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Neuseeland in Not- Teil 2: Die Moa und der Haastadler


von Nils93
16.05.2013
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Hey Leute. Ich bins wieder, Nils aus Neuseeland. Einige von euch haben vielleicht meinen Bericht über die Vogelschutzinsel Tiritiri Matangi Island gelesen. Wenn nicht, ist hier der Link dazu:

http://www.wwf-jugend.de/leben/oeko-reisen/neuseelands-letzte-pardiese--tiritiri-matangi-island;5240

Da ich während meines Aufenthalts hier leider feststellen musste, was für ein verklärtes Bild wir doch von dem Paradies am anderen Ende der Welt haben, hab ich mich nun dazu entschlossen eine kleine Reihe über Neuseeland und seine Probleme zu starten, in der ich verschiedene bedrohte Arten vorstellen werde, mich mit unterschiedlichen Institutionen und Problematiken auseinandersetzen werde und euch auch von den bereits ausgestorbenen Arten Neuseelands berichten werde.

Im 2. Teil der Reihe wird es um die ausgestorbenen Moa und den Haastadler gehen. Die Moa waren vollkommen flügellos Laufvögel, die von der Größe eines Truthahns bis zu einer Höhe von knappen 2 Metern reichten.

Der Haastadler war mit einer Flügelspannweite von 3 Metern der größte Adler aller Zeiten!

Moa und Haastadler waren unter den ersten Opfern der großen Vernichtung der heimischen Flora und Fauna, die Neuseeland seit der Besiedlung durch die Menschen heimsucht.

Auf der Coromandel Peninsula, einer Halbinsel Neuseelands von gut 85 km Länge, wurden alle vorkommenden Moa- Arten in nur 5 Jahren komplett ausradiert!

Wenig später folgte der Haastadler…

 

Ein Größenvergleich der verschiedenen Moaarten (Quelle: Wikipedia).

Geschichte

Die Entwicklungsgeschichte der Moa ist noch heute überaus umstritten und voller Widersprüche und Zweifel. Die am meisten akzeptierte Theorie geht davon aus, dass Moavorfahren vor etwa 60 Millionen Jahren nach Neuseeland kamen. Etwa zur selben Zeit, als sich Neuseeland zunehmend von Australien abspaltete. Viel später, erst vor gut 5,8 Millionen Jahren, spalteten sich die Moa zu den uns heute bekannten Spezies auf.

Interessant ist auch, dass die Moa über keinerlei Reste von Flügeln verfügen, wohingegen sie beim Kiwivogel noch als Rudimente vorhanden sind.

Als die ersten Siedler nach Neuseeland kamen, jene polynesischen Einwanderer, die später die Kultur der Maori formen sollten, war es dann auch schnell vorbei mit den Moa. In wohl weniger als 100 Jahren gingen wahrscheinlich fast alle Arten der Moa für immer in die Geschichte Neuseelands ein. Die Moa- Vernichtung ging derart schnell von statten und war derart einfach, dass die Maori- Jäger nicht einmal spezialisierte Waffen für die Moa- Jagd entwickelt haben. Wie der Besuch eines Supermarktes, ging es zur Moa- Jagd…

Der Haastadler hat eine deutlich jüngere Geschichte als die Moa. Genetisch ist er am engsten mit dem Zwergadler und dem Kaninchenadler verwandt. Wahrscheinlich immigrierten seine Vorfahren aus dem australisch- asiatischen Raum und entwickelte sich zwischen 1,8 Millionen und 700.000 Jahren zu dem gigantischen Haastadler weiter. Mit dieser Zunahme an Größe und Gewicht in so kurzer Zeit ist der Haastadler ein Rekordhalter unter den Wirbeltieren.

Aber auch der Herrscher Neuseelands muss Nahrung zu sich nehmen. Mit der Ausrottung der Moa und anderen großen, flugunfähigen Vögeln durch die Maori, war auch das Schicksal der Haastadler um 1500 entgültig besiegelt…

Da die Maori keine schriftlichen Zeugnisse hinterließen und Moa und Haastadler in so kurzer Zeit vernichtet wurden, gingen beide Vögel bald ins Reich der Legenden ein.

Bis beide im 19. Jahrhundert von Wissenschaftlern wiederentdeckt wurden…

Besonders zu nennen seien hier Richard Owen und Julius von Haast. Owen veröffentlichte 1840 die erste Publikation über Moa, nachdem bereits anhand sich häufender Fossilien, Mutmaßungen über ausgestorbene, straußenhafte Vögel gemacht wurden. Haast publizierte ebenfalls über Moa und beschrieb erstmalig 1874 den Haastadler.

Fossilien verschiedener Moaarten im Waitomo Caves Discovery Center.

Lebensweise

Zur Zeit werden die Moa in 11 Arten unterteilt. Die 11 Arten waren von unterschiedlichster Größe und lebten in unterschiedlichsten Lebensräumen. Von den regenreichen gemäßigten Regenwäldern Neuseelands, bis in die sub- alpinen Zonen des Landes waren sie verbreitet.

Auch ihre Ernährung war entsprechend ihres Lebensraumes unterschiedlich. Gemeinsam ist allen Moa jedoch, dass sie reine Vegetarier waren.

Moa waren entsprechend ihres Lebensraumes, der mit verschiedensten Arten bevölkert war und vor der Ankunft der Menschen nur wenige Fressfeinde aufwies (wie den Haastadler), absolute K- Strategen. Dies bedeutete, das Moa nur langsam wuchsen, spät die Geschlechtsreife erlangen und auch relativ wenig Eier legten. 1- 2 Eier legten Moa pro Gelege. Einige Moa Eier übertraf deutlich die Größe eines Straußeneies. Mit ihren langen Hälsen erzeugten Moa überaus Laute und weittragende Rufe. Ich hatte die Gelegenheit in einem Museum einer Rekonstruktion eines solchen Lautes zu lauschen und würde ihn als eine Arte tiefes und langes Brummen beschreiben… Naja. So ungefähr halt…

Der Haastadler ist mit einer Flügelspannweite von knapp 3 Metern und einem Gewicht von bis zu 18 Kilo der größte Adler aller Zeiten, wenn nicht sogar der größte Greifvogel aller Zeiten, auch wenn ihn evt. einige Neuweltgeier, zumindest die Spannweite betreffend, durchaus überholen könnten. Beim Haastadler waren die Weibchen den Männchen an Größe deutlich überlegen. Für sein Körpergewicht besitzt der Haastadler relativ kurze Flügel. Dies liegt wahrscheinlich daran, das Neuseeland vor der Ankunft der Europäer fast vollständig mit Wald bedeckt war und die Beute des Haastadlers, vornehmlich die verschiedenen Moaarten, sich nun mal eben genau dort mit Vorliebe aufhielten. Eine ähnliche Entwicklung vollzog die südamerikanische Harpyie.

Mit einer Angriffsgeschwindigkeit von knapp 80 Kilometern pro Stunde entwickelte der Haastadler eine Kraft, die gleichzusetzen ist mit einem Betonblock, der von einem 8- stöckigen Gebäude fällt. Dabei zielte eine Kralle auf das stabile Becken des Opfers, während die andere den Hals oder Kopf angriff. Der starke Schnabel verursachte tiefe Wunden und schwächte das Opfer weiter.

Maori- Legenden berichten von Vögeln, die Menschen angreifen würden. Wahrscheinlich passten Menschen recht gut ins Beuteschema des Haastadlers, wenn man einmal die Kraft berücksichtig, die dieser beim Angriff entwickelte.

Maori- Legenden berichteten auch von der gezielten Tötung dieser „Ungeheuer“. Die Beziehung zwischen Adler und Mensch verschärfte sich wahrscheinlich noch weiter, als die Maori durch die gezielte Legung von Bränden auch noch die letzten Moa aus dem Wald getrieben hatten und töteten. Seiner Nahrung beraubt, war der Adler wahrscheinlich immer mehr gezwungen, auf die wehrhafte Beute Mensch zurückzugreifen… Wie ein solcher und ähnliche Konflikte für die Tiere ausgehen, ist ja hinlänglich von Tiger, Hai und Co. bekannt…

Hinzu kommt noch, dass sich der Haastadler vermutlich, wie die meisten Tiere Neuseelands, sich nur langsam vermehrte und dementsprechend besonders verletzlich war.

Eine nachgestellte Jagdszene im Te Papa Tongarewa, dem Nationalmuseum von Neuseeland.

Schutzmaßnahmen

Dieses Kapitel erübrigt sich eigentlich, da beide Tiere schon lange als ausgestorben gelten. Als James Cook 1769 Neuseeland für die europäische Welt entdeckte, waren die beiden beeindruckendsten Tiere Neuseeland wahrscheinlich schon längst verschwunden. Trotz allem halten sich weiter Gerüchte über Sichtungen von Moa und Haastadler. In den 1870er Jahren berichtete ein Mann, dass er zwei riesige Greifvögel erlegt hatte und bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es Berichte von gefundenen Adlernestern. Die Sichtungen von Moa gehen sogar hinein bis in die Gegenwart. Zuletzt 2008. Die große Hoffnung der Moagläubigen ist die dichte Wildnis im Südwesten der Südinsel Neuseelands, dem Fjordland- Nationalpark. Die Hoffnung wird auch gestützt von der Wiederentdeckung der Südinseltakahe in eben diesem Gebiet.

Jedoch gibt es einen großen Unterschied zwischen den 50 Jahren des Verschwindens der Südinseltakahe und den 500 Jahren von Moa und Haastadler. Ich persönlich bin ebenfalls am hoffen, dass man vielleicht eines Tages eine kleine Population an Moa wieder findet, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür so gering ist…

Die Wiederentdeckung eines einzigen Moa währe eine Sensation in vielerlei Hinsicht. Zuerst würde es bedeuten, dass auch für andere lang ausgestorbene Arten noch Hoffnung bestehen würde. Zweitens hätte es auch eine starke symbolische Bedeutung. Der Kiwivogel ist das Symbol für alle noch lebenden Vögel Neuseelands. Der Moa hingegen das Symbol für alle bereits ausgestorbenen. Solch eine Entdeckung währe ein Hoffnungsschimmer für all jene Arten, die von den Menschen, Maori wie auch Europäern, für immer aus dem musikalischen Chor der neuseeländischen Wälder verbannt wurden. Eine ganz spezielle Bedeutung hätte solch ein Fund für die heutige Maori- Community Neuseelands. Der Moa ist ein starkes Symbol für die Maori, mit dem sie sich mit ihrer pre- europäischen Kultur identifizieren.

Er steht für die starke Verbindung zu ihrem Land, Neuseeland oder auch Aotearoa, wie sie es in ihrer eigenen Sprache nennen. Wie viele Naturvölker der Erde, entwickelten die Maori nach einer anfänglichen Phase der Ausrottung teilweise erstaunliche Fähigkeiten der Ressourcenschonung, die die Europäer aufgrund ihrer größeren Unabhängigkeit von der Natur durch viele verschiedene Arten an domestizierten Vieh, bis vor knapp 100 Jahren nie entwickelten. Ein anderes Beispiel als die Maori sind die Ureinwohner Nordamerikas. Erinnert an die Wichtigkeit der Schonung der natürlichen Ressourcen wurden die Maori vor allem durch die zunehmende Anzahl an eintreffenden Europäern, die mit der rapide zunehmenden Abholzung der Wälder und Vernichtung der heimischen Flora und Fauna (aktiv wie auch passiv), die Maori immer mehr daran erinnerten, wie verletzlich ihre einzigartige Heimat doch ist.

 

Ein Moafossil in einer Höhle bei Waitomo. Der Moa hat entweder die Höhle betreten und ist dort verendet oder ist durch einen vertikalen Schacht durch die Höhlendecke gefallen.

 

 

Wenn ihr noch weitere Fragen haben solltet, stellt sie mir ruhig. Über ein kurzes Feedback würde ich mich auch sehr freuen =).

 

(Quelle Titelbild: Wikipedia)

 

 

 

 

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
17.05.2013
Smilex hat geschrieben:
interessant :)
17.05.2013
LSternus hat geschrieben:
Toller Bericht.
17.05.2013
FabianN hat geschrieben:
Super recherchierter und interessanter Bericht! Danke :)
Ich freu mich auf mehr ;)
16.05.2013
raubkatze hat geschrieben:
Interessanter Bericht! Echt cool, dass du so viel über die besonderen Tierarten Neuseelands schreibst :)
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