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namens Erde


© WWF
Die letzten Naturparadiese der Erde: Die Wälder der Hawaii-Inseln


von FabianN
09.12.2012
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Zwischen dem 23. und 18. nördlichen Breitengrad sind die tropischen Hawaii-Inseln zu finden. Neben der Hauptinsel Hawaii gibt es sieben weitere, wie beispielsweise die Insel Oahu mit ihrer Hauptstadt Honolulu oder zahlreiche kleine Eilande, Felsen und Sandbänke. Jeweils viertausend Kilometer Meerwasser trennen die Hawaii-Inseln von Tahiti und der amerikanische Westküste. Politisch gesehen gehört die Inselkette im Pazifischen Ozean zu den Vereinigten Staaten, geographisch dagegen zu Ozeanien.
                                 „Hawaii ist nicht für das Gemüt, das nachdenkt,
                              sondern für das Gemüt, das beschaulich betrachtet.“
                                                        Paul Theroux

Eindrucksvolle Wasserfälle, wundervolle, artenreiche Regenwälder, aus dem Meer emporragende, von Wellen umspülte, glänzende Schieferplatten und Vulkane, die an ihren Flanken Dampfwolken ausstoßen - all dies kann man auf diesen Inseln finden. Dieser Ort, der anfänglich als paradiesisch erträumt und schwärmerisch verehrt wurde, um später einmal ein Ziel des Massentourismus zu werden, wird von den meisten mit unvergänglicher Faszination und einmaliger Natur verbunden. Allein der Klang des Namens reicht schon, um Bilder von traumhaften Stränden heraufzubeschwören.


Der regenreichste Punkt unserer Erde - Im Zentrum der Mount Waialeale                               © travelmangosteen.com

Doch ist dieser Ruf keineswegs unbegründet. Der Reichtum der auf den Inseln vorhandenen Biodiversität ist außergewöhnlich und der größte im ganzen Pazifischen Ozean. Dies resultiert aus den charakteristischen Vulkanen dieser Inseln. Ihre Ausbrüche bildeten schroffe und steile Bergketten...

© spiegel.de

...Die von den faszinierenden Lavaströmen geformten Steilhänge sind für einige Tierpopulationen zu unüberwindbaren Hindernissen geworden. Dadurch entsteht in diesen abgeschotteten Orten der Inseln auf engstem Raum isolierte Populationen, innerhalb derer es darauf zu neuen Differenzierungsprozessen kommt. Die Verhältnisse in der Ökoregion der feuchten Wälder auf Hawaii sind nun solcher Gestalt, dass sich im Laufe der Entwicklung nun Tier- und Pflanzenarten durch geologische Vorgänge innerhalb ihrer isolierten Räume wie Täler, Inseln oder Buchten in verschiedene Unterarten aufspalten.
Zusammen haben bilden die Hawaii-Inseln eine Landfläche von 6700 Quadratkilometern. Vom Meeresufer teils auf kürzester Distanz auf Höhen von bis zu 1700 Metern ansteigend, sind die Inseln von Regenwäldern, feuchten Buschwäldern und Sumpfgebieten bedeckt. Fast immer sind die Wälder in Nebel gehüllt und durch die tropischen Regenfälle sind ständig mit Wasser durchtränkt.

Die zahlreichen Niederschläge in der äquatorialen Klimazone reißende Flüsse entstehen und nähren auch die spektakulären Wasserfälle

© okologieprobleme. blogspot.com


 

 

 

Die Unzugänglichkeit der steilen Gipfel hat Habitate mit einer sehr hohen Zahl an endemischen Bäumen entstehen lassen. Zudem kann man winzige Blumen,

© jsabella.wordpress.com

 

viele verschiedene baumbewohnende Vögel und Schnecken wie beispielsweise die Kleidervögel (Drepanidinae) finden, die hier relativ ungestört leben.

Der Liwi - er zählt zu einer der etlichen vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sein langer, gebogener Schnabel macht es ihm möglich, sich von Nektar der Lobelien zu ernähren.

© fws.gov


Die Drepanidinae sind eine endemische Art, welche eine mit den berühmten Darwinfinken der Galapagos-Inseln vergleichende evolutionäre Entwicklung durchlaufen hat. Diese Art hat sich ausgehend von einer einzigen eingewanderten Art in viele unterschiedliche Unterarten entwickelt. Zur Zeit besteht die Gruppe der Kleidervögel aus 23 Arten, jedoch war ihr Artenreichtum vor dem Einfluss des Menschen noch sehr viel reicher. Die Aufspaltung in die verschiedenen Arten rührt unter anderem von den unterschiedlichen Essgewohnheiten her. So gibt es zum Beispiel den Roten Kleidervogel oder Liwi genannt (Vestiaria coccinea) und der heute ausgestorbene Hawaii-Akialoa (Hemignathus obscurus) sind oder waren auf das Saugen von Nektar spezialisiert. Andere Unterarten, wie der Hawaii-Nukupu’u (Hemignathus wilsoni), ernähren sich von den Samen der unterschiedlichen Waldbäume, oder sie picken Insekten und Larven aus den Rinden der Bäume heraus. Doch auch für viele andere Vogelarten waren oder sind die feuchten Wälder der Inselgruppe ein Hauptlebensraum, wie beispielsweise für den Hawaii-Bussard (Buteo solitarius),

den Hawaii-Klarino (Myadestes obscurus), einen der wenigen Raubvögel dieses Archipels oder die Hawaii-Krähe (Corvus hawaiiensis), der nur noch in der Gefangenschaft lebt. Die sogenannten Honigfresser (Meliphagidae) konnten nicht erhalten werden.
Aus einer kleinen Gruppe kolonisierender Individuen hat sich auf Hawaii auch die Drosophila (Drosophila spp.), eine Gattung innerhalb der Taufliegen, entwickelt. Von den Insektenkundlern Hawaiis wird vermutet, dass auf Hawaii mehr als eintausend unterschiedliche Insektenarten umherschwirren. Bereits als „weltbestes Beispiel für eine schnelle Evolution“ wurde die Gattung Drosophila bezeichnet.
Nennenswert sind auch die lokalen Populationen der Hawaii-Gans (Nesochen sandvicensis), die auch „Nene“ genannt wird. Sie lebt in den höheren windigen Zonen der Inseln. Bei der CITES ist sie gelistet, dem Washingtoner Artenschutzabkommen zur Regelung des Handels gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Doch aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraumes ist die Zahl der wild lebenden Individuen dieser faszinierenden Gans stark rückläufig.


© home.fotocommunity.com

Die auf Hawaii Koa-Akazien genannten Akazienbäume und die Eisenhölzer (Metrosideros), welche die Einheimischen „Ohia’lehua“ nennen, zählen zu den am meisten vorkommenden Baumarten. In den Regenwäldern der Berregionen wachsen vorherrschend Eisenholzbäume (Metrosiderus polymorpha) und andere zahlreiche Gattungen. Zudem gibt es etliche Epiphyten und Sträucher wie Cyanea und Broussaisia. Sie bilden das dichte Unterholz und bedecken Baumstämme und Äste. Neben den vielen Farn- und Moosarten finden sich in den Regenwäldern auch die drei endemischen Orchideen Hawaiis. All diese Tier- und Pflanzenarten, diese faszinierenden Landschaften und ihre unglaubliche Besonderheit machen diesen Ort zu einem der letzten Naturparadiese der Erde…


© canusa.de

Ein Blick in die Zukunft:
Größtenteils wurden die Feuchtwälder am Fuß der Bergketten und in tieferen Lagen bereits durch Brandrodung zur Schaffung von landwirtschaftlichen Nutz- und Weideflächen zerstört. Wenigstens auf den größeren Inseln blieben, jedoch nur in den Bergregionen, die ursprünglichen Lebensräume Hawaiis unberührt, doch durch ursprüngliche aus Nordamerika eingeführte Hirsche, durch Wildschweine und durch die Einführung fremder Pflanzenarten sind auch sie ernsthaft gefährdet. Außerdem haben negative Einflüsse, wie die extreme Belastung der Weideflächen durch die zahlreichen Huftiere und die Zunahme der touristischen Aktivitäten, deutliche Auswirkungen auf das empfindliche und sensible Ökosystem eines der letzten Naturparadiese der Erde…


Die Trauminsel Kauai, welche einst von James Cook entdeckt wurde © canusa.de

Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?
Sowohl vom WWF International als auch vom WWF USA wurden in der vergangenen Zeit Projekte zum Erhalt des Ökosystems Hawaiis entwickelt. Zudem lief bis Juni 2007 das Projekt des WWF Global Marine Programme mit dem wichtigen Ziel der Überfischung entgegenzuwirken und eine nachhaltige, umweltgerechte Bewirtschaftung der Fischbestände zu fördern. Auch die Schaffung einer Reihe von Meeresschutzgebieten gehört zu diesem Projekt, welche zusammen eigentlich zehn Prozent der Ozeanflächen der Welt abdecken sollten. Doch sind dies bei weitem nicht die einzigen Probleme, die gelöst werden müssen. Unterschiedliche tropische Waldgebiete der Hawaii-Inseln, die heute noch relativ unberührt sind, gelten noch nicht als Schutzgebiete, was dringend notwendig wäre. Hierzu zählen beispielsweise Waianae, eine Bergregion auf der Insel Oahu, die Berge im Osten von Molokai, die östliche Bergregion der Insel Lanai,die Berge Kohalas und die Regionen Hamakua-Hilo und Kona. Doch Wissenschaftler und Laien setzen sich engagiert für den Erhalt dieser Regionen ein, dass die Behörden dort endlich neue Schutzgebiete errichten und erreichen, dass der stark schädliche Einfluss fremder Arten immerhin eingedämmt wird. Hoffen wir das es uns gelingt, die Wälder der Hawaii-Inseln zu schützen – eines der letzten Naturparadiese der Erde!

© travelmangosteen.com

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Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe „Die letzten Naturparadiese der Erde“ http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179


Text: eagle4nature

Quelle: Die letzten Naturparadiese der Erde (Buch) , Wikipedia , travelmangosteen.com
 

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Kommentare (14)
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18.01.2013
david.s hat geschrieben:
Warum machen Menschen immer alles in der Natur kaputt.
11.12.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Ich kann mich Rhino nur anschließen. Hawai nur auf seine bekannten Strände zu reduzieren ist eine Frechheit!

Es ist schon beeindruckend, was die Natur aus Vulkanen über Jahrhunderte erschaffen kann. Und der Mensch zerstört alles - mal wieder
11.12.2012
Stoffie hat geschrieben:
super bericht! sehr gut zu lesen, sehr gut geschrieben... perfekt!
10.12.2012
Marcel hat geschrieben:
Fabians Naturparadies-Reihe gehört definitiv zu den Juwelen in der WWF Jugend Community! Danke für diesen wunderbaren Bericht!
10.12.2012
Sophiiiiiie hat geschrieben:
Oh mann...WUNDERWUNDERSCHÖNER BERICHT!!! Im ersten Teil kommt man so richtig ins Träumen, was im zweiten Teil regelrecht in Wut auf die Verantwortlichen umschlägt... Ich habe mich bisher wenig mit Hawaii beschäftigt, aber dein Bericht hat das geändert, DANKE!!!!!
10.12.2012
Rhino hat geschrieben:
Sehr schöne Einblicke in die Natur der einzigartigen Inseln, die definitiv mehr zu bieten haben nur als Surfer-Strände!
Zusammen mit den beeindruckenden Bildern echt toll gelungen! :)

RE: angehender Fotograf
Was steht denn da an? :)
09.12.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
09.12.2012
Tierfreundin hat geschrieben:
Toller Bericht und super Fotos ! Vielen Dank dafür ! :)
09.12.2012
FabianN hat geschrieben:
@Peter: Danke ;) Doch ich habe bereits so viele Reiseziele, dass ich nicht weiß, ob Hawaii noch möglich ist. Aber falls ja, würde ich dort wirklich gern mal hin um diese faszinierenden Inseln kennen zu lernen - und auch zu fotografieren ;)
09.12.2012
Peet hat geschrieben:
Danke, Fabian, für den tollen Eindruck. Da du ja angehender Fotograf bist, wird das wohl eins deiner Ziele sein? ;)
09.12.2012
Nessy1234 hat geschrieben:
Ein sehr guter Bericht!!!
Super Bilder und wirklich informativ!-)
09.12.2012
LSternus hat geschrieben:
Super Bericht.
Diese Inseln sind wunderschön.
Und noc schöner sind sie vor den fast schon gewissen Gedanken, dass bei mir wieder allen Busse durch den Schnee Verspätung haben.
09.12.2012
Carinaa hat geschrieben:
Toller Bericht!
Wahrhaft ein Paradis... (:
09.12.2012
Wasserjunge hat geschrieben:
Guter Bericht! ;)
Tolle Insel, tolle Landschaften, tolle Tiere und Pflanzen!
Schöne Bilder vorallem das Erste und die Lava...

"Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?" hätte ich es besser gefunden nicht den gesamten Text zu unterstreichen. Aber sonst gut gut ;)))
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