Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Tierisch kurios


von Janine
23.12.2010
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In der Natur gibt es die verrücktesten Dinge! Sie bringt immer wieder Wunder hervor, die wir uns nie hätten ausmalen können. Und manchmal sind es gerade diese Wunder, die einigen Tierarten das Überleben ermöglichen.
In diesem Bericht möchte ich euch einige der spektakulärsten Fortpflanzungsstrategien und Überlebenstechniken vorstellen.

 

Papierboot

Das Papierboot, oder auch Argonaut, ist ein Verwandter der Tintenfische. Im Vergleich zu den nur zwei Zentimeter kleinen Männchen sind die Weibchen riesige zehn Zentimeter groß. Wie der Tintenfisch, besitzt auch das Papierboot acht Arme. Allerdings ist einer der Arme des Männchens ein so genannter Hectocotylus - ein Penisarm. Um sich fortzupflanzen, geschieht dann etwas ganz Verrücktes! Damit das Weibchen befruchtet werden kann, löst das Männchen den Hectocotylus vollständig von seinem Körper ab und lässt ihn - ganz selbstständig - zum Weibchen wandern. Dabei kann der Arm auch größere Strecken zurück legen. Ist er dann beim Weibchen angelangt, kriecht er in den Brutbeutel und befruchtet dort die Eier. Hat ein Männchen einmal seinen Arm verloren, so ist sein Lebensziel erfüllt. Ein neuer Arm wächst dem Papierboot nicht mehr.

 

Weinbergschnecke

Weinbergschnecken sind Hermaphroditen, also Zwitter. Jede von ihnen besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Um sich gegenseitig zu befruchten, müssen sich die Schnecken sozusagen aufspießen. In ihrem Inneren befindet sich der sogenannte Liebespfeil. Den treiben sie in den Körper ihres Partners. Da die Pfeile eine Länge von einem Zentimeter erreichen können, muss man sich schon wundern, weshalb die gerade mal zehn Zentimeter langen Tiere den Paarungsakt ohne größeren Schaden überstehen. Was bei uns unvorstellbar wäre ist, dass die Tiere durch den Stoß des Pfeils stimuliert und ihre Geschlechtsorgane aktiviert werden. Bei dem Akt befruchten sich die Schnecken gegenseitig. Nach ein paar Wochen legt dann jede Schnecke einige dutzend Eier in einer Höhle ab.

 

Kleiner Leberegel

Beim kleinen Leberegel ist nicht die Art der Fortpflanzung das Geheimnis, sondern die Tricks, die er anwendet, um das Erwachsenenalter zu erreichen. Er hat eine ganz besondere Strategie und muss einen bestimmten Zyklus durchlaufen, damit er sich als Adulter (also Erwachsener) vermehren kann.
Der kleine Leberegel ist ein Parasit. Er lebt als ausgewachsenes Tier in seinem Wirt, der zum Beispiel eine Kuh oder auch ein Schaf sein kann. Die Eier des Egels werden mit dem Stuhl des Wirts ausgeschieden. Sobald das Ei den Boden erreicht hat, wird es vom ersten Zwischenwirt, einer Landschnecke, verspeist. Der Aufenthalt in der Schnecke ist für den kleinen Leberegel lebenswichtig. Denn nur hier kann er sich weiterentwickeln und zur "Zerkarie" heranwachsen. Die Zerkarien werden dann in einem Schleimballen an die Umgebung abgegeben. Nun warten sie in ihrem schleimigen Heim auf den zweiten Zwischenwirt - die Ameise. Wenn eine Ameise den Schleimballen verspeist, haben die Egel eine weitere lebenswichtige Hürde hinter sich gebracht. In der Ameise können die Zerkarien weiter wachsen, bis sie ein Entwicklungsstadium erreicht haben, in dem sie die Ameise manipulieren können. Sie schaffen es, das Verhalten der Ameise so zu steuern, dass ein Klammerreflex bei den Insekten ausgelöst wird. Dabei steigen die Ameisen zuerst einen Grashalm empor und können den Halm, durch den Klammerreflex, nicht mehr verlassen. Der Endwirt, also die Kuh, oder das Schaf, frisst dann das Gras samt Ameise. Der kleine Leberegel hat den Kreislauf vollendet.

 

Ohrenqualle

Dieser schwabbelige Zeitgenosse gehört zu den Tieren, die einen Generationswechsel durchlaufen. Ein Generationswechsel ist eine Verwandlung, die von Generation zu Generation stattfindet. Im Klartext bedeutet dies, dass die Elterngeneration sich anatomisch von der Tochtergeneration unterscheidet. Die Tochtergeneration bringt allerdings keine ganz neuen Gestalten zur Welt, sondern Nachkommen, die wieder so aussehen wie die Elterngeneration. Es gibt also zwei Formen. Auf der einen Seite die Qualle und auf der anderen den Polypen.
Erwachsene Quallen geben Eier an die umliegende Umgebung ab. Aus den Eiern schlüpfen Larven und diese setzen sich an Felsen oder Böden fest, wo sie sich dann zu Polypen entwickeln. Durch die sogenannte "Strobilation" schnüren sich von dem Polypen wieder fertige Quallen ab, die dann wieder ihre Eier ans Wasser abgeben können.

 

 

Anglerfisch

Auch bei den Anglerfischen gibt es zwischen Männchen und Weibchen einen Größenunterschied. Das Weibchen ist ungefähr zehnmal so groß wie ihre bessere Hälfte. Um sich zu paaren, muss der Angler zum Parasiten seiner Braut werden. Hierzu beißt er sich in ihr fest und zwar so sehr, dass er sich nie wieder von ihr trennen kann. Nach einiger Zeit verwachsen sogar ihre Blutgefäße miteinander. Das einzige, was dem Männchen bleibt, sind seine Kiemen.
Hat sich ein Männchen an sein neues Zuhause gewöhnt, so entscheidet die Anglerin, wann und wo für Nachkommen gesorgt werden soll. Die Befruchtung der Eier erfolgt außerhalb des Körpers. Den Zeitpunkt bestimmt allein das Weibchen. Die Hormone, die durch den gemeinsamen Blutkreislauf fließen, sorgen für die Abgabe von Eiern und Spermien.
So ineinander gewachsen verbringen die beiden den Rest ihres Lebens. Das Weibchen bestimmt allerdings nicht nur den Zeitpunkt der Fortpflanzung, sondern auch den des gemeinsamen Todes.
Wenn sie stirbt, dann stirbt auch er.


Kennt auch ihr ein paar Kuriositäten aus dem Tierreich? Dann teilt sie doch in der Kommentarfunktion! :o)

 

 


 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Papierboot
Dirk Steffens - Das tierische Kuriositäten-Kabinett
Universität zu Köln, Zoologisches Institut - Experimentelle Morphologie von Klaus Herrmann, Praktikumsskript Biologie II/A Wintersemester 2008/2009
http://de.wikipedia.org/wiki/Aurelia_aurita#Fortpflanzung

Bildquellen:

http://www.wissen.de/wde/generator/substanzen/bilder/sigmalink/p/pa/pap_/papierboot_1830597,property=zoom.jpg
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Schleiden-meduse-2.jpg&filetimestamp=20060527170941
http://www.cgg-online.de/wissenschaft/Evolution/KreislaufEgel.jpg
http://www.tiefsee.senckenberg.de/uploads/tx_sbdownloader/Fussballfisch_Himantolophus-compressus_Copyright-Sven-Traenkner.jpg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/34/Weinbergschnecke_Paarung.jpg
Titelbild - Janine Koch

 

 

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Kommentare (8)
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Sortieren nach Aktualität:
23.01.2011
Janine hat geschrieben:
Vielleicht gibt es ja auch in Zukunft einen zweiten Teil.. ;o)
23.01.2011
GruenerDrache hat geschrieben:
Ich finde es total faszinierend, was die Natur alles zustande bringt :)
Toller Bericht!!
01.01.2011
nera8 hat geschrieben:
Danke für den super Bericht Janine! Das sind richtig interessante Infos :)
26.12.2010
Janine hat geschrieben:
@Stoffie: Naja, die überleben das wohl. Aber sinnvoll ist ihr Leben dann nicht mehr ;o)
Weibliche Papierboote werden oft samt Hectocotylus gefunden. Früher dachte man, dass es sich bei dem neunten Ärmchen um einen parasitischen Wurm handelt ;o)
24.12.2010
Stoffie hat geschrieben:
ich finde ja den anglerfisch am besten! :D mit trennung ist da nix! und wie es wohl für das papierboot ist ohne sein bestes stück auszukommen? xD
24.12.2010
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Krass =)
Es gibt nichts, was es nicht gibt!
24.12.2010
elias135 hat geschrieben:
Der kleine Leberegel sollte man immer u.a. in ein Referat über erstaunliche Tiere reinpacken.
23.12.2010
midori hat geschrieben:
Echt genial! Ich bin total erstaunt! Bei der Redaktionskonferenz wusste ich ja noch nicht, was da für coole Sachen dabei sind! :D Danke Schanini!
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