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Lieber Fußballer statt Toreros - Spanische Stierkämpfe auf dem Rücktritt


von LaLoba
03.01.2012
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Es ist der 25. September 2011. Langsam fließt Blut auf den sandigen Boden. Dudalegre rührt sich nicht mehr. Lauter Jubel tönt durch die Arena in Barcelona, Spanien. Nur der Kampfstier bekommt ihn nicht mehr mit. Der Tod erlöste ihn von den Schmerzen. Dudalegre ist der letzte. Am 1. Januar 2012 war es endlich so weit: Das katalonische Stierkampfverbot tritt in Kraft. Jahre und Jahrzehnte, in denen die Gegner für eine Abschaffung des blutigen Spektakels kämpften, gehen damit zu Ende und machen Katalonien nach den Kanarischen Inseln zur zweiten Region Spaniens, in der der Stierkampf verboten ist.

Befürworter der spanischen Tradition geben jedoch noch nicht auf: Die konservative Volkspartei legte Klage ein vor dem spanischen Verfassungsgericht und ein Volksbegehren soll das Gesetz wieder umkehren. Doch während Gegner und Befürworter sich weiterhin die immer gleichen Argumente zuwerfen - von Tierquälerei und Subvention der Kampfstierzüchtung durch die EU auf der einen Seite und Arbeitsplatzverlusten und das Aussterben des Kampfstieres auf der anderen - hört ein Großteil der Gesellschaft schon lange nicht mehr zu. Die Begeisterung für den Stierkampf lässt langsam aber stetig nach und die Erfolgsaussichten von sowohl Klage als auch Volksbegehren sind gering. Umfragen zufolge interessieren sich 69 Prozent der Spanier nicht mehr für den toten Stier in der Arena, in Barcelona sind 63 Prozent froh über das Verbot. Doch woher kommt diese plötzliche Wendung?

Jahrhundertelang waren die Spanier Anhänger des Stierkampfes. Abschaffungsversuche gab es bereits zuvor: Verbote von König Karl III. im Jahre 1771 und König Karl IV. 1805 wurden von der Bevölkerung ignoriert und auch einer Bulle von Papst Pius V. ging es 1595 nicht anders. Immer wieder setzten sich die Spanier durch und führten die blutigen Kämpfe fort. Von diesem spanischen Traditionsbewusstsein bemerkten die Betreiber der Stierkampfarenen in Katalonien in letzter Zeit aber eher wenig. Auf den 18 000 Plätzen ihrer Arenen herrschte meist eine ungemütliche Leere. Die übriggebliebenen Stierkampfbegeisterten sind größtenteils ältere Menschen. Die Jugend in Spanien jubelt lieber zu Messi und Co als zu den Toreros. Damit ist das Problem dieser Tradition das selbe, mit dem viele andere zu kämpfen haben: Die Fans sterben aus. Nicht einmal zu einem Drittel gefüllte Arenen sind ein guter Beweis dafür und bringen nur noch Verluste im Stierkampfgeschäft. Letztendlich war "La Monumental" in Barcelona der letzte Schauplatz von Stierkämpfen in ganz Katalonien. Bis September, als Dudalegre dort seinen letzten Atemzug aushauchte.

Das Verbot ist ein großer Erfolg für Tierschützer. Doch der Grund, aus dem es eingeführt wurde, liegt vielleicht gar nicht bei den Quälereien in der Arena. Kataloniens Zugehörigkeitsgefühl zu Spanien war noch nie sehr stark und in der Abschaffung des Stierkampfes sehen viele einen Versuch, zu Spanien auf Distanz zu gehen. "Weg mit dem typisch spanischen" heißt es da, und nicht "nieder mit der Tierquälerei". Das zeigt sich auch in einer Ausnahme des Verbotes: Die "Correbous" sollen weiterhin stattfinden. Das sind traditionelle Stiertreiben, bei denen Stiere ähnlich wie in der Arena gequält werden.

Das Verbot ist also nur ein erster Schritt, an dem weiter gefeilt werden muss. Während sich Katalonien über den Sieg freut, ist die Situation für den Stier in anderen Teilen Spaniens nicht so gut. Dort ist der Stierkampf immer noch populär und lockt viele Fans an. Dennoch, die Zahl der Festivals geht zurück. Seit 2007 sank sie um ein Drittel und zeigt die schwere Stierkampfkrise in Spanien. Doch wenn es dort nicht genug Anhänger gibt, kann man ja immernoch ins Ausland: In Südfrankreich sieht der Torero Carlos Escolar die Zukunft des Stierkampfes. Dort sind die Kämpfe trotz des französischen Tierquälereiverbots erlaubt und werden nach Escolar "liebevoll gepflegt". Während sich im spanischen Nachbarland die Stadt Barcelona als "Anti-Stierkampf-Stadt" feiert, arbeitet Frankreich noch an einer Änderung des Gesetzes zum Beenden der Quälerei. Und der Rest von Spanien? Da dürfen wir wohl weiterhin gespannt sein.

 

Quellen:

Zeitungsartikel: "Katalonien ohne Fiesta", GNZ, 30.12.2011

derstandard.at/1277339407200/Spanien-EU-zahlte-indirekt-fuer-blutige-Stierkaempfe-in-Spanien

www.berliner-zeitung.de/archiv/seit-april-ist-barcelona-spaniens-erste-anti-stierkampf-stadt--jetzt-geht-die-saison-zu-ende--stierkaempfe-fanden-wie-immer-statt--corrida-wie-immer,10810590,10224684.html (Zitat Escolar)

Bilder:

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/00/Malaga_stierkampf.JPG

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a4/Galicia_sen_touradas.jpg

 

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Kommentare (10)
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06.01.2012
LSternus hat geschrieben:
Wenn`s zur spanischen Kultur gehört...bitte sollen sie sich einen Stier aus Holz bauen und den jagen. Ich kreuze mir den Tag im Kalender an, an dem der König endlich ein Gesetz verabschiedet, dass den Stirkampf im GANZ Spanien verbietet.
05.01.2012
FabianN hat geschrieben:
Nicht, dass ich was gegen Spanier hätte, aber egal, was für eine Bedeutung das für Spanier hat, diese Quälerei muss aufhören!!! ;(
05.01.2012
planet.love hat geschrieben:
Ich muss mich euch allen auch anschließen. Tradition hin oder her, stierkämpfe sind unnötig und sind wir mal ehrlich, wirklich schön ist das auch nicht anzusehen. Ich hatte die Chance im Sommer eins zu sehen, aber ich wollte mir das echt nicht an tun. Ich habe mir später nur die Arena angeschaut und die Ställe der Stiere. Selbst diese Tierhaltung ist unter aller Würde. Also aufjedenfall super dass nun so ein Gebot in Kraft getreten ist.
04.01.2012
Sarah25 hat geschrieben:
Also ich bin auch strikt gegen Stierkampf. Ich frag mich immer wie sich Leute so was anschauen können.
Also in Costa Rica da gibt es keine richtigen Stierkämpfe, aber Stierreiten, also wer am längsten drauf bleibt. Und manchmal ist die ganze Arena voll mit Menschen und alle versuchen vor dem Stier weg zurennen aber auch am nächsten an ihn ranzukommen. Scheint wohl ein schöner Adrenalinkick zu sein :P
Naja da tun sich die Menschen meistens mehr bei weh als die Stiere obwohl das für die sicher auch viel Stress ist. Auf jeden Fall ist es besser als der normale Stierkampf!
04.01.2012
midori hat geschrieben:
Danke für die super aktuelle Zusammenfassung!

@Marcel

Ich hatte mal von einer Art Stierkampf gelesen, in der der Stier nicht getötet wird. Stattdessen werden ihm an den Hörnern zwei rote Bändchen befestigt, an die der Torero irgendwie gelangen muss. Freilich ist das sowohl für Stier als auch für Pferd trotzdem Stress, aber es bedeutet wenigstens nicht den Tod und wäre ein guter Kompromiss für die Traditionsbegeisterten. Aber die wollen wahrscheinlich lieber Blut sehen.
04.01.2012
lotte98 hat geschrieben:
toller bericht! aber es ist schon schlimm. allgemein geht es den tieren in spanien und anderen südlichen ländern nicht gut:( dort sind ja tiere oft so viel wert wie bei uns müll...echt traurig.die armen stiere:(...
04.01.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Tradition hin oder her...Ich hab den SInn noch nie verstanden .. :/ ich schließe mich Babbuina an..es ist abartig,wie die Tiere da gequält werden
03.01.2012
Babbuina hat geschrieben:
Ich sag ja auch nicht gegen die spanische Kultur allgemein. Ich mag Spanien. Aber einige Bräuche sind...schlimm. Wie z.b. diese Stierkämpfe eben. :-)
Vielleicht ein bisschen falsch ausgedrückt. ^^
03.01.2012
MarcelB hat geschrieben:
Also als Mensch mit spanischen Wurzeln, schätze ich schon die spanische Kultur. Und die spanische Kultur besteht nun nicht nur aus Stierkämpfen... :P

Also da wo ich herkomme, den Kanarischen Inseln, gab es dieses Verbot schon richtig lange. Die Kanaren sind glaube ich sogar die erste Region überhaupt die das eingeführt hat. Die Arena kann man ja nun auch umnutzen, zB. für Konzerte oder Theaterstücke... Man sollte sich vllt. mal nach einer Alternative für Stiere umschauen. Denn der Sport an sich ist schon schön.. :(
03.01.2012
Babbuina hat geschrieben:
Beim "Salto de la cabra" - einem regionalen spanischen Brauch - wird eine Ziege vom Kirchturm geworfen.
Also ich finde, die Spanier haben seltsame Bräuche. Ich finde Stierkämpfe einfach nur abartig !
Und da kann man wirklich nicht von Kultur reden. -.- Das ist einfach nur krank, sich am leid, eines Tieres zu ergötzen.
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