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Die Bahn: Leider nicht ganz so klimafreundlich wie man denkt


von JohannesB
23.09.2010
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Wenn man Zug fährt hat man oft, wenn nicht gerade große Verspätungen oder defekte Klimaanlagen zu beklagen sind, ein gutes Gefühl. Man sieht grüne Landschaften, kann sich entspannen ohne selbst konzentriert zu fahren und muss keine Sicherheitschecks à la Flugzeug über sich ergehen lassen. Noch dazu sitzt man auch noch im klimafreundlichsten Verkehrsmittel, kann also guten Gewissens eine Reise tun.

Aber ist das wirklich so? Ist die Bahn wirklich der viel beworbene Umweltengel, der klimafreundlich über die Schienen schwebt?
Objektiv und abschließend lässt sich diese Frage nicht beantworten, aber es gibt ein paar Punkte die man in diesem Zusammenhang anführen und zur Diskussion stellen kann.

Zum einen fallen bei einer Zugfahrt tatsächlich, wie immer wieder angenommen und erwähnt, weniger CO2-Emissionen an, als bei einer Reise mit Auto oder Flugzeug. Nach Berechnungen des IFEU-Instituts belastet eine Autofahrt das Klima etwa vier mal, ein Flug sogar neun mal so stark wie eine Bahnfahrt.

Aber es gibt auch Aspekte, die die Bahn in nicht mehr ganz so grünem Licht erscheinen lassen.
Zum ersten bezieht die Deutsche Bahn ihren Energiemix aus nicht einmal 20% Ökostrom, einem Viertel aus Atomkraftwerken und fast die Hälfte aus klimaschädlicher Kohle.
Des weiteren ist nach Meinung vieler Experten auch zu beachten, dass die Bahn-Infrastruktur, also zum Beispiel die Bahnhöfe, viel Energie brauchen und dass die Bahn im Vergleich zu Straßen- und Flugverkehr zum Teil recht große Umwege fährt weil das Schienennetz nicht so engmaschig ist.
Und schließlich gibt es noch einen entscheidenden Aspekt, will man Verkehrsmittel in ihrer Umwelt-/ Klimafreundlichkeit bewerten: die Auslastung. Bleiben also viele Sitzplätze ungenutzt oder werden die Fahrzeuge je nach Bedarf eingesetzt?
Berücksichtigt man diesen Punkt kommt der Klima-Check so richtig in Bewegung: fährt man nämlich in einem Auto nicht alleine sondern zu viert, ist man ähnlich klimafreundlich unterwegs wie mit der Bahn. Auch das oft so verdammte Fliegen rückt plötzlich in die Nähe des „Ökochampions“ Bahn, schließlich kalkulieren gerade die Billigairlines ihre Routen so, dass nur gut gefüllte, oft sogar komplett ausgebuchte Flieger starten.

Zu guter Letzt eine große Überraschung: das klimafreundlichste Verkehrsmittel ist nicht der Zug sondern der Reisebus. Bei einer Busreise spart man, auch dank der oft guten Auslastung, etwa die Hälfte an CO2 gegenüber einer Bahnfahrt.

Wir können uns also freuen wenn künftig mehr Fernverkehrsbusse eingesetzt werden dürfen, bisher dürfen Busunternehmen der Bahn im Fernverkehr nämlich kaum Konkurrenz machen.
Und wünschenswert wäre es natürlich auch, wenn die Bahn mehr auf Erneuerbare Energien setzen würde und so nicht nur zum vermuteten sondern auch zum tatsächlichen Klimafreund würde.


Quellen:
http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2009/1130/00_bahn3.jsp
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,511350,00.html
http://www.verbraucherfuersklima.de/cps/rde/xchg/projektklima/hs.xsl/_der_zug_ist_das_klimafreundlichste_verkehrsmittel_.htm
http://www.bahn.de/p/view/service/umwelt/1_umweltbilanz.shtml
http://www.heinzalbers.org/picture-ice30001.jpg (Bild)


 

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Kommentare (14)
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04.10.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Artemis777: Natürlich versucht die Bahn rentabel zu fahren und Gewinne zu machen. Aber es gelingt ihr halt auf manchen Strecken bzw. zu manchen Zeiten nicht so gut, die Züge auszulasten.
@ Jo: Wie schon geschrieben: es gibt natürlich Strecken und Zeiten, die richtig ausgelastet sind und wo sich die Leute auf dem Gang drängeln. Nur leider kommt es bei der Bahn zu oft vor, dass sie gähnend leere Züge durchs Land schickt.
@ DancinqWolf: Das hab ich bisher noch nicht gehört. Allerdings plant die Bahn Strom aus neuen Kohlekraftwerken abzunehmen. Würde sie das nicht tun, würde der Kohlekraft ein sehr wichtiger Kunde verloren gehen.
03.10.2010
DancinqWolf hat geschrieben:
ich hab gehört, dass die bahn ein eigenes kohlekraftwerk bauen will, weiß jemand ob das stimmt?
03.10.2010
Josephine hat geschrieben:
Ich fahre immer mit der Bahn zur Schule und gerade deshalb hat mich der Artikel interressiert. Diese Gedanken hatte ich mir noch gar nicht gemacht und ich finde es gut, wenn gängige Meinungen hinterfragt werden. Super Bericht! Aber ich muss sagen, dass die Züge mit denen ich fahre fast immer voll sind, auch außerhalb der Stoßzeiten. Es stehen oft Menschen im Gang, weil nicht genug Plätze da sind. Ich vermag mir gar nicht vorzustellen, was passieren würde, wenn die alle zu zweit oder allein mit dem Auto fahren würden!
29.09.2010
Artemis777 hat geschrieben:
Danke für deinen informativen Bericht, JohannesB. =)

Ich fahre auch öfter mit der Bahn von meinem Studienort nach Hause zu meiner Family und wieder zurück - und die Waggons sind auf dieser Strecke meist recht gut mit Fahrgästen besetzt. Wenn die alle (einzeln oder zu zweit) mit dem Auto hin- und herfahren würden, wären die Autobahnen noch frequentierter als ohnehin schon. ^^ Davon abgesehen kann ich während der Bahnfahrt auch mal ein Buch lesen o.ä., was (zumindest bei mir) im Auto nicht möglich ist (da mir leider nach ein paar Minuten Lektüre schlecht wird - und das nicht aufgrund des Buchinhalts ;o)).
Was die Auslastung der einzelnen Züge betrifft, sollte es natürlich Aufgabe der Bahn(-Verantwortlichen) sein, die Anzahl sowie die Fahrzeiten der täglich eingesetzten Wagen mit der Nachfrage der Kunden/Fahrgäste abzustimmen. D.h. wenn regelmäßig viele Menschen von A nach B wollen, sollte auch dementsprechend oft ein Zug fahren (stündlich oder alle 2 Stunden). Wenn es hingegen nur eine hand voll Leute sind, die von C nach D gelangen wollen, reichen evtl. auch 2-4 Fahrten am Tag (z.B. für Pendler in den frühen Morgenstunden und nochmal am Nachmittag). Aber ich denke mal, die Bahn bzw. die Bahn-Chefs werden das schon so kalkulieren, dass sich die Fahrten auch rentieren und sie dabei Gewinn machen... ^^

Mal schauen, wie es mit der Bahn weiter geht, wenn sie auf den Fernstrecken Konkurrenz von den Busunternehmen bekommt, wie Du schreibst...
27.09.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Ocean: Ja, stimmt. Die Bahn investiert immer wieder in fragwürdige Projekte, die vielleicht in Sachen Prestige etwas bringen, aber die Bahn weder schneller noch klimafreundlicher machen.

@ Chaya: Stimmt ja auch, dass Du mit Deiner Bahnfahrt dafür sorgst, dass ein Auto weniger auf der Straße ist. Nur ist die Bahn eben nicht ganz so umweltfreundlich, wie man oft sagt.

@ nera8: Gern geschehen ;)

@ Cata: Klar wird die Bahn, wie jedes andere Unternehmen auch versuchen, ihre Züge möglichst rentabel einzusetzen. Aber es gelingt ihr wohl schlechter als anderen Verkehrsmitteln wie Bus und Flugzeug. Ich kenn zwar auch richtig volle Züge, wo die Leute teils im Gang stehen müssen, aber es gibt halt auch immer wieder Fahrten, wo man einen ganzen Waggon für sich hat. Ist zumindest meine Erfahrung.
27.09.2010
Cata hat geschrieben:
ich fahre auch oft und gerne mit der bahn. von der seite habe ich das noch nie gesehen.es heißt ja auch überall, dass die bahn das "sauberste Transportmittel" ist. aber ich meine versucht die bahn nicht auch,nur die züge fahren zu lassen, die sich rentieren? sie fahren doch auch nicht 5 mal von frankfurt nach berin, wenn diese 5 züge nur viertel voll sind. dann würden sie sich doch auf weniger einigen oder? schließlich wollen sie doch auch ihre kosten so klein wie möglich halten.
25.09.2010
nera8 hat geschrieben:
Hey danke für den guten Bericht! Von der Seite habe ich das noch nie betrachtet ;) Wirklich gut zu wissen, wo ich doch sogar stolzer Besitzer einer Bahncard bin :)
24.09.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Kate13: In Sachen Flexibilität stimm ich Dir zu, je nach Strecke ist man mit dem Bahn-Fahrplan zum Teil wirklich richtig unflexibel. Aber "das garantierte nicht-zu-spät-kommen"? Ich kenne genug Strecken, wo man zumindest an bestimmten Wochentagen und Tageszeiten auf einen ordentlichen Stau wetten kann und dann ist der Zeitgewinn zur Bahn auch schnell dahin.

@ Marielle: Ja, kurze Strecken mit dem Auto zu fahren ist finanziell und ökologisch echt völliger Unsinn, weil ein Pkw in den ersten Minuten extrem viel verbraucht bis der Motor warm ist. Ich fahr auch lieber mitm Rad :)
23.09.2010
Marielle hat geschrieben:
Ich hasse es wenn leute die kürzesten strecken mit dem auto fahren.
mein weg zur arbeit ist über 5 km lang und ich fahre jeden morgen mit dem Rad, oder wenns regnet oder zu kalt mit dem Bus.
23.09.2010
Morgan hat geschrieben:
die Bahn in einem ganz anderem Licht!
Nichts kann nur "pro" sein...
23.09.2010
KatevomDorf hat geschrieben:
zum autobahn thema sag ich nur: rechtsfahrgebot!!! ich meine wer am langsamsten ist fährt eben rechts. fertig aus. dann kann man auch gleichmäßig fahren und verbraucht darurch im schnitt auch weniger.
an sonsten mag ich auto fahren. beispielsweise kostet es bei mir für hin und rückfahrt [studienort-heimat] auf nur zwei personen genausoviel wie mit bahn und da ist noch nichtmal die zeitersparnis von mind 1,5h mit eingerechnet. und auch nciht die flexibilität und das garantierte nicht-zu-spät-kommen.hinzu kommt, dass ich in den seltesten fällen nur mit einem "fahrgast" fahre...
23.09.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ Gakje noch ein Nachtrag:
Dass Du Autobahnen nicht magst ist natürlich ein persönlicher Eindruck, aber ich stimm Dir zu. Manchmal sind Autobahnen bzw. ihre Nutzer nicht ganz so rücksichtsvolle und angenehme Zeitgenossen ...
23.09.2010
JohannesB hat geschrieben:
@ lolfs:
Tja, da gibt es seit 1931 ein Gesetz, das der Bahn ein Quasimonopol auf Fernverkehrsstrecken einräumt. Warum auch immer, aber es soll sich zumindest was tun in Richtung mehr Wettbewerb. Mehr Infos: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,697004,00.html

@Gakje:
Einen CO2-Wert der Bahn findest Du bei meiner 3. Quelle.
Es stimmt natürlich, dass ein Auto mehr verbraucht (bei 100kg mehr Fracht ca. 0,7 Liter auf 100 km) wenn mehr Leute mit fahren. Das ist bei eigentlich jedem Verkehrsmittel so, dass der Verbrauch mit der Beladung steigt. Trotzdem ist es ökologisch sinnvoll, weil eben dann die Auslastung stimmt und pro Kopf weniger CO2 emittiert wird. Deshalb ist es fast genauso klimafreundlich / -feindlich zu viert im Auto zu fahren wie mit der Bahn.

23.09.2010
lolfs hat geschrieben:
Warum -dürfen- Busunternehmen der Bahn keine Konkurrenz machen? - Wiederspricht das nicht der Wettbewerbsfreiheit?
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