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Neuseeland in Not- Teil 3: Der Huia


von Nils93
29.05.2013
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Hey Leute. Ich bins wieder, Nils aus Neuseeland. Einige von euch haben vielleicht meinen Bericht über die Vogelschutzinsel Tiritiri Matangi Island gelesen. Wenn nicht, ist hier der Link dazu:

http://www.wwf-jugend.de/leben/oeko-reisen/neuseelands-letzte-pardiese--tiritiri-matangi-island;5240

Da ich während meines Aufenthalts hier leider feststellen musste, was für ein verklärtes Bild wir doch von dem Paradies am anderen Ende der Welt haben, hab ich mich nun dazu entschlossen eine kleine Reihe über Neuseeland und seine Probleme zu starten, in der ich verschiedene bedrohte Arten vorstellen werde, mich mit unterschiedlichen Institutionen und Problematiken auseinandersetzen werde und euch auch von den bereits ausgestorbenen Arten Neuseelands berichten werde.

Im 3. Teil der Reihe wird es um eine weitere ausgestorbene Vogelart Neuseelands gehen. Den Huia oder auch Lappenhopf, den größten der drei auf Neuseeland endemischen Lappenvögel. Über die anderen beiden Arten der Familie, den Kokako (Lappenkrähe) und den Tieke (Sattelvogel), die noch existieren, aber leider in nur noch sehr geringer Zahl vorkommen, folgt demnächst ein weiterer Bericht.

Die Ausrottung der Huia ist ein typisches Beispiel für die Gier der Europäer und ihrer damaligen Ansicht von der Überlegenheit des Europäischen gegenüber allem Fremden!

Trophäengier und die Rodung der Wälder führten zum Verlust eines Vogels einer einzigartigen Familie, dessen Gesang nie mehr in den Wäldern Neuseelands vernommen werden wird…

  

Geschichte

Die Evolutionsgeschichte des Huia nachzuvollziehen ist relativ schwierig. Die Lappenvögel sind eine einzigartige und sehr alte Familie der Sperlingsvögel, die auf Neuseeland beschränkt ist und außer dem neuseeländischen Stitchbird, mit keiner anderen Vogelart näher verwandt ist.

Der Huia war von Anfang mehr oder weniger auf die Nordinsel Neuseelands beschränkt, kam aber auch vereinzelt im Norden der Südinsel vor. Bevor die ersten polynesischen Siedler, die späteren Maori, Neuseeland betraten, deckte sein Verbreitungsgebiet noch fast die gesamte Nordinsel ab.

Mit den ersten Siedlern, schrumpfte sein Verbreitungsgebiet immer mehr in sich zusammen, der Besiedlung der Maori folgend. Bis zur großen Phase der Besiedlung Neuseelands durch die Europäer in den 1840er Jahren, war er bereits bis in den Süden der Nordinsel in bergigere Regionen zurückgedrängt worden.

In der Kultur der Maori hatte der Huia seit jeher einen sehr hohen Stellenwert. Mit der Zurückdrängung der Vögel und seiner zunehmenden Seltenheit, wurde er immer mehr als tapu (Heilig) angesehen. Auf den Verzehr seines Fleisches wurde im Allgemeinen verzichtet und er wurde nur noch aufgrund seines Gefieders und Schnabelform gejagt, welche von hochrangigen Personen oder zu besonderen Anlässen als Schmuck getragen wurde. Der Huia fand auch Einzug in die Kunst der Maori, wie Liedern und Gedichten.

Aufgrund seiner Seltenheit und kulturellen Bedeutung wurde der Huia nur noch zwischen May und Juli gejagt, wenn die Qualität des Gefieders am Besten war und ein Jagdverbot für den neuseeländischen Sommer und Frühling ausgesprochen. All dies stabilisierte die Population weitestgehend.

Erst als die ersten Europäer sich in Neuseeland niederließen, fing die wahre Katastrophe für diese einzigartigen Vögel an. Eingeschleppte Arten wie Ratten und Marder, jagten die Vögel und plünderten ihre Nester. Krankheiten und Parasiten, eingeschleppt von Vögeln wie dem Hirtenmaina, schwächten die Vögel wohl noch weiter. Die Abholzung der Wälder beraubte die Huia immer mehr ihres Lebensraumes und ihrer Rückzugsrefugien, was für die Huia ein besonderes Problem darstellte, da sie nur in den Urwäldern Neuseelands überleben konnten, da in Sekundärwälder zu wenig Totholz mit ihrer Hauptnahrungsquelle zur Verfügung stand.

Das wahre Verbrechen war aber die massiv zunehmende Jagd auf die Vögel. Reiche Sammler und die europäischen Museen bezahlten Unsummen für ausgestopfte Exemplare der schönen Vögel mit den interessanten Schnäbeln.

Die Vögel wurden gejagt wo es nur ging. Wo man auch nur einen fand, wurde er geschossen und verkauft. Zu tausenden wurden sie nach Europa exportiert und auch die oft ärmlicher lebenden Maori sprangen auf diesen Zug mit auf…

Ich selbst konnte in einem Museum hier in Neuseeland einen in Gold gefassten Schnabel eines Weibchens zu Gesicht bekommen und musste mich ernsthaft fragen, wer sich eine so knöcherne Trophäe freiwillig um den Hals hängt… Nun ja.

Versuche zum Schutz der Tiere wurden nicht ernsthaft unternommen und waren schlecht organisiert. Hinzu kam noch die weit verbreitete Ansicht unter den Europäern des 19. Jahrhunderts von der Überlegenheit allem europäischem gegenüber dem Fremden. Von der Stärke der europäischen Flora und Fauna gegenüber der schwächlichen Neuseelands. Dies machte es in den Augen der Europäer sinnlos, die Natur Neuseelands zu schütze, würde sie doch ohnehin bald von der europäischen ersetzt werden. Es galt die Natur Neuseelands für das überlegende Europa nutzbar zu machen und aus ihr zu schöpfen, solange es noch ging.

Im Februar 1892 wurden die Huia schließlich unter Schutz gestellt, dass Gesetz aber nicht ernsthaft durchgesetzt.

Besonders dunkle Verdienste um die Huia hat sich der neuseeländische Ornithologe Walter Buller erworben, der auf mehreren Expeditionen dutzende Huia erlegte und auch gerne mal das Gesetz zu seinen Gunsten verbog.

Bei einem Besuch des Duke of York und seiner Frau 1901, wurde dem Duke eine Huiafeder überreicht und an seinen Hut gesteckt. Diese Geste des Respekts gegenüber dem späteren König George V., ließ die Preise für Federn in England und Neuseeland explodieren und eine offizielle Erklärung, dass man keine Federn gesetzlich Schützen könnte, tat das übrige…

Die letzte bestätigte Sichtung eines Huia war 1907…

Der Vogel ist endgültig verschwunden aber sein immenser materieller Wert ist ungebrochen... Im Juni 2010 wurde eine Huiafeder zur wertvollsten Feder aller Zeiten, als eine einzige Huiafeder bei einer Auktion in Auckland für 8000 NZ$ (knapp 5300€) verkauft wurde!

Ich habe auch einmal ein ausgestopftes Huiamännchen in Privatbesitz gesehen. Die Leute des Ladens wo dieses aufbewahrt wurde, schätzten seinen Wert auf mehrere tausend Dollar. Es ist zwar ein Männchen und kein Weibchen, besitzt also nicht den signifikanten langen, krummen Schnabel, dürfte aber angesichts des Preises einer einzigen Feder, wohl bei einer Auktion für mehrere 10.000 NZ$ über den Tisch gehen…

Tukukino, ein Häuptling der Maori. Er trägt ein sogenanntes pohoi, ein aus Huiahaut gefertigtes Schmuckstück. Das Gemälde stammt von Gottfried Lindauer (Quelle: Wikipedia).

Lebensweise

Da der Huia leider relativ wenig studiert worden ist, bevor er endgültig vom Angesicht dieses Planeten verschwand, liegen nur lückenhafte Informationen über seine Lebensweise vor. So warf insbesondere der große Unterschied zwischen der Schnabelgröße und der Schnabelform bei Männchen und Weibchen viele Fragen auf und endete in mehreren Spekulationen. Klassische Folklore, geht davon aus, dass Huia bei der Nahrungssuche stark zusammengearbeitet haben um an ihre Hauptnahrungsquelle zu kommen, die proteinreichen Larven des Huhu- Käfers die sich in verrottendem Holz aufhalten. Das Männchen würde demnach mit seinem kurzen, kräftigen Schnabel und dank seiner stärkeren Hals und Nackenmuskulatur, dass Holz aufhacken und das Weibchen würde anschließend mit seinem langen, krummen Schnabel die Larven aus ihren Tunneln angeln. Dies erweckt den Anschein einer Co-evolution von einer Form von „intraspezifischer Symbiose“.

Tatsächlich könnten beide Geschlechter zusammengearbeitet haben, aber wohl nicht so strikt und regelmäßig wie üblich angenommen. Da auf Neuseeland mit den Spechten eine ganze Ordnung an Vögeln nicht vertreten ist, wird diese ökologische Nische von nur wenigen, anderen Vögeln ausgefüllt, zum Beispiel dem Nestorpapagei Kaka oder eben halt dem Huia. Wahrscheinlich ist das Besetzen von unterschiedlichen ökologischen Nischen durch beide Geschlechter lediglich eine Methode, um den intraspezifischen Druck und die Konkurrenz um Nahrungsquellen zu vermindern und damit den Gesamterfolg der Art durch eine insgesamt bessere Energiebilanz pro Individuum zu erhöhen. Das Männchen bediente sich demnach den sich weiter außen befindenen Larven des Huhu- Käfers und das Weibchen jenen, die tiefer im Totholz liegen. Es wird angenommen, dass gerade das Weibchen den langen Schnabel besaß, weil sie als Haupternährer der Küken galt und mit dieser Schnabelform im allgemeinen wohl doch mehr und vor allem größere Huhu- Larven beschaffen konnte, als das Männchen, die für die Ernährung der Küken besonders wichtig waren.

Neben den Larven des Huhu- Käfers, ernährte sich der Huia auch von anderen Insekten und Spinnen und verschiedenen Früchten des neuseeländischen Waldes.

Huia waren genauso wie die anderen Lappenvögel relativ schlechte Flieger und hüpften eher von Ast zu Ast als dass sie ihre Flügel benutzten. Auch hatten sie wohl wie viele andere Vögel Neuseelands, relativ wenig Angst vor Bodenfeinden, was wohl eine wichtige Rolle bei ihrer Vernichtung gespielt haben dürfte.

Huia lebten in einer monogamen Beziehung und dies wahrscheinlich ein Leben lang. Beobachtungen ihrer Eierzahlen reichen von 1-5 pro Gelege. Sie wurden sehr häufig in Paaren angetroffen, kamen aber auch in kleinen Gruppen vor, welche evt. Familiengruppen gewesen sein könnten. Wie weit die Beziehung eines Huiapaares ging und wie weit sie sich genau ergänzten und abhängig voneinander waren, ist ungeklärt.

Ein präpariertes Huiapärchen des Museums für Naturkunde in Berlin (Quelle: Wikipedia).

Schutzmaßnahmen

Dieses Kapitel löst sich in sich selbst auf, da die Huia bereits ausgestorben sind. Jedoch gab es bis zuletzt 1963 immer wieder Sichtungen von Huia, die aber nicht bestätigt wurden. Größte Hoffnung für alle Freunde des Huia ist der Te Urewera Nationalpark im Osten der Nordinsel Neuseelands. Doch selbst wenn einige wenige Exemplare bis in heutige Zeit überlebt hätten, stellt sich immer noch die Frage, ob es genug sein würden, um die Art auf Dauer zu retten.

1999 gab es Überlegungen den Huia zu klonen, jedoch stellte sich der Zustand der DNA der sich in Museen befindenden Huiahäute als zu schlecht heraus, als dass dieses Unterfangen Erfolg haben könnte.

Ein Huhu- Käfer auf Steward Island...

 

... und die Huhu- Larven im Totholz (Quelle: Wikipedia).

 

 

Wenn ihr noch weitere Fragen haben solltet, stellt sie mir ruhig. Über ein kurzes Feedback würde ich mich auch sehr freuen =).

 

(Quelle Titelbild: Wikipedia)

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Kommentare (2)
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29.05.2013
killerwal hat geschrieben:
toller bericht. ich aheb von dem vogel noch nichts gehört und das ist ein beweis dafür das wir wirklich tiere ausrotten können. ist echt schade für den vogel. diese aroganten europäer
29.05.2013
FabianN hat geschrieben:
Vielen Dank für den wieder sehr interessanten Bericht ;)
Allein das Schicksal dieser Vogelart zeigt uns wieder, wie sehr wir uns ändern müssen. Damals wie heute verhalten wir uns so schlecht, dass die Natur, ohne eine Chance sich zu wehren, darunter leiden muss.
Auch wenn es wahrscheinlich wieder schlechte Nachrichten werden, freue ich mich auf deine nächsten Berichte, um mehr über das so interessante Neuseeland und dessen Tierwelt zu erfahren...
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