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Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Meine Zeit als "Fresher" - Studium und Umweltschutz in England (2)


von Cookie
13.10.2014
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Welche Tiere leben auf dem Campus? Wie funktioniert Permakultur? Was macht die Environmental Society? Woran erkennt man die Deutschen hier? Wie gewinnt man mit einem Selfie einen Energiespar-Preis? Mein Studium an der University of Essex beginnt richtig. 

Auch meine zweite Woche in England war unglaublich aufregend, doch bevor ich anfange, von meinen Erlebnissen zu berichten, möchte ich mich für all die lieben und ermutigenden Kommentare unter meinem ersten Bericht bedanken! Sie zu lesen hat mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und mir in den Momenten geholfen, in denen ich am liebsten meine Koffer gepackt hätte und wieder zurückgekommen wäre! Sehr begeistert war ich übrigens auch von diesem schicken Bild, auch dafür vielen Dank:


Um noch mal beim Thema Heimreise zu bleiben, die steht mittlerweile fest. Nein, ich breche nicht schon nach zwei Wochen mein Studium ab, das Studium in England hat den Vorteil, dass es in drei Terms (Trimester) geteilt ist, zwischen denen jeweils recht lange Ferien liegen. Ich werde über Weihnachten also für ca. vier Wochen nach Deutschland zurückkehren können. So sehr ich mich auch darauf freue, bekomme ich doch ein wenig ein schlechtes Gewissen, als ich meine Heimreise buche. Nach ausführlichem Vergleich habe ich mich nämlich fürs Fliegen entschieden, weil es einfach um ein Vielfaches günstiger und einfacher ist, als mit dem Zug oder dem Bus zu fahren, vor allem, weil ich dazu nach London fahren müsste, was an sich schon sehr teuer ist. So vergrößere ich schweren Herzens meinen CO2-Fußabdruck, aber ich möchte einfach nicht auf Weihnachten mit meiner Familie und meinem Freund verzichten.

Und es gibt noch jemanden, den ich wiedersehen will: Unsere Katze Tiger und unseren Hasen Jolly. Haustiere sind im Wohnheim leider verboten, doch ein bisschen tierischen Ersatz findet man zum Glück auf dem Campus. Da ist zum einen die Campuskatze, die ich nun auch schon mal gesichtet habe, aber leider nur noch von hinten fotografieren konnte. Sie ist übrigens so berühmt, dass sie es unter die Top 10 der nicht-menschlichen Uni-Twitterer geschafft hat. Letzte Woche haben wir auch tierischen Besuch in der Küche gehabt: Als ich morgens reinkomme, finde ich neben den Überresten der letzten Party noch einen Vogel dort vor, der erstmal einen Rundflug unternimmt, bevor er sich durch das offene Fenster zurück nach draußen begibt. Meine absoluten Lieblinge sind aber die vielen Eichhörnchen, die ich morgens beim Frühstück meist dabei beobachten kann, wie sie über den Rasen gegenüber huschen, Bäume hinaufklettern und Kastanien knabbern.

Da fällt es schwer, sich von dem putzigen Anblick loszureißen und zum Unterricht zu gehen, denn der hat am letzten Montag begonnen. Ich belege vier Module: Spanisch für Anfänger, Italienisch für Fortgeschrittene, Introduction to Theatre Making und Introduction to Drama. Spanisch macht mir viel Spaß. Da man für den Kurs keinerlei Vorkenntnisse benötigt, ist es noch recht einfach. Sprachen werden wie in der Schule in kleinen Gruppen unterrichtet und unsere Lehrerin Lexa kommt aus Kuba, hat jede Menge Sinn für Humor und die Spanischstunden vergehen bei ihr wie im Flug. Italienisch fällt mir leider alles andere als leicht. Die Lehrer sprechen fast ausschließlich Italienisch und erwarten von uns dasselbe und obwohl ich das meiste verstehe, habe ich große Schwierigkeiten mit dem Sprechen. Immer, wenn ich versuche, etwas auf Italienisch zu sagen, habe ich ein riesiges Brett vorm Kopf und mir fallen nur die englischen Begriffe ein. In Introduction to Theatre Making habe ich ein ähnliches Problem, da kenne ich nämlich nur die deutschen Wörter für die ganzen Fachbegriffe. Im ersten Trimester geht es hier nämlich um Theatertechnik und in unserer ersten Stunde habe ich nur Bahnhof verstanden. Außerdem habe ich eine leise Ahnung davon bekommen, dass es wohl einige Unterschiede zwischen Theater in England und in Deutschland gibt. Dafür finde ich Introduction to Drama bisher sehr interessant. Hier diskutieren wir über verschiedene Theaterstücke (momentan über Hamlet), machen aber auch praktische Übungen. So viel einmal zu meinen Fächern, der Schwerpunkt meines Berichts soll jedoch auf dem Thema Umweltschutz hier an der Uni liegen. Wenn ihr Fragen zu meinem Studiengang an sich habt, könnt ihr mir natürlich jederzeit schreiben.

Den Energiesparwettbewer Student Switch Off habe ich ja im letzten Bericht schon erwähnt. Auf Facebook finde ich letzte Woche den ersten Aufruf: Poste ein Selfie von dir beim Lichtausschalten. Die ersten fünf Teilnehmer bekommen eine NUS extra Card, mit der man bei vielen Firmen und Geschäften Rabatte bekommt. Obwohl sich der Aufruf schon seit sieben Stunden im Netz befindet und es an der Uni Tausende von Studenten gibt, die täglich Selfies posten, gibt es erst zwei Teilnehmer. Ich lade ebenfalls mein Bild hoch und darf mich zu den stolzen Gewinnern zählen. Zwei Tage später sind immer noch nicht alle Preise vergeben. Ich finde es traurig, dass so wenige sich für das Thema Energiesparen interessieren. Außerdem habe ich Zweifel am Nutzen des Wettbewerbs. Wirklich Strom spart man durch die Teilnahme schließlich nicht, man muss sich ja nur neben den Lichtschalter stellen und ein Foto davon machen. Würden das in kurzer Zeit sehr viele machen, könnte man sicher ein Zeichen setzen, aber bei der geringen Beteiligung wird es wohl kaum jemanden dazu anregen, beim Verlassen des Raumes das Licht einzuschalten.


Mein Siegerfoto

Eine meiner Mitbewohnerinnen, die aus Norwegen kommt, kommentiert mein Verhalten mit "You’re so German!" und erklärt mir, dass man bei ihnen das Bild von den superumweltbewussten Deutschen hat, die alle Solarzellen auf den Dächern haben, akribisch ihren Müll trennen und sich sehr für die Umwelt interessieren. Wie schade, dass dieses Deutschland nur in den Vorstellungen der Norweger existiert. Und weil ich so German bin, trete ich natürlich auch der German Society bei. Ich stelle fest, dass es einfach gut tut, seine eigene Sprache zu hören und sich mit Landsleuten auszutauschen. Am Freitag findet die German Quiz Night statt und als Deutsche rechnen wir uns natürlich hohe Chancen gegenüber denjenigen aus, die aus Interesse an Sprache und Kultur zur Society gehören. Bei der ersten Frage, nämlich, wie Germany auf Deutsch heißt, lachen wir noch, aber als dann nach dem Anteil von Adidas am FC Bayern oder der Anzahl von Fußballvereinen und Brot- und Wurstsorten gefragt wird, müssen auch wir uns geschlagen geben. Am Ende gibt es sowieso Süßigkeiten für alle und dann verbringen wir einen gemütlichen Abend in einer der zahlreichen Bars auf dem Campus.

Eines der Hauptgesprächsthemen unter Deutschen in Essex: Das Brot! Wir alle sehnen uns nach einer ordentlichen Scheibe Schwarzbrot anstelle von labbrigem Toast. Ich kann mein Glück kaum fassen, als ich am Donnerstag über den wöchentlichen kleinen Markt auf dem Campus laufe und tatsächlich einen Stand mit richtigem frisch gebackenem Brot sehe. Ich ignoriere den beachtlichen Preis und gönne mir einen Laib "German Rye", den ich wie einen Schatz zurück ins Wohnheim trage. Auch von dem Brot mal abgesehen begeistert mich der Markt. Es gibt unter anderem Obst und Gemüse, Second Hand Bücher, Süßigkeiten, CDs und Schallplatten und jede Menge hausgemachte Leckereien. Ein Stand bietet vegane Kuchen an, die wirklich himmlisch aussehen, aber da ich schon ein Vermögen für mein Brot ausgegeben habe, gehe ich schweren Herzens daran vorbei. 

Obwohl der Markt eine gute Abwechslung bietet, erledige ich den Großteil meiner Besorgungen weiterhin bei Tesco. Der Weg zu Fuß dorthin dauert schon fast eine halbe Stunde, da die Uni ziemlich außerhalb liegt, und ich habe weder das Geld noch die Zeit, zum Einkaufen in die Stadt zu fahren. Aber schaut mal, was ich bei meinem letzten Ausflug zum Supermarkt entdeckt habe

Neben der German Society denke ich auch darüber nach, der Environmental Society beizutreten. Deren erstes Meeting ist jedoch eine kleine Enttäuschung für mich. Ich habe das Gefühl, dass es mit vielem hier so ist: Mails und Beschreibungen im Internet klingen unglaublich enthusiastisch und vielversprechend, aber wenn man dann dort ist, wirkt vieles halbherzig und schlecht organisiert. Mir gefallen die Vorhaben der Gruppe. Sie wollen mit Student Switch Off und den Wastebusters, die ich ebenfalls bei der Fresher’s Fair gesehen habe, zusammen arbeiten, eine Kampagne für weniger Verbrauch von fossilen Brennstoffen an der Uni starten und wöchentlich umweltschutzbezogene Filme an der Uni zeigen. Schade finde ich nur, wie diese Pläne bei dem Meeting präsentiert werden. Es gibt eine Power Point Präsentation, die aus Sage und Schreibe zwei Folien besteht, eine mit dem Logo der Society und eine mit der Auflistung der Ideen. Die Vorsitzende, die die Präsentation hält, kann kaum Informationen zu den verschiedenen Vorhaben geben, sondern sagt nur sehr oft "I don’t know". Doch auch, wenn ich mir von diesem ersten Treffen mehr erhofft habe, werde ich vorerst dabei bleiben und sehen, wie es weitergeht.

Am Wochenende lerne ich auch den Campus Garten kennen. Gemeinsam mit meiner norwegischen Mitbewohnerin mache ich mich am Samstagmorgen auf die Suche danach, um am Permaculture Workshop teilzunehmen. Auch hier entpuppt sich was zunächst nach einem großen Event klang als eine Veranstaltung im kleinen Rahmen. Unter einem Baum ist ein Sammelsurium an Stühlen aufgestellt, auf denen wir in der Kälte bibbern, während Bob vom Apricot Center for sustainable living uns in die Grundlagen der Permakultur, deren Grundprinzip das ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Wirtschaften mit allen Ressourcen ist und die sich stark an Mustern und Vorgängen in der Natur orientiert, einführt. Sein Vortrag ist zwar interessant, dennoch sind wir alle froh, als es zum Rundgang durch den Garten geht, wo uns die inzwischen hinter den Wolken hervorgekommene Sonne wärmt. Ich finde es super, dass die Uni einen eigenen Garten hat, um den sich eine Gruppe freiwilliger gemeinsam kümmert und ich hoffe darauf, mich dieser Gruppe gelegentlich anschließen zu können.

Bob erklärt die Grundlagen der Permakultur

Der Campus-Garten, in dem die Gestelle alter Tische und Stühle als Rankhifen und Schutz für die Pflanzen verwertet werden

Eine Kräuterspirale

Auch am Sonntag kann ich nicht ausschlafen, denn ich habe mich für einen von der Travel Society und der International Students Association organisierten Ausflug nach Stonehenge und Bath angemeldet. In aller Frühe klettern wir verschlafenen Studenten in den Reisebus und treten die lange Fahrt an. Nach drei Stunden steigen wir endlich auf einem Parkplatz aus – aber wo ist jetzt Stonehenge? Weit und breit sind keine Steine zu sehen. Zunächst geht es zum Besucherzentrum, wo uns Audioguides ausgehändigt werden und wir schließlich zu einem Shuttle gelotst werden, das uns endlich zu dem 5000 Jahre alten Bauwerk führt. Der Bereich um die Felsblöcke herum ist leider abgesperrt und um die Absperrung herum drängen sich Touristen mit Kameras. Wir haben gerade genug Zeit, selbst Fotos zu schießen, dann müssen wir auch schon zurück zum Bus. Die Ausstellung im Besucherzentrum bekommen wir leider nicht zu sehen und auch die Audioguides haben wir nur zwanzig Minuten lang ungehört um unsere Hälse hängen.



Nach dem kurzen Aufenthalt geht es weiter nach Bath, eine Stadt, die mich sofort in ihren Bann zieht mit ihren wunderschönen Gebäuden. Auch hier haben wir leider viel zu wenig Zeit, bevor wir müde und hungrig die lange lange Heimreise antreten.



Mit im Gepäck habe ich auch meine Reiseente Dezzie, deren Abenteuer man hier verfolgen kann.



Ich bin wieder einmal völlig überrascht davon, wie viel man in nur einer Woche hier erleben kann und bin gespannt darauf, wie es mit dem Garten und der Environmental Society weitergeht.

Hier geht es zum Bericht über meine erste Woche in Essex.

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Kommentare (9)
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17.11.2014
Helen1698 hat geschrieben:
Oh ja, das mit dem Brot geht mir hier in Kanada genauso!
19.10.2014
anni95 hat geschrieben:
Ihr habt eine Campuskatze? Wie cool :D
18.10.2014
Cookie hat geschrieben:
@Zweitagsfliege: Mitfahrgelegenheiten sind mir für solche langen Strecken einfach zu unsicher. Oft ergeben sie sich eher kurzfristig und wenn ich bis kurz vor den Ferien warte und dann keine finde, wird es unglaublich teuer, einen kurzfristigen Flug zu buchen.
18.10.2014
Zweitagsfliege hat geschrieben:
Hattest du schon mal nach einer Mitfahrgelegenheit geguckt? Aber wahrscheinlich hättest du dafür auch nach London fahren müssen...
Herzlichen Glückwunsch zum Brot! Jetzt schätze das mein german bread hier noch mal mehr. ;)
14.10.2014
RichardParker hat geschrieben:
Wow Anne! Das ist ja richtig krass, was du da drüben in England alles erlebst. Und es tut mir wirklich leid, dass der Umweltschutz da noch nicht viel Gehör gefunden hat. Die kleinen Enttäuschungen sind oftmals, die die am ehesten Wunden hinterlassen! :/

Aber lass dich nicht entmutigen!!! Ob du in England bist oder hier, wir, die WWF Jugend Community werden immer geschlossen hinter dir und deinem beeindruckend Engagement stehen!! :))
14.10.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht! Es ist wirklich schade, dass das Interesse an Umweltschutz anscheinend so gering ist, obwohl es doch schon Gruppen gibt....
Es hört sich aber auf jeden Fall spannend an, und ich freue mich schon auf deinen nächsten Bericht =)
14.10.2014
Sandsturm hat geschrieben:
Wieder sehr interessant! Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht.
14.10.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Cool! Wünsch dir noch viel Spaß, solang du noch dort bist! :D
14.10.2014
JuliusS hat geschrieben:
Interessant. Da wird manja fast neidisch. Hört sich sehr spannend an auch wenn es schade ist, dass das so schlecht organisiert ist :) dir auf jeden fall noch sehr viel spaß auf der insel. :)
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