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Abi- und jetzt?


von Nesaia
16.05.2016
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Ein neuer Jahrgang hat sein Abi in der Tasche – oder schreibt zumindest bald die letzten Prüfungen. Und jetzt fängt die Zeit der großen Freiheit an. Work and Travel, ein freiwilliges Jahr oder doch gleich studieren? Die Welt steht euch offen, genießt die Zeit! Das einzige, was noch ziemlich Kopfzerbrechen bereitet, ist die Frage wie es nach dem „Zeit-genießen-und –nichts-tun“ weitergehen soll? Vielleicht kann ich euch ein bisschen inspirieren und bei der Entscheidung helfen, indem ich euch von meinem Studium erzähle.

Eine Woche Landschaftsarchitektur und -planung an der TU München
(Vertiefung Landschaftsplanung)

Vermutlich könnt ihr euch erstmal nichts darunter vorstellen. Die Kurzfassung: Nach dem Studium gestaltet und plant man Parks, Gärten oder ganze Stadtteile und Regionen, bei Bauvorhaben ist man für die Rechte der Natur verantwortlich und versucht durch Ausgleichsmaßnahmen die negativen Auswirkungen zu kompensieren und zu guter Letzt versucht man als Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und Veränderungen in der Natur zu verstehen. Aber keine Angst – man muss nicht alles machen, man darf sich spezialisieren!

Aber wie sieht das Studium jetzt genau aus? Ich erzähle euch hier aus einer Woche meines Studienalltag - meine ganz subjektive, persönliche Version. Für mehr Informationen könnt ihr die Studiengangseite  besuchen (http://landschaft.wzw.tum.de/Willkommen.2.0.html).

 

Montag
Diese Woche fängt mit einer Input-Vorlesung in der Kaffeeküche des TOEK-Lehrstuhls an. Wir sind so eine kleine Gruppe dieses Semester, da brauchen wir nicht extra einen großen Raum belegen und so ist es sowieso gemütlicher. Die Vorlesung hält Jan, einer unserer Betreuer, mit dem ich auch schon für ein Forschungsprojekt in Kenia. Es geht es um Naturschutzstrategien, Artensterben und Populationsökologie. Alles Themen die wir bei der Populationsgefährdungsanalyse, die wir  im Rahmen unseres Projekts für vier Schmetterlingsarten machen, berücksichtigen müssen.  Projekte haben wir sehr viele in unserem Studium, jedes Semester ein großes Hauptprojekt (bzw. in den ersten beiden Semestern zwei, je eins von jeder Vertiefungsrichtung) und oft noch einige kleinere.

Dienstag
Am Dienstag fahre ich zusammen mit den Erstsemestern raus ins Gelände und helfe ihnen im Rahmen meiner Tutoren-Hiwistelle (Hilfswissenschaftlicher Mitarbeiter). Heute werden Bodenfallen für Insekten ausgebracht, um etwas über ihre Aktivität und ihre Artenanzahl zu erfahren. Zusammen mit der anderen Tutorin erkläre ich worauf beim Ausbringen der Fallen geachtet werden muss und wie man ein Versuchsgebiet analysiert – was später für die Auswertung der Fallen wichtig ist, z.B. erklärt eine artenreiche Krautschicht warum in einer Fichtenmonokultur doch relativ viele Arten gefunden wurden. Um drei sind wir fertig und trinken noch ein Bier in der Plantage.

Mittwoch
Der Mittwoch beginnt mit einer Vorlesung über Renaturierungsökologie bei Professor Kollmann. Er erläutert wie Vegetationsgemeinschaften in Küstendünenökosystemen funktionieren. Aus seiner langen Zeit in Dänemark hat er viele Beispiele und Bilder mitgebracht. Wie jedes Mal hat er auch ein paar kleine Pflanzen passend zum Thema mitgebracht, die wir bestimmen. Es geht weiter mit Umweltrecht, das ist manchmal recht trocken, aber bei Beispielen aus der Praxis wird die Bedeutung klar. Die beste Vorlesung ist die letzte, „Essbare Wildpflanzen (er)kennen und nutzen". Zuerst gehen wir raus und sammeln sie, danach wird eine Suppe draus gekocht. Später können wir mit dem Wissen z.B. in der Umweltbildung Kinder für die Natur begeistern.

Donnerstag
Der nächste Tag fängt um 6 Uhr morgens mit einer Vogelexkursion an. Vögel sind im späteren Berufsleben eine wichtige Artengruppe, da sehr viele geschützt sind und dementsprechend bei Bauvorhaben berücksichtigt werden müssen. Es ist noch dunkel als wir losgehen. Die Amsel fängt an und ganz langsam kommen Rotkehlchen, Blaumeisen und Hausrotschwänze dazu. Die Sonne taucht die Rapsfelder in Gold, Kühe muhen von links. Gerade kann ich mir keinen schöneren Ort vorstellen. Bevor die erste richtige Vorlesung losgeht, haben wir noch eineinhalb Stunden, die wir mit Kaffee und Croissant im Stu-Café am Campus verbringen. Es geht weiter mit Freiraumplanung, wo wir über Windkraftanlagen diskutieren und wo sie aus ökologischen, soziologischen und ökonomischen Gründen am besten stehen sollten. In Landschaftsökologie sitzen wir im Garten am Institut und versuchen die Realität in Modellen zu beschreiben, dass ist später wichtig für Experimente die man im Labor oder mit Computermodellen macht. Solche Modelle verwendet man , wenn etwas nicht in der Realität erprobt werden kann, wie zum Beispiel wenn man herauszufinden will, wie sich der Klimawandel auf einen bestimmten Aspekt der Umwelt auswirkt. Mit Hilfe eines Computermodells kann man die verschiedenen Wirkfaktoren einbinden und dann modellieren wie sich die Veränderung des Klimas auswirkt. Für den ersten Einstieg in dieses abstrakte Thema versucht jeder einen Aspekt seines Alltags modellhaft zu beschreiben. Als nächstes haben wir zusammen mit den Biologen Einführung in die Ökologie, heute geht es um Evolution und Anpassung. Als letztes geht’s wieder in die Kaffeeküche des TOEK-Lehrstuhls. Nach einer kurzen Einführung in die Biotoptypenkartierung gehen wir raus auf`s Campusgelände. Mit Hilfe eines Kartierschlüssels, versuchen wir verschiedenen Glatthaferwiesentypen zu identifizieren. Zeigerarten sollen uns verraten, wo es besonders trocken, feucht, nährstoffarm oder –reich ist.

Freitag
Der Freitag ist immer Exkursionstag. Dieses Mal schauen wir uns das Naturschutzgebiet Garchinger Heide an. Mit dabei ist der Bodenspezialist Karsten, der Boden mit Kuchenstreuseln vergleicht und uns alle zum Lachen bringt, Herr Albrecht, unser Spezialist für Landnutzungsgeschichte und wieder Professor Kohlmann, der uns die Zusammenhänge zwischen den Bodenverhältnissen, Landnutzung und der auftretenden Vegetation zeigt. Auf dem Heimweg machen wir noch einen Abstecher zu Johann Krimmer, der auf seinem Land Wildpflanzensaatgut für Ausgleichsflächen produziert. Auf seinen Flächen findet man die seltensten Pflanzen, die man sonst kaum sieht, in seinem Kühllager riecht es wunderbar nach frischen Kräuter und lange Hochbeete mit integrierten Insektenhotels und den entsprechenden Futterpflanzen schmücken das Gelände vor der Maschinenhalle.

Ihr wollt wissen was ich in Kenia gemacht habe? Was eigentlich die Leute mit der Vertiefungsrichtung Landschaftsarchitektur treiben? Warum ich in Freising wohne, obwohl ich an der TU München studiere und warum das wunderbar ist? Was es mit dem verpflichtenden Auslandsaufenthalt auf sich hat? Oder was man den überhaupt mit dem Studium dann machen kann?

Schreibt mir, was ihr wissen wollt und der nächste Bericht mit Infos kommt bald!

Liebe Grüße und bis bald!

Marie

P.S.: Die Bewerbungsfrist für meinen Studiengang geht vom 15.5-15.7 :)!

 

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Kommentare (5)
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Sortieren nach Aktualität:
21.05.2016
BlueLikeTheSky hat geschrieben:
Super Beitrag! :) Eigentlich alle Fragen, die du am Schluss gestellt hast würden mich interessieren, besonders was du in Kenia gemacht hast und das mit dem verpflichtenden Auslandsaufenthalt :)
19.05.2016
Nesaia hat geschrieben:
Ja, das ist genau sowas :)
17.05.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Es gibt ja Gutachter, die nachher beurteilen, ob auf einer bestimmten Fläche beispielsweise eine Fabrik gebaut werden darf oder ob das der Umwelt zu sehr schadet. Kann man das mit dem Studiengang nachher werden?
16.05.2016
Nesaia hat geschrieben:
Es gibt zwei Vertiefungsrichtungen, Landschaftsarchitektur und Landschaftplanung. Nach dem zweiten Semester kann man sich für eine Entscheiden und Landschaftsplanung geht, je nach dem wie man seine Schwerpunkte setzt, in Richtung Umwelt- und Naturschutz ;)
16.05.2016
Finkenstar14 hat geschrieben:
Aber warum macht man bei dem Bereich Architektur seulche Sachen in der Natur?
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