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© WWF
Untergang und Rettung - die Geschichte der Guam-Ralle


von Rhino
26.10.2011
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Der Vogel auf dem Bild ist in Europa kaum bekannt, in den USA dagegen, kann man ihn in zahlreichen Zoos sehen. Der Bronx Zoo in New York, der Zoo von San Diego und viele weitere Tierparks haben ihn dort im Bestand: Die Guam-Ralle (Gallirallus owstoni)! Und dieser Vogel hat, so unspektakulär er auf den ersten Blick wirken mag, eine sehr ergreifende Geschichte…

Ein unscheinbarer kleiner Vogel
Die Guamralle ist ein kleiner Rallenvogel, mit einem Gewicht von 200g und einer braunen Federfärbung. Der lang gestreckte, aber seitlich zusammengedrückte Körperbau, hilft den Vögeln, sich schnell durch dichte Vegetation zu bewegen. Ihr bevorzugter Lebensraum sind trockene Waldgebiete, Grasland oder Buschland. Guamrallen sind Allesfresser, so setzt sich ihre Nahrung aus Schnecken, Aas, Geckos, Insekten, Samen und diversen Früchten zusammen. Über das Fortpflanzungsverhalten ist eher wenig bekannt. Man weiß, dass sie keine feste Brutzeit haben, ob sie aber nur einmal oder mehrmals im Jahr brüten, ist noch ungeklärt. Bekannt ist aber, dass beide Elternteile das Nest bauen, in dieses legt das Weibchen dann später drei bis vier Eier. Auch das Bebrüten der Eier wird sowohl von der Mutter, als auch vom Vater übernommen, beide wechseln sich über einen Zeitraum von 20 Tagen ab. Die Küken sind nach der Geburt schnell selbstständig und können vieles schon selbst erbeuten, in den ersten Monaten müssen ihnen die Eltern aber noch zeigen, was sie überhaupt fressen sollen und was nicht…

Untergang und Rettung
Die Insel Guam hat eine Fläche von 549 km², liegt im Pazifik und gehört zur Inselgruppe Mikronesien. Politisch gesehen, ist die Insel ein Teil der USA, und wurde deshalb auch im Zweiten Weltkrieg als wichtiger Luftwaffenstützpunkt verwendet. Man könnte nun meinen, der Krieg hätte die Insel hart getroffen, doch dem war nicht so, die Flugzeugeinsätze etc. richteten keinen erheblichen Schaden an, das Problem waren die regelmäßigen Lieferungen, die den Soldaten Proviant, Munition etc. brachten, denn durch diese Lieferungen gelangte die Braune Nachtbaumnatter (Boiga irregularis) auf die Insel, und zu dieser Zeit ahnte noch niemand, was die kleine ungiftige Schlangenart noch anrichten wird…

Es gab, von ein paar Waranen und Wildschweinen abgesehen, kaum natürliche Feinde für die Braune Nachtbaumnatter, und so konnte sich die Schlangenart rapide vermehren. Das hatte katastrophale Folgen für die Vogelwelt, denn Vögel wurden zur Hauptnahrung des Reptils. In den 60er-, 70er- und 80er-Jahren wurden fast alle auf Guam lebenden Vogelarten, wie z. B. die Rosakappen-Fruchttaube, komplett ausgerottet und sind heute nur noch auf benachbarten kleinen Inseln zu finden, einige Arten traf es sogar noch schwerer, der Guam-Fliegenschnäpper z. B. war ein so genannter Endemit, er kam ausschließlich auf Guam vor und starb, zusammen mit neun weiteren Endemiten im späten 20. Jahrhundert für immer aus! Und sogar eine Säugetierart fiel den eingedrungenen Reptilien zum Opfer. Der Guam-Flughund, dessen Bestand schon vor dem Eintreffen recht angeschlagen war, wurde durch die Natter endgültig ausgelöscht. Der Guam-Ralle drohte ein ähnliches Schicksal, wie all diesen verlorenen Tierarten, doch durch die Courage eines Wissenschaftlers, konnte sie vor dem Untergang bewahrt werden… 

Der amerikanische Zoologe Bob Beck zog 1974 nach Guam. Er erkundete die dortige Vogelwelt und fasste schnell den Entschluss, die verbliebenen Vogelarten vor der Ausrottung zu schützen. 1982 errichtete er auf der kleinen Nachbarinsel Rota ein Zentrum für Guam-Rallen, das den letzten Exemplaren ein sicheres Überleben gewährte. Einen Teil der Tiere, gab Beck an US-Zoos ab, damit sie auch dort weiter gezüchtet werden konnten. Auch für andere Vogelarten setzte er sich ein. Dank ihm gibt es auf der Insel heute noch Zimtkopflieste, Marianen-Krähen und noch einige andere besondere Vogelarten. Noch bis zu seinem Tod im Jahr 2008 blieb er auf der Insel und kämpfte für das Überleben der Vögel. Für diesen tatkräftigen Einsatz zum Erhalt der Biodiversität, erhielt Bob Beck extrem viel Lob aus Wissenschafts- und Artenschutzkreisen!

Doch trotz seiner Mühe, ist die Lage auf Guam kritisch. Auch wenn sich einige Vogelbestände schon erholen konnten, fehlt immer noch ein gigantischer Teil der einstigen Avifauna. Das bedeutet auch, dass es immer weniger Vögel gibt, die Samen von Bäumen in den Wäldern verteilen und somit für ausgeglichene Mischwälder sorgen. Durch das Fehlen der vielen Vogelarten liegen die Pflanzensamen in Guam meist in direkter Nähe zu den Elternpflanzen, so wird es in Zukunft zu einem Niedergang der Mischwälder und zu einer starken Bildung von Monokulturen kommen…

Und auch der Eindringling, die Braune Nachtbaumnatter, wurde noch nicht beseitigt. Derzeit wird durch zwei Aktionen versucht, die weitere Verbreitung der gefährlichen Schlangenart zu unterbinden. Zum einen gibt es nun starke Einfuhrkontrollen, die eine weitere Lieferung von ungewollten Gästen verhindern sollen, zum anderen werden den Schlangen tote Mäuse zum Fraß vorgeworfen, die mit dem Arzneistoff Paracetamol versehen wurden. Der Stoff sorgt bei den Nachtbaumnattern für einen mehr oder weniger schmerzfreien Tod…

Wie lange es noch dauern wird, bis diese Aktionen zum erhofften Niedergang der Schlange führen, ist noch ungewiss, doch die etwa 120 Rallen, die heute in den Zuchtzentren von Guam und Rota leben, sowie ihre 35 Verwandten in den USA werden sich noch so lange gedulden müssen, denn eine Auswilderung kommt erst dann in Frage, wenn die Gefahr beseitigt ist…

Was wir daraus lernen können!
Es war ein scheinbar harmloses kleines Reptil, das aus einer blühenden Tropeninsel mit einzigartigem Vogelbestand ein artenarmes Stück Land gemacht hat, das nie wieder die einstige Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten haben wird! Wir lernen daraus, wie empfindlich ein Ökosystem ist und was für einen enormen Einfluss ein kleiner Eindringling darauf haben kann!

Doch wir lernen auch noch etwas anderes: Die Guam-Ralle konnte gerettet werden, doch wie säe es jetzt wohl aus, wenn damals kein tatkräftiger Wissenschaftler, wie Bob Beck damit angefangen hätte, die letzten Exemplare zu bewahren? Sie wäre ausgestorben, wie ihre damaligen Verwandten! Und vielleicht meint es das Schicksal ja gut mit Guam und es kann schon bald zu einer Auswilderung und Umsiedlung einstig hier beheimateter Vögel kommen, und umso schneller es dazu kommt, desto effektiver lässt sich die drohende Monokulturenbildung verringern! Guam wird nie wieder so sein wie früher, aber zumindest ein Teil der alten Inselfauna blieb uns durch die Leidenschaft eines lobenswerten Menschen erhalten! Auch daraus sollten wir lernen! Egal, wie hoffnungslos die Situation eines Ökosystems zu sein scheint, man wird es vielleicht nicht mehr gänzlich bewahren können, doch man sollte nie aufgeben und immer versuchen, so viel zu retten, wie es möglich ist, auch eine scheinbar unbedeutende kleine Art, die man vor dem Aussterben bewahrt, ist bereits ein riesiger Fortschritt!

gez. Maxim Podobed 2011

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Kommentare (5)
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29.08.2012
Rhino hat geschrieben:
@ali911: Danke für den Hinweis, es sind 200g!

Entschuldigung für den groben fehler!
29.08.2012
AliceimWunderland hat geschrieben:
Der kleine Vogel wiegt 200kg?! :O
11.11.2011
Rhino hat geschrieben:
Puma: Der WWF macht da nichts, auch keine anderen großen Organisationen, es sind kleine regionale Gruppen, die da arbeiten! ;)
11.11.2011
Puma hat geschrieben:
Eine kleine,ungiftige Schlange.....Wow,dass die so viel anrichten könnte,hätt ich nicht gedacht.Ist die Insel Guam auch Teil eines WWF Projekts oder einer anderen Orga???
27.10.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Sehr guter Bericht, ich hätte nicht gedacht das die Schlange so viel Schaden verursachen kann.
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