Universität Tübingen las. Also fragte ich Wikipedia und erhielt folgende Antwort:

„Geoökologie ist eine Teildisziplin der Umweltwissenschaft und der Geowissenschaften. Der Begriff Geoökologie wird von diesen beiden Disziplinen mit deutlich unterschiedlicher Schwerpunktsetzung verwendet. Im Zentrum der Geoökologie steht die Betrachtung natürlicher Umweltsysteme und ihre Beeinflussung durch den Menschen.“

Verstanden hatte ich den Begriff dadurch noch nicht. Aber eigentlich ist der Begriff auch nicht das Wichtige in diesem Bericht, denn es geht ja um den Studiengang Geoökologie. Der lässt sich sowieso besser an dem Inhalt erklären. Ich möchte euch diesen Studiengang aus meiner Perspektive näher vorstellen, da viele in der WWF-Jugend früher oder später vor der Entscheidung stehen, was mache ich nach der Schule?

Um einen Überblick über einen Studiengang zu erhalten schaut man sich am besten den Modulplan an. Dort sind alle Fächer erwähnt, die während des Studiums belegt werden müssen. Noch präzisere Informationen zu jedem Modul finden sich im Modulhandbuch. Ein Blick hinein lohnt sich! Oft wird durch Modultitel wie „Dynamik der Erde“ oder „Mathematik“ nicht direkt klar, um was es in dem Modul wirklich geht.

              Modulplan Bachelor Geoökologie Universität Tübingen

Geoökologie ist ein naturwissenschaftlicher Studiengang, d.h. es wird vor allem an Themen aus den Fächern Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Geographie der Schule angeknüpft. Wenn du in der Schule schon Geschichte, Wirtschaft oder Sprachen präferiert hast, ist Geoökologie als Studiengang wahrscheinlich nicht das Richtige für dich. Allerdings muss Mathematik auch nicht dein Lieblingsfach gewesen sein, damit du ein Geoökologiestudium beginnen kannst.

In den ersten zwei Semestern geht es vor allem um Grundlagen im Bereich Geowissenschaften, Mathematik, Physik, Chemie und Biologie. Zum Beispiel gibt es im ersten Semester ein Gesteinsbestimmungskurs, nach dem jeder 50 verschiedene Gesteine bestimmten kann – oder auch nicht ;) Im dritten und vierten Semester werden Themen durch „Grundwasserhydrologie“,„Klimatologie“, „Ökologie und Biodiversität“ und ähnliches weiter vertieft. Das fünfte Semester besteht ausschließlich aus Wahlpflichtmodulen, das gibt den Studierenden die Möglichkeit, Module ihres Interessengebietes zu belegen. Außerdem ist das fünfte Semester gut geeignet, um im Ausland zu studieren. Das sechste Semester besteht hauptsächlich aus der Bachelorprüfung, in der Wissen aus dem gesamten Studium abgefragt wird, und der Bachelorarbeit.

Ein Pflichtpraktikum mit einer Länge von mindestens sechs Wochen ist auch Teil des Studiums. Dieses kann in einer Forschungseinrichtung, einer Behörde, einem Unternehmen oder ähnlichem während der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden.

                                     Ausheben eines Bodenprofils

Wie finde ich nun heraus, ob das Studium zu mir passt?

Ich habe mir sämtliche Studiengänge auf den Webseiten von Universitäten angeschaut und die Modulpläne und Modulhandbücher durchstöbert. Dadurch habe ich meine Auswahl eingeschränkt und dann Leute gesucht, die die ausgwählten Studiengänge studieren und sie gefragt, wie es ihnen gefällt. Behaltet jedoch im Hinterkopf: Es gibt zweifelsfrei mehr als eine richtige Entscheidung bei der Studiengangwahl! Und wenn es doch die falsche war, gibt es immer noch die Möglichkeit den Studiengang zu wechseln.

Was ist besonders am Bachelorstudiengang Geoökologie?

Für mich sind es definitiv die vielen Geländetage! Also Tage, an denen man nicht im Hörsaal sitzt und stundenlang einem Dozenten zu hören muss, sondern draußen ist und sich den gelernten Stoff in der Praxis anschaut. Ein wichtiger Teil davon ist das „Geoökologische Geländepraktikum“. Zehn Tage auf einer Hütte in Österreich, aber natürlich nicht zum Vergnügen. Während der Zeit wird die Umgebung kartiert, d.h. es werden die vorkommenden geologischen Schichten und die Vegetation festgehalten und auf einer Karte eingezeichnet. Aber natürlich bleibt auch Zeit für Lagerfeuer und Gitarrenmusik. Zusätzlich zu diesem großen Geländepraktikum gibt es in mehreren Modulen Geländetage. So analysierten wir dieses Semester einen Tag lang ein Bodenprofil im Wald, besuchten eine Kläranlage und nahmen Proben eines Flusses zur Analyse im Labor. Trotzdem findet der Großteil des Studiums natürlich in der Universität statt.

Zudem ist Geoökologie an der Universität Tübingen ein sehr kleiner Studiengang. Jedes Jahr gibt es ungefähr 20 Studienanfänger. Das schafft eine familiäre Atmosphäre innerhalb des Studiengangs, auch wenn die Module oft zusammen mit anderen Studiengänge, vor allem Biologie, Umweltnaturwissenschaften, Geowissenschaften und Geographie belegt werden.

Und wie sieht es mit dem Studentenleben aus?

Leider ist Studentenleben nicht unbedingt das, was aus Klischees bekannt ist. Das Studium beansprucht viel Zeit. Es ist schließlich auch der „Job“ eines Studenten, zu studieren. Besonders Geländetage sind oft am Samstag und um Chemiepraktika in der vorlesungsfreien Zeit kommt auch keiner herum. Wie in allen Studiengängen gibt es stressige Phasen und vor allem in der ersten zwei Semestern, ist Überforderung nicht unüblich.

Trotzdem bin ich sehr glücklich mit meiner Studiengangwahl! Es ist schön, auf die Frage „Und gefällt dir dein Studium“ mit einem Grinsen auf dem Gesicht und einem überzeugten „Ja!“ antworten zu können.

Den Studiengang Geoökologie gibt es neben der Universität Tübingen auch in Karlsruhe, Bayreuth, Freiberg und Potsdam. Sehr ähnlich ist auch der Studiengang Umweltwissenschaften bzw. Umweltnaturwissenschaften. Vielleicht gibt es in der WWF Jugend jemanden, der das studiert und darüber mehr berichten kann? Oder einen anderen Studiengang studiert, der einen Bezug zum Umweltschutz hat? Ich würde mich freuen von euch zu hören!

Falls ihr irgendwelche Fragen bezüglich Geoökologie habt, könnt ihr mir gerne schreiben! :)

Und wenn ihr an der Fülle von Studiengängen zu verzweifeln beginnt, vergesst nicht: „Probieren geht über Studieren!“ ;)

                                 Geländepraktikum in Vorarlberg, Österreich

 

Copyright Fotos: Annett Junginger, Sarah Hanus

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
01.07.2016
anni95 hat geschrieben:
Sehr interessant!
29.06.2016
PauLine13 hat geschrieben:
Sehr interessanter Bericht ;) Hatte zuvor auch noch nie von diesem Studiengang gehört, doch ich finde, du hast den Bericht sehr übersichtlich und verständlich gestaltet. Es klingt echt toll und auch teilweise wirklich sehr praxisbezogen.
29.06.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Schöner Bericht, dadurch wird der Studiengang wirklich greifbarer. Ich gehe aber wahrscheinlich in eine physikalischere Richtung. Es warte toll, wem jemand beispielsweise über ein Physikstudium berichten könnte.
29.06.2016
Kathi.Sunflower hat geschrieben:
Das klingt nach einem wirklich tollen Studiengang!

Vielen Dank für deinen Bericht, die Fotos finde ich sehr schön und es hat Spaß gemacht zu lesen :-)
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