Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Einmal Forrest Gump sein, nur anders.


von Loulinn
22.10.2014
7
0
1 P

„And what are you travelling with?“
„With bike.“
„Seriously?“
„Since 19 years.“

Franzosen hatten schon immer einen Knall aber der Mann dem ich gegenübersitze, hat einen besonders sympathischen.
Seine sonnengebräunten Hände umfassen einen „Iced Coffee“ und auf seinem Gesicht prangt ein übergroßes Lächeln, was er das ganze Gespräch über nie verliert.
Auch nicht als er von Gefängnissen, Unterdrückung und Schießereien erzählt und erst Recht nicht wenn er von Freiheit spricht und davon, dass die Menschen Angst davor haben nicht zu planen, nicht zu organisieren. Oder von seiner Heimatwahl Südamerika, wenn er dann mal irgendwann aufhört zu reisen.
„In Italy they asked me if I knew Forrest Gump when I started walking my first 18000km. I said no, so they invited me to the cinema.“
Mir fällt auf, dass das ein Leben ist worüber es sich zu schreiben lohnt und dass man sich vielleicht überlegen sollte, was man aus seinem macht.

Die Mittagshitze brennt auf meiner Haut. Wir sitzen an einem Rastplatz, hunderte Kilometer um uns herum nichts. Das orange der Erde wird nur hier und da von sandfarbenen Gestrüpp unterbrochen. Ich stelle mir die Straße vor auf der wir hierher kamen. Tausende von Kilometern lang nichts außer Asphalt und ab und zu ein Wegweiser mit dem Verweis „Lookout“ oder ein totes Känguru am Wegrand.
Unvorstellbar diesen Weg mit einem Fahrrad zurückzulegen.
Ich werfe einen skeptischen Blick auf die Beine des Franzosen. Er lacht.
„It is pure freedom. All I need is my bike.“
Er erzählt davon wie viele Schuhe er schon verfahren hat, wie viele Ersatzteile er braucht und dass es manchmal schwer ist, das Fahrrad im Flugzeug zu transportieren.
Um aber mit dem Fahrrad zu reisen, muss man kein Profi sein.
Auch der Franzose fing mal klein an, man muss ja nicht direkt ins australische Outback fahren.
Wie oft mir schon der Gedanke kam mir mein Fahrrad zu schnappen und einfach für ein paar Tage loszufahren.
Hört sich schwieriger an, als es tatsächlich ist.
Und dazu auch noch unglaublich umweltfreundlich! Welchen schöneren Weg könnte es geben sich die Welt anzuschauen ohne ihr dabei Schaden zuzufügen?

Bevor man losfährt, hier aber einige Tipps und Tricks was man bedenken sollte.
Der Franzose dachte gar nicht, wie er uns erklärt. Das ist, wie ich finde, die beste Lösung.
Für alle Vieldenker unter uns, hier nun ein kleiner Wegweiser.

Schritt 1:

Videos anschauen.
Viele.
Zum Beispiel:

Oder besuche die European Outdoor Film Festival In Essen im Dezember:

Wenn man genug gesehen hat, ist der Weg geebnet, die Motivation geschürft, unser Gehirn läuft auf Hochtouren. Nichts scheint unmöglich. Wir sind jung, wir wollen mehr. Da stören dann auch die dünnen Beinchen nicht mehr.

Schritt 2: Wie lange willst du weg?


Die Distanz bestimmt die Zeit. Es müssen nicht gleich 10 Monate sein, auch in 2 Wochen kann man bestimmte Ziele erreichen.

Schritt 3: Wohin willst du?


Hierzu gibt es viele Orientierungsmöglichkeiten. Schau doch einfach mal in dem nächsten Buchladen vorbei. Du glaubst gar nicht wie viele Menschen so irre sind wie der Franzose.
Wenn du dich entscheiden hast wohin es gehen soll, kannst du aber auch im Internet viele Ideen und Routen finden.
Für Asien gibt es Spice Routes www.spiceroads.com/ und wenn du doch das große weite Outback suchst, versuche es hier www.cyclingtours.com.au/

Schritt 4: Was nimmst du mit?

Listen dazu gibt es unzählige zur Orientierung wie zum Beispiel die von ADFC: www.adfc.de/ausruestung/checkliste-fuer-den-fahrradurlaub
Was du aber genau brauchst, hängt auch von dir ab. Ich glaube jeder von uns kennt dieses Gefühl einen Koffer tausend Mal umzupacken.
Wichtig dabei: Mach dir bewusst, dass das Fahrrad fast wichtiger ist als du.
Nette Anekdote: Der besagte Franzose hatte lediglich eine Hängematte dabei. Mach dir klar, was deine Ansprüche an die Reise sind. Versprochen, der Sternenhimmel in Australien macht es wett, dass du nicht in einem warmen Hotelbett nächtigst.

Schritt 5: Wie fit bist du?
Und weil deine Fitness doch nicht so unwichtig ist und wir Deutschen manchmal Recht haben mit unseren Unsicherheiten, solltest du dir auch darüber im Klaren sein was du schaffst oder was machbar ist. Wie schwer darf der Rucksack sein, denn du bei dir trägst? Neben ein bisschen Realismus dabei aber auch nicht vergessen, dass man eben nicht alles planen und organisieren kann.
Ein fetter Muskelkater wird sicherlich nicht ausbleiben, aber wen juckt das schon, wenn man gerade die unglaublichsten Wälder oder Wüsten durchquert?

Und jetzt schnapp dir deinen Rucksack, schmeiß ein paar Gewichte rein, pump deine Reifen auf und dreh ein paar (oder ein paar mehr) Runden hinterm Haus. (Schritt 6: Üben!)

Und immer wenn dich der Mut verlässt, denke an:

deine Zehen, verklebt von dem orangen Sand, wie er an deiner Haut haftet. Ein Schutzmantel vor der Wirklichkeit.
Oder solcher, die wir so nennen. Du lebst jetzt in einer anderen.
Es ist warm.
Du kannst die Mittagssonne noch immer in deinen Poren spüren. Sie hat sich dort so tief vergraben, als wolle sie für immer ein Teil von dir bleiben. Arbeit, Häuser, all die anderen Menschen, kilometerweit weg. Du atmest schwer und tief.
Mittlerweile weht ein Wind, der so heiß ist, dass man sich die Fingerspitzen beim Fahrtwind verbrennt.
Das Fahrrad steht hinter dir.
Deine Beine sehen anders aus als sonst.
Kein Nicht-Reisender kann verstehen was es ist. Es ist nicht die Bräune, nicht der Dreck der an ihnen haftet, nicht der Schweiß.
Es ist die Art, wie du auf ihnen stehst. So als würden sie endlich zu dir gehören.
Als würden sie dich dorthin tragen, wo du hingehörst ohne nach der Richtung zu fragen.
Dein Blick ist auf den Horizont gerichtet. Du bist klein. Die Welt ist groß.
Die dürren Grasbüschel zu deinen Füßen tanzen im Wind, die Natur rauscht.
Und wird zum Soundtrack deines Lebens.

Los geht’s!

Einfach mal Forrest Gump oder Franzose sein.


 

Weiterempfehlen

Kommentare (6)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
07.02.2015
Ju_dith hat geschrieben:
Super Bericht!:) vor allem den letzten Teil fand ich sehr schön und hat mich auch total berührt:)
27.10.2014
OekoTiger hat geschrieben:
Danke für den Bericht!
25.10.2014
Ria2000 hat geschrieben:
Schöner Bericht! Sowas zu machen stelle ich mir total cool vor! :D
23.10.2014
Loulinn hat geschrieben:
Franzosen in Australien waren alle irre :D aber auf eine sehr positive Weise! :))) Ich hab viele Leute getroffen, die mit dem Fahrrad gereist sind, besonders in Neuseeland :) Echt der Wahnsinn was die immer für Geschichten zu erzählen haben und wir kamen uns dann mit unserem Auto auch manchmal doof vor. Da guckt man sich die schönsten Orte der Welt an und trägt quasi dazu bei, dass sie verloren gehen... :/
23.10.2014
MaRyLoU hat geschrieben:
Hat Spaß gebracht deinen Artikel zu lesen :) persönliche Erfahrung oder warum sind alle Franzosen irre? :p Aber das mit Fahrrad ist echt eine Idee, die man vielleicht mal ausprobieren sollte
23.10.2014
midori hat geschrieben:
Eigentlich hast Du recht! An Fahrradurlaub habe ich persönlich bisher noch nie so wirklich gedacht. Spannend! Danke für die witzigen Einblicke! ;o)
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Bienvenue en France! (5) - Die Kehrseite der Medaille (1)
Bienvenue en France! (5) - ...
Liebe Community, ich glaube so langsam werden wir heimisch in Frankreich! Wieder geht es in den... weiter lesen
Life Abroad - mein AuPair Jahr in London
Life Abroad - mein AuPair J...
Hello everyone, zuerst einmal möchte ich mich allen, die mich noch nicht kennen, vorstel... weiter lesen
Bienvenue en France! (5) - Die Kehrseite der Medaille (2)
Bienvenue en France! (5) - ...
Hallo meine Lieben, schön, dass ihr wieder dabei seid. Heute steht Montepellier auf d... weiter lesen
Ergebnisse der Befragung: nachhaltige Jugendreisen
Ergebnisse der Befragung: n...
Hier sind nun endlich die Ergebnisse der Umfrage zu nachhaltigen Jugendreisen! Danke nochma... weiter lesen
Empowering Locals - Ökotourismus am Victoriasee in Kenia
Empowering Locals - Ökotou...
  Der Victoriasee ist der zweitgrößte Süßwassersee der Welt. E... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil