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namens Erde


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Meine Zeit als "Fresher" - Studium und Umweltschutz in England (3)


von Cookie
26.10.2014
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Wie verhilft ein Deckel auf dem Kopf zu einer Packung Eis? Wie kauft man in England möglichst plastikfrei ein? Was macht ein Student Switch Off Ambassador? Wie feiert man in Essex Oktoberfest? Regnet es in England wirklich so viel?  Mein Alltag an der University of Essex. 

Meine vierte Woche in Essex neigt sich dem Ende zu und nach sehr stressigen und aufregenden ersten Wochen kehrt für mich jetzt so langsam der Uni-Alltag ein. Ich finde meine Klassenzimmer nun meistens ohne die Hilfe der (überaus praktischen) Find your way at Essex App, habe meinen Stundenplan im Kopf und einen halbwegs geregelten Tagesablauf und auch meine Mitbewohner übertreiben es mit den Partys nicht mehr ganz so sehr wie am Anfang. Trotzdem mache ich hier immer wieder neue Entdeckungen und Erfahrungen in Sachen Umweltschutz.

Den Energiesparwettbewerb Student Switch Off habe ich schon in meinen beiden vorigen Berichten erwähnt, gestern hat er mir wieder einen Preis beschert: Ben and Jerry's Eis. Das Motto des zweiten alle zwei Wochen stattfindenden Fotowettbewerbs lautet: Deckel auf den Kopf, äh Topf.

"Or was it the other way round...?" 

Mit möglichst kreativen Bildern soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass man beim Kochen bis zu 90% Energie sparen kann, indem man einfach nur den Deckel auf dem Topf lässt. Dadurch bleibt die Hitze im Topf, man kann die Temperatur des Herds niedriger drehen und nebenbei wird das Essen auch noch schneller fertig. Ich werde mich in Zukunft noch mehr für den Wettbewerb engagieren, nämlich als Student Switch Off Ambassador. Das bedeutet, ich helfe, den Wettbewerb bekannt zu machen, indem ich zum Beispiel auf Facebook die Links zu den Fotowettbewerben teile, Freunde und Mitbewohner dazu bringe, sich in die Mailingliste einzutragen oder am Klimawandel-Quiz teilzunehmen und an sogenannten Halls Visits teilnehme, in denen die Ambassadors in die Wohnheime gehen und dort über Student Switch Off informieren. Das Training dazu hat letzte Woche stattgefunden. Als ich den Raum betrete, ist er schon voller Studenten, die sich über das kostenlose Essen, das für viele sicher auch ein Anreiz war, zu kommen, hermachen. Neben den Snacks erhalten wir alle ein Student Switch Off T-Shirt und schließlich erklärt Rachel, die das Projekt in Essex betreut, uns unsere Aufgaben. Wir bekommen noch einmal eine Zusammenfassung darüber, was Student Switch Off macht und was und wie man gewinnen kann. Dann ist es an uns, Engergiespartipps und Ideen, wie man diese in den Wohnheimen umsetzen könnte, zu sammeln. Außerdem lernen wir, mit welchen Argumenten sich verschiedene Personengruppen am ehesten für Student Switch Off begeistern lassen. So interessieren sich die einen vielleicht eher für den Umweltschutzaspekt, während man andere mit Preisen wie Rabattkarten, Eis und Lush-Produkten locken kann. Sich zu engagieren lohnt sich allemal, denn besonders aktive Student Switch Off Ambassadors bekommen ein Zertifikat von der National Union of Students und haben die Chance, eine Reise nach Paris zu gewinnen.


So sieht ein frisch gebackener Student Switch Off Ambassador aus ;-)

Was mir von der Trainingsstunde besonders in Erinnerung geblieben ist, ist ein Video, das wir zu Beginn gesehen haben:



Dieses wie ich finde ziemlich interessante Video bekomme ich gleich zwei Mal innerhalb einer Woche zu sehen. Am Samstag bin ich nämlich beim Course Representative Training gewesen. Ein Course Rep, wie es abgekürzt heißt, ist so eine Art Klassensprecher für seinen Kurs, der die Interessen seiner Mitstudenten bei Department-Sitzungen und Ähnlichem vertritt. Eigentlich habe ich diese Rolle nicht unbedingt ausführen wollen, aber als ich eine E-Mail bekomme, dass es für Drama and Modern Languages noch niemanden gibt, melde ich mich kurzerhand doch an. Ich will schließlich auch repräsentiert werden. Momentan bin ich allerdings auch die einzige Person, die ich repräsentiere, da außer mir keiner meinen Kurs im ersten Jahr studiert. Ich habe über den Course Director eine Mail an alle Drama and Modern Languages Studenten in den übrigen Jahrgängen geschickt, aber noch keine Rückmeldung erhalten.

Nach dem Course Rep Training geht es für mich zum Oktoberfest der German Society. Schon seit dieses angekündigt wurde, frage ich mich, wie man Oktoberfest in England feiert. Als ich schließlich die Bar betrete, in der es stattfinden soll, winkt mir Joelle, die PR Beauftragte der Society, schon von einem Tisch in der Ecke aus zu. Sie hat sogar tatsächlich ein Dirndl an. An den Wänden hängen Deutschland- und Bayernwimpel und auf den Tischen liegen kleine Speisekarten, die das German Special anpreisen:



Außerdem werden ein Schnitzelburger und ein Bratwurst Hot Dog serviert, beide mit Sauerkraut, das die Nicht-Deutschen allesamt aussortieren und auf dem Teller liegen lassen. Eine erstaunliche Anzahl von Leuten interessiert sich für die deutsche Sprache und Kultur und kommt zu den Treffen der Society. So kann man dort einerseits Leute aus allen möglichen Teilen der Welt kennen lernen (Neben mir sitzen ein Brasilianer und eine Litauerin, die uns Deutschen stolz die einzigen beiden deutschen Sätze, die sie kennt, präsentiert: "Ich liebe dich" und "Bück dich bitte") und trifft gleichzeitig aber auch Landsleute, mit denen man sich austauschen kann. Insgesamt ist es eher ein gemütliches Zusammensitzen als ein Fest, aber Spaß haben wir definitiv. Auch die erste von der Society organisierte Deutschstunde hat inzwischen stattgefunden. Im ersten Teil der Stunde versucht Sasha, der Vorsitzende, mit Hilfe des Fliegerliedes (Das bei uns Deutschen auf deutlich mehr Begeisterung stößt als bei unseren Schülern) erste Vokabeln und Grammatik zu vermitteln, im zweiten Teil bilden wir mehrere Gruppen, in denen wir versuchen, uns auf Deutsch zu unterhalten. In der nächsten Stunde werde ich dann auch anfangen, mit zu unterrichten.


(c) Joelle Leilich

Mit all den Societies und anderen Möglichkeiten, auf dem Campus aktiv zu werden, bin ich ziemlich beschäftigt. Da ich nebenher auch noch ein bisschen studieren muss, habe ich leider keine Zeit, all die tollen Angebote hier wahrzunehmen. So verpasse ich zum Beispiel leider den Vortrag von Aubrey Meyer, einem Geiger, der seine Musikerkarriere aufgegeben hat, um sich für den Klimaschutz einzusetzen. Zudem habe ich jetzt noch eine weitere Beschäftigung: Ich habe einen kleinen Job gefunden und verteile jetzt einmal die Woche Flyer für das Lakeside Theatre, unser Theater auf dem Campus. Als die E-Mail mit der Bestätigung kommt, dass ich den Platz habe, mache ich Freudensprünge. Es ist nicht das große Geld, das mich in ein Wohnheim mit eigenem Bad katapultiert, aber es ist ein guter Anfang. Im Verteilen von Theaterprogrammen habe ich durch mein Jahrespraktikum am Stadttheater Gießen jede Menge Übung und so werde ich meine Flyer bei meiner ersten Schicht in Rekordzeit los. Hilfreich sind dabei sicher auch die beiden Tänzer, die sich riesige Pappradios auf den Kopf gesetzt haben und plötzlich ganz in meiner Nähe zu tanzen beginnen. Das zieht natürlich Leute an. Mir gefällt, wie man auf dem Campus immer wieder Zeuge solcher Showeinlagen wird. Erst neulich sind mir diese beiden Gestalten über den Weg gelaufen:



Auch den wöchentlichen Campusmarkt schätze ich mittlerweile sehr. Seit ich weiß, dass ich dort günstig Obst und Gemüse quasi vor meiner Haustür bekommen kann, kaufe ich dieses nicht mehr bei Tesco, sondern lege mir jeden Donnerstag auf dem Markt einen ordentlichen Vorrat zu. So spare ich Zeit, Geld und vor allem Plastik, denn wenn man den Verkäufern seine eigene Tasche gibt, packen sie Obst und Gemüse dort hinein statt in Plastiktüten.

Was mir auch aufgefallen ist, ist wie viel hier über Social Media läuft. Fast alle Departments, Clubs und Societies sind fleißig am Twittern und haben eigene Facebook-Seiten. Ohne Facebook wäre ich hier ganz schön aufgeschmissen und würde von vielen Veranstaltungen gar nicht erst erfahren, ganz zu Schweigen auch von den Fotowettbewerben, an denen ich ohne Facebook gar nicht teilnehmen könnte. Unter all den University of Essex Facebook-Gruppen habe ich jetzt noch eine ziemlich interessante entdeckt: Free your Stuff. Diese neulich erst gegründete Gruppe, bietet die Möglichkeit, Gegenstände, die man nicht mehr braucht, an andere Studenten zu verschenken, Abnehmer für übrig gebliebenes Essen zu finden oder auch seine Fähigkeiten wie zum Beispiel Haareschneiden zur Verfügung zu stellen, um Übung zu bekommen. Vielleicht auch eine nette Idee für Unis zu Hause in Deutschland?



Ich merke gerade, dass dieser Bericht schon wieder viel zu lang wird, deshalb komme ich jetzt langsam zum Ende. Eine Sache möchte ich aber kurz noch erzählen: Woran denkt ihr zuerst, wenn es um englisches Wetter geht? Vermutlich an Regen. Den habe ich hier bisher nicht öfter erlebt als zu Hause auch. Was stattdessen viel mehr auffällt, ist der Wind der hier fast andauernd um die Gebäude jagt und dabei so laut jault, dass meine Eltern beim Skypen denken, mein Föhn liefe im Hintergrund. Um seine Frisur braucht man sich aber eigentlich gar keine Gedanken zu machen, die wird sowieso durchgepustet, sobald man aus der Haustür tritt. Der heftige Wind hat aber auch sein Gutes, wie ich auf der Facebook Seite des WWF UK lese, denn am 19. Oktober konnte in Großbritannien ein neuer Windenergie-Rekord aufgestellt werden: Windkraft trug zum ersten Mal 25% zur Stromversorgung bei.

Und somit verbleibe ich mit stürmischen Grüßen, bedanke mich für euer Interesse und melde mich bald wieder.

Hier geht’s zu meinem letzten Bericht über meine Erlebnisse auf der Insel.

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Kommentare (5)
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Sortieren nach Aktualität:
02.11.2014
Johannisbeere1502 hat geschrieben:
Danke für den tollen, interessant gestalteten Artikel! Das Video ist wirklich gut :) Ich freu mich auf die nächsten Erfahrungsberichte!
28.10.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Toller Bericht, gut geschrieben! Klingt total cool! :D
27.10.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Ich schließe mich den anderen Kommentaren an: Wieder super geschrieben!
Ich freue mich schon auf deinen nächsten Bericht.
27.10.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Spannend und wieder einmal grandios unterhaltsam geschrieben :o) Danke liebe Anne!!
26.10.2014
LSternus hat geschrieben:
Coole Sache, mit dem Topf. Ich finde den Austausch mit Menschen aus anderen Ländern unglaublich interessant.
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