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Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Umweltzerstörung durch Massentourismus


von SarahKaschuba
22.07.2009
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Die Vorstellungen von einem gelungenen Urlaub sind sicher verschieden. Ob man nun Zeit mit den Freunden verbringt, die Beine am Pool eines Fünf-Sterne-Hotels hochlegt oder mit dem Rucksack ferne Länder und fremde Kulturen erkundet – eines scheint dabei oft vernachlässigt zu werden: Welche Auswirkungen haben unsere Reiseabenteuer eigentlich auf die Umwelt?

Es scheint längst überfällig, dass wir uns diese Frage einmal stellen, auch auf die Gefahr hin, einer unbequemen Wahrheit zu begegnen. „Der Massentourismus ist ein großes ökologisches und soziales Problem in vielen Ländern“, sagt Anne Bernhardt von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. „Besonders groß ist das Problem auf Inseln, die oft keinen Platz für Müllbehandlungsanlagen oder Deponien haben.“

Auch – oder gerade – die Umwelt von Schwellenländern wie Mexiko oder Brasilien wird durch den Tourismus beeinträchtigt. Es fehlt dort oft an ausreichender Abfallentsorgung und genügend gutem Trinkwasser, da es nur wenige gesicherte Deponien und veraltete Kläranlagen gibt. Dies verstärkt sich dadurch, dass Touristen industriell hergestellte Güter aus ihren Heimatländern mitbringen, die vor Ort nicht ökologisch nachhaltig entsorgt werden können.


Beitrag zum Klimawandel
Umweltbelastungen durch Tourismus entstehen also vor allem in Ländern, die ein sensibles Ökosystem und mangelnde Infrastruktur aufweisen. Dort werden oft rücksichtslos Hotelanlagen und Straßen ausgebaut. Ein Beispiel dafür ist die Küstenlandschaft der Iberischen Halbinsel. Auch besonders sensible Ökosysteme wie Korallenriffe werden durch zu viele tauchende Touristen oft irreparabel beschädigt.

Während sich in diesen Fällen die Konsequenzen noch auf bestimmte Regionen beschränken, bleiben die Wirkungen des erhöhten Verkehrsaufkommens nicht auf einzelne Gebiete geschränkt. Der Massentourismus zieht einen sehr intensiven Auto- und vor allem Flugverkehr nach sich und trägt dadurch zu Luftverschmutzung und Klimawandel bei.
 

Wasserknappheit ist ein großes Problem
„Das Abfallaufkommen, aber auch der Wasser- und der Energiekonsum durch den Massentourismus in den Urlaubsparadiesen ist immens und bringt die lokale Bevölkerung in große Bedrängnis“, erläutert Petra Bollich vom WWF Deutschland. Vor allem im Mittelmeerraum ist Wasserknappheit ein großes Problem. Täglich werden dort im Sommer zwischen 300 und 850 Liter Süßwasser pro Tourist verbraucht (in Deutschland sind es nur 150 Liter pro Kopf).

Ein Großteil des Süßwassers wird für Swimmingpools oder die Bewässerung von Golfplätzen benutzt und fehlt dann in der Natur. Das strapaziert die natürlichen Grundwasserreserven extrem und in Küstennähe dringt oft Salz ins Grundwasser ein. Durch die Versalzung kann wiederum weniger Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen werden – ein Teufelskreis.


Problem erkannt – warum ändert sich nichts?
Der Wassermangel im Boden hat nicht nur Auswirkungen auf die Landschaft – in Form von Verödung und Dürren – sondern stellt auch für viele Tierarten eine Bedrohung dar. Außerdem müssen zur Deckung des enormen Bedarfs an Trinkwasser teure Entsalzungsanlagen gebaut werden, was sich wiederum in stark steigenden Wasserpreisen niederschlägt.

Dass der Massentourismus eine der gravierendsten Ursachen dieser Entwicklungen ist, wird weithin anerkannt. Doch warum ändert sich dann so wenig? Ganz einfach: Der Massentourismus hat auch positive Seiten. Er ist in vielen Ländern ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber – weltweit sind um die 100 Millionen Menschen in der Tourismusbranche beschäftigt.


Manche sind sich ihres schädlichen Verhaltens bewusst
Hinzu kommt, dass sich noch immer viel zu wenig Touristen der zuweilen verheerenden Auswirkungen ihres Verhaltens bewusst sind. Doch langsam beginnt man, umzudenken. Katharina Becker etwa, eine Studentin aus Potsdam, die in ihrer Freizeit gern Ski fährt, erzählt: „Ich finde zum Beispiel das Abholzen in Ski-Gebieten sehr schlimm, weil das ja Ausmaße angenommen hat, die nicht mehr zu akzeptieren sind. Das sollte man den Leuten mal bewusst machen! Neben den Bäumen verschwinden auch viele Tiere, weil sie einfach keinen Lebensraum mehr haben.“

Wenn Urlaubsgebiete durch Tourismus allzu starken Schaden nehmen, leiden die Einheimischen nicht nur darunter, dass ihre Heimat zerstört wird. Auch die Touristen bleiben irgendwann weg und ziehen zum nächsten, noch intakten Gebiet weiter. So verlieren die Einheimischen auch noch diese wichtige Einnahmequelle.


Jeder Reisende kann etwas tun
Aber wie findet man eine Balance zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und wirtschaftlichem Aufschwung? Sicher können Politiker und Umweltorganisationen ihren Teil beitragen, aber vor allem müssen wir, jeder der „einmal eine Reise tut“, selbst handeln.

„Die Auswahl des Fortbewegungsmittels ist der erste Schritt. Inlandsflüge müssen nicht sein, in so gut wie jedem Land gibt es ein Netz öffentlicher Verkehrsmittel wie Züge und Busse“, sagt Anne Bernhardt von Greenpeace. Vielleicht muss es auch nicht jeden Sommer eine Fernreise wie etwa eine Safaritour in Afrika sein – zum Entspannen kann manchmal schon eine Campingtour mit Freunden in die nähere Umgebung dienen! Wer ein paar Souvenirs aus dem Urlaub mitnehmen will, sollte nicht das kaufen, was die Umwelt zusätzlich belastet – wie zum Beispiel Muschelketten oder Seeigel, die extra für Touristen gefangen werden. Und natürlich gilt im Urlaub dieselbe Regel wie zu Hause: Keinen Müll liegen lassen!


Erste Initiativen lassen Hoffen
Auch internationale Organisationen haben das Problem erkannt – und beginnen zu handeln. Die UN-Organisation „United Nations Environment Programme“ (UNEP) und die Welttourismusorganisation (UNWTO) haben Kriterien für einen nachhaltigen Tourismus entwickelt. In Ägypten, das jährlich von über sieben Millionen Touristen besucht wird, wurde ein Öko-Siegel, der „Green Star“, etabliert. Diese Siegel bekommen Hotels, die bestimmten Mindestanforderungen beispielsweise beim Energie- und Wassersparen oder bei der Abfallentsorgung genügen. (http://www.greenstarhotel.net/). Dieses Beispiel macht Mut – Tourismus und Umweltschutz müssen einander nicht ausschließen!

Sarah Kaschuba, Potsdam.

Dieser Artikel erschien zuerst erst auf dem deutsch-arabischen Jugendportal Li-Lak.

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Kommentare (3)
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02.06.2010
Sina13 hat geschrieben:
Echt guter Artikel.Das mit dem Siegel ist mir auch neu.
Die Menschen müssen echt lernen,dass man auch mal auf einem Campingplatz in Deutschland gelungen Urlaub machen kann.
02.06.2010
Cullerios hat geschrieben:
Massentourismus ist einer der Dinge die mich nicht nur im Urlaub ärgern.
ich finds einfach nur Schade, dass die Bevölkerung meint sie müssen jeden
Urlaub in 5Sterne Hotels verbringen, die über 50 Fußballfelder oder sogar noch größer sind.
Ich konnte mittlerweile schon ein paar Erfahrungen sammeln und bin auf den Punkt gekommen, dass Urlaub in der Natur mit Zelten in der natur viel schöner und vor allem stressfreier ist. Ebenfalls machen meine Familie und ich gerne Urlaub auf alten Finkas auf dem Land. Erholungsfaktor is auf jeden fall höher wie im Hotel. UND es muss kein lebensraum der Tiere oder Pflanzen zerstört werden.
24.07.2009
estrella hat geschrieben:
Ja leider lassen viele Menschen ihre Gedanken und ihr Gewissen zu Hause wenn sie verreisen.
Sie meinen im Urlaub müssen sie sich um nichts Gedanken machen, können leben wie sie es wollen, denn sie müssen ja nichts bezahlen und auch nicht auf ewig hier wohnen.
Doch genau das ist ein Fehler denn wir müssen immer mit an unsere Umwelt denken, denn schließlich wollen wir auch noch in Zukunft etwas von ihr haben und Orte haben die eine Reise wert sind.
Natürlich darf man auch nicht vergessen, das der Tourismus in vielen Schwellenländern und auch an vielen anderen Orten, Inseln etc die Haupteinnahmequelle darstellt ohne die die Wirtschaft bergab gehen würde und viele Menschen arbeitslos wären.
Als muss dafür gesorgt werden, dass das Bewusstsein der Menschen für die Natur stärker wird und diese sich auch im Urlaub darüber Gedanken machen.
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