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namens Erde


© WWF
Könige der Lüfte - der Weißkopfseeadler


von Peet
13.12.2012
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Es ist einer dieser Momente, wo der kleine Junge in einem geweckt wird. Mit roten Bäckchen, strahlenden Rehaugen und irgendwie auch ein bisschen orientierungslos, läuft der kleine Junge dem Objekt seiner Begierde entgegen oder an ihm vorbei, je nach Alter. So ist es auch mir ergangen, als ich mich vor kurzem nach Squamish aufmachte.

Wir fahren den Highway 99 von Vancouver Richtung Whistler. Den Wagen haben Meike (micah) und ich uns gerade um acht Uhr von der Autovermietung geben lassen. Nachdem alles überprüft und geregelt wurde, ging es auch schnellstmöglich los nach Squamish, einer kleinen Stadt zwischen der Millionenmetropole Vancouver und dem Urlauberparadies Whistler.

Der Highway ist angenehm leer und das Wetter scheint mitzuspielen. Gemütlich schlendern wir durch den kurvigen Highway an der Westküste Kanadas und erreichen nach circa einer Stunde das kleine Örtchen. Links oder rechts, gerade aus oder doch lieber jemanden fragen? Wir fragen dann doch lieber und bekommen die prompte Antwort: „Next corner right, 300 meter straight forwards, to the right. There are tons of them!“

Nächste rechts, 300 Meter weiter, links geparkt, rechts gestaunt. Ich stehe einigen Sekunden ehrfürchtig auf dem Deich und versuche zu begreifen, dass ich nicht im Zoo bin. Circa 30 Meter vor mir sitzen hunderte Weißkopfseeadler in den Bäumen, sitzen am Fluss oder fliegen von links nach rechts an mir vorbei, ihre Geräusche einzigartig! Der kleine Junge ist geweckt!

Die Könige der Lüfte, so will ich sie einmal nennen, haben etwas Anmutiges. Auf dem nordamerikanischen Kontinent sucht man ihres gleichen vergebens. Mit einer Flügelspannweite von fast 2,30 Meter schweben sie fast unangefochten über Nordamerika. Nur der kalifornische Kondor ist noch größer, aber eben nicht so weit verbreitet. Ihre dunkelbraune Farbe, die sich über den Körper und den Flügeln erstreckt, liegt im starken Kontrast zum weißen Kopf sowie dem nach hinten erstreckenden Schwanz. Der weiße Kopf mit seinem orangenen Schnabel ist das Symbol für den Weißkopfseeadler, der bis zum Jahr 2007 dem „Endangered Species Act“, einem Gesetz aus den USA zum Schutz besonders stark gefährdeter Arten, die aufgrund von Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum verdrängt wurden, angehörte.

Denn wie die Geschichte uns oft lehrt, sind gerade die Tierarten vom Aussterben bedroht, die oftmals auch ein Land und deren Wahrzeichen repräsentieren. In Deutschland war es der Steinadler, in Kanada der Biber und in Amerika der Weißkopfseeadler.
Nachdem der Weißkopfseeadler bis 1950 in weiten Teilen ausgerottet war, kam für diese Art der Einsatz des Insektizids DDT in den 1960er Jahren erschwerend hinzu. Erst seit 1980 kann sich der Bestand weitestgehend wieder erholen, sodass die Anzahl der Adler auf gut 110.000 bis 120.000 geschätzt werden kann. Dennoch bleibt eine Gefahr, wie für alle Tier- und Pflanzenarten dieser Welt, bestehen. Die Lebensraumzerstörung ist aktuell das größte Problem der Weißkopfseeadler.

Hier in Squamish, wo sich die Lachse im Fluss tummeln, lässt sich ein Paradebeispiel dieser Gefahr aufführen. Der Deich, auf dem ich stehe, schützt die anliegende Bevölkerung vor Hochwasser im Frühjahr, sobald die Schneeschmelze aus den Bergen einsetzt. Eine viel befahrende Straße grenzt unmittelbar am Deich. Auf der anderen Seite des Flusses ist der „Brackendale Eagles Provincial Park“ eingerichtet worden, der als besonders wichtig für die überwinternden Adler aus dem Norden gilt. Dreißig Meter trennt dieser Park von einem belebten Ort, wo Menschen mit ihren Hunden Gassi gehen.

Zwar sind rund um Squamish, Vancouver oder auch Whistler recht viele „Provincial Parks“ eingerichtet worden, doch löst es nicht automatisch das grundlegende Problem der Zersiedelung, welche hier in Kanadas Süden immer mehr voranschreitet. Denn die Grenzen der Karten, die die jeweiligen Parks oder Rückzugsgebiete anzeigen, sind eben nur für uns Menschen sichtbar. Und deswegen kommt es nicht selten vor, dass die Könige der Lüfte sich gelegentlich über dem Himmel Vancouvers blicken lassen. Ganz so, als ob sie sagen wollen: „Seht her, das ist unser Reich!“

Das Video zu diesem Bericht findet ihr auf meinem Blog - peterjelinek.wordpress.com!
Wer regelmäßig neue Bilder und Videos von mir sehen will, kann mir gerne folgen. Einfach E-Mail Adresse eintragen ihr erhaltet die aktuellsten Blogeinträge von mir :-)!

Copyright Bilder: Peter Jelinek

Copyright Video: Peter Jelinek

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Über einen Monat habe ich recherchiert und geschrieben. Herausgekommen ist eine Reportage über Obdachlosigkeit und Drogenmissbrauch in Vancouver.

 

10$ - Eine Reportage

Vancouver, die lebenswerteste Stadt der Welt. Vancouver ist nicht nur eine nordamerikanische Stadt von vielen. Chicago, New York, Toronto, San Francisco – Sie alle haben ihren Charme und Reiz. Und doch sind sie irgendwie gleich; nur Vancouver ist vollkommen anders.

Warum? Vancouver ist hoch, weit und grün. Downtown oder Kitsilano. Gastown oder Burnaby. Vancouver ist vielfältig und freundlich. Die Berge im Hintergrund, das Meer vor der Tür, Amerika als Nachbar. Nicht umsonst nennt man Vancouver auch „Hongcouver“, da rund zwei Drittel der Einwohner chinesischer Herkunft sind.

Aircare, Mülltrennung, Fahrradwege, elektrische Busse. Was nach Europa klingt, lässt sich im tiefsten Westen des ölhungrigen, nordamerikanischen Kontinents, finden. Bauten des 19. Jahrhunderts liegen im Schatten der modernen Wolkenkratzer von heute und doch überragen sie mit architektonischer Schönheit. Vancouver kann vieles sein, es liegt eben im Auge des Betrachters.

Für mich ist Vancouver auch – die Hastings Street.

Weiterlesen könnt ihr hier!

Copyright Bild: Peter Jelinek

 

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Kommentare (9)
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14.12.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Grandiose Sache...das alles...was du machst!

Beide Artikel sind sehr fesselnd, sowohl inhaltlich als auch vom Schreibstil her.
Schreibtechnisch hast du echt was drauf und ich finde es toll, dass du was draus machst!

Schön, dass es noch so viele Weißkopfseeadler auf einmal gibt und hoffentlich wird es so bleiben und an mehr Orten möglich werden.
13.12.2012
Peet hat geschrieben:
Danke an alle für das Lob. :)
Freut mich wirklich zu lesen, auch wenn ich aktuell noch nicht an einem Buch arbeite...;)
13.12.2012
AliceimWunderland hat geschrieben:
Ich bin auch sehr begeistert von deinem Bericht, vor allem weil ich auch schon jenes kleines Mädchen war die zwei Seeadler in Schweden bei einer Kanutour gesehen habe.
Aber so viele auf einmal, da muss einem vor Begeisterung das Herz stehen bleiben.
Daher kann ich nicht verstehen wieso die Menschen nicht auf diese wunderbaren Geschöpfe Rücksicht nimmt, bzw. generell auf alle Lebewesen dieser Welt egal ob Mücke, Spinne oder Alge, alle sind irgendwo in ein System gebunden, welches zerstört wird wenn man Elemente auslischt.
13.12.2012
Rhino hat geschrieben:
Sowohl Bericht als auch Reportage extrem faszinierend und inspirierend! Ich bin echt etwas geflasht!
Würde dir dringend empfehlen, ein Buch zu schreiben!
13.12.2012
midori hat geschrieben:
Wow! Echt genial! Ein kleines Wunder, wenn man soetwas erleben darf! :o)
Und Dein Video ist super schön. Genau wie Deine Bilder - die werden immer immer besser! Richtig grandios! :o)
13.12.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Das kleine Mädchen in mir ist auch geweckt :)

So viele Ader auf einmal zu sehen muss gigantisch sein. Ich hoffe, du konntest diesen Moment voll und ganz auskosten und für immer als wundervolle Erinnerung abspeichern :)
13.12.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
13.12.2012
Janine hat geschrieben:
Ich habe gerade deine Reportage über die Hastings Street gelesen. Der Wahnsinn! Echt richtig heftig! Und du hast sie super rüber gebracht!

Und zu den Seeadlern - das muss super sein so einen Seeadler in der Natur zu sehen! Oder in eurem Fall: gleich so viele!

Danke, dass du dein spannendes Leben mit uns teils, Peter!!
13.12.2012
micah hat geschrieben:
Jaja, der kleine Junge... ;p
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