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Neuseeland in Not- Teil 1: Der Südinseltakahe


von Nils93
10.05.2013
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Hey Leute. Ich bins wieder, Nils aus Neuseeland. Einige von euch haben vielleicht meinen Bericht über die Vogelschutzinsel Tiritiri Matangi Island gelesen. Wenn nicht, ist hier der Link dazu:
http://www.wwf-jugend.de/leben/oeko-reisen/neuseelands-letzte-pardiese--tiritiri-matangi-island;5240
Da ich während meines Aufenthalts hier leider feststellen musste, was für ein verklärtes Bild wir doch von dem Paradies am anderen Ende der Welt haben, hab ich mich nun dazu entschlossen eine kleine Reihe über Neuseeland und seine Probleme zu starten, in der ich verschiedene bedrohte Arten vorstellen werde, mich mit unterschiedlichen Institutionen und Problematiken auseinandersetzen werde und euch auch von den bereits ausgestorbenen Arten Neuseelands berichten werde.

Im 1. Teil der Reihe wird es um den Südinseltakahe gehen. Der Südinseltakahe ist die größte Ralle der Welt und damit mit unserem Wachtelkönig und dem Blässhuhn verwandt. Wie viele Vögel Neuseelands ist er flugunfähig. Der nördliche Vertreter des Takahe, der Nordinseltakahe ist bereits Ende des 19. Jahrhunderts ausgestorben.


Auch der Südinseltakahe galt über 50 Jahre lang als ausgestorben!
Bis zu seiner Wiederentdeckung 1948…

Geschichte
Bereits seit dem Ende der letzten Eiszeit, sind die Bestände der Takahe zurückgegangen.
Wälder setzten sich gegenüber gemischten Habitaten durch, was höchst unvorteilhaft für die Habitatsansprüche der Takahe war. Trotzdem schienen sie auch mit den neuen Bedingungen klar zu kommen und überlebten das Ende der Eiszeit erfolgreich.
Erst als die ersten Menschen vor 800-1000 Jahren nach Neuseeland kamen, fanden die ersten dramatischen Bestandsrückgänge statt. Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, bejagten die blauen Vögel und zerstörten und verbrannten deren Lebensraum. Teilweise zur Wohnraumgewinnung und für den Ackerbau, andererseits um Jagdwild durch die Flammen aus Wäldern und Wiesen zu treiben. Bis zur Ankunft der Europäer in Neuseeland waren die Südinseltakahe bereits so stark zurückgegangen, dass sie nur noch im schwer zugänglichen Fjordland im Südwesten der Südinsel überlebten.
Die Europäer brachten vor allem Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde mit sich, aber auch
Pflanzen, die den Takahe in ihrer Ernährung dienlich sein konnten, sofern diese zugänglich waren.
1894 wurde von der letzten Sichtung eines Südinseltakahe berichtet. Seit dem galt die Art als ausgestorben.
Obwohl ihn viele wohl als Spinner abtaten glaubte der Vogelkundler Geoffrey Orbell trotz allem noch fest an die Existenz der Takahe. Er konzentrierte sich auf ein etwa 500 km2 großes Gebiet in den Murchison Mountains und wurde trotz aller Einwände 1948 eben dort fündig.
Nach ihrer Wiederentdeckung 1948 wurden langsam mit Schutzmaßnahmen für die wiederentdeckte Population an Südinseltakahe begonnen. Verschiedene Schutzpläne wurden erarbeitet und überarbeitet um die Population in den Murchison Mountains zu stabilisieren und weiter zu vermehren.

Einige Takahe auf Tiritiri Matangi Island. Die künstliche Fütterung soll den Bestand erhöhen und den Takahe bei der Jungenaufzucht helfen.

Lebensweise
Takahe ernähren sich fast ausschließlich von Gräsern und Kräutern. Nur ihre Jungtiere nehmen in den ersten Lebensmonaten auch tierische Nahrung zu sich. 70% des Tages verbringen Takahe mit Grasen.
In den Murchison Mountains besteht ihre Hauptnahrung vor allem aus Tussockgras im Sommer und einer bestimmten Farnart im Winter. Mit ihrem kräftigen Schnabel „ernten“ sie die Pflanzen regelrecht ab und versorgen sich und ihre Nachkommen.
Feinde haben die Takahe vor allem in den von den Europäern eingeschleppten Arten. So bejagen Hermeline teilweise die Takahe und Fuchskusu und Hirsche sind starke Nahrungskonkurrenten. Ein naher Verwandter des Takahe, das Purpurhuhn, stellt ebenfalls einen starken Konkurrenten dar. Das Purpurhuhn ist vor etwa 1000 Jahren nach Neuseeland eingewandert und ist dank seiner Flugfähigkeit besser vor Feinden geschützt als der Takahe.
Beide Arten sind sich in Verhalten und Aussehen verblüffend ähnlich.
Takahe ziehen pro Jahr nur ein Junges groß und sind überaus treue Partner. Sie bleiben ihr Leben lang mit ihrem Partner zusammen und vermehren sich auch ausschließlich nur mit diesen.
Wie bereits erwähnt, sind Takahe flugunfähig, dafür aber überaus gewandte und schnelle Läufer. Ich konnte dies auf Tirtiri Matangi Island selbst miterleben, als ein Takahe hinter dem Rangerwagen herlief. Sie sehen dabei ziemlich albern aus, sind aber recht geschickt.
Interessant fand ich auch ihren Warnruf, als ich einmal in der Nähe eines ihrer Nester vorbei lief. Dieser hörte sich an, als ob man gegen einen großen Wasserballon schlagen würde… Nun ja.

Ein Purpurhuhn im Vordergrund und ein Takahe im Hintergrund (im Gras versteckt). Beide sehen sich sehr ähnlich, doch ist das Purpurhuhn zierlicher und hat einen deutlich kleineren Schnabel.

Schutzmaßnahmen
Der Bestand der Takahe liegt heute bei um die 250 Tiere. Langfristiges Ziel ist es zwei Populationen von je 500 Tieren aufzubauen und mehrere kleinere Populationen auf küstennahe Inseln aufzubauen.
Die Murchison Mountains sind ein streng geschütztes Gebiet und dürfen nur mit einer Sondergenehmigung betreten werden. Konkurrenten der Takahe, wie die Hirsche und Fressfeinde wie die Hermeline werden systematisch reduziert. Durch Eiertausch und das entfernen von unfruchtbaren Eiern wird gewährleistet, dass möglichst viele Eier gelegt werden und die Jungtiere möglichst erfolgreich aufgezogen werden.
Regelmäßig werden einige Jungtiere mit der Hand aufgezogen und später wieder in die Freiheit entlassen, um den Bestand an Takahe noch zusätzlich zu unterstützen.
In den Stuart Mountains wurde mit einer zweiten Population begonnen. Großteilig mit von der Hand aufgezogenen Takahe, die trotz der Handaufzucht sehr gut überlebensfähig sind.
Ein zentraler Punkt ist auch das Auswildern der Takahe auf raubtierfreien Inseln in Küstennähe, wo ich auch das Glück hatte, sie beobachten zu können.

Ein Takahe im Impfprogramm von Tiritiri Matangi Island. Der Takahe soll ausgesiedelt werden und muss hierfür ein festgelegtes Impfprogramm über sich ergehen lassen. Somit ist gewährleistet, dass keine Krankheiten unter den Populationen ausgetauscht werden.

 


Wenn ihr noch weitere Fragen haben solltet, stellt sie mir ruhig. Über ein kurzes Feedback würde ich mich auch sehr freuen =).

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Kommentare (5)
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16.05.2013
Hanadi hat geschrieben:
Wirklich sehr spannend. Dann hab noch eine schöne Reise und viel Spaß beim Vogelsuchen und (viel wichtiger) -finden. Weiter so!
15.05.2013
Nils93 hat geschrieben:
Ich bin eigentlich primär am Reisen. Ich hab auf Tiritiri Matangi Island aber die Möglichkeit ergriffen und als Freiwilliger für das Department of Conservation gearbeitet. Außerdem hab ich mich selber noch auf Vogelsuche begeben =). Zum Department of Conservation wollte ich auch noch einen Bericht schreiben... In einem Kommentar in meinem Tiritiri- Bericht, bin ich da schon einmal ein wenig drauf eingegangen.
14.05.2013
Hanadi hat geschrieben:
Wirklich ein interessanter Bericht. Ich muss zugeben, dass ich vorher nicht wirklich etwas über die (bedrohte) Tierwelt Neuseelands wusste. Hilfst du in Neuseeland in einer Schutzorganisation für die Vögel mit?
12.05.2013
Kerstin hat geschrieben:
Der Bericht ist total interessant. Neuseeland ist mein Traumreiseziel und ich finde es wirklich toll mehr über die Natur dort erfahren zu können. Ich freu mich schon auf den nächsten Artikel.
:-) :-) :-)
12.05.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Sehr interessant! Hört sich toll an! :) Danke für den schönen Bericht!
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