Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Zwischen Kolhe und Stahl


von Peet
10.05.2010
3
0
100 P

Brote, Bananen, Kleingebäck, Trinken, Kamera und fertig gepackt konnte es los gehen. Einen Tag von zu Hause los ziehen, um die örtliche Umgebung und Natur zu erkunden. Von Dorsten in Nordrhein-Westfalen bis nach Haltern und von dort aus runter in die Haard, ein größeres zusammenhängendes Wald- und Naturschutzgebiet, welches im Naturpark Hohe Mark liegt und wunderbare Wanderwege parat hält.

Rucksack auf, Schuhe an und ab ging es. Das Wetter ließ nichts gutes ahnen. Der Wetterdienst prognostizierte Regen, Regen und noch mal Regen. Die Wolken zogen sich schon zusammen und der Wind schraubte die Temperatur um noch einmal gefühlte fünf Grad hinunter.
Dennoch ließen wir uns nicht abschrecken und somit begannen wir bei Kilometer Null Richtung Lippe.

Es war ein Test. Wie lange konnte man laufen, bis die Schmerzen unerträglich werden?! Wie wird die Strecke sein bzw. was werden wir zu Gesicht bekommen? Wir wollten weg von Straßen und Autobahnen, hin zur Natur. Natur im Ruhrgebiet. Das klingt sehr paradox. Das Ruhrgebiet, ein Leben zwischen Kohle und Stahl. Das typische Image dieser Region ist davon geprägt und wird in zahllosen Filmen, Bildern oder von Interpreten für die Musik genutzt. Mit seinen Arbeitervierteln, die täglich unter Tage ihren Dienst verrichten und rauchenden Schornsteinen der Hochöfen oder Kraftwerken, scheint es nicht gerade ideal für eine Wanderung in der Natur. Aber es hat sich gewandelt. Die Kohleförderung läuft aus und mit dem näher rückendem Ende der Kohle versucht auch das Ruhrgebiet eine neue Identität zu finden. Die Natur seht mittlerweile im Mittelpunkt. Die Natur als Wissenschaft und die Wissenschaft als Arbeitsmotor. Erneuerbare Energien und andere umweltfreundliche Technologien für die Zukunft des Standort Deutschlands. Die Natur als Zukunft für die unsere Kinder und die Zukunft einer Welt, die ein größeres Umweltbewusstsein mit sich bringt. Bäche, Flüsse und Kanäle sind bieten mittlerweile neue Lebensräume für eigentlich beheimatete Arten, die allerdings durch die unkontrollierte Verschmutzung ihrer Lebensräume verdrängt wurden. Die Renaturierung hat statt gefunden und wird mit Hochdruck fort geführt.
Diesem Bild wollten wir auf die Schlichte kommen. Ist das Ruhrgebiet wirklich im Wandel oder hat es sich in eine Sackgasse manövriert, in der eine Zukunft eher ungewiss ist?

altDie ersten Kilometer sind hinter uns. Wir befinden uns auf dem Lippedamm, der die angrenzenden Bewohner vor dem des öfters vorkommenden Hochwasser schützt und gleichzeitig eine Abgrenzung zwischen Naturschutzgebiet und normaler Nutzung darstellt. Denn, der Großteil des Ufers an der Lippe steht unter Naturschutz. Der Damm bietet eine wunderbare Route immer mit dem Blick auf die noch größtenteils ursprünglich daher schlängelnden Lippe. Auch vor diesem Fluss hat der Mensch vor gut einem Jahrhundert Hand angelegt. Zu Kaiserzeiten entstand der für die Region äußerst wichtige Kanal, welcher sein Wasser aus der Lippe bezieht. Zu diesem Zwecke wurde an einigen Stellen eine Begradigung der Lippe unternommen. Heute lassen nur noch einige vereinzelnd Mulden daran erinnern, wo die Lippe einst her floss.

Wir haben uns bewusst für eine Wanderroute in der Nähe der Lippe entschieden, denn diese Region wird immer öfters zur Heimat von wieder kehrenden Arten. Neben einigen Fischen in der Lippe, wie z.B. der Lachs, finden auch viele Vögel wieder Brutplätze in den angrenzenden Naturschutzgebieten, unter anderem der Storch, den wir sogar erblicken konnten. Auch angrenzende Waldstücke, die nicht wirtschaftlich genutzt werden, beherbergen wieder eine Vielzahl an Vögeln und sonstigem Wildtier. Neben dem Bussard oder dem Buntspecht, können sich etliche andere Tiere dort entwickeln. Sogar die Wiederansiedlung des Biber, der dort seit 1826 ausgestorben ist, wird derzeit diskutiert bzw. befinden sich schon Projekte in einer Phase, die die Wiedereinführung erahnen lassen.

altAber schon bald trennte sich der Blick von der Lippe. Dorsten hatten wir hinter uns gelassen und es ging quer durch Ackerland Richtung Lippramsdorf. Vereinzelnd führte uns der Wanderweg durch einzelne Waldbestände aber im Groben befanden wir uns auf älteren Pfaden. Vorbei an Lippramsdorf, durch Freiheit hindurch Richtung Berg-Bossendorf waren es rund 16 Kilometer, die wir hinter uns gelassen hatten. Halter am See war nur noch fünf Kilometer von uns entfernt aber gerade in diesen fünf Kilometern genossen wir den Wald, der uns umgab. Vorbei an riesigen Buchen und Eichen und auf einmal stand sie da. Die Autobahn. Mitten im Wald und nahe einer Jugendherberge, führte die Autobahn 43 quer über den Wanderweg. Allerdings führte dieser unter der Brücke durch, so dass wir keine extra Meter machen mussten, um eine geeignete Stelle zu finden die Autobahn zu durchqueren.
Die Autos, die an uns vorbei rauschten nahmen dem Wald seine Ruhe. Das Zwitschern von Vögeln ging im Motorenlärm unter aber glücklicherweise ließen wir diesen Teil schnell hinter uns. Nach circa einem Kilometer kamen wir anschließend an einem Restaurant vorbei, welches sich auf dem Annaberg befand, wo wir entschlossen hatten Mittag zu essen. Die besten Bratkartoffeln, die wir jemals gegessen hatten, wurden uns für gerade einmal vier Euro angeboten.

Gesättigt und gestärkt ging es dann auch schon weiter Richtung Haltern, welches auch nicht lange auf sich warten ließ. Die 25 Kilometermarke hatten wir somit hinter uns gelassen. Nun versuchten wir so schnell wie möglich in die Haard zu kommen. Zwei Kilometer weiter war es dann auch schon so weit. Wir standen direkt vor dem riesigen Wald. Wir konnten uns allerdings erstmal nicht entscheiden, welchen Wanderweg wir nehmen sollten und auch die Hilfe eines netten älteren Herren half nicht viel. Wir wollten nicht die üblichen Wege gehen, die Wege auf dem Teer, die uns früher oder später einfach zur nächsten Stadt manövrierten. Also kamen wir zu dem Entschluss, einfach mal einem alten Wanderpfad zu folgen, der wohl längere Zeit nicht genutzt wurde.

altKeine zehn Minuten später war es auch schon still um uns herum. Kein Auto war zu hören, kein Gerede anderer Menschen und das im bevölkerungsreichsten Teil Deutschlands. Nur die Vögel und ab und an ein knackender Ast. Unser Ziel war erreicht, wir hatten eine Stelle gefunden, die nicht unmittelbar an irgendeiner Straße vorbei führte oder sonst wie genutzt wurde. Immer tiefer wanderten wir in den Wald, ohne genau zu wissen in welche Richtung und mit welchem Ziel. Lediglich eine Karte von 1995, also auch nicht mehr die aktuellste, zeigte einige gekennzeichnete Wege, die wir auch ab und an mal überquerten oder als Orientierung nahmen. Vorbei an unzähligen Buchen, Eichen, Tannen, Fichten oder Birken bemerkten wir langsam die Schmerzen an den Füßen. Mittlerweile waren wir seit sechs Stunden unterwegs und hatten rund 35 Kilometer hinter uns gelassen. Wir stiegen dennoch immer wieder neue Hügel hoch, um einfach mal zu sehen, was die Natur zu bieten hat und wurden mit malerischen Ausblicken und Bildern belohnt, an denen wir ab und an eine Pause einlegten.

Allerdings wurde es langsam Abend und unsere Kräfte ließen auch langsam nach. Der Schmerz wurde nur noch ignoriert und die 40 Kilometermarke war längst geknackt. Wir machten uns auf Richtung Marl-Sinsen. Dort angekommen ließen wir ein tolles Naturschutzgebiet hinter uns und genossen erstmal ein Stück Kuchen und Kaffee. Von dort aus ging es mit dem Bus nach Hause, wo wir nach rund 50 Kilometern wandern unser zu Hause antrafen.

Das Fazit. Es sind nicht immer die weit entfernten Landschaften, die man aus dem Fernsehen oder von irgendwelchen Bildern gesehen hat und einen begeistern. Die Heimat hat einiges zu bieten, der Ort in dem man lebt hat einiges zu bieten. Selbst das Ruhrgebiet bietet Orte und Landschaften, die man so gar nicht war nimmt. Wir hatten das Gefühl Meilenweit von zu Hause entfernt zu sein und waren es doch nur wenige Kilometer, die man per Zug, Auto oder sonst was locker in einer halben Stunde erreichen könnte. Versucht es selber einmal und berichtet davon. Ihr werdet sehen, das die heimische Natur mehr zu bieten hat als man denkt.

Bilder: Von Peter Jelinek

Album dazu: http://wwf-jugend.de/community/user_album_update.php?album_id=518

Weiterempfehlen

Kommentare (3)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
11.05.2010
Peet hat geschrieben:
Die Wanderwege werden mit einem X belegt! X1 war unsere Route, allerdings sind wir ab und zu davon abgewichen und am Ende waren wir auf X16 ;). Nebenbei kann man dann noch auf die A-Wege abweichen. Das sind Wege die im Prinzip einmal im Kreis verlaufen.
Das Ganze wird vom Sauerländlischen Gebiergsverein gemacht.
11.05.2010
Taki hat geschrieben:
Gibt es eine Streckenkarte wo Du gewandert bist, möchte auch mal die Strecke begehen.
10.05.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ich weiß, wie toll das ist :-)
Schön zu wissen, dass zwischendurch doch noch unversehrte Fleckchen gibt...
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Empowering Locals - Ökotourismus am Victoriasee in Kenia
Empowering Locals - Ökotou...
  Der Victoriasee ist der zweitgrößte Süßwassersee der Welt. E... weiter lesen
Klimaschutz bei der Urlaubsplanung
Klimaschutz bei der Urlaubs...
Der Tourismus trägt 5% aller Treibhausgasemissionen zur globalen Erderwärmung bei. Dre... weiter lesen
Ergebnisse der Befragung: nachhaltige Jugendreisen
Ergebnisse der Befragung: n...
Hier sind nun endlich die Ergebnisse der Umfrage zu nachhaltigen Jugendreisen! Danke nochma... weiter lesen
Bienvenue en France! (5) - Die Kehrseite der Medaille (1)
Bienvenue en France! (5) - ...
Liebe Community, ich glaube so langsam werden wir heimisch in Frankreich! Wieder geht es in den... weiter lesen
Empowering Locals - Das SEE...
Hallo liebe Community   Ihr erinnert euch doch noch bestimmt entfernt an meinen ersten A... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil