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Was wir von der Natur lernen können (1/4) - Geduld


von Zerschmetterling
02.06.2014
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Wer kennt die folgende Aussage: „Die Welt wird immer schneller.“ nicht?! Wir Menschen hetzten dem mitunter fragwürdigen Fortschritt hinterher, setzen uns unter Leistungsdruck und erlauben uns selten eine Auszeit. Immer muss Aktion sein, immer was getan werden – man möchte ja nicht als faul gelten. Der Terminkalender ist voll, man selbst wird immer leerer. Burnourt ist das neue Schnupfen. Gesund ist das nicht. Das können wir alle sehen und bemerken. Dennoch fällt es uns so schwer, einen Gang runter zu schalten.
Das Essen wird im stehen verzehrt, der Kaffee den Rachen hinunter gekippt, auf dass er seine Wirkung entfalten möge, und der Genuss hinter einer Mahlzeit, oder einem aromatischen Getränk, wird nicht mehr wahrgenommen, nicht mehr zelebriert.
Hektik bestimmt das Leben.
Es scheint mir, als säßen wir in einem Karussell, welches sich immer schneller dreht und uns schwindelig werden lässt, unseren Fixpunkt aus den Augen verlieren lässt und uns über unsere eigenen Füße stolpern lässt.

Zeit bestimmt unsere Welt. Doch irgendwie rinnt sie uns immer durch die Finger, anstatt dass wir sie uns nehmen. Auch drängeln wir nicht nur in einer Warteschlange oder auf der Fahrbahn, sondern sind ebenso ungeduldig mit uns selber. Wenn wir etwas lernen wollen, wie beispielsweise eine neue Sprache, oder ein neues Instrument, kann uns der Lernprozess bisweilen ziemlich zäh vorkommen. Die Grammatik ist einfach zu kompliziert und wir sind sauer und schmeißen das Buch in die Ecke. Und wenn wir Gitarre erlernen wollen, wollen wir am liebsten die Finger- und Akkordübungen überspringen und gleich zu unseren Lieblingsliedern wechseln. Aber von heute auf morgen werden wird die Sprache, oder das Instrument, nicht beherrschen.
Das ist einfach so. Da ist dann mal ein wenig (oder ein Stückchen mehr) Ausdauer gefragt. Und eben Geduld.

Am Anfang habe ich auch vom teilweise fragwürdigen Fortschritt geschrieben. Menschen wollen alles immer besser, immer höher, immer teurer, immer geiler und immer effektiver. Wann sind wir zufrieden mit dem, wie etwas ist? Wir machen mit diesem ungesunden Drang nach mehr die Sachen nicht unbedingt besser.
Genau das zeigt eine Geschichte aus dem Volk der Inuit:
So antwortete ein Indianer auf die Frage, von dem Erfahrungsschatz vor der ''Zivilisation'' zu erzählen, wie folgt: „Der Fortschritt hat schließlich auch unsere Insel erreicht. Wir sind gebildet. Sehen Sie irgendwo Iglus? Nein, wir haben Bungalows. Sie sind nicht anständig isoliert und wir bekommen jedes Jahr Lungenentzündung, aber wir sind gebildet. Wir haben keine Hunderudel mehr, die unsere Schlitten ziehen. Wenn man früher von einem Blizzard überrascht wurde und seine Hunde bei sich hatte, konnte einen ein guter Schlittenhund immer nach Hause zurückführen. Und wenn es noch schlimmer kam, konnte man die Hunde im Kreis anpflocken und in ihrer Mitte schlafen, damit man es warm hatte.Mit einem Schneemobil geht das nicht – aber wir sind gebildet.“

Die Natur zeigt uns eindrucksvoll, dass alles seine Zeit hat und braucht.
Wer kennt das nicht, dass er sich ein bestimmtes Ereignis herbeisehnt? Aber der Tag wird, trotz aller Ungeduld, nicht eher anbrechen. Egal wie sehr wir es wollen. Da schaue nur einer auf die Blumen:
Vom Samen bis hin zur geöffneten Blüte dauert es mehrere Wochen. Vor drei Wochen habe ich meinen Balkon bepflanzt. Mittlerweile ist das Töpfchen sehr grün – aber immer noch nicht bunt. Die Knospen sind noch nicht zu sehen und die Blüten werden somit noch auf sich warten lassen.
Im übertragenen Sinne möchte ich damit sagen, dass eine Blume die in 5 Tagen wächst, nicht in 3 Tagen ihre Blüten für uns öffnet, nur weil wir es kaum erwarten können. Und dass genau das vollkommen in Ordnung ist.
Menschen wollen beschleunigen, wo es im Grunde genommen nichts zu beschleunigen gibt. Sondern man es sich mit der sprichwörtlichen Tasse Tee gemütlich machen könnte.

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Kommentare (12)
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13.06.2014
Sunlight hat geschrieben:
Total toll geschrieben und mit deinen Ansätzen hast Du wirklich recht!
Besonders schön finde ich zu diesem Thema auch den Film "Speed - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Für alle, die Interesse haben, hier der Link zum Trailer:
http://www.youtube.com/watch?v=offrOwIL3rM :)
05.06.2014
Christina1107 hat geschrieben:
Supertoller Beitrag!! Und du hast in allem Recht was du sagt, super :)
05.06.2014
Line hat geschrieben:
Ich bin echt gerührt!!!
Es ist so wundervoll die Zeit nutzen zu können. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren gelernt meine Zeit zu leben. Seither liebe ich mein Leben und man findet mich vorwiegend glücklich vor. Ich merke, dass ich mich selber nicht mehr hetze. Das ist in unserer heutigen Gesellschaft leider nicht immer von Vorteil. Wie 4lexSchneegans schon geschrieben hat, brauchen wir manchmal ein gewisses Maß an Stress um uns zu motivieren und nur dadurch kann man heute zu Tage das Leben "bestehen".
Es erfordert ein Bisschen Übung, ein Gleichgewicht zwischen dem nötigen Stress und der wohltuenden Ruhe zu finden. Wer jedoch an diesen Punkt gekommen ist, kann sich glücklich schätzen. Nichts scheint einen noch aufzuhalten. Man begreift den Begriff Zeit anders. Auch wenn einem nur noch bewusster ist, dass wir nicht ewig auf dieser Welt bleiben, hat man es nicht eilig etwas zu machen.
Ich vertraue darauf, dass mir die Zeit, die ich haben soll und mir gut tut, gegeben wird. Erst wenn wir ein Ziel erreicht haben, wird unsere Zeit zu Ende gehen. Bis dahin ist es unsere Aufgabe sie zu nutzen!!!
03.06.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Das ist echt ein schöner Artikel, danke:) Ich komme auch manchmal aus vielen Terminen gar nicht mehr raus, aber es ist wirklich wichtig, sich Zeit für wichtige Dinge zu nehmen. Und es geht eben nicht alles von heute auf morgen- auch wenn das manchmal schwierig zu begreifen ist ;)
03.06.2014
4lexSchneegans hat geschrieben:
Ich muss ehrlich sein das ich manchmal Stress brauche um etwas zu machen (lernen :D) aber ich lass mir auch oft Zeit.
03.06.2014
ettli97 hat geschrieben:
Klasse Beitrag!
03.06.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Ich ertappe mich auch oft beim Stress schieben, obwohl doch wahrlich nichts lebenswichtiges davon abhängt. Immerhin bin ich schon so weit, dass ich es erkenne, wenn es mal wieder so weit ist ;-)
Ich glaube die Menschen früher hatten es besser, als sie noch in Zyklen gedacht und gelebt haben. Sie haben sich stark an den Jahreszeiten und der Natur orientiert, die ihren Rhythmus vorgab. Seitdem der Mensch meint, das beträfe ihn nicht mehr, ist die Zeit ein einiges langes, endloses Lineal, an dem man immer schneller entlangrast.
02.06.2014
Kerstin hat geschrieben:
Danke für die Inspiration! Besonders die Inuit-Geschichte hat mir gefallen und ich hoffe, dass ich von jetzt an etwas mehr Geduld an den Tag legen kann.
02.06.2014
Makanie hat geschrieben:
Immer mehr Leute rennen auch zu Psychologen. Aber die Psychologen können ihnen die verlorene Zeit auch nicht zurückgeben.
Der Mensch war schon immer ein Widerspruch in sich. Er denkt, er kann es schaffen, wenn er es nicht schafft. Und er ist unglücklich, weil er die ganze Zeit glücklich sein will.
02.06.2014
thinkgreen26 hat geschrieben:
Richtig schön geschrieben! ^^
Du hast wirklich Recht. Man hat immer weniger Zeit, ist gestresst und sieht die kleinen schönen Dinge im Leben nicht mehr...
02.06.2014
Luke24 hat geschrieben:
sehr schöner Artikel. Er trifft ein wesentliches Element unserer Gesellschaft auf den Punkt.
Wenn ich das nächste mal im Stress bin, werde ich versuchen, mich auf diese Zeilen zu besinnen ;-)
02.06.2014
Akatsuki hat geschrieben:
Es ist nicht alles schlecht was fortschritt betrifft und irgendwo braucht man ihn auch zum Beispiel in der Medizin aber tatsächlich ist dein Beispiel mit den Inuit sehr gut Bildung ist nicht alles aber zu mindest in Europa und den anderen westlichen Staaten sehr wichtig allerdings können wir von der Natur noch viel lernen was zwangsweise nicht mal ein Rückschritt wäre sondern sich in den modernen fortschritt gut einfügen lässt
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