Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Weltwärts in die Dom. Rep. - Vom Business Accelerator zur Bio-Kaffeeplantage


von LaLoba
07.05.2015
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75 P

In meinem Büro unter dem Dach sind es sicher an die dreißig Grad. Ein Wunder, dass mein Gehirn noch nicht verdampft ist. Irgendwie sind alle Ventilatoren verschwunden und ich muss mich mit dem lauen Lüftchen begnügen, das zur offenen Terrassentür hereinweht. Wenn ich mal zu sehr am Zweck des ganzen zweifel, hebe ich meinen Blick und lasse ihn nach draußen schweifen. Dann sehe ich die Palmen und den riesigen Mangobaum, denke mir „Karibik!“ und schon geht es mir wieder gut. Nur noch knapp vier Monate, dann geht mein Flieger zurück nach Deutschland. Aber vorher möchte ich noch jede Menge erledigen, denn meine Arbeit kommt gerade erst so richtig in Schwung. Was genau ich hier in der Dominikanischen Republik während meines weltwärts-Freiwilligenjahres mache, möchte ich euch in diesem Bericht erklären. Wenn ihr den letzten noch nicht gelesen habt, in dem es allgemein um die Dominikanische Republik und ein weltwärts-Jahr geht, kommt ihr hier dorthin.

Irgendwann letztes Jahr wurde ich als Freiwillige für „Fourth Water“ eingetragen. Das ist – oder besser war – eine von US-Amerikanern gegründete Organisation, die Unternehmern in Jarabacoa, in der Dominikanischen Republik, helfen möchte, erfolgreicher zu werden. Dazu möchten sie eine Reihe von Kursen entwickeln, bei denen Unternehmer über einen Zeitraum von ca. 8 Wochen mehr über Themen wie Finanzen, Kundengewinnung und Werbung lernen können. Ich sollte helfen, wo auch immer es nötig war, vor allem im Werbebereich, da ich hier etwas Erfahrung habe. So war der Plan.

Heute sitze ich zwar immer noch im selben Büro, aber Fourth Water gibt es schon lange nicht mehr. Was ist schief gelaufen? Zuallererst ist Chad, einer der zwei Gründer der Organisation, der auch mich als Freiwillige beantragt hatte, im letzten Sommer überraschend zurück in die USA gezogen. Sein Partner Dan hat versucht, alleine weiterzumachen und das bis Ende des Jahres sogar relativ erfolgreich. Ich habe ihn zum Beispiel durch das Entwerfen von Flyern und Visitenkarten unterstützt, während er einen Probekurs mit einem jungen Unternehmer absolviert hat. Dann kam der große Haken: Das Gebäude, in dem wir arbeiteten, wurde uns bis zum Ende des Jahres kostenlos zur Verfügung gestellt, aber ab Anfang Januar mussten wir entweder Miete zahlen oder raus. Da Fourth Water aber noch keinen Gewinn macht, war ersteres unmöglich und letzteres ebenfalls schwierig. Nach einem Treffen mit Chad hat Dan die schwere Entscheidung getroffen, Fourth Water hinter sich zu lassen und den Business Accelerator alleine an einem anderen Ort unter anderem Namen weiterzuführen. Für die Organisation war das mit Sicherheit eine gute Entscheidung, für mich allerdings warf sie ein großes Problem auf: Ich war jetzt quasi Freiwillige für ein leer stehendes Gebäude, dem einzigen Überbleibsel von Fourth Water.

Anfang Januar musste Fourth Water aus diesem Gebäude ausziehen. Ich nutze die Büroräume und das schnelle Internet aber weiterhin für meine Arbeit.

Der Business Accelerator war nicht Chads einziges Projekt in Jarabacoa. Er war hier sehr engagiert und hat neben seiner eigenen Baufirma auch eine Privatschule auf amerikanischem Niveau aufgebaut und eine eigene Kaffeeplantage gekauft. Die letzten Jahre war es demnach auch so, dass die weltwärts-Freiwilligen entweder für die Doulos Discovery Schule oder die Spirit Mountain Kaffeeplantage gearbeitet haben. Da alle Unternehmen und Organisationen von Chad sehr eng verknüpft sind, habe ich von Anfang an auch Aufgaben für Spirit Mountain übernommen, ein Projekt, das mich sehr interessiert.

Der Eingangsbereich der Spirit Mountain Kaffeeplantage.

Die Kaffeeplantage ist mit mehreren Bio- und Fairtrade-Siegeln ausgezeichnet und bietet auch ein Ökotourismus-Programm an. Allerdings stagniert gerade der letzte Teil im Moment ein wenig, seit Chad in die USA zurückgekehrt ist. Bis vor kurzem hatte die Kaffeeplantage ihre eigene kleine Kaffeerösterei auf dem Gelände von Fourth Water. Da der Mann, der dort den Kaffee geröstet hat, ebenfalls im Oktober in die USA zurückgezogen ist, habe ich kurzerhand das Kaffeerösten übernommen. Die Arbeit mit der von Chad selbst gebauten Kaffeeröstmaschine ist sehr interessant. In modernen Röstereien wird das Rösten meisten über die Temperatur im Inneren der Maschine überprüft und so kann ganz genau die Farbe und der Röstgrad der Kaffeebohne kontrolliert werden. Je nachdem wie lange und wie heiß die Kaffeebohnen geröstet werden, schmeckt der Kaffee am Schluss bitterer oder hat mehr oder weniger Koffein. Da unsere Maschine aber nicht so professionell ist, musste ich selbst sehen, riechen und hören, ob die Bohnen schon genug geröstet wurden oder noch länger drin bleiben müssen. Das kann sehr schwierig zu beurteilen sein. Wenn man nur eine Sekunde zu lange zögert, hat man plötzlich einen Dark Roast anstatt einem Medium Roast. Aber mit der Zeit konnte ich es immer besser einschätzen und solche Missgeschicke verhindern. Was mich bei der Arbeit mit der Röstmaschine nicht ganz zufrieden stellte, war dass sie auch jeder Dominikaner hätte übernehmen können. Und ich bin schließlich nicht hier, um einem Dominikaner eine Arbeitsstelle wegzunehmen ...

Frisch gerösteter Kaffee ...

Anfang des Jahres war das Kaffeerösten meine Hauptaufgabe. Dann ging die Röstmaschine kaputt und typisch dominikanisch dauerte es ewig, bis sie wieder repariert wurde. Dann ging sie noch mal kaputt und jetzt ist sie es immer noch. Es wurde also ganz dringend Zeit für neue Aufgaben. Da ist bei so einem weltwärts-Freiwilligenjahr, jedenfalls hier in der Dominikanischen Republik, sehr viel Eigeninitiative gefragt. Viele der Partnerorganisationen wissen selbst nicht so recht, was sie mit ihren Freiwilligen anfangen sollen. Man ist nur erst mal froh, jemanden da zu haben. Es gibt aber immer Arbeit, man muss sie nur finden. Ich habe da das große Glück, dass ich mit Amerikanern zusammen arbeite. Die sind immer bemüht, mir Arbeit zu geben und kennen sich mit Freiwilligen aus, da sie häufig selbst so in die Dominikanische Republik gekommen sind. Meine momentan einzige Mitarbeiterin ist Jennie, die freiwillig ein Umweltbildungsprogramm für die Spirit Mountain Kaffeeplantage entwirft. Dafür helfe ich ihr, Informationen aus dem Internet zusammenzusammeln und mehrere Broschüren zu entwerfen.

Eines meiner eigenen Projekte ist ein Video über Spirit Mountain, für das ich mehrere Interviews geführt und eine Nacht auf der Plantage verbracht habe. Außerdem arbeite ich mit einer amerikanischen Peace Corps Freiwilligen zusammen, die in dem Dorf unterhalb der Plantage arbeitet. Dort hilft sie bei der Fertigstellung der Angostura Eco Lodge, einem Ökotourismus-Hotel, und hilft in der Dorfschule aus. Zusammen haben wir einige Wandbemal-Aktionen mit Kindern durchgeführt und planen jetzt einen Kunstkurs für die Schule.

Ein Malprojekt an der Dorfschule mit Schülern und einer Gruppe von amerikanischen Freiwilligen.

Das klingt jetzt vielleicht nach viel Arbeit, aber das meiste davon hat sich wirklich erst in den letzten Wochen entwickelt. Besonders genieße ich immer die Mittwoche, weil ich da mit Jennie zur Kaffeeplantage herausfahre und dort Projekte verwirkliche. Im Moment sind das zum Beispiel das Bemalen von Schildern oder Filmmaterial sammeln für mein Video. So oder so haben wir aber immer etwas Zeit, über die Kaffeeplantage zu streifen, die besonders jetzt im Frühling ein wahres Naturparadies ist. Da es im Winter ungewöhnlich viel geregnet hat, werden die Kaffeefrüchte erst jetzt langsam rot und damit reif zum Ernten. Viele Pflanzen sind voll mit Blüten und duften herrlich. Da der Kaffee biologisch angebaut wird, gibt es viele schattenspendende Bäume, darunter einige endemische, aber zum Beispiel auch Macadamianuss-Bäume, Orangenbäume und Bananenpalmen. Außerdem gibt es mehrere Quellen von Gebirgsbächen, die neben einigen Teichen auch das darunter liegende Dorf mit Wasser versorgen. So ist die Plantage ein Paradies für Vögel und beherbergt auch hier einige, die nur auf der Insel vorkommen.

Kaffeepflanzen mit erntereifen Kaffeefrüchten. In jeder Frucht befinden sich zwei Kaffeebohnen.

Ich finde mein Projekt weiterhin spannend und sehe vieles, an dem ich arbeiten kann. Bei einigem ist die Umsetzung hier in der Dominikanischen Republik etwas schwierig, aber ich hoffe, dass ich bis zu meiner Ausreise im August trotzdem noch einiges schaffen kann. So viel erst mal zu meiner Arbeit. Ich möchte in einem anderen Bericht noch auf Klimawandel und Energiewende in der Dominikanischen Republik eingehen, bin mir aber noch nicht ganz sicher, wann ich das schaffe. Aber ihr werdet es ja sehen, wenn er online kommt ;-) Bis dahin ganz liebe Grüße aus der Karibik!

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Kommentare (1)
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07.05.2015
Cookie hat geschrieben:
Wow, das ist total spannend und ich bin richtig beeindruckt davon, wie du dich nicht davon hast abschrecken lassen, was alles so unerwartet schief gelaufen ist und so viele neue interessante Projekte gefunden hast. Wie du die Plantage beschreibst, klingt traumhaft, und wenn ich deinen Bericht lese, kann ich den frisch gerösteten Kaffee fast schon selbst riechen. Ich wünsche dir noch eine tolle Zeit und bin gespannt auf deine weiteren Berichte! Ganz liebe Grüße aus England
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