Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Hin und her! (Video)


von Peet
31.10.2012
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Ich weiß noch genau wie meine ersten drei Tage in Kanada aussahen. Es waren drei Tage ohne wirklichen Schlaf, voller Eindrücke und völliger Orientierungslosigkeit sowie Nervosität. Drei Tage, die beim Zurückblicken wirklich fantastisch wahnsinnig waren.

Knappe sechs Monate bin ich nun hier im Westen Kanadas, nahe der amerikanischen Grenze und bin geteilter Meinung was dieses Land angeht. In welcher Hinsicht? Das werde ich euch jetzt verraten...

Kanadas Wirtschaft ist momentan auf Wachstumskurs. So wird es im Fernsehen und der Zeitung propagiert. Überall im Lande entstehen neue Abbaugebiete für Erz, Gas, Gold, Öl sowie Holz, da die gelockerten Umweltauflagen nun auch den Einzug der Maschinen in vorher geschützte Gebiete ermöglichen. Kanada, das zweitgrößte Land der Welt, mit einem Drittel der Einwohnerzahl von Deutschland, besitzt ein gigantisches Vorkommen an Ressourcen und das bedeutet Geld.

Erst vor einigen Tagen durfte ich beim Warten auf meine Sozialversicherungsnummer für meinen Job (nun arbeite ich auch mal legal...) im "Business", einer wohl wirtschaftlich gesonnenen Zeitung, vernehmen, dass jeder vierte Job direkt oder indirekt an der Ölwirtschaft hängt. Herzlichen Glückwunsch dachte ich mir da und konnte es kaum glauben, wie einseitig darüber berichtet wird. Das Gleiche lässt sich dann in schönen Bildern von Ölfördertürmen oder Teersandabbaugebieten in einem Fernsehspot der kanadischen Regierung angucken, die ganz in Ruhe von Kanadas großartiger Nutzung der natürlichen Ressourcen spricht - Jobfaktor Raubbau und das wird akzeptiert!

Man muss kein ökologisches Gewissen haben, um zu sehen, wie einseitig und kurzsichtig gewisse Dinge hier betrachtet werden. Millionen von Touristen aber auch die einheimische Bevölkerung zieht es jedes Jahr hinaus in die kanadischen Rockys, in das Yukon Gebiet hoch oben im Norden oder in den letzten verbliebenden nordamerikanischen Regenwald auf Vancouver Island. Bären, Wölfe, Elche - die Palette von Wildtieren übertrifft die in Europa bei weitem und schier endlose Wälder ziehen sich über unvergleichbare Gebirgsketten, geteilt von einem reißenden Bergfluss oder einem eisigen Gletscher. Das Potenzial dieser Ressource Umwelt ist jedem klar und doch wird es von Jobaussichten die einem über hunderttausend Dollar im Jahr versprechen schnell einmal ausgeblendet.

So auch geschehen in Valemount, knappe 150 Kilometer westlich von Prince George, wo noch im Sommer die Vorbereitung für eine neue Goldmine auf Hochtouren lief. Am Tag verdiente sich der einfache Arbeiter eine goldene Nase und bei rund 24 Arbeitstagen im Monat kamen so rund 9.000 kanadische Dollar bei raus - als „Driller“, was man nach circa sechs Monaten wird, kann fast das doppelte drin sein. Wer da nicht ja sagt, kann auch nicht mehr geholfen werden. Mit solchen Jobs wird angelockt, denn der hohe Goldpreis auf dem Markt ermöglicht ein solches Gehalt erst überhaupt. Das Gleiche gilt für Öl und Gas, welches dann fleißig in die ölhungrige USA oder nach China geschifft wird. Denn dort wo Gas, Gold oder Öl abgebaut wird, fahren auch Lastwagen her oder werden Pipelines quer durch die Natur geschlagen. So ist auch die neue Pipeline von Alberta an die Westküste geplant, die das Teersandöl für die Schiffe nach China betanken soll. Wiederstand gibt es, wenn auch in geringem Ausmaß. First Nations und einige NGO's protestieren jeden Tag gegen den Ausverkauf ihres Landes, welcher stetig zunimmt, denn Kanada ist im internationalen Ranking eher der kleine Mann und sieht sich dem Druck der Großmächte wie den USA oder China hilflos ausgesetzt.

Bevor ich nach Vancouver kam, wo ich seit rund zwei Monaten lebe und wohl auch noch einige Monate bleiben werde, konnte ich eine einzigartige Naturkulisse hinter jedem Berg oder jeder Ecke entdecken. Auf Wanderungen ist man nicht nur einmal einem Bär begegnet oder konnte regelrecht fühlen, wie man beobachtet wird. Gigantische Bäume ragten vor mir gen Himmel empor und schienen wie Eltern auf ihre kleinen Schützlinge zu achten. Man wusste nicht wem man mehr Respekt zollen sollte oder konnte; dem gigantischen Berg, den Bären oder den Bäumen. Jede Person die ich traf und mit der ich mich über diese einzigartige Natur und Kanada unterhalten hat, kam auf den gleichen Punkt; Kanada ist dabei sich zu verkaufen und übrig bleibt ein Land, das bis auf den letzten Tropfen Natur ausgesaugt ist. Meist waren das Personen vom Land oder auch Touristen. Ganz anders sieht man dieses Thema in der Stadt, wo es meinen Arbeitskollegen nur darum geht, das ihr nächster Wagen bitte schön einen V8-Motor oder Turbo-Diesel innehat, damit man schön schnell fahren kann. Logisch ist das nicht, denn die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt hier in der Regel bei 100 oder 110 auf gut ausgebauten Straßen. Auf die Frage, warum es denn unbedingt ein V8 oder Turbo-Diesel sein soll, unabhängig von der völlig unlogischen Begründung der Geschwindigkeit, heißt es dann, das Motorengeräusch wäre einzigartig...Aha, denke ich mir und frage sie dann, auf welche Kosten sie denn bitte schön so etwas machen. Antwort darauf, das kann man so nicht sehen.

Eine meiner Aussagen, die ich am meisten liebe, sind eben solche; "Das kann man so nicht sehen" oder ein weiterer Klassiker "Das kann man so nicht sagen". Interessant, wie ich finde, denn man sieht und sagt es so. Aber so sind nun mal Menschen. Probleme ausblenden und weiterschieben geht eben leichter, wenn die Möglichkeit da ist, etwas zu machen.

Ebenso interessant wie fast schon lustig geht es bei meinen Arbeitskollegen beim Thema Ernährung zu. "Organic", was hier für "Bio" steht, wird mehr oder weniger verpönt, wenn auch zugegeben wird, dass es wohl besser ist, als "Junk Food" (Fast-Food). Blende ich einmal diesen Widerspruch meiner Kollegen aus und frage, warum sie denn nichts ändern, kommt eine hämische Antwort wie "Änderst du damit die Welt?" und das Gelächter ist groß. Nun gut, sage ich mir, vielleicht ändere ich damit nicht direkt die Welt aber immerhin spare ich so Geld ist dann meine Antwort. Ungläubig wird auf mich geschaut, denn eigentlich sind Bio-Produkte hier in der Regel ebenso teurer wie in Deutschland.

Denn auf einem Kontinent, in dem mittlerweile mehr als 45% des Essens unterwegs im Auto oder auf der Straße zu sich genommen wird, ist eine ganze Kultur des Kochens und des Vorbereitens verloren gegangen. Da kommt keinem mehr die Idee, das zwei oder drei Brote, eine Banane und oder Apfel für rund 12 Stunden völlig ausreichen. Stattdessen wird für 5.99$ extra große Pommes bestellt und zudem Sandwiches, die irgendwelche undefinierbaren Belage habe. Macht rund 10$ pro Mahlzeit, denn eine Coke darf ja nicht fehlen. Dann wird abends auch noch einmal warm gegessen und am Tag ist man hier pro Person bei rund 20$. Das ich im Durchschnitt für mein exzellentes Brot (deutscher Art!), dem Käse, Salat und der Gurke sowie Apfel und Banane im Schnitt bei 6$ lande, ist niemandem bewusst; und dann noch alles Bio. Selbst wenn man den Aspekt des Gesundheits- oder Ökologieaspekt weg lässt, müsste doch der normale Mensch spätestens beim Geld hellhörig werden.

Ihr seht, ich bin geteilter Meinung von einem Land, das einerseits unbeschreiblich schön ist und andererseits vor Kurzsichtigkeit fast erblindet. Nun gut, bald geht es ja wieder für mich weiter auf Reisen...

Zudem gibt es ein neues Video von mir, welches ich hier leider nicht einbinden kann. Wer mehr dazu wissen will, schaut hier nach! ;-)

Wer mehr Bilder und Videos sehen will, kann gerne einmal meinen Blog besuchen - peterjelinek-bloggt.de - Ich freu mich auf euch! :-)

Copyright Video: Peter Jelinek

Copyright Bilder: Peter Jelinek

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Kommentare (7)
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Sortieren nach Aktualität:
01.11.2012
green.eyes hat geschrieben:
ein toller Bericht, danke für die Informationen und glückwunsch es waren bestimmt tolle Tage :D
01.11.2012
Peet hat geschrieben:
@Sarah: Magisch bringt es auf den Punkt - es war unglaublich dort zu stehen!
@Veggieburger: Bin gespannt was aus Mittelerde berichtet wird! Würde mich freuen, wenn du da einige Erfahrungen teilen würdest :-)
01.11.2012
Sarah25 hat geschrieben:
Peter! Dieses Titelbild ist einfach wunderschön! Als ich dort genauso stand wie du, habe ich mir geschworen, diesen Ort nie zu vergessen, weil er einfach so unglaublich natürlich aussieht mit dem Tal, dem Wasserfall, dem Gletscher... als ich dort stand habe ich es als fast schon etwas magisches empfunden...
... Schade, dass Kanada die Natur so ausbeutet :( aber danke für den Bericht, sehr interessant! Viel Spaß noch! ;)
01.11.2012
Sunlight hat geschrieben:
Wirklich ein richtig schönes Video! :)
01.11.2012
zeemzee hat geschrieben:
In einem so großen Land sind die Menschen andererorts oft auch anders drauf. Diese Erfahrung habe ich 2010 gemacht, als ich in den Atlantikprovinzen unterwegs war. Insbesondere in New Brunswick fand ich Leute eher offen und "progressiv" - und ganz anders als ihre US-Amerikanischen Nachbarn, ob es nun um öffentliche Verkehrsmittel oder um nachhaltiges Essen geht. Dir noch eine tolle Zeit!!!
01.11.2012
Animalfriend hat geschrieben:
Informativer Bericht und wunderschönes Video!
01.11.2012
Veggieburger hat geschrieben:
Was für ein interessanter Bericht. Es ist immer gut zu wissen, wie abere Nationen über den Klimaschutz denken :) Ich bin bals für ein paar Monate in Neuseeland, da werde die den Kiwis wasden Klimaschutz angeht, auch Mal auf den Zahn fühlen :D
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