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Die letzten Naturparadiese der Erde: Die Sibirische Taiga


von FabianN
25.02.2012
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 Mit 3 899 700 Quadratkilometern, vom zwanzigsten und fünfzigsten Längengrad begrenzt, umfasst diese Ökoregion eine Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Alaska. Sie erstreckt sich vom Fluss Jenissei bis nach Verhojansk in Russland.

„Auch wenn es nur ein Zwölftel der gesamten Erdoberfläche darstellt,

ist es dies, was Sibirien in den Köpfen einiger Menschen hinterlässt:

düstere Schönheit und unauslöslicher Schrecken. Die Leere wird zur Obsession.“

Colin Thubron

Taiga, russisch und das Wort für ‚Wald‘. Das größte zusammenhängende Waldgebiet des Planeten stellt die Taiga dar. Als es einstmals von Nordamerika über Sibirien nach Skandinavien entlang zog, bildete es den, nur von den Ozeanen unterbrochenen, ‚borealen Waldgürtel‘. Von den nördlicheren Polargebieten wird die Sibirische Taiga durch ein noch ungemütlicheres und kälteres Gebiet abgeschnitten: der Tundra.                                                  

In der Taiga zu leben: Dies bedeutet Einsamkeit und Kälte zu ertragen. Die erbarmungslose Winterkälte erschwert allen möglichen lebenden Organismen das Leben. Manche der Tiere ziehen in andere Regionen, in denen günstigere Lebensbedingungen herrschen, andere halten Winterschlaf. Doch einige sind gezwungen, den erbarmungslosen Winter wach und in seiner vollen Härte zu durchleben, was durch unterschiedliche Anpassungen bei so manchen Arten funktioniert. Doch trotz den Anpassungen gelingt es nicht jedem Individuum bis zum Frühling zu überleben…                                                                                                      

 Da wegen der das ganze Jahr über herrschenden Kälte der meiste Niederschlag in Form von Schnee in dieser Region fällt, ist Wasser nur in geringen Mengen verfügbar. Aufgrund dieser Vorrausetzung können nur die Pflanzen überleben, die Kälte ertragen können und keinen großen Wasserbedarf haben. Eine Vegetationsform erfüllt diese Anforderungen voll und ganz: Nadelwälder. Obwohl die Ökoregion der Sibirischen Taiga nur einen Teil des borealen Waldgürtels bedeckt, ist sie bis heute eines der größten geschlossen Waldgebiete der Erde. Fast vier Millionen Quadratkilometer sind vor allem mit Nadelbäumen – überwiegend der Dahurischen Lärche (Larix gmelinii)- bedeckt. Dabei sind ihre größten Vorkommen auf Gebiete konzentriert, in denen eher weniger Schnee fällt.                                    

Die Durchschnittstemperatur liegt unter 0 Grad Celsius, in mindestens sechs Monaten im Jahr herrscht eisiger Frost, und im Winter kann die Temperatur auch gut unter minus 50 Grad fallen. Nicht einmal jede Sommernacht schafft es die Temperatur über den Gefrierpunkt, auch die sommerlichen Höchstwerte erreichen selten zwanzig Grad Celsius. Und an maximal hundert Tagen um Jahr steht das Wasser der Vegetation wirklich zu Verfügung, nur dann ist es nicht gefroren, sondern flüssig.                                                              

 Dieses unwirtliche Klima macht die Entstehung neuer Arten nicht einfach, wie es beispielsweise in subtropischen und tropischen Gebieten durchaus der Fall sein kann. Jedoch sind die Spezies, die diese Herausforderungen gemeistert haben, zahlreich vorhanden. So auch zum Beispiel Insekten, die hier jeden Sommer über in Myriaden verbringen. Oder die Vögel schaffen es durch eine enorme Anzahl an Jungen, die sie in dieser Region ausbrüten, ihre Spezies auf Dauer mit Wirkung zu erhalten.                         

Immergrüne Nadelbäume, das ist die vorherrschende Baumart in der Sibirischen Taiga. Wenn ihre biochemischen Vorgänge genauso lange dauern würden, wie die der Bäume in unseren Breiten, so könnten sie ihren Lebenszyklus im Laufe eines Jahres nicht vollenden. Da der Frühling dieser Ökoregion derartig kurz ist, bliebe nicht genügend Zeit, um das ganze Nadel- und Blattwerk sprießen zu lassen. Die grünen Pflanzenteile, die als einzige den Farbstoff Chlorophyll und Chloroplasten besitzt, sind die einzigen, die Photosynthese betreiben können. In der Sibirischen Taiga müssen sie,  sobald für kurze Zeit besseres Wetter herrscht, die Energie fast augenblicklich umwandeln. Die ersten Strahlen der Sonne eines milden Frühlingtages reichen schon, um in den Nadeln den Prozess der Umwandlung von Kohlenstoffdioxid in komplexe Zucker zu aktivieren. So können in kürzester Zeit neue Äste, Früchte und Samen entstehen und weitere Nadeln sprießen.                             Dass der Schnee sich nicht auf ihnen sammelt und ihre Äste unter der Last nicht zerbrechen, sind die immergrünen Bäume schlank und die Äste sind nach unten geneigt. Außerdem schützen sich die Bäum gegenseitig vor Kälte und Wind indem sie die Fähigkeit besitzen, sehr dicht beieinander zu keimen und zu wachsen und so ein dichter Nadelwald entsteht.                                                                                                                                                  

Nur wenige hohe Tierarten leben in der Sibirischen Taiga. Jedoch haben sie alle etwas gemeinsam: Sie sind von gedrungener, korpulenter Statur mit kurzem Hals und kurzen Gliedmaßen. Sie haben sich so angepasst, damit sie so wenig Körperwärme wie möglich verlieren. Durch ihre Anpassung besitzen sie einen Körperbau mit geringer Körperfläche bei großer Masse – perfekt zum Überleben in der Taiga.                                                                      

Beispielsweise der 35 Kilogramm schwere Vielfraß (Gulo gulo) ist Fleischfresser, das größte Individuum aus der Familie der Marder (Mustelidae), zu denen auch Wiesel und Steinmarder gehören. Mit einem sehr vielfältigen Speiseplan ist er ein aktiver Jäger, der sich neben seinen erbeuteten Tieren sehr wohl auch von Aas und Pflanzen ernähren kann. Sogar größere Nahrungskonkurrenten  kann der äußerst starke, aber tollpatschig wirkende Vielfraß in die Flucht schlagen, selbst vor Bren schreckt er nicht zurück und kann auch erfolgreich sein. Die Vielfraße der Region haben sich an ein äußerst begrenztes Nahrungsangebot gewöhnt und leben als Einzelgänger und Nomaden. In ihren riesigen Territorien legen Vielfraße auch große Entfernungen zurück.

Von der UNESCO wurde das Naturschutzgebiet Zapovdenik zum Welterbe ernannt. Hier finden Braunbären noch immer unberührte Wälder und Lichtungen vor, durch die er streifen kann und seine Jungen aufziehen kann, ohne vom Menschen belästit zu werden.

 

 

Auch die größten Vertreter der Familie der Hirsche (Cervidae) sind in der Sibirischen Taiga anzutreffen: Elche (Alces alces). Die Schnauze eines Elchs ist fleischig und lang und unter den Nüstern befindet sich eine unbehaarte, kleine Stelle. Die Männchen der Elche, die Bullen, haben einen von der Kehle hängenden Sack, der auch als „Glocke“ bezeichnet wird. Wegen ihren kurzen Hälsern sind Elche nicht einmal in der Lage vom Boden zu grasen. Die Hauptnahrung eines Alces alces besteht aus Blättern und Keimen von Weide und Birke als auch aus Wasserpflanzen. Erwachsene Bullen wiegen meist mehr als fünfhundert Kilogramm, während die Elchkühe oft über vierhundert wiegen. Nach der Geburt wiegen die Kälber zwar nur ungefähr fünfzig Kilogramm, doch nehmen sie im Laufe der Zeit schnell zu. Normalerweise liegt die Schulterhöhe deutlich über zwei Metern.                                                                              

Hauptsächlich unterscheiden von den anderen Vertreter seiner Familie tun sich Elche mit ihrer Geweihform. In einem rechten Winkel wächst das Geweih zur Mittellinie des Schädels zylinderförmig auf den beiden Seiten des Kopfes hervor und teilt sich nach geringem Abstand in eine Gabel. Deren vordere Spitze kann einfach sein oder in zwei oder drei Nebensprossen auslaufen, manchmal hat sie auch die Form eines Eichblatts. Bei der spezifischen Unterart Ostsibiriens (Alces alces bedfordiae) teilt sich der hintere Gabelast in drei Nebensprossen. Beim europäischen Elch (Alces alces alces) hingegen breitet sich das Geweih in einer breiten Struktur aus, die an ein Palmblatt erinnert, und bildet eine Art Schaufel, die eine dicke Basis und eine Anzahl kurzer Enden am Außenrand besitzt. Diese sehr langen Läufe verleihen dem Elch nach unserem ästhetischen Empfinden ein ungelenkes Erscheinen.Das bis hin zu zwanzig Kilogramm schwere Geweih, welches eine durchschnittliche Spannweite von 160 Zentimetern besitzt, tragen nur die Bullen.  

 

 

Jedes Jahr werden die Schaufeln des Elchs neu gebildet. Gegen Ende des Sommers wird von den Blutgefäßen versorgtes Gewebe, so genanntes Bast, der die Schaufeln bedeckt, abgefegt. Das nahrhafte Gewebe wird häufig von Tieren gefressen.

 Die häufig von Blitzen ausgelösten Waldbrände stellen eine große Gefahr für die Wälder der Taiga dar. Doch dank ihrer dicken Borke, der äußeren Schicht der Rinde, überstehen die Bäume normalerweise Brände nicht zu starken Ausmaßes. Doch wird durch dieses regemäßige Lichten der Wälder die Krautschicht am Boden mit dem für das Wachstum notwendige Sonnenlicht versorgt, dies schafft dann wiederum auch Nahrung für die pflanzenfressenden Tiere dieser Ökoregion.                                                                                                                      

Doch Waldbrände sind nicht das einzige Problem der Taiga: Vor ungefähr hundert Jahren kam es in der Sibirischen Taiga zu einer gewaltigen Explosion, deren Ursache man heute noch nicht genau weiß. Am 30.6.1908 um 7.17 Uhr, Ortszeit Sibirien, wurden in der Nähe des Flusses Steinige Tunguska sechzig Millionen Bäume auf einer Fläche von circa 2150 Quadratkilometern durch diese gigantische Explosion zerstört, die man noch in einer Entfernung von ungefähr tausend Kilometern hören konnte. Doch es wurden noch immer keine Spuren eines Kraters entdeckt. Berechnungen zufolge betrug die Sprengkraft zwischen zehn und fünfzig Megatonnen TNT. Der geringste Wert entspräche hierbei der tausendfachen Sprengkraft der Hiroschima-Bombe, der größte Wert entspräche der stärksten jemals getesteten Wasserstoffbombe. Heute wird angenommen, dass ein Meteorit mit einem Durchmesser von fünfzig bis hundert Metern in einer Höhe von fünf bis fünfzehn Kilometern über der Erdoberfläche explodiert ist. Der Explosion fielen zwar wahrscheinlich keine Menschen zum Opfer, da dieses Gebiet fast unbewohnt war, doch fehlen selbst heute noch etliche Bäume aufgrund dieser mysteriösen Explosion in einem der letzten Naturparadiese der Erde…

 Seit 1996 ist der Vulkan Karymsky auf der Halbinsel Kamtschatka beständig aktiv. Im Allgemeinen kommt es zu kleinen Eruotionen, bei denen abwechselnd Lavamassen und Ascheregen hervorgebracht wird. Beim ersten Ausbruch hat sich auch der Karymsky-See im Jahre 1996 gebildet. Aufgrund eines vulkanischen Schlunds stellt er momentan den größten Säuresee der Erde dar.

 

Ein Blick in die Zukunft:                                                                                                                            

 Noch heute erstreckt sich die Sibirische Taiga über eine sehr große Fläche des ursprünglichen Habitats. Ein Teil dieser Fläche ist in Schutzgebiete aufgeteilt, zu denen auch die Naturschutzgebiete Stolby, Olekminskji, und der Nationalpark Lenskie Stolby zusammen mit etlichen Naturdenkmälern gehören. Jedoch betonen Naturwissenschaftler, dass dieses Netz aus Naturschutzgebieten für ein solch großes, ausgedehntes Territorium nicht ausreicht. Die Vielfalt der Taiga sei nicht gebührend vertreten, und die Schutzgebiete liegen zu weit voneinander entfernt. Den Wäldern drohen neben der angesprochenen natürlichen Bedrohung durch Waldbrände auch intensive Wilderei und der illegale Holzschlag. Außerdem gibt es Pflanzenarten wie Pinus sylvestris, Scorzonera radiate, Limnas stelleri, Pinus pumilam und andere, die sofortigen und dringendsten Schutz benötigen, auf dass man sie weiter entdecken kann, in einem der letzten Naturparadiese der Erde, in der Sibirischen Taiga…

Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe „Die letzten Naturparadiese der Erde“ http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179

Text: eagle4nature

Bilder: Wikipedia Commons, @Thomas Seilnacht

Quellen: „Die letzten Naturparadiese der Erde“ (Buch)

 

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Kommentare (8)
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01.06.2012
Chrissi96 hat geschrieben:
wow...toller bericht sehr sehr schön geschrieben
21.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
einfach nur wunderschön und atemberaubend. Für sowas sollte man Kämpfen! :)
27.02.2012
Peet hat geschrieben:
Starker und lesenswerter Bericht, danke! :)
27.02.2012
gelöschter User hat geschrieben:
sehr sehr sehr sehr schöner Bericht :)
26.02.2012
JorindeR hat geschrieben:
Deine Artikel....WOW immer wieder überweltigent!
Wirklich!
26.02.2012
randre hat geschrieben:
toller artikel :)
habe selbst bis ich 6 war in Siebierien gelebt und finde die Natur dort einfach faszienierend.
26.02.2012
gelöschter User hat geschrieben:
wow wunderschöner artikel :) vielen vielen dank ;)
26.02.2012
Oekojule hat geschrieben:
Ein sehr umfangreicher und informativer Artikel! Respekt für die Mühe, die du dir gemacht hast für diesen Bericht. Gefällt mir gut. :)
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