Deine Chance!


Mittendrin


statt nur dabei


© WWF
Erfahrungen und Erlebnisse auf dem Kattendorfer Hof


von LilliVogt
28.09.2016
2
6
56 P

Ich habe letztens ein paar Sätze zu meinem Praktikum geschriebn. In den Kommentaren stand dann ich sollte mehr erzälen. Tja dies tue ich nun. Ich bezweifel zwar das es jemand zum Ende ließt, doch wenn ihr es lest geht ihr sicher mit ganz anderen AUgen in Supermarkt und wer weiß, vielleicht habe ich euch ja sogar motiviert so etwas in der Art auch zu tun. Aufjedenfall waren diese Erfahrungen die ich in den knapp 2 Wochen erlebt habe sehr toll für. Ich erzähle euch einfach mal von meinen Tagen dort und was ich sonst noch alles so gedacht und gefühlt habe!

Es ist sehr schwer zu sagen, was ich jeden Tag gemacht habe, denn jeder Tag war ein ganz neuer. Der Hof hat sehr viel zu bieten, deshalb habe ich jeden Tag neue Aufgaben bekommen, aber ich beschreibe zunächst den groben Tagesablauf:

Morgens habe ich mich um die Zicklein gekümmert, das heißt Ausmisten, Füttern, Tränken und manchmal auf die Weide bringen. Am Wochenende habe ich auch die Muttertiere gemolken, und zwar mit der Hand. Das wurde irgendwann richtig anstrengend, da Arme und Hände es nicht gewöhnt waren zehn Ziegen zu melken. Insgesamt gab es 25 Milchziegen. Jede gab am Tag ungefähr sieben bis acht Liter Milch. Die Weide war riesig. Dort lebten die Muttertiere mit ihren frisch Geborenen zusammen. Das war sooo niedlich. Nach dem Melken nahmen wir von der frischen Ziegenmilch, die ganz viel Schaum hatte, um auf der Wiese Kaffee zu trinken. Am Abend tranken wir auch manchmal Bio Zisch auf der Ziegenweide, dabei wurde immer ganz viel gelacht und unterhalten. Das war wunderschön. Danach haben wir die Ziegen gefüttert und deren Stall gereinigt.

Anschließend gab es für alle 30 Mitarbeiter Frühstück. Danach wurde draußen auf dem Hof gesungen, aus der Bibel vorgelesen und die Arbeit für den Tag verteilt.

Einer von uns fünf bis sieben Schülerpraktikanten durfte zusammen mit einer Köchin des Hofs das Mittagessen zubereiten, das aus frischen Lebensmittel vom Hof bestand. Auch ich durfte einmal mitkochen.

Sonst war ich hauptsächlich auf den Feldern des Kattendorfer Hofes beschäftigt. Dort gab es immer etwas zu tun: Gerade war die Ernte von Zucchini, Buschbohnen, Tomaten und Lauchzwiebeln. Den Porree haben wir umgepflanzt, das heißt ihn aus dem Gewächshaus ausgegraben und ihn mit einer Pflanzmaschine, die hinter dem Trecker hergezogen wurde, auf dem Feld wieder eingepflanzt (genauere Informationen zu den Gemüsesorten und den Ernten des Kattendorfer Hofes auf Seite 14). Diese Maschine darf man sich nicht sonderlich modern vorstellen. Es waren einfach nur zwei Scheiben, die sich gedreht haben und eine Rinne in die Erde gegraben haben. So wurde der Porree in die Erde gedrückt und „automatisch“ eingepflanzt.

Die Ernte hat mir sehr viel Spaß gemacht, denn dort konnte man sehen, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat. Dabei durfte man so viel naschen, wie man wollte.

Was nicht so viel Spaß gemacht hat war Unkraut zupfen. Doch Zupfen ist eigentlich zu harmlos ausgedrückt. Eher reißen oder rausziehen, in dem man sich mit voller Wucht dagegen lehnt, denn es gab ein neues Projekt und das hieß Sojabohnen. Erst habe ich gedacht, daraus wird Soja-Milch hergestellt, doch es sollte später Ferkel-Futter werden. Alles schön und gut, wenn es nicht vier Mal so viel Unkraut wie Sojabohnen geben würde und es auch doppelt so groß wäre wie die Sojabohnen! Außerdem wollte und wollte dieses Feld nicht aufhören, denn es war riesengroß und Unkrautvernichter spritzen darf man auf Demeter- und Bio-Feldern ja nicht.

Wir mussten auch noch bei Möhren, Roter Beete und Kohlrabi Unkraut zupfen, was zum Glück aber nicht ganz so schwer war.

Nach der Feldarbeit gab es für alle Mittagessen und falls jemand Geburtstag hatte auch noch Kuchen. Mittags hatte man eine Stunde Pause. Öfter bin ich dann aus Erschöpfung eingeschlafen, was mir zu Hause nie passieren würde.

Danach ging es weiter mit der Arbeit. Oft hieß das wieder Feldarbeit, wenn man sich nicht am Morgen für etwas Anderes eingetragen hatte. Ich habe mich oft eingetragen, weil ich überall hineinschnuppern wollte. Einmal durfte ich in der Käserei zuschauen. Das war mal etwas ganz Anderes. Das Problem: Ich und meine Freundin Maxim (Praktikantin aus Süddeutschland) sollten uns für die Käserei saubere Sachen anziehen, denn dort muss es sehr hygienisch zugehen. Saubere Klamotten sind auf dem Hof aber eine Rarität! Mein Glück war, dass ich noch nicht so lange auf
dem Hof war und deshalb noch ein Outfit ohne Schlamm-Kruste finden konnte.

Maxime musste erst waschen gehen. Der Aufwand mit der Kleidung hat sich aber gelohnt, denn wir sahen wie Karotten-Gouda gemacht wurde, Feta hergestellt und Frischkäse gepresst wurde. Das Verrückte war, dass aus 1 Liter Milch nur 100g Käse wurden. Die Molke, die dabei entsteht, wurde zu den Schweinen gepumpt. Deshalb roch es bei den Schweinen immer so süß-säuerlich.

Während meiner Zeit auf dem Hof waren auch Indonesier dort. Sie haben uns gezeigt, wie Butter in ihrer Heimat gemacht wird. Das war alles noch sehr altmodisch.

Der Käser erzählte uns, dass sie die einzige kleine Käserei im Umkreis sind. In großen Käsereien werden Tonnen von Käse innerhalb weniger Stunden hergestellt. Auch in unserer Käserei gab es natürlich ein paar Maschinen, doch es wurden nur ein paar Laib Käse hergestellt und das nur einmal die Woche. Auch haben wir Butter verpackt und die reifenden Käse mit Kleber bestrichen, der durchsichtig wurde. Jeder Laib Käse wog acht Kilo und wurde je nach Art ca. 9 Monate in einem begehbaren Kühlschrank zum Reifen gelagert.

Einmal musste ich die Schweine nach Jungs und Mädchen sortieren und zusätzlich nach Größe. Dabei wurde es manchmal ziemlich wuselig. Die Ferkel liebten es, an den Schuhen zu knabbern oder das zu machen, was sie nicht sollten. Sie waren einfach nur niedlich. Dass daraus einmal Sauen oder Eber werden würden, die 550 Kilo wiegen, konnte man sich nicht wirklich vorstellen. Noch sind sie Winzlinge auf meinem Arm, die so viel wiegen wie ein Huhn, wir wir es bei uns zu Hause im Garten haben.

Nach den Aufgaben am Nachmittag musste ich wieder zu „meinen“ zugeteilten Tieren, also zu den Zicklein. Dort warteten die gleichen Aufgaben wie am Morgen. Der Stalldienst dauerte immer ungefähr zwei Stunden.

Danach gab es Abendbrot und manchmal, wenn ich nicht halbtot ins Bett gefallen bin, haben wir alle zusammen mit den Hofkindern Tischtennis gespielt oder wir Schülerpraktikanten saßen zusammen und tauschten den neusten Hof-Tratsch aus. Einmal gab während eines WM Spiels Public Viewing. Das hat viel Spaß gemacht.

Vor dem Zubettgehen unterhielt ich mich dann mit jenen Mitarbeitern, mit denen ich zusammen wohnte. Wir bewohnten zu viert ein ganzes Haus, das etwa 500 Meter vom Hof entfernt lag. Meine Mitbewohner waren alle deutlich älter als ich, so zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Eigentlich war jeder Tag auf seine Art genial. Jeder war anders, und ständig lernte ich die insgesamt rund 50 Mitarbeiter besser kennen. Ich nahm mir Zeit, die Tiere zu verstehen, schmuste mit ihnen oder sah ihnen einfach nur zu. Ich gab den Zicklein Namen und lernte über Lebensmittel so viel Neues, dass ich jetzt mit ganz anderen Augen einkaufen gehe. Auch versuche ich nun, leider nicht immer erfolgreich, meine Eltern zum Kauf von Bio-Produkten zu bewegen.

Die Belastung ist sehr stark, wie ich finde. Ich habe das sehr gemerkt, als ich eines Abend gehört habe, dass Böckchen zum Schlachter müssen. Ich war total schockiert und sah sofort Charly, Strolch und Gustav vor mir, die ich so lieb gewonnen hatte. Natürlich liebte ich die anderen Böckchen auch, doch die drei kamen immer sofort zu mir. Charly nahm ich sogar immer auf den Arm oder trug ihn in Plastikwannen zum Spaß.


Strolch war ein süßer Bock, den ich immer streichele und der dabei fast immer einschläft. Und Gustav war einfach er selbst, total lustig und anhänglich. Deshalb flehte ich fast die Bäuerin an, diese drei auf jeden Fall nicht zu schlachten. Am nächsten Morgen, als ich zum Stall kam, fehlten vier. Drei Böckchen hatte ich das Leben gerettet, aber vier mussten sterben, weil ich sie nicht ausgesucht hatte. Als ich das sah, weinte ich. Das Schlimme ist, dass ich jetzt weiß, das auch Strolch, Charly und Gustav tot sind. Die Böcke leben nur ca. vier Monate. Nur zwei, die für die Zucht sind, leben länger. Dies ist nur einer von vielen Momenten, bei dem ich gemerkt habe, dass der Job sehr belastend ist.

Es gab auch hohe körperliche Anforderungen. Zum Beispiel muss man damit klar kommen, dass dies absolut kein Bürojob ist, sondern man echt harte Arbeit leisten muss. Die Wasserkannister für die Ziegen wogen zum Beispiel 20 Kilo, und die musste man tragen. Auch darf man keine Angst vor Dreck und Mist haben. Ich war immer von oben bis unten mit Dreck voll. Meine Mutter war ziemlich verwundert, dass die Klamotten von dieser harten Kruste wieder befreit werden konnten.

Doch eigentlich darf ich mich nicht beschweren wegen den Belastungen, denn die Bauern hatten so viel mehr um die Ohren. Das Wetter zum Beispiel ist das wichtigste, denn ohne den richtigen Mix aus Sonne und Regen gedeiht nichts. Bei den Tieren dürfen keine Krankheiten ausbrechen, und die Pflanzen keine Pilze bekommen. Ein Bauer, dem der Hof mitgehört, hat manchmal noch um 1 Uhr nachts draußen gearbeitet, denn es hängt so viel von deiner Arbeit ab. Einmal gab es kein Futter für die Ziegen. Da mussten wir mit einem Rasenmäher Gras holen. Ständig muss man planen, denn es geht wirklich um Leben und Tod.

Am Anfang stand ich auch ein bisschen unter Stress weil ich Angst hatte, etwas falsch zu machen. Schließlich war ich für die Ziegen sofort allein verantwortlich. Öfter sind mir Ziegen abgehauen, da die Gitterstäbe nicht eng genug waren. Oft hatte ich dann ziemliche Panik weil ich Schiss hatte, sie würden mir auf die Straße rennen. Jeder trägt Verantwortung, denn den Tieren muss es gut gehen, und die Pflanzen dürfen nicht faulen. Sonst könnte der Hof keine Ernteanteile mehr verkaufen und würde pleite gehen.

Mit diesen ganzen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, ist mir klar geworden, was es eigentlich heißt in einen Supermarkt zu gehen und alles kaufen zu können, wie wichtig es ist Bio oder Demeter zu unterstützen und wie viel Arbeit hinter dem Gemüse, Fleisch, Käse.... steckt. An alle die so etwas interessiert, guckt euch die organisation WWOOF an. Bei dieser Organisation reist man durch die ganze Welt und arbeitet auf Bio/Demeter Höfen. Man kann  dort leben, essen und in den Familien leben. Leute die dies gemacht haben, waren voller Begeisterung und erzählten mir Geschichten über Tiere mit denen sie am Strand schwimmen waren oder wo sie auf ganz premitiven Farmen in Afrika giftige Schlangen aus den Hühnerställen hohlen mussten. Ich möchte WWOOFing aufjedenfall machen und freue mich schon sehr darauf!

 

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
02.10.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Hi Lilli,
schön, dass du weiter so aktiv bist!
Dein Praktikum hört sich echt anstrengend, aber auch richtig schön an.
Ich hätte noch drei Tipps für deine Artikel:

1. Schreibe nicht, dass du bezweifelst, dass jemand den Bericht zu Ende liest. Die erste, die von deinem Bericht überzeugt sein muss, bist du. Schreibe deine Artikel so, wie du sie selber gerne lesen würdest, dann gefallen sie auch anderen :)

2. Besonders bei langen Artikeln ist es schwierig, sich die komplette Zeit zu konzentrieren. Du machst es den Leser einfacher, wenn du wenige wichtige Textstellen dick druckst und mehr Bilder einbaust, sodass die Augen immer wieder Fixpunkte haben. Durch die Bilder kann man sich außerdem deine Arbeit besser vorstellen.

3. Oft ist es schön, wenn vieles relativ kurz beschrieben wird und dann die Highlights oder besonders bewegende Momente weiter ausgeschmückt werden. So kannst du auch besser trennen, was du gemacht hast und wie du dich dabei gefühlt hast.

Ich bin schon gespannt, bald wieder von dir zu hören,
bei Fragen kannst du dich gerne melden,
liebe Grüße,
Johanna
28.09.2016
Persephone hat geschrieben:
Danke für den Artikel! Das hat sich echt spannend angehört.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. BFD-Stelle im internationalen Tropenwaldschutz ab 1.1.17, OroVerde - die Tropenwaldstiftun... weiter lesen
WWF Portraits Teil #1
WWF Portraits Teil #1
Pandatastisches Team! Der WWF ist eine der größten Naturschutzorganisation der ... weiter lesen
Grüne Praktika und Jobs
Grüne Praktika und Jobs
1. Bundesfreiwilligendienst bei der Welttierschutzgesellschaft, Welttierschutzgesellschaft e.V.... weiter lesen
Geoökologie - ein Studium für die Umwelt?
Geoökologie - ein Studium ...
Geoökologie?! – Was ist denn das? Das ist die häufigste Frage, die folgt, wenn... weiter lesen
Reisestipendium
Reisestipendium
Liebe WWF Jugend, die Bewerbungsfrist für das ZIS-Reisestipendium läuft wieder an. ... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil