Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
„Der schwarze Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland“


von Nivis
19.10.2010
8
0
79 P

(© Creative Collection / WWF)

 

So bezeichnete die Luftverkehrsbranche den Tag, an dem die Bundesregierung die einzelnen Einsparmaßnahmen des geplanten Sparpaketes vorstellte. Dieses sieht nun auch eine „Luftverkehrssteuer“, die so genannte „Ticket-Tax“, vor mit der die Regierung jährlich eine Milliarde Euro einnehmen möchte.
"Uns hat dieser Plan eiskalt erwischt", sprach man sich offen aus. "Es ist absolut unverständlich, dass uns ausgerechnet eine bürgerliche Regierung abermals mit einer Abgabe belastet."
Die einzige Konsequenz dessen wäre, dass ausländische Konkurrenz –Airlines daraus einen wettbewerblichen Vorteil erlangen würden.

          (© National Geographic Stock / Ira Block / WWF)

 


Doch bei all dem Gejammere sollten wir mal einige Fakten betrachten, die eindeutig für eine Luftverkehrssteuer sprechen:

1. Der Flugverkehr ist der klimaschädlichste Verkehrsträger überhaupt, d.h. dass in einem CO2-Vergleich der Verkehrsmittel Flugzeuge die größten CO2-Emissionen pro Kilometer und Person im Vergleich zum Auto oder zur Bahn aufweisen. Man geht mittlerweile davon aus, dass der Anteil des Flugverkehrs am Klimawandel und der menschgemachten Erderwärmung mindestens 4,9 % hoch ist.

2. Im Gegensatz zu dieser Tatsache steht nun folgende Sachlage: Obwohl bewiesen ist, dass der Flugverkehr am klimaschädlichsten ist, hat er dennoch eine steuerrechtlich bevorzugte Stellung und genießt einige Vorteile:

- Anders als PKW, LKW, Bus oder Bahn ist der Flugverkehr von der Mineralöl- und Ökosteuer befreit.
- Grenzüberschreitende Flüge sind außerdem von der Mehrwertsteuer ausgenommen; grenzüberschreitende Bus- oder Bahnreisen jedoch nicht. Diese Tatsache ist widersprüchlich, denn schaut man sich den CO2-Verbrauch von Langstreckenflügen an liegt dieser, logischerweise, höher als bei Kurzstreckenflüge.
- Hinzu kommt noch, dass der Flugverkehr jährlich mit 11,5 Milliarden Euro gefördert wird.

Eines wird ganz deutlich:
In den letzten Jahren wurde beim Thema Luftverkehr auf alles geachtet außer auf die Umwelt und deren Schutz. Daher begrüßen der WWF und andere Umwelt- und Entwicklungsorganisationen den Plan der Bundesregierung mit der Luftverkehrssteuer durch in Rechnung gestellte Klimakosten Anreize für einen klimafreundlicheren Flugverkehr und für den Klimaschutz zu geben. Dennoch gibt es einige Kritikpunkte von Seiten der Organisationen hinsichtlich der fehlenden Ambitioniertheit des Gesetzesentwurfs.

(Flugzeug vor dem österreichischen Karwendelgebirge © Anton Vorauer / WWF-Canon)

 

Um euch dies aber genauer erläutern zu können, stelle ich euch den ursprünglich geplanten Entwurf kurz vor:

 

Das Prinzip ist sehr einfach:
Die Stafflung richtet sich nach der Entfernung. Das heißt, je länger der Flug ist, desto mehr Steuern fallen an. So werden für Flüge mit Zielflughäfen in Europa, als auch in Libyen, Marokko und Tunesien eine Ticket-Tax in Höhe von 8 Euro anfallen, Für Mittelstreckenflüge wird man in Zukunft 25 Euro zahlen müssen, für Langstreckenflüge 45 Euro.

 

Doch aus Sicht der Organisationen greift der Entwurf zu kurz, was auch Barbara Lueg, Klimaexpertin des WWF nochmals betont: „Um die ökologische Lenkungswirkung zu verstärken, muss die Luftverkehrssteuer stärker nach CO2-Austoß und Flugklassen differenziert werden.“ Denn Passagiere der Business-Class erzeugen im Vergleich zur Touristenklasse 40% mehr CO2-Emissionen, da sie mehr Platz beanspruchen und somit weniger Passagiere mitfliegen können. Somit wäre es sozialer und ökologischer, wenn diese höhere Abgaben zahlen müssten.
Darüber hinaus schlagen die Organisationen vor außerdem noch den Fracht- und Transferpassagierverkehr nicht nur aus umweltpolitischer Sicht, sondern auch aus rechtlicher Sicht, einzubeziehen.
„Dieses Modell bietet die Möglichkeit, bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr einzunehmen und damit deutlich mehr, als es die jetzigen Pläne der Regierung vorsehen.“, so Thorben Becker, Bereichsleiter Klimapolitik beim Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland.

                                                  ((c) WWF-Canon / Tanya Petersen)

Doch damit die Luftverkehrssteuer ihren eigentlichen Sinn, nämlich die Unterstützung des Klimaschutzes und der Armutsbekämpfung,erfüllt, müssen diese Gelder auch dafür eingesetzt werden.
Was auch nur gerecht wäre, denn am stärksten betroffen von den Folgen des Klimawandels sind in Armut lebende Menschen. Einerseits haben diese am wenigsten Teil an klimafreundlicher Energieversorgung und haben keinerlei Möglichkeiten sich an die Folgen des Klimawandels sinnvoll anzupassen. Andererseits sind diese Menschen am wenigsten für die Entstehung dieser Naturveränderung verantwortlich – rund 95% der gesamten Menschheit hat noch nie am Flugverkehr teilgenommen.

Die Einführung der Luftverkehrssteuer ist also in erster Linie eine sehr gute Sache, jedoch entfaltet sie nur bei einer konsequenten Durchführung auch ihre gewünschte Wirkung. Es bleibt also abzuwarten welchen Weg die Bundesregierung einschlagen wird.

 

 

 


Quellen:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,699244,00.html
http://www.welt.de/politik/deutschland/article9028470/FDP-Politiker-fordert-Verzicht-auf-Flugsteuer.html
http://www.co2-emissionen-vergleichen.de/verkehr/Flugzeug/CO2-Emission-Flugzeug.html
http://www.n-tv.de/politik/Protestwelle-gegen-Sparpaket-article909902.html
http://www.wwf.de/presse/details/news/fuer_eine_oekologische_luftverkehrssteuer/
http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/2010_10_01_Forderungspapier%20Luftverkehssteuer.pdf

 

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
21.10.2010
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Jetzt machts Sinn und diese 5% kann ich mir auch gut vorstellen;)
21.10.2010
SirLovealot hat geschrieben:
Finde die Steuer auch okay. Auch wenn sich Flugpreise von Billigairlines damit fast verdoppeln werden bzw diese Deutschland erst gar nicht mehr anfliegen werden.
Wenn Ryanair seine Drohung nicht ernst macht und Deutschland nicht mehr anfliegt bin ich vollends zufrieden mit der Steuer. Soviel Geld mehr muss man ja nun auch nicht zahlen.

Aber naja, ist eh erst abzuwarten wie es nun durchgesetzt wird.
20.10.2010
JohannesB hat geschrieben:
Jetzt passt's ;)
20.10.2010
Nivis hat geschrieben:
Ach, jetzt kapier ichs. Da ist ein Tippfehler. Natürlich sind es 95% der Menschheit, die noch nie am Flugverkehr reilgenommen haben. Ich dachte, ihr könntet nicht glauben, dass NUR 5% aller Menschen je geflogen sind. Natürlich änder ich das gleich, danke für den Hinweis. :)
20.10.2010
JohannesB hat geschrieben:
Also so wie es in dem Quellenzitat steht kommt es mir recht realistisch vor. Aber das ist was anderes als Du geschrieben hast, nämlich genau das Gegenteil! Oder? "Über die Hälfte der Menschen in Deutschland ist noch NIE geflogen - global sind es 95 Prozent." Damit hätten also nur rund 5% der Menschheit je am Flugverkehr teilgenommen.
Ich denke, das ist des Rätsels Lösung: Du hast da irgendwie einen Dreher reingebracht ... Aber trotzdem bleib ich dabei: echt guter Bericht!
20.10.2010
Nivis hat geschrieben:
Hallo ihr Lieben. Erstmal danke für eure Kommentare. Ich bin froh, dass ihr den Bericht nicht zu lang und zu trocken gefunden habt. Nun zu eurer Frage zu den 95%: Ich hab jetzt in zwei Quellen auf Anhieb gefunden, dass dies wohl so sein muss. Wenn ihr die Quellen im Bericht mal durchguckt werdet ihr dort die selbe Aussage finden. Und hier hab ich euch mal aus einer neue Quelle etwas rauskopiert: "Die Ticket-Tax ist das einzig soziale Element im Sparpaket. Sie trifft die Vielflieger - Geschäftsreisende und Wohlhabende, die mehrmals im Jahr in den Urlaub fliegen oder zum Shoppen nach New York. Das können sich Menschen mit geringem Einkommen schon heute nicht leisten. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland ist noch nie geflogen - global sind es 95 Prozent. " (http://www.foes.de/publikationen/newsletter/foes-spezial/foes-spezial-02/=). Ich hoffe, dass euch das weiterhilft.
20.10.2010
JohannesB hat geschrieben:
Kann auch mich erstmal nur anschließen: klasse Bericht!
Die Luftverkehrsabgabe ist grundsätzlich wirklich eine der wenigen generell guten Projekte, die unsere Regierung bisher gemacht hat.
Aber es gibt eben, wie Du ja auch erwähnst, einige Schwachstellen. Es ist egal, ob man Business oder Economy fliegt und außerdem wird die Steuer immer nur bezogen auf die jeweilige Hauptstadt berechnet, was dann bedeutet, dass es abgabenmäßig egal ist, ob man auf die Kanaren oder "nur" nach Madrid fliegt.
Am besten fände ich es, wenn man einfach den Betrag von einem Kompensationsrechner wie atmosfair als Steuer auf den Preis aufschlagen würde, dann wären auch Flugklasse, Flugzeugmodell und genaue Strecke berücksichtigt,
Und dass der Flugverkehr weiterhin steuerlich so begünstigt ist (Stichwort Kerosin) ist echt eine Sauerei!
Zum Schluss noch zu den 95%: die können auch meiner Meinung nach nicht stimmen. Vielleicht kannst Du das nochmal überprüfen bzw. klarstellen, Nivis?!
20.10.2010
FelicitasVulkanisiert hat geschrieben:
Wow, ein wirklich toll recherchierter Artikel. Ich gebe zu, ich wollte mich immer in die Thematik einlesen, hatte aber nie Lust dazu und jetzt habe ich hier so einen schön zusammgefassten Artikel:)
Ich selber finde die Einführung der Steuer sinnvoll, solange auch das Geld sinnvoll genutzt wird, wie du sagst. Mich würde mal interessieren, ob es die Menschen dann auch von ihren Kurzurlauben abhalten würde, wahrscheinlich eher nicht. Immerhin müssten sie dann theoretisch was für den Umweltschutz und die Armutsbekämpfung zahlen, wenn sie schon fliegen wollen oder gezwungen sind. Ich gehe in die Oberstufe und in meinem Jahrgang gab es gerade einen riesen Streit darüber, wo wir als Abschlussfahrt hinfahren. Die Zielauswahl war deshalb nicht so groß, weil die Schullleitung aus ökologischen Grünen das Fliegen verboten hat. Alle fanden das total dämlich und argumentierten in etwas so ,, Als ob die Flugzeuge nicht trotzdem fliegen´´. Ich war wohl die einzige, die das für lobenswert hielt und was soll das für ein Argument sein?
Eine Sache noch, die mich gewundert hat am Ende: ,,nur rund 95% der gesamten Menschheit haben je am Flugverkehr teilgenommen.´´ Ist das wirklich so? Habe ich einen groben Denkfehler? Das wäre doch ziemlich viel.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Life Abroad - mein AuPair Jahr in London
Life Abroad - mein AuPair J...
Hello everyone, zuerst einmal möchte ich mich allen, die mich noch nicht kennen, vorstel... weiter lesen
Zwischen Rentieren, Eis und Sonnenschein – 12 Tage lang von Heidelberg zum nördlichsten Punkt Europa
Zwischen Rentieren, Eis und...
  „Happy Birthday to you! Happy Birthday to you! Happy Birthday dear Yannick, Happ... weiter lesen
Empowering Locals - Das SEE...
Hallo liebe Community   Ihr erinnert euch doch noch bestimmt entfernt an meinen ersten A... weiter lesen
Ergebnisse der Befragung: nachhaltige Jugendreisen
Ergebnisse der Befragung: n...
Hier sind nun endlich die Ergebnisse der Umfrage zu nachhaltigen Jugendreisen! Danke nochma... weiter lesen
Klimaschutz bei der Urlaubsplanung
Klimaschutz bei der Urlaubs...
Der Tourismus trägt 5% aller Treibhausgasemissionen zur globalen Erderwärmung bei. Dre... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil