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namens Erde


© WWF
Die letzten Naturparadiese der Erde: Die Chihuahua-Wüste


von FabianN
30.10.2012
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Die Ökoregion der Chihuahua-Wüste durchläuft die Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Becken und Täler der mittleren und südlichen Gebieten der US-Bundesstaaten New Mexico und Texas, im Westen des Rio Pecos, werden von der scheinbar unwirtlichen Chihuahua-Wüste umfasst. Südlich der Grenze erstreckt sich die insgesamt 500 000 Quadratkilometer große Ökoregion über die Hälfte der Fläche des nordamerikanischen Staates Chihuahua.
 

                      „… ob es sich um das Haus, um die Sterne oder um die Wüste handelt,
                                      was ihre Schönheit ausmacht, ist unsichtbar.“
                                                Antoine de Saint-Exupéry

 

Der Name Chihuahua-Wüste rührt keinesfalls daher, dass man denkt, die Wüste sei vergleichsweise so klein wie ein Hund der Rasse Chihuahua. Man vermutet vielmehr, dass der Begriff „Chihuahua“ aus der mesoamerikanischen Indianersprache Nahuatl stammt und so viel wie „trockene, sandige Erde“ bedeutet. Die Chihuahua-Wüste gilt als eizigartiges Grenzgebiet zwischen den zwei vorherrschenden Regionen des gesamten Kontinents. In dieser Ökoregion verläuft die Trennungslinie zwischen der sogenannten Nearktis, einer Region, welche Nordamerika, Grönland und das mexikanische Hochland umfasst, sowie der Neotropis, dem restlichen amerikanischen Kontinent.
 

Die Chihuahua-Wüste wird von einem Klima geprägt, welches einen trockenen Sommer und einen Winter mit gelegentlichen Niederschlägen nach sich zieht. Die Ökoregion liegt zwischen 1000 und 1500 Meter über dem Meeresspiegel und die Niederschläge im Winter bringen so viel Regen mit sich wie in keiner anderen Wüste unseres Planeten. Zwischen 150 und 400 Millimeter pro Jahr befeuchten den Boden der Wüste. So komisch und paradox das für uns scheint, doch die Chihuahua-Wüste ist vergleichsweise eine kalte und feuchte Region. Das relativ hohe Wasservorkommen hat in vergangener Zeit Flüsse, sogar mächtige Ströme entstehen lassen, welche im Laufe von Millionen Jahren die Erde der Region ausgewaschen und beeindruckende Canyons in diesem faszinierenden Naturparadies geformt haben. Unter diesen Canyons befindet sich auf dem Gebiet der Tarahumara-Indianer die Barranca del Cobre, die Kupferschlucht, ein Canyon, der mit bis zu 1500 Meter tiefen Steilhängen, einer der größten Canyons Nordamerikas ist.

Die Barranca del Cobre, die Kupferschlucht, die mit 65 000 Quadrat-kilometern  Ausdehnung eines der beeindrucken- dsten und größten Schluchten- systeme überhaupt ist.

 

 

 

Neben der australischen Wüste und der Namib-Wüste im Süden Afrikas, stellt die Chihuahua die Wüste mit der reichsten Biodiversität unserer Erde dar. Durch die doch relativ hohen Niederschlagsmengen bietet diese Ökoregion einen Lebensraum für 250 Schmetterlingsarten, 250 Vogelarten, 100 verschiedenen Säugetieren, 100 Reptilienarten und 20 unterschiedlichen Amphibien! Ihren eigenen, wundervollen und deutlich erkennbaren Charakter bewahrt die Chihuahua-Wüste selbst zu den benachbarten Gebieten, wie den Gebirgszügen der Sierra Madre und der Sonora-Wüste. Die letzten vergangenen 10 000 Jahre, die diese Wüste beinahe vollkommen isoliert blieb, machten die Entstehung zahlreicher endemischer Arten möglich, insbesondere in der Pflanzenwelt gibt es viele Exemplare, die nur in diesem Naturparadies zu finden sind. Hierbei handelt es sich überwiegend um Kakteen und Sukkulenten.

Der Saguaro-Kaktus ist Teil der mexikanischen Flora und kommt dort sehr häufig vor.

 

 

 

 

Ungefähr 3500 Pflanzenarten bietet die belebte Chihuahua-Wüste ein Zuhause, von denen ein Drittel endemisch ist und somit an keinem anderen Ort unseres Planeten vorkommt. Die am häufigsten vorkommende Pflanzenart ist der Kreosotbusch (Larrea tridentata).

In den nördlichen Gebieten der Chihuahua-Wüste gesellen sich noch die Akazie (Acacia neovernicosa) und die Florensia cernua hinzu, während in den südlichen Gefilden Yuccas und Opuntien neben dem ständig vertretenen Kreosotbusch vorkommen. Außerdem sind im Süden der Wüste zwei Kaktusarten, nämlich der Ferocactus pringlei und der Echinocereus polyacanthus, stark verbreitet. Kakteen gehören zu jenen Pflanzen, die am meisten endemische Arten hervorbringen. Unter den fünf endemischen Pflanzenarten, die weltweit insgesamt die meisten Arten hervorgebracht, sind so zwei Kaktusarten, nämlich der Caryphanta und der Opuntia.

Den Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) kann man leicht an seinen langen Ohren und seinem weißen Stummelschwanz mit einer schwarzen Spitze erkennen. Er kann sich auch an das Leben in Halbwüsten und trockenen Gebieten anpassen.

 

 

 

Doch für die warmblütigen Wirbeltiere war die Zeit der Isolation zu kurz, um neue Arten auszubilden. Allerdings leben in der unscheinbaren Wüste immer noch wilde Säugetierarten, die anderswo bereits für immer ausgestorben sind. Unter den Säugetieren der scheinbar unwirtlichen Chihuahua befinden sich beispielsweise der Gabelbock (Antilocapra americana), der Amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus)...

Der Schwarzbär dringt aus den nordamerikanischen Wäldern immer weiter bis nach Mexiko vor. Dort bevorzugt er kühle und bewaldete Regionen.

...das Halsbandpekari (Pecari tajacu) und die Kängururatte (Dipodomys sp.), sowie der Jaguar (Pantera onca), der Graufuchs (Unocyon cineroargentinus), der Mexikanische und der Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys mexicanus und Cynomys ludovicianus), der Kalifornische Eselhase (Lepus californicus) und der Kojote (Canis latrans). Auch unter den Vögeln sind so einige besondere Arten in dieser wie es scheint trostlosen Gegend vertreten , wie beispielsweise der Virginia-Uhu (Bubo Virginianus) und der Elfenkauz (Micrathene whitneyi), der mit einer Körperlänge von nur ein wenig mehr als zehn Zentimetern eine der kleinsten Eulen unseres Planeten darstellt. Auch Eidechsen und Schlangen, wie beispielshalber die Texas-Klapperschlange (Crotalus atrox), Geckos und Landschildkröten, darunter die Kalifornische Gopherschildkröte (Gopherus agassizii), sind in diesem Ökosystem zu Hause. Auch Schmetterlinge, Insekten und Skorpione, die sehr wichtig für die Bestäubung der Pflanzen sind, sind hier mit Arten vertreten, die sonst auf keinem anderen Flecken unseres Planeten zu finden sind.

Der Jaguar (Pantera onca) ist eine große Raubkatze und sie ist in der Lage, große Tiere wie Pekaris oder Hirsche zu erbeuten. Vorzugsweise lebt er in offenen Lebensräumen und Feuchtgebieten in der Nähe von Wasserläufen.

 

Somit verwandeln die in der Chihuahua-Wüste vertretenen Tier- und Pflanzenarten selbst eine unwirtliche Wüste zu einem Ort, der einmalig und voller Leben ist, zu einem der letzten Naturparadiese der Erde!

Das White Sands National Monument! Dieser Teil der Chihuahua-Wüste ist sehr ungewöhnlich. Der Sand ist weiß! Bei diesem Sand handelt es sich Gips. Dieser gelangt aus den umliegenden Bergen durch Niederschläge in den See Lake Lucero. In den heißen Sommermonaten trocknet der See aus, der Gips kristallisiert und wird vom Wind durch die Wüste geweht. Deshalb ist in der Gegend um den Lake Lucero der "Sand" weiß!

 

Ein Blick in die Zukunft:


Die Regionen dieses Naturparadieses, welches eine der wildesten Gegenden unseres Planeten darstellt, mussten in den letzten beiden Jahrhunderten zahlreiche schwer wiegende Veränderungen durch menschlichen Einfluss erfahren! Der Landwirtschaft und einer zunehmenden Zersiedlung musste die ursprüngliche, so einzigartige Vegetation Platz machen - wieder einmal vom Menschen herbeigeführt. Ausgerechnet die Regionen mit den meisten wasserspeichernden Wüstenpflanzen, wie die Yucca filifera, werden von den Landwirten bevorzugt. Die Herden bedürfen extreme Anteile an Weideflächen, während Brände und der unmäßige Wasserverbrauch die natürliche und für die Wüste charakteristische Vegetation zerstören und somit sogar noch das Eindringen fremder Arten begünstigen. Die meisten großen Wirbeltiere, wie beispielsweise der Mexikanische Wolf, der hier einst zahlreich und munter durch die Wüste streifte, stehen heute am Rande der Ausrottung. Der Rio Grande, der die faszinierende Natur dieser Ökoregion durchfließt, wird immer stärker verschmutzt, während man mit den einzigartigen hochgeschätzten Kakteengewächsen der Wüste illegal handelt, wodurch auch diese bedrohlich nah vor dem Aussterben stehen. Man sieht, falls die faszinierende Natur eines solch wundervollen Naturparadieses erhalten werden soll, muss schleunigst etwas zu ihrem Schutz unternommen werden…

Noch einmal die Barranca del Cobre, deren Steiltäler bis zu 1500 Meter tief sind.


Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?


Bei weitem nicht genug! Die Chihuahua-Wüste leidet aufgrund des mangelnden Schutzes, den wir ihr zu Teil werden lassen. Zwar konnte man einige Schutzgebiete errichten, doch reicht deren Größe nicht annähernd aus, um die Rettung der vielen vom Aussterben bedrohten Arten zu erreichen! Daher ist die Hauptforderung der engagierten Biologen an die lokalen Behörden, dass neue und vor allem größere Schutzgebiete zur Erhaltung und Rettung der Tiere und Pflanzen geschaffen werden. Auch der WWF Mexico setzt sich für die Chihuahua-Wüste ein, auch wenn noch nicht genug erreicht wurde, um dieses wundervolle, jedoch bedrohte Ökosystem zu retten. Doch immerhin konnte der WWF Mexico 1993 ein Projekt zur Sicherung der bereits errungenen Fortschritteins Leben rufen. Da das Halten der vielen Ziegenherden auch eine Bedrohung für die Ökoregion ist, leistet der WWF Mexico Aufklärarbeit zum nachhaltigen Halten von Ziegenherden an die Landwirtschaft. Doch das bisher erreichte wird nicht reichen, um die Chihuahua-Wüste zu retten. Man wird weitergehen müssen und noch viel mehr fordern, um es erhalten zu können – das Wunder eines der letzten Naturparadiese der Erde!

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Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe "Die letzten Naturparadiese der Erde"

Text: eagle4nature (Fabian Nagel)

Bilder: © flickr.com MarkusR / Manfred Lentz / naturgucker.de ; hb-foto.de ; wwf-arten-de ; foreignstudents.com

Quelle: Die letzten der Naturparadiese der Erde (Buch) ; WWF Artenlexikon

 

 

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Kommentare (10)
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30.11.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Sehr gut geschrieben!
07.11.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Das Foto vom Bären ist der Hammer :D der Text und die anderen Bilder natürlich auch!!

Es gibt so viele Paradiese auf diesem Planeten. Von einem Teil wissen wir noch nichts, und einen anderen Teil haben wir in unseren Herzen verborgen und müssen ihn erst noch wieder finden :)
02.11.2012
Puma hat geschrieben:
Dann heißen die Chihuahuas ja in Wirklichkeit trockene,sandige Erde...Arme Paris Hilton... :)) Aber danke für den Bericht!Fand ich sehr schön!
01.11.2012
Kathinki hat geschrieben:
Der Bericht ist richtig interessant!
Danke!
31.10.2012
Madamsel hat geschrieben:
Da hast du der Community ja wieder mal einen sehr schönen Bericht geliefert, der wirklich interessant, informativ und gut zu lesen ist. Viele Dank dafür. :)
30.10.2012
FabianN hat geschrieben:
@Zerschmetterling: Da hast Du Recht ;) Es haben bestimmt viele wundervolle Orte den Begriff "Naturparadies" verdient, auch wenn sie nicht so bekannt sind oder sich nicht so viele Leute dafür interessieren ...

@Carina: Freut mich :D

@LSternus: Es kommen zwar sowohl der Schwarzbär als auch der Jaguar in der Chihuahua-Wüste vor, doch muss dies nicht unbedingt bedeuten, dass sie sich einen Lebensraum teilen. Es könnte doch sein, dass die kühlen und bewaldeten Regionen, die der Schwarzbär bevorzugt, gar nicht von einem Jaguar besucht werden, der nämlich vorzugsweise eher in offenen Gebieten lebt, statt in Wäldern. So könnte es doch sein, dass zwar beide in der Chihuahua-Wüste leben, jedoch nur ganz selten aufeinander treffen...
30.10.2012
LSternus hat geschrieben:
Eine schöne Gegend. Ich bin allerdings überrascht, dass sich Schwarzbären und Jaguare einen Lebensraum teilen.
30.10.2012
Amanda hat geschrieben:
Ich finde die Chihuahua-Wüste schützenswert !
Dort gibt es eine grosse Tier- und Pflanzenvielfalt.
30.10.2012
Carina hat geschrieben:
Jetzt weiß ich auch endlich, wo die Chihuahua-Wüste liegt und warum sie so heißt. :)
30.10.2012
Zerschmetterling hat geschrieben:
Wow - das sind wirklich unglaublich schöne Aufnahmen.

Man sollte nur nicht den Fehler machen, allein solchen Gebieten den Begriff "Naturparadies" zu geben. Der Garten meiner Großmutter ist auch ein Paradies. Und wenn ich mit dem Auto 10 Minuten zu den Feldern fahre, habe ich auch eine wunderschöne Landschaft vor Augen.

LG :)
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