Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF


von FelicitasVulkanisiert
19.06.2011
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Probleme und Herausforderungen eines Lebens fernab gesellschaftlicher Strukturen basierend auf dem gleichnamigen Film von Sean Penn

Ich werde nächstes Jahr mein Abitur machen und habe diesen unbedingten Freiheitsdrang, den sich jeder schon einmal kennengelernt hat. Ich würde gerne in einer natürlicheren Umgebung leben und stelle mir das sehr romantisch vor.  Umso mehr hat mich der Film "Into the Wild", den ich vor ein paar Jahren zum ersten mal sah, angesprochen. Auch wenn es sich hierbei um ein sehr extremes "ausbrechen" handelt, was sich sicherlich nicht auf meine Wünsche übertragen lässt. Trotzdem habe ich mir erlaubt, meine Gedanken zu Film und Buch aufzuschreiben und mich würde interessieren, was ihr davon haltet, sofern ihr ihn überhaupt zu Ende lest. Ich weiß, dass der Bericht ziemlich lang geworden ist,aber es ist so ein schönes Thema!

"There is pleasure in the pathless woods, There is rapture on the lonely shore, There is
society where none intrudes, By the deep sea and the music in its roar; I love not man
the less, but Nature more." — Lord Byron

Dieses Zitat Lord Byrons gibt den Auftakt zu einem außergewöhnlichen Film, welcher die
wahre Geschichte des jungen Mannes Christopher Johnson McCandless erzählt, der den
mutigen Schritt wagt, aus der “vergifteten” Gesellschaft der westlichen Welt zu fliehen.
Sein Ziel ist und war schon immer die Weite Alaskas, in der er den tieferen Sinn seines
Lebens zu finden glaubt.
Nachdem er erfolgreich das College abschließt, spendet er sein komplettes Geld und lässt
ohne zurückzublicken, sein altes Leben mitsamt seiner ursprüngliche Identität hinter sich.
Als Alexander Supertramp wandert er von der Küste Kaliforniens zu den Getreidefeldern in
South Dakota. Er erfährt die Schönheit des Grand Canyon und des Golf von Mexiko, bevor
er wieder nach Nevada zurückkehrt. Im April 1992 erreicht er erfolgreich sein Ziel, die
einsame Wildnis Alaskas. Allein mit fünf Kilogramm Reis und einem Gewehr versucht er
in der Wildnis zu überleben und findet anfangs auch dass, was ihn zu diesem Abendteuer
veranlasst hat: Ein asketisches Leben im Einklang mit der Natur fernab jeglicher Strukturen
einer kapitalistischen Gesellschaft. Sein Experiment scheitert allerdings schon nach einigen
Monaten an der eisernen Kraft und Unbahrmherzigkeit der Wildnis. Sein Traum wird ihm
schließlich zum Verhängnis.
,,Er hatte sich emanzipiert von dieser Welt der Zerstreuung, der falschen Sicherheit und
des materiellen Überflusses. Von all den Dingen, die Chris von der wahren Natur seines
Lebens trennten.“ (Into the Wild,2007, Kapitel 4).

Es steht außer Frage, dass Christopher McCandless´ Lebensweg hohe Anerkennung und
Respekt verdient, doch scheint sein moralischer Grundgedanke am Ende widersprüchlich in sich zu sein, ist er es doch, der das egoistische Handeln seiner Mitmenschen verachtet. Mit seinem Verschwinden und seinem folgenden Tod zerstört er das Leben seiner Angehörigen und engsten Freunde und dies um bedingungslos sein Ziel verfolgen zu können, ein Leben fernab gesellschaftlicher Strukturen zu führen.
Natürlich sollte sich jeder ihm zum Vorbild nehmen, Herr seiner selbst sein und nicht
scheuen, sein Leben zu ändern, doch sollte man nicht lieber sein Potenzial nutzen und die
Welt mitgestalten? Diese Frage bleibt wohl offen, jedoch ist das Leben in Gesellschaft für
einen Menschen von essentieller Bedeutung. McCandless selbst kommt eben zu diesem
Schluss und beginnt mehr Verständnis für das Handeln seiner Mitmenschen aufzubringen.
Diese Reise an sich ist wertvoll und hätte ihn persönlich für sein weiteres Leben bereichert,
allerdings lässt sein nicht wieder zu richtender Tod, seinen Wandel und die Strapazen
unnütz erscheinen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die radikalsten aller Aussteiger immer eine
Sache verbindet: In dem Moment, indem sie sich von allem befreien, was sie fesselt
(Familie, Arbeit, materielle Güter), kommt der Tod und dieser befreit sie von sich selber.
Denn sie selbst sind es, die sich fesseln.
! "]!
Der Film Into the Wild zeigt den Hang der Menschen zu Extremen und so fällt es schwer,
sich auf eine Seite zu stellen, entweder die der westlichen naturfernen Gesellschaft oder die
der rauen, lebensfeindlichen Wildnis.
Unsere kapitalistische Gesellschaft ist sicher pervertiert und nicht der gesündeste Weg,
doch ist, so sagt schon Nietzsche, Weiterentwicklung unabdingbar und so sollte man die
Errungenschaften der Zivilisation positiv nutzen.
Als ersten Schritt sollte der Mensch sich wieder als Teil der Natur sehen und nicht als sein
Gegenspieler.
Unsere Welt braucht ganz unbedingt mehr Christopher McCandless´s hinsichtlich seines
kritischen Denkens, nur fern seiner für ihn typischen Radikalität.

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Kommentare (14)
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11.01.2012
Eigen91 hat geschrieben:
Ich glaube was viele nicht verstehen ist das der Trip nach Alaska für ihn doch hauptsächlich eine Flucht war. Er hat es in der heuchlicrischen "pervertierten" Gesellschaft einfach nicht mehr ausgehalten. Ich meine er war ein Idealist, doch seine Ideale sind an der Rohheit der Realität zerbrochen. Im Film gut dargestellt durch die Szene als er in die Stadt zurückkehrt. Ich glaube das war auch der Grund warum er nie zu Hause angerufen hat o.Ä. . Er floh auch vor sich und seinem alten Leben, das ihn wahrscheinlich bitterlich enttäuscht hat. Er wollte alles hinter sich lassen um sich selber endlich zu finden. Ich glaube seine Fans machen oft den Fehler ihn nur auf eine Sache zu beschränken, ich meine er war nicht nur ein Naturmensch und nicht nur Aussteiger, man sollte sein Verhalten und seine Geschichte in der Ganzheit betrachten. Und um das zuntun ist es unumgänglich vorallem Thoreau und auch Lew Tolstoi und London einzubeziehen, denn die haben ihn ja den Weg fast vorgegeben. London machte ihm Alaska schmackhaft, Leo die Armut und die Keuschheit und Thoreaus Walden war seine eigene Geschichte bloß früher und ohne Tote und kein Schnee^^ .
Sind zumindest meine Theorien... Und meine Meinung: Das mit dem egoistisch ist schon mal totaler Rotz, ich meine es gibt tausend Dinge auf der Welt die Egoistisch sind und die uns teilweise als allerheiligstes angesehen werden , Emotionen z.B. Außerdem sagt man doch man muss die Leute die man liebt gehen lassen können, wenn sie dadurch glücklich werden.
06.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
So grade durchgeschaut ...das Ende is echt traurig :/ aber verdammt guter Film. Kann ich nur weiterempfehlen !
06.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Schaue mir auch grade den Film an. Muss bei dem Film an vielen Stellen Lachen, da mir das so verdammt ähnlich vorkommt. Der Christopher erinnert mich stark an mich selbst ;), da ich oft auch solche Gedanken habe. Ich bin selbst auch so oft ich kann in der Natur und genieße das auch aber was mich daran hindert so etwas zu tun sind Familie und Freunde. So beschränken sich meine Ausflüge auf ein paar Wochen ;)

Danke für den Filmtipp ! Genieße das grade den zu schauen :)
06.09.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
11.07.2011
Kimbo hat geschrieben:
nach deinem Bericht werde ich mir den Film auch einmal ansehen.
Die Frage ob man die Welt nicht mitgestallten soll bleibt meiner Meinung nach nicht offen. Jeder gestaltet die Welt mit seinem Handeln. Auch wenn es nur ein kleiner Teil ist. Der Mann hat sich zwar von der Gesellschaft isoliert und ist am Ende in der Ntur gestorben, aber damit hat er doch geschafft Menschen dazu zu bewegen nach zu denken und vielleicht auch zu handeln.
Es sind zwar immer nur kleine Teile, die ein einzelner Mensch bewirken kann, aber dadurch kann er die Welt zu einem kleinen Teil verändern.
11.07.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Klar ist Freiheit eines der wichtigsten Sachen der Welt, jedoch könnte ich mir ein Leben ohne Familie und Freunde kein bisschen vorstellen. Meiner Meinung nach könnte man so etwas mal als "Urlaub" für ein paar Wochen ausprobieren, jedoch täglich so zu Leben ist nicht jedermanns Sache!
21.06.2011
Bienenkoenigin hat geschrieben:
der film hört sich echt super spannend an, ich glaub ich hab davon schon mal gehört! Echt super bericht, ich werd mir den film auf jeden fall mal anschaun!
21.06.2011
Marcel hat geschrieben:
Ein toller Bericht! Mich hat dieser Film auch sehr nachdenklich gemacht. Mir persönlich ging es so, dass ich zu Beginn des Films dachte: Was Alexander Supertramp macht ist bewunderswert. Je weiter er jedoch auf seiner Reise kam, desto weniger konnte ich mich damit identifizieren. Denn auf seinem Weg begegnen ihm viele Menschen, die es gut mit ihm meinen und ihm helfen wollen. Er kappt jedoch die Beziehung zu allen immer wieder ab, um sein eigenes Ziel zu erreichen. Tragischerweise erkennt er ganz zum Schluss, dass man Glück nur in der Gemeinschaft erleben kann. Und das finde ich einen ganz zentralen Gedanken. Ich hab schon einige Aussteiger getroffen, in Ecuador, Island, Russland... Sie alle haben eine größere Freiheit als wir, das stimmt - aber sie haben dafür auch nicht mehr die Möglichkeit, die Welt mitzugestalten. Für eine gute Sache arbeiten, wählen gehen, mit Freunden gute Projekte aufbauen, demonstrieren, Medien nutzen, lernen und anderen etwas beibringen... das sind alles Dinge, die wir wahrscheinlich erst dann richtig vermissen, wenn wir sie nicht mehr haben.
20.06.2011
Lisan hat geschrieben:
Ich selbst kann mich noch an den Film erinnern, ich habe ihn vor ein, oder zwei Jahren gesehen. Wieso denkst du, wenn man sich von allem trennt, wartet der Tod? Im Grunde hat er doch nur etwas falsches gegessen? Nun gut, das ist ein wenig simples, vielleicht etwas naives Denken, und du stellst das ganze viel tiefgründiger dar :D Es zeigt, finde ich, dass der Fortschritt eigentlich nicht zu verachten ist, sondern nur mit Vorsicht zu genießen. Durch den Fortschritt zum Beispiel wäre es ihm ermöglicht gewesen Medikamente zur Verfügung zu haben.
Der Drang nach Freiheit und Wildnis ist mir jedoch auch bekannt und es scheint mir ein faszinierender Gedanke, meine sieben Sachen zu packen und für mich mein Leben fernab, in Wald und Wiese zu leben, zu jagen und dies zu essen.
Doch ich glaube, dass uns der Fortschritt immer einholen wird, er ist gut um uns das Leben zu vereinfach und um uns zu helfen, und gleichzeitig auch oft unser Leben zu retten. LG
Lisan
20.06.2011
welpe hat geschrieben:
Das buch ist auch sehr zu empfelen
20.06.2011
LaLoba hat geschrieben:
Guter Bericht! Den Film werde ich mir bei Gelegenheit mal ansehen. Wenn man so einen Freiheitsdrang hat, gibt es aber auch "ungefährlichere" und weniger extreme Möglichkeiten ihn auszuleben. Du könntest nämlich zum Beispiel auch so was wie ein "Volunteer and Travel" machen. Das ist eine Abwandlung des bekannten "Work and Travel", anstatt zu arbeiten, setzt man sich dabei eben mit Freiwilligenarbeit für Bedürftige ein. Das Ganze kann man auch zum Beispiel in Australien machen, also bestimmt auch in Nationalparks mit dem Schwerpunkt Tiere und Natur. Nur mal so als Tipp...
19.06.2011
NaNe5 hat geschrieben:
Ich hab den Film schon mehrmals gesehen.
Soviel Liebe in einem solchen Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Die Musik,Die Schwester wie sie zwischendurch über ihren Bruder redet,wie die Eltern sich mit der Zeit verändern,und wie er die Welt von einer ganz anderen Seite beleuchtet...Einfach super !
Vor diesem Mann kann man nur den Hut ziehen.
Trauriges Ende .. Aber er regt einen zum Nachdenken an !
Schön das den Film mal jemand aufgegriffen hat :-)
19.06.2011
Viveka hat geschrieben:
Ich hab den Film auch noch nicht gesehen, aber ich kann ihn gut verstehen. Ich mache nächstes Jahr auch mein Abi und möchte danach unbedingt ins Ausland und irgendetwas anderes außer Schule machen. Ich meiner Schule geht es total vielen so.
Um deine Frage zu beantworten: Ich denke so ähnlich wie Gluehwüermchen. Mann muss erst was tun, was einem selber Spaß macht und das man auch wirklich tun möchte, bevor man anderen bzw. der Welt helfen kann.
19.06.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Guter Bericht! :) Leider habe ich den Film noch nicht gesehen, aber ich kann mich sehr gut in seine Entscheidung hineinversetzen. Ich habe manchmal ähnliche Anwandlungen, nur eben ein bisschen anders ;-)
Ich denke unnütz war es auf keinen Fall, auch wenn er früh den Tod gefunden hat. Du wirfst da eine sehr interessante Frage in den Raum, die ich für mich auch noch nicht so beantworten konnte: Sich abkapseln und den Sinn des Lebens finden oder einen Beitrag zur Welt leisten, auch wenn es unangenehm ist? Ich würde fast sagen, letzteres hält man nur durch, wenn man ersteres erfolgreich geschafft hat. Der Welt zu helfen setzt voraus, dass man mit sich selbst im Reinen ist...ich bewundere ihn aber sehr für das, was er getan hat. Diesen Traum teilt er glaube ich mit vielen jungen Menschen...
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