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Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Leben ohne Geld! - Teil 2


von Cosima
29.12.2013
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Vor ca. einem halben Jahr habe ich über Tobi Rosswog berichten. Einen tollen Menschen, den ich beim Jugendkongress in Hannover kennenlernen durfte.
Tobi hat sich auf eine spannende Reise ohne Geld begeben.
Jetzt, nach über 6 Monaten, ohne Geld, gibt es ein weiteres Interview.

(Falls ihr den ersten Artikel noch lesen wollt, den gibt es hier.)

Lieber Tobi, ich freue mich immer sehr von dir und deinen Erfahrungen zu hören:

Was hat sich seit unserem letzten Interview verändert?
Es hat sich viel bewegt. Es gab wunderbare Begegnungen, viel fantastischen und inspirierenden Austausch über eine Gesellschaft von morgen und es ist einfach wundervoll, dass ich dem wundervollen Sonnenkind Pia bei einem Workshop an der Uni Mainz begegnen durfte. Gemeinsam bereisten wir für einige Zeit europäische Länder. Eineinhalb Monate durfte wir in Marseille bei der liebsten Gwendoline – zunächst unsere Couchsurfinghostin, aber dann doch eher unsere Mitbewohnerin – leben, die nun unser Logo für living utopia designt, da sie Teil dieser neuen Bewegung sein möchte. Im warmen Südfrankreich durften wir eine sehr kreative Zeit erleben, wundervolle Erfahrungen sammeln und viele Impulse aufgreifen, die zu neuen Projektideen wurden.
Unsere Vision ist es eine geldfreie, biovegane Schenkgemeinschaft 'living utopia' mit ganzheitlichem Anspruch und viele andere lebendige Projekte – unter anderem das utopival – zu verwirklichen, weshalb wir wieder nach Deutschland gekommen sind, um direkt zu starten!

Pia – du lebst jetzt auch geldfrei – wie fühlt sich das für dich an? War es für dich schwer?

Schwer hat es sich keinesfalls angefühlt, eher befreiend. vorher habe ich sowieso seit einiger Zeit kein Geld mehr in die Hand genommen: Kleidung schenkte und bekam ich durch Kleiderschenkparties und durch meinen Aktivismus für foodsharing und das Teilen von Lebensmitteln konsumierte ich finanziell auch keine Lebensmittel mehr. Im Grunde waren es nur noch Fixkosten wie Wohnung und Strom, die mich vom geldfreien leben trennten... es war kein großer Unterschied zu vorher, bis auf den festen Wohnsitz vielleicht. Reisen bringt große Freude, doch jetzt um die Schenkgemeinschaft zu verwirklichen, sind wir wieder auf der Suche nach einem Gelände, auf welchem und durch welches unsere Idee lebendig werden wird.

Wie sieht dieses utopival genau aus?
Für fünf Tage wird ein Mitmachraum geschaffen, um neue Ideen zu leben. Gemeinsam mit vielen jungen (allen Alters), kreativen, kritischen und motivierten lebenden Wesen wuppen wir jährlich an einem wundervollen Ort das utopival. Unsere begleitenden Motive sind dabei: geldfrei, vegan, ökologisch, pazifistisch und solidarisch. In denWorkshops zu den verschiedensten Themen wie Permakultur, Ernährung, Postwachstum, ... und den praktischen Entfaltungsmöglichkeiten wie beim seed bombs-,Kräuterschnecken- oder Solarofen bauen sowie in Diskussionen tauschen wir uns über eine Gesellschaft von morgen aus. Es wird jedes Mal bunt und kreativ. Zum Beispiel bei jonglage, livemusik, poetryslam, kleiderschenken und vielem mehr.Diese Tage sind eine Möglichkeit mal außerhalb der Box zu fühlen, zu denken und zu leben. Das utopival lädt zum Träumen ein und dazu die Idee hinter living utopia zu erfahren. Gerne könnt ihr für mehr Infos bald auf utopival.livingutopia.org schauen oder uns einfach mailen.

Was stellt ihr euch genauer unter der Schenkgemeinschaft 'living utopia' vor?
Es ist das Modellprojekt mit den gleichen begleitenden Motiven wie beim utopival und möchte den theoretischen Backround von living utopia durch gelebte Praxis lebendig werden lassen. Es schafft mit den drei weiteren Motiven – alternative Bildung, Kretivität, Lebendigkeit – einen lebendigen Mitmachraum. Wir möchten mit diesem Zukunftsprojekt eine praktische alternative zu unserem jetzigen gesellschaftlichen Miteinander ermöglichen und alle lebenden Wesen herzlichst einladen, mitzuwirken, ein Teil zu sein oder einfach nur zu beobachten. Durch lebendige Projekte wie Repaircafes, solidarische Gärten, biovegane Mitmachcafés oder utopische Tage möchten wir einladen, eine Welt von morgen zu träumen, umzusetzen und durch interaktive Workshops praktisch zu erfahren. Wir möchten in der Schenkgemeinschaft das Konzept des Freilernens und der selbstbestimmten und selbstmotivierten Weiterbildung durch verschiedene Angebote wie das Einladen von Referentinnen und Referenten leben. Dafür suchen wir nur noch einen geeigneten Ort und dann kann es auch schon losgehen. Bald haben wir einen Termin mit der Stadt Stuttgart für Gespräche um die Villa Berg. Wir sind aber für jeden Tipp dankbar.

Hattet ihr einmal Probleme mit Behörden etc. weil ihr ohne Geld lebt?
Bisher hatten wir noch keine negativen Erfahrungen, aber so viele großartige Begegnungen: In einem Schuhgeschäft bekamen wir grüne Schuhe geschenkt, wobei hier besonders die Begegnungsebene zu bemerken ist: Die bekannten Rollen „Verkäufer_in“ und „Konsument_in“ lösten sich. Das vorrangige Ziel der Verkäuferin war nicht mehr der Verkauf und der damit einhergehende Profit, sondern es ging viel mehr um die Begegnung, den Austausch, die Zeit, die wir miteinander teilten und die Freude am Schenken. Durch eine zufällige Begegnung auf den Straßen Südfrankreichs bekamen wir ein Fahrrad geschenkt und in Saarbrücken sowie Brüssel haben liebe Menschen von sich aus ihre Wohnungen mit uns geteilt. Durch diese und einige andere Begegnungen dürfen wir merken, dass es Menschen Freude bereitet zu schenken und von sich aus zu geben, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.

Wie kann man einen Workshop bei euch besuchen?
Schaut einfach auf der Website unter livingutopia.org. Da finden sich gleich auf der Startseite die „lebendigen Workshops“, wo wir aufführen, wann und wo die nächsten Workshops stattfinden. Wir freuen uns auch immer über Anfrage, um an Unis, auf Kongressen, Camps oder in Klassenzimmern unsere interaktiven Workshops mit wundervollen Leuten zu teilen. Wer was bei sich vor Ort organisieren möchte, kann uns einfach schreiben. Wir freuen uns sehr!

Und auch nun wieder: Was möchtet ihr der WWF Jugend noch sagen?
Wir sind alle teil des „Problems“ und damit aber auch teil des Lösungswegs, wenn wir gemeinsam diesen Weg gehen. Also lasst uns auf die Reise gehen.
Petra Gruber schenkt uns einen interessanten Lösungsansatz: „Im Grunde geht es um ein anderes Mensch - Mitweltverhältnis, in dem sich der Mensch nicht mehr als omnipotenter Herrscher, sondern als Teil bzw. Beteiligter einer größeren Wirklichkeit begreift“
Wir danken euch herzlichst für euer wunderbares Interesse! Schreibt uns gerne, wenn ihr Anregungen für oder Fragen an uns habt.
 


Tobi, Pia, ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und dafür dass ihr euch Zeit für mich genommen habt.

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Kommentare (13)
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04.03.2014
moxnox hat geschrieben:
Ein sehr interessantes und inspirierendes Interview! Ich hoffe, dass viele Menschen es lesen und darüber nachdenken, was sie davon in ihren Alltag integrieren könnten... In Dresden gibt es nicht wenige Initiativen, die sich um Stadtgärten, Umsonstläden, Voküs und Ähnliches bemühen, es scheint also in die richtige Richtung zu gehen. :)
27.02.2014
Taki hat geschrieben:
Einen kleinen merklichgen Teil meine Lebens lebe ich schon ohne Geld. Wenn ich ein Buch lesen möchte dann Leihe ich mir es bei Bookcrossing.com. Das hat auch den Vorteil das ein Buch von mehrern Leuten gelesen wir. Spart Recurcen und schont die Umwelt. Da ich die Bücher weierreiche bekomme ich auch Bücher die noch nicht bei Bookcrossing.com eingetragen sind. Nach dem ich die Bücher eingetragen habe kann Jeder im Internet nachschauen wo sich das Buch auf Reisen befindet. Ich finde Bookcrossing.com schont die Umwelt. Ein sehr Kleiner Schritt zum Umweltschutz von mir. Ohne das meine Lebensqualität geschmälert wird. Nein Sogar Bereichert.
26.02.2014
Celine2Grad hat geschrieben:
Mir persönlich gefällt die Idde, ohne Geld zu leben, ja schon. Aber ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Gesellschaft so funktionieren sollte!
Im kleinen Rahmen, zB in einem Dorf, das sich komplett selbst versorgen kann, wäre es sicher möglich, ohne Geld zu leben. Aber das würde natürlich auch viele Entberhrungen bedeuten - von Zitrusfrüchten bis hin zu allen möglichen Dingen, die so teuer sind, dass keiner sie so ohne weiteres verschenken würde, einen Computer etwa. Ich brauche nicht viel Luxus, also könnte ich mir auch vorstellen, selbst dort zu leben.
Aber die ganze Gesellschft verändern ...?
Ich glaube, mit dem Lebensstil, den die Menschen hier in der westlichen Welt durch die Globalisierung bekommen haben, ist Geldlosigkeit einfach nicht machbar. Auf zu vieles müsste verzichtet werden, und deshalb wird es immer mehr Gegner als Anhänger der Idee geben ....
Und irgendwie kann ich mir auch nicht vorstellen, einfach so durch die Welt zu reisen, ganz ohne Geld. Denn auch, wenn die Leute, bei denen man wohnt, einen gern und ohne Wunsch nach Gegenleistung aufnehemen, würde ich mich fühlen, als ob ich ihnen auf der Tasche liege. Schließlich muss man ja als Gast auch miternährt werden, man duscht, sodass die Wasserrechnung steigt ........ Ich weiß ja nicht, ob Tobi sich auf andere Art erkenntlich gezeigt hat - aber ich hätte mich auf jeden Fall revanchieren wollen!
Und die Kosten zu ersetzen, die man verursacht hat, ist ja auch nicht immer etwas, wozu man gezwungen wird, sondern auch eine Form, auszudrücken, dass man Respekt vor dem anderen hat und ihn nicht ausnutzen will.
12.01.2014
safetheanimals hat geschrieben:
finde ich eine super Idee ich denke auch manchmal dass Geld überflüssig ist was ich glaube ich auch gestern in ein Kommentar geschrieben habe. Ausprobieren würde ich das schon mal gerne für1 o. 2 Monate, aber ich glaube nicht, dass ich meine Eltern überredet bekomme so etwas aus zuprobieren
12.01.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Total interessant!! Geld ist eben nicht alles und macht weder glücklich noch einen besseren Menschen aus irgendjemandem! :)
08.01.2014
Helen1698 hat geschrieben:
Echt interessant! Besonders gut finde ich, wie verdeutlicht wird, was eigentlich glücklich macht. Und dass auch alle anderen Leute, die nicht so einen Weg eingeschlagen haben wie Tobi, eine große Freude am Schenken haben und ihm und seinen Ideen positiv begegnen! ;) Ich kann mich allen anderen nur anschließen: Das gibt Hoffnung! :)
06.01.2014
Niiura hat geschrieben:
Dieser (und der voherige Artikel) geben mir wirklich Hoffnung=)
06.01.2014
Anni09 hat geschrieben:
Ohne Geld können die beide doch gar nicht leben, alleine unser Krankenversicherungssystem ist Pflicht und dafür brauch man Geld, es sei denn man lässt sich auf Kosten anderer finanzieren.
Ich bin auf jeden Fall dafür den Konsum sämtlicher Güter massiv einzuschränken, aber wirklich ohne Geld zu leben geht nur wenn man irgendwo in der Wildnis völlig autark lebt ansonsten völlig unmöglich.
Pia und Tobi können diese Lebensweise nur durchziehen weil sie Dinge annehmen die von anderen durch Geld finanziert werden, daher kann meiner Meinung nach nicht von einem geldfreien Leben gesprochen werden.
Dennoch finde ich den Gedanken der hinter dieser Idee steckt lobenswert :)
31.12.2013
Lulu2000 hat geschrieben:
Ich finde es erstaunend was manche Leute machen.
30.12.2013
Helen hat geschrieben:
Wieder ein richtig toller und inspirierender Artikel. Meine volle Hochachtung und Bewunderung für eine solche Lebensweise und solche Ziele.
30.12.2013
gelöschter User hat geschrieben:
toll :)
29.12.2013
Taki hat geschrieben:
Klasse
29.12.2013
Cookie hat geschrieben:
Danke für dieses spannende Interview! Das, was dieses Leute machen, finde ich absolut faszinierend und bewundernswert. Ich kann mir aber einfach nicht vorstellen, wie es wirklich funktionieren kann, ganz ohne Geld zu leben.
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