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namens Erde


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Meine Zeit als "Fresher" - Studium und Umweltschutz in England (6)


von Cookie
08.02.2015
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Warum bekomme ich dieses Trimester deutlich mehr Bewegung? Wie schneidet mein Wohnheim im Energiesparwettbewerb ab? Wie klappt der Plastikverzicht in England? Was essen englische Studenten? So hat mein zweites Trimester an der University of Essex angefangen:

Mein wundervoller Weihnachtsurlaub in der Heimat ging viel zu schnell zu Ende und seit vier Wochen bin ich nun zurück auf der Insel, seit zwei Wochen aber glücklicherweise in einem neuen Wohnheim. Ich habe eine Tauschpartnerin gefunden und wohne nun zusammen mit sechs anderen Mädels in einer hübschen Wohnung in einem Wohnheim knapp zwanzig Minuten vom Campus entfernt. Mein Zimmer ist groß und hell, mit eigenem kleinen Bad und Aussicht auf einen Fluss. Hier fühle ich mich deutlich wohler als in meiner Chaos-Wohnung und meistens ist es auch relativ ruhig. Nur daran, nicht mehr direkt auf dem Campus zu wohnen, muss ich mich gewöhnen, da ich mir meine Zeit nun ganz anders einteilen muss. Dafür bin ich jetzt deutlich schneller beim Supermarkt.

Mein neues Zimmer

Aussicht auf den Fluss

Der Architekt, der diese Brücke entworfen hat, wird von allen Studenten verflucht... 

Mein Umzug ist zu Fuß von statten gegangen. Zwei Freundinnen haben sich und ihre Koffer zur Verfügung gestellt und gemeinsam haben wir alles in mein neues Wohnheim geschleppt. Als ich mein Hab und Gut verstaue, fällt mir mal wieder so richtig auf, wie viele unnötige Dinge ich doch besitze. Als ich nach England aufgebrochen bin, war ich mir sicher, nur Dinge im Gepäck zu haben, die ich auch wirklich brauche. Doch als ich jetzt alles erneut zusammenpacke, finde ich vieles, das ich seit meiner Ankunft kaum angerührt habe. Klamotten, die ich kein einziges Mal getragen habe, Bücher, in denen ich kein einziges Mal geblättert habe. Dann hat sich natürlich noch so einiges angesammelt, das ich hier gekauft, nach den Ferien mitgenommen und mir habe nachschicken lassen. Ich frage mich jetzt schon, wie ich das alles wieder nach Deutschland transportieren soll. Mir wird klar, dass ich dringend einmal aussortieren muss. Und ich muss von dieser "aber vielleicht könnte ich das ja doch mal brauchen"-Einstellung weggekommen, die mich so viele unnötige Dinge mit hierher hat bringen lassen. Ich nehme mir fest vor, in Zukunft viel mehr darüber nachzudenken ob ich Dinge wirklich brauche, bevor ich sie kaufe oder bei einem Umzug mitnehme.

Dass man auf manches problemlos verzichten kann, hat mir auch meine Plastikpause gezeigt, in der ich zum Beispiel auf meinen Föhn, meine Laptopmaus, Süßigkeiten, Kontaktlinsen und diverse Cremes verzichtet habe. Das Experiment hat bei mir eine ganz neue Art von Heimweh ausgelöst: Große Sehnsucht nach den Möglichkeiten, plastikfreier zu leben, die ich im letzten Jahr in Gießen hatte. Durch das Experiment wurde mir noch einmal viel deutlicher bewusst, wie viel mehr Plastik seit meinem Umzug nach England in mein Leben Einzug erhalten hat. Es gibt so unglaublich viele Dinge, die ich zu Hause ganz selbstverständlich plastikfrei gekauft habe: Joghurt im Glas, Getränke und Öl in Glasflaschen, Salz in der Pappverpackung, vegane Brotaufstriche im Glas… All das finde ich in dem einen Supermarkt, auf den ich hier quasi beschränkt bin so nicht, die veganen Brotaufstriche gibt es eigentlich gar nicht, sodass ich hier nicht nur mehr Plastik, sondern auch mehr Tierprodukte verbrauche. Wenn ich es mir so recht überlege, ist man Lebensstil durch das Studium in England eigentlich deutlich weniger umweltbewusst geworden: Mehr Plastik, mehr Tierprodukte, kaum Bio-Produkte, weil hier alles teurer ist, keine wirklichen Reyclingmöglichkeiten im Wohnheim und dann natürlich mehrmals im Jahr fliegen, wo ich vorher kaum geflogen bin. Das stimmt mich ziemlich nachdenklich.



Um von den düsteren Gedanken einmal weg und noch einmal zum Thema Neuanschaffungen zu kommen: Über eine Neuanschaffung, die ich mir in den letzten Woche zugelegt habe, bin ich wirklich froh. Ich habe mir ein vegetarisches Studentenkochbuch zugelegt, das auf die bei Tesco erhältlichen Lebensmittel ausgelegt ist. Dass es sich um ein englisches Kochbuch handelt sieht man schon daran, dass sehr viele Gerichte Baked Beans enthalten. Dass Engländer davon so viele verzehren, ist übrigens kein Vorurteil, sondern die reine Wahrheit: Meine englischen Mitbewohner haben diesen Dosenfraß wirklich zu fast allem gegessen (Nudeln, Kartoffeln, Toast, Waffeln…), manche sogar mehrmals täglich, und bei Tesco gibt es ein ganzes Regal voller verschiedener Baked Beans Sorten. Mein Fall ist das zwar nicht so, aber von denen mit Baked Beans einmal abgesehen, enthält mein Kochbuch viele leckere Rezepte, die ich momentan ausprobiere.



Erinnert ihr euch noch an den Energiesparwettbewerb Student Switch Off, von dem ich hier schon öfter berichtet habe? Neben den Fotowettbewerben auf Facebook läuft auch allgemein ein Wettbewerb zwischen allen Wohnheimen auf dem Campus, welches am wenigsten Energie verbraucht. Den Siegern winkt jede Menge Ben and Jerrie’s Eis. Zum Beginn des Trimesters wurde die Zwischenbilanz veröffentlicht und wie nicht anders zu erwarten belegt mein altes Wohnheim den letzten Platz. Kein Wunder, schließlich wurde dort ständig das Licht im Bad angelassen und das heiße Wasser lief manchmal die halbe Nacht, weil jemand den Hahn nicht richtig zugedreht hat. Das Licht im Flur leuchtete 24 Stunden am Tag, da man, um es auszuschalten, einen Schalter betätigen musste, der gleichzeitig das Licht im Bad am anderen Ende des Ganges lahm gelegt hat. Davon abgesehen zeigten auch kaum Leute Interesse am Energiersparen oder an Student Switch Off, schon gar nicht meinte Mitbewohner, die es generell nicht ernst nahmen, wenn ich das laufende Wasser und das Lichtausschalten angesprochen habe. Leider belegt mein neues Wohnheim auch nur den vorletzten Platz. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass hier jeder sein eigenes Bad hat und die Zimmer generell mit viel mehr Lampen ausgestattet sind als in den Towers.

Ansonsten läuft von Student Switch Off gerade auch wieder ein Klimawandel-Quiz, bei dem ich gelernt habe, dass der Rekord im T-Shirts-übereinander-Tragen bei 257 liegt, man mit dem Deckel auf dem Topf bis zu 90% Energie spart und der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strom in Großbritannien 18% beträgt.

Vorletzte Woche gab es für einige hier dann noch ein ganz besonderes Ereignis: Es begann plötzlich zu schneien. Für mich war das bisschen Schnee, das kaum liegen blieb, eher ein Ärgernis, weil mein Rucksack auf dem Weg zur Uni durchweichte, aber als ich den Campus erreichte, standen dort überall Leute mit gezückten Handys, die dieses Wunder fotografierten und Selfies im Schneegestöber machten. Die Uni ist ziemlich international, hier trifft man Leute aus aller Welt und für einige war es das erste Mal, dass sie richtigen Schnee zu sehen bekamen. Ihre Freude darüber war für mich eigentlich viel schöner anzuschauen als die weißen Flocken selbst.

Jetzt ist schon fast wieder die Hälfte des Trimesters vorbei und in sechs Wochen beginnen meine Osterferien. Ich werde davon berichten, was ich in dieser Zeit noch so auf der Insel erlebe. Und wenn ihr noch mal nachlesen wollt, wie mein erstes Trimester zu Ende ging, findet ihr hier meinen letzten Bericht.

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Kommentare (3)
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09.02.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Danke für den schönen Bericht! Dein neues Zimmer sieht wirklich sehr freundlich aus. Ich bin schon gespannt auf deinen nächsten Bericht! =)
09.02.2015
Cookie hat geschrieben:
@lolfs: Einer der Energiespartipps von Student Switch Off ist es, dass man sich lieber wärmer anziehen soll, anstatt gleich die Heizung aufzudrehen, ich nehm an, daher kam die Frage mit dem T-Shirt-Weltrekord. :D
09.02.2015
lolfs hat geschrieben:
Mal wieder ein schöner Bericht aus England.

Ich frage mich gerade, was der Rekord "T-Shirt-übereinander-Tragen" mit dem Klimawandel zu tun hat?
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