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Symbiosen - Überlebenswichtige Freundschaften


von Janine
07.05.2013
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Freundschaften sind etwas Wunderbares! Nicht nur für uns Menschen. Auch Pflanzen, Tiere und Pilze haben Freunde und wären häufig ohne die Existenz ihrer Kameraden sogar völlig aufgeschmissen. Wenn zwei verschiedene Arten zueinander finden und durch ihr Zusammensein ein Vorteil für beide entsteht, spricht man von einer Symbiose.

Die ganze Welt hängt von Symbiosen ab, die sich über die gesamte Evolution hinweg entwickelt und dabei hoch präzise und vollkommene Einheiten gebildet haben.

Die Vanille war ursprünglich in Mexiko beheimatet, bis sie aus wirtschaftlichen Gründen vor allem nach Madagaskar exportiert wurde. Hier gab es aber ein Problem: Die Vanille kann nämlich nur von zwei Tierarten bestäubt werden. Diese beiden Arten, eine Biene und ein Kolibri, kommen allerdings nur in Mexiko vor. Ihr Rüssel, bzw. ihre Zunge, ist so sehr an die Form der Vanilleblüten angepasst wie kein anderes Organ im gesamten Tierreich. Nur diesen beiden Organismen ist es zu verdanken, dass wir das köstliche Aroma der Vanille ursprünglich genießen durften. Kolibri und Biene können durch das Saugen ihren Durst stillen und die Vanille bildet durch die Bestäubung der Tiere ihre Früchte aus und kann sich so verbreiten.

Durch diese Angepasstheit der Spezies muss der Mensch nun dort nachhelfen, wo keine natürlichen Bestäuber vorkommen, zum Beispiel auf Madagaskar. Hier bestäubt der Mensch. Und das per Hand. Nur mit Pinseln bewaffnet erledigt er die Arbeit, die sonst die kleinen geflügelten Vanillefreunde übernehmen. Das ist mühsam, weshalb Vanille auch sehr teuer werden kann.

Zwei andere Freunde haben sich in kleinen, sehr bunten und weit verbreiteten Krusten gefunden. Flechten sind das Resultat aus einer Freundschaft zwischen Pilz und Alge. Der Pilz ist der sogenannte Mykobiont und schützt seinen Partner, den Photobionten, vor dem Austrocknen indem er die Ultraviolettstrahlung am Eindringen hindert. Die Alge wiederum versorgt den Pilz mit Nährstoffen, die durch die Photosynthese gebildet werden.

Flechten sind Organismen, die immer nach dem Mykobionten, also dem Pilz benannt werden. Sie sind sehr kälte- und hitzeresistent und vertragen Temperaturen von -50 °C bis 80 °C!

Ihre Formen entstehen aus dem Zusammenspiel der beiden Symbionten. Flechten haben sehr vielfältige Formen und Farben. Gemeinsam wachsen Pilz und Alge zu immer größeren Flächen heran. Besonders in Gegenden mit sehr reiner Luft kommen sie häufig vor. So dienen sie auch als Bioindikatoren für Luftreinheit.

Ameisen sind auf der ganzen Welt verbreitet und entsprechend viele Freunde haben sie. Ameisenvölker verteidigen ihren Bau bis auf den Tod. Wenn ihr Haus angeknabbert, erdrückt oder zerstört wird, schwärmen sie aus und attackieren den Feind. Einige Pflanzen haben sich dieses Verhalten der Ameisen zunutze gemacht und sozusagen Wohnungen für die kleinen Insekten zur Verfügung gestellt. Die Ameisenknolle und der Ameisenfarn (s. Foto) haben besondere Strukturen ausgebildet. Sie liefern den Ameisen eine Behausung und schützen sich so vor Fressfeinden und anderen Gefahren. Auch die Bullhornakazie ist ein Ameisenheim. In ihren holen hornartigen Ausstülpungen fühlen sich die Ameisen wohl. Erreichen tun die kleinen Krabbeltiere sie durch winzige Löcher, die sich jeweils zwischen zwei Dornen befinden. Hier legen sie auch ihre Eier ab. Die auf Bullhornakazien angepassten Ameisen beseitigen sogar andere Pflanzen, die der Akazie möglicherweise Licht oder auch Nährstoffe rauben könnte. Wächst eine andere Pflanze also zu nah an den Baum heran, wird sie von den Ameisen vernichtet.

Bullhornakazie mit hohlen Dornen.

Eine ganz besondere Pflanze ist auch der Stern von Madagaskar. Seine Blüten sind groß und weiß und besitzen einen sogenannten Lippensporn, der 40 cm lang werden kann. In ihm wird Nektar produziert, allerdings nur im unteren Ende. Das ist etwas Besonderes, denn Pflanzen wollen bestäubt werden und verstecken ihren süßen Saft eigentlich nicht dort, wo keiner ihn erreichen kann. Auch Darwin fand dieses Phänomen höchst interessant und sagte voraus, dass es eine ganz bestimmte Tierart geben muss, deren Sauorgane perfekt an die Pflanze angepasst sein müssen. Darwin dachte dabei an einen Schmetterling mit einem sehr langen Rüssel. Doch bis zu dieser Prophezeiung hatte noch nie ein Mensch einen solchen Schmetterling gesehen. Dreißig Jahre nach seiner Prognose wurde tatsächlich ein Falter entdeckt, auf den die Beschreibung Darwins passte. Fast weitere hundert Jahre später wurde der Schmetterling erstmals dabei fotografiert, wie er mit seinem Saugrüssel Nektar aus der Pflanze schlürfte. Der Falter erhielt den Namen Xanthopan morganii praedicta, der Vorausgesagte.

Der Stern von Madagaskar mit 40 cm langem Lippensporn.

Egal wo wir hinsehen, überall sind Lebewesen von der Existenz anderer abhängig. Neben symbiotischen Beziehungen gibt es allerdings auch Feinschaften, wie Parasitismus, oder Prädation. Ein Lebewesen frisst ein anderes oder bereichert sich an ihm, wodurch der Wirt leidet oder stirbt.

All diese Beziehungen halten die Welt im Gleichgewicht. Wenn eine Art stirbt leiden andere. Wir müssen ganz genau hinsehen um festzustellen, wie das Gleichgewicht der Natur den Balanceakt schafft. Auch deshalb ist es wichtig behutsam mit unserer Welt umzugehen.
 

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Kommentare (7)
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Sortieren nach Aktualität:
30.05.2013
Maikaefer hat geschrieben:
Schöner Bericht und sehr schöne Aufnahmen - Danke
12.05.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Super Interessant! Vielen Dank! Darwin war schon ein cleverer Typ! :D
08.05.2013
castronioni hat geschrieben:
Meiner Meinung nach sollte die Menschheit eine Symbiose mit der Natur und allen wilden TIeren eingehen!
08.05.2013
lotte98 hat geschrieben:
danke für diesen interessanten bericht ! wieder was neues gelernt ;)
07.05.2013
Franzi hat geschrieben:
Ein wundervoller Artikel mit vielen spannenden Infos! Ich hab mich zum Beispiel immer gefragt warum echte Vanille so teuer ist ;)
Danke Janine :)
07.05.2013
LSternus hat geschrieben:
Auh der Mensch geht heute noch Symbiosen ein, z.B. mit Darmbakterien. ;)
07.05.2013
Ronja96 hat geschrieben:
Ich habe mich auch letztens mit der Symbiose beschäftigt, weil das ein Teil meines Bio-Referates war. Dieses Thema finde ich eigentlich auch sehr interessant. Ich habe auch erst gar nicht gewusst, wie viele Symbiosen es in der Natur gibt.
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