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Die letzten Naturparadiese der Erde: Die Seen des Großen Afrikanischen Grabenbruchs


von FabianN
04.01.2012
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 Über 6400 Kilometer erstreckt sich eines der letzten Naturparadiese der Erde von Zentralmosambik bis nach Nordsyrien. Der Große Afrikanische Grabenbruch ist ein gewaltiges Verwerfungssystem der Erdkruste. Der Anfang dieser Ökoregion bildet sich in der Nähe des Malawi-Sees und teilt sich im fortlaufenden Verlauf in einen westlichen und einen östlichen Arm. Im westlichen Arm befinden sich der Tanganjika-See, der Albert-See und viele weitere. Im östlichen Arm findet man den Magadi-See, den Naivaha-See und den Baringo-See. Der Turkana-See und Arbaya-See setzen den weiteren Verlauf des Afrikanischen Grabenbruchs fort, bis er sich erneut teilt: Die westliche Fortsetzung verläuft bis zum Roten Meer und die östliche bis zum Golf von Aden. Bezeichnend für diese enorme Verwerfung, die sich durch zehn Staaten Ostafrikas zieht, sind intensive Vulkanaktivitäten mit einem großen Magmaaufstieg. Diese charakteristische Eigenschaft führte zu beeindruckenden Vulkanen, wie beispielsweise dem Massiv des Mount Kenya und dem Kilimandscharo.

„… unbegreiflich, unvorstellbar, unglaublich.

Und absolut unvergesslich.“

Ernest Hemingway

Im Zeitalter zwischen Mesozoikum und Tertiär, vor ungefähr vierzig Millionen Jahren, begann die Bildung des Phänomens namens Afrikanischer Grabenruch, welches seit damals von vulkanischen Aktivitäten und Ereignissen begleitet wurde, die natürliche Senken und Barrieren in dieser Ökoregion schufen. In diesen Senken und Barrieren entstand eine große Zahl verschiedener Seen mit gänzlich unterschiedlichen Eigenschaften. Die geothermischen und seismischen Aktivitäten erweiterten die Verwerfung der Erdkruste kontinuierlich, unter jener die Erdkruste noch immer eine Stärke von 20 Kilometern, im Gegensatz zu der üblichen Stärke einer Kontinentalplatte von ungefähr 100 Kilometern. Es erscheint glaubwürdig, dass die Erdkruste in den nächsten Millionen Jahren aufbrechen wird und Ostafrika vom restlichen Kontinent trennen wird, wodurch sich in diesem Zwischenraum ein neuer Ozean bilden könnte. Dies würde der Theorie nach dann ähnlich ablaufen wie mit dem Atlantischen Ozean aufgrund des Auseinanderdriftens des afrikanischen und des amerikanischen Subkontinents. In seiner Breite variiert das Tal des Großen Afrikanischen Grabenbruchs von dreißig bis zu hundert Kilometern, während die Tiefe von einigen hundert bis hin zu einigen tausend Metern reicht.

Die Seen des Großen Afrikanischen Grabenbruchs sind in vieler Hinsicht äußerst bewundernswert: Der Viktoria-See ist der zweitgrößte See der Erde, der Tanganjika-See ist mit 1600 Metern Tiefe der zweittiefste Süßwassersee der Erde und der ebenfalls tiefe Malawi-See der drittgrößte See des Kontinents. Aufgrund des Vulkanbodens und der hohen Verdunstungsrate haben sich außerdem im östlichen Teil dieser Ökoregion zahlreiche Sodaseen, wie beispielsweise der der Natronsee in Tansania gebildet.

 

Einen geeigneten Nistplatz und Zuflucht finden millionen Flamingos am Natronsee. Das Gebiet, in dem während der Trockenzeit oft Temperaturen von 50 Grad herrschen, ist so unwirtlich und abgelegen, dass an den Ufern es salzigen Sees quasi keine Raubtiere leben.

 Doch der Viktoria-See ist der Schauplatz eines der schrecklichsten Zusammenbrüche eines ökologischen Systems der letzten Zeit! Da aus kommerziellen Gründen der allochthone Nilbarsch (Lates niloticus) im See ausgesetzt worden war, ist die Fauna des Viktoria-Sees, in dem sich um die fünfhundert Buntbarscharten tummelten – darunter auch viele endemische Arten - im Laufe weniger Jahre fast vollständig ausgelöscht worden.

Für ihre außerordentliche Vielfalt an Buntbarscharten sind auch die anderen Seen der Ökoregion bekannt. Buntbarsche sind eine Familie der Süßwasserfische, die seit Millionen von Jahren in diesen Gewässern schwimmt und lebt, die sich in einer privilegierten ökologischen Nische in kompletter Isolation ungestört fortpflanzen können. Es sind zwar noch viele weitere zu entdecken, doch hat man bereits um die fünfhundert Arten gezählt. Im Tanganjika-See, in einem Probegebiet von gerade einmal vierhundert Quadratmetern, hat ein Forscher vor nicht allzu langer Zeit 7000 Fische gefangen, unter denen 38 verschiedene Familienarten vertreten waren. Der Beschützerinstinkt der Buntbarsche ist allseits bekannt: Sobald Gefahr droht, nehmen die Fische die Jungtiere ins Maul. Außer den zahlreichen Buntbarscharten kommen hier auch noch zahlreiche Wirbellose, wie beispielshalber Ruderfußkrebse (Copepoden), Muschelkrebse (Ostrakoden), Garnelen, Weichtiere (Mollusken) und Krabben mit einer Vielzahl endemischer Arten in den Seen der Großen Afrikanischen Grabenbruchs vor.

Eine weitere Art, die diese Ökoregion bewohnt, ist der Flamingo, welcher mit zwei Arten vertreten ist: dem Zwergflamingo (Phoenicopterus minor) und dem Kuba-Flamingo (Phoenicopterus ruber). An den idealen Lebensraum bietenden Seen, wie dem Natronsee, dem Nakuru-See und dem Bogoria-See, bilden sie millionenstarke Flamingo-Kolonien.

Zu den zahlreichen Vögeln, die ganzjährig an den Seen des Großen Afrikanischen Grabenbruchs leben, kommen noch etliche europäische Zugvögel hinzu, welche den Winter dort verbringen. Hierzu gehören beispielsweise die Pelikane (Pelecanus spp.), das Blaustirn-Blatthühnchen (Actophilornis africana), die Kormorane (Phalacrocorax spp.), der Afrikanische Schlangenhalsvogel (Anhinga rufa) und der Braunmantel-Scherenschnabel (Rynchops flavirostris).

Viele der Binnenseeregionen sind auch der Lebensraum beachtlicher Populationen von Nilkrokodilen (Crocodylus niloticus)...

Die bis zu 5 Meter langen und 500 Kilogramm schweren Nilkrokodile lauern in Ufernähe darauf, dass sich ein unwissendes Opfer dem Gewässer nähert.

 

...und Nilpferden (Hipopotamus amphibious), wobei die Vegetation um die Seen der Ökoregion auch Lebensraum für zahlreiche andere afrikanische Arten bietet. Im Nationalpark Lake Nakuru leben beispielshalber die Uganda-Giraffe (Cameleopardis rotschildi), der Wasserbock (Kobus ellipsiprymnus) und das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum), das in das Gebiet eingeführt worden ist, um es vor dem drohenden Aussterben zu bewahren.

 Aufgrund ihrer empfindlichen Haut müssen Nilpferde den ganzen Tag unter Wasser verbringen und können diese Gewässer erst nachts verlassen, um gemütlich in den weiten Ufern zu grasen.

 

 

 

Der Große Afrikanische Grabenbruch spielt jedoch auch aus anthropologischer Sicht eine wichtige Rolle: Es wurden zahlreiche Fossile – auch von frühen Hominiden - gefunden, weshalb man die Ökoregion auch als „Wiege der Menschheit“ bezeichnet. So wurde hier beispielsweise „Lucy“, das fast intakte Skelett eines weiblichen Australopithecus apharensis, von dem Anthropologen Donald Johnson ausgegraben.  

Ein Blick in die Zukunft:                                                                                                                                                                      

Die Verschmutzung der Gewässer durch Abwasser aus den Wohngebieten, der unmäßige Anstieg von Ablagerungen infolge der Waldrodung an den Hängen der Seen, die Einführung fremder Arten und die Überfischung stellen ein immenses Problem für diese Ökoregion dar. Mit der Folge, dass dieses sensible Ökosystem andauernde und unumkehrbare Krisen wird durchstehen müssen und bereits musste, wächst die Bevölkerung stets und die Entwicklung der Gesellschaft führt zu immer größerem Bedarf der Naturressourcen.

Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?

Kürzlich gab es ein erfreuliches Signal: Das internationale Abkommen International Agreement for the Development of the Lake Victoria wurde getroffen, um der Einfuhr zahlreicher fremder Arten in den Viktoria-See vorzubeugen. Zudem werden Maßnahmen entwickelt, die die biologische Vielfalt und Wasserressourcen der Seen bewahren sollen. Außerdem setzt sich der WWF bereits seit 1962 für den Naturschutz in Ostafrika ein. Er begann damals das Land, auf dem heute der Nationalpark Lake Nakuru in Kenia liegt, zu erwerben. Dazu gibt es seit 1986 in Nairobi ein Büro des WWF-Eastern Africa Regional Programme Office (EARPO), welches Naturschutzprojekte für Tansania, Kenia, Äthiopien, Ruanda, Burundi und Uganda entwickelt. Projekte zum Schutz der Breitmaulnashörner und der Berggorillas sind nur zwei erfolgreiche Beispiele der Naturschutzkampagnen.

Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe „Die letzten Naturparadiese der Erde“ http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179

Text: eagle4nature (Fabian Nagel)

Bilder: Wikipedia Commons

Quellen: „Die letzten Naturparadiese der Erde“ (Buch)

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
06.02.2012
Fritzi24 hat geschrieben:
Super Bericht! :))
06.01.2012
Loulee hat geschrieben:
Echt guter Bericht! Ich wusste gar nicht, dass es dort Vulkanaktivität gibt :)
06.01.2012
Wonneknubbel hat geschrieben:
Ich behandele das gerade in Geo. Und bin auch im Unterricht total fasziniert davon. Klasse bericht!!!!!!
06.01.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Einfach nur WOW :)
05.01.2012
midori hat geschrieben:
Ein wirklich schöner, informativer und anschaulicher Bericht! Ganz toll! Ob wir es noch erleben werden, dass sich Ostafrika abtrennt? Das wäre ja wirklich der Wahnsinn! Ich bin schon ganz aufgeregt! :'D

Und natürlich prima, dass der WWF dort vor Ort so tolle Erfolge erzielen kann!

Danke Dir für den Bericht! :o)
05.01.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist echt ein erfreuliches Signal! Ich habe noch nie etwas von diesem Naturparadies gehört.
Toller Bericht! :)
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