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Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Das bedrohte Hochland Äthiopiens!


von Rhino
20.08.2011
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Woran denken wir, wenn wir „Afrika“ hören? Savanne? Regenwald? Wüste? In der Tat, der „Schwarze Kontinent“ steht für all diese Habitate, doch in Afrika gibt es auch zahlreiche Lebensräume, die wir sonst eher in nördlicheren Breiten vermuten würden, z. B. Gebirgsregionen, und eine wahrlich einzigartige afrikanische Gebirgsregion ist das Hochland von Äthiopien!

Wo liegt dieses Gebirge?

Das Hochland zieht sich fast über den kompletten ostafrikanischen Staat Äthiopien und mündet dann in das nördliche Nachbarland Eritrea. Im Nordwesten geht es in eine Wüste (die Nubische Wüste) über, im Nordosten endet es am Roten Meer. Im Süden hingegen wandelt sich das Gebirge langsam in feuchte Täler um. Die Länge des Gebirges, vom Norden bis zum Süden, beträgt etwa 1.000 Kilometer. Die Breite des Hochlandes kann bis zu 500 Kilometer betragen, damit ist diese Gebirgslandschaft in etwa so groß, wie unsere Alpen!

Landschaft und Tiere im Hochland
Der nördliche Teil des Hochlandes liegt in der so genannten Sahelzone, das ist eine Art Streifen zwischen den feuchten Gebieten Zentralafrikas und der heißen Wüste Sahara. Die Zone ist geprägt durch eine extreme Trockenheit. Regen gibt es nur von Juni bis September und meist auch nur in den Höhenlagen, die Täler bleiben oft das ganze Jahr lang trocken. Der zentrale Teil dagegen zeichnet sich vor allem durch große Grasflächen aus und weist sogar zahlreiche Wasserstellen auf. Weiter im Süden wird es dann immer feuchter und die Gebirgslandschaft geht in Sümpfe über, aus denen noch weiter südlich dichter Regenwald wird.

Das äthiopische Hochland steckt voller Sehenswürdigkeiten, da wäre z. B. der Tanasee, dieser 3.000 km² große See liegt in der Mitte des Gebirges auf einer Höhe von kapitalen 1.830 Meter über NN und auch die meisten Täler des Hochlandes befinden sich bereits in Höhen von 2.000 Meter! Der höchste Berg „Ras Daschän“ weist eine Höhe von stolzen 4.533 Meter auf. Im Winter ist er, ebenso wie viele andere Berge des Hochlandes, mit weißem Schnee bedeckt (von wegen kein Schnee in Afrika!). Ras Daschän wurde übrigens erst 1935 bestiegen, denn nach dem traditionellen Glauben der äthiopischen Ureinwohner sind in den Bergen Geister zu Hause!

Doch nicht nur Berge und Seen sind zu erwähnen, sondern auch eine gewaltige Vielfalt einzigartiger Tierarten! 

Besonders fallen dabei die Dscheladas auf. Diese Affen werden aufgrund ihres markanten Aussehens auch Blutbrustpaviane genannt!

Die geselligen Tiere sind perfekt an das Leben im Gebirge angepasst. Sie leben in Höhen von 2.000 bis 4.400 Meter über NN. Die Berghöhlen nutzen sie nachts als sicheren Schlafplatz und ihr Nahrungsverhalten ist wirklich einzigartig, denn da ihnen in der kargen Gebirgslandschaft keine Früchte oder Insekten zur Verfügung stehen, besteht die Nahrung der Dscheladas zu 90% aus Gras! Aber es gibt noch eine ganz andere Besonderheit bei den Affen, denn obwohl die Männchen den Weibchen größenmäßig überlegen sind und auch ziemlich dominant wirken, haben bei den Dscheladas die Weibchen das Sagen! Sie führen Gruppen an und wählen sich auch selbst ihre Männchen aus (und nicht umgekehrt)! 

Ein weiteres bemerkenswertes Säugetier ist der Äthiopische Wolf!

Ein Wolf in Afrika? Klingt wie ein Scherz, ist aber wirklich wahr, dieser Wildhund hat sogar dieselbe Größe wie unsere europäischen Wölfe! Sein Fell dagegen ist ganz anders gefärbt, statt einem schlichten grau hat es einen markanten rotbraunen Farbton! Man findet den Wildhund in Gebieten von 3.000 bis 4.400 Meter über NN, vor allem in besonders kargen Regionen trifft man ihn an, und wie der Dschelada fällt auch er durch eine einzigartige Ernährungsweise auf, denn obwohl Äthiopische Wölfe, so wie auch unsere Wölfe, Rudeltiere sind, machen sie keine Jagd auf große Huftiere, wie Antilopen oder Steinböcke, sondern ernähren sich hauptsächlich von Nagern! Satte 96% ihrer Nahrung stellen Mäuse und Ratten dar, der winzige Rest setzt sich aus anderen kleinen Säugetieren, Eiern und Jungvögeln, winzigen Antilopen und Aas zusammen! Außerdem jagen Äthiopische Wölfe nicht, wie unsere Wölfe, in der Nacht, sondern sind bei der Nahrungssuche streng tagaktiv! Was es nicht alles gibt? Aber das war noch nicht alles…

So ist das Gebirge auch Heimat für ganze zwei Steinbockarten, die eine, der Nubische Steinbock lebt in verschiedenen Teilen Afrikas und Asiens, die andere Art dagegen, der Äthiopische Steinbock kommt nur noch hier, im Äthiopischen Hochland, vor! Steinböcke in Afrika! Hättet ihrs gewusst?

Erwähnenswert ist auch das Bergnyala, diese seltene Antilopenart wurde erst 1910 entdeckt und ist, wie auch der Äthiopische Steinbock, nur hier zu finden!

Auch unter den Vögeln gibt es Raritäten! Denn auch den wunderschönen Gelbkopfpapagei, die Blauflügelgans und den sonderbar aussehenden Klunkeribis gibt es nirgendwo anders auf der Welt!

Und auch Bartgeier, Sekretär-Vögel, verschiedene Adlerarten, Erdferkel, Geieraben, Klippschliefer, Karakale und Marabus sind ein fester Bestand der Hochlandfauna!

Kaum zu glauben, was für eine eindrucksvolle Tierwelt man in einer so kargen Gebirgslandschaft entdecken kann. Tatsache ist aber, dass viele der genannten Bergbewohner mittlerweile akut vom Aussterben bedroht sind, und das aus sehr unterschiedlichen Gründen ... 

Die Bedrohung der Hochland-Tiere!
Der Äthiopische Wolf ist der seltenste Wildhund der Welt! Es existieren nur noch etwa 500 Exemplare. Die Ausbreitung von Tollwut und die Übernutzung seines Lebensraumes für die Landwirtschaft hat ihn an die Grenze der Ausrottung gebracht. Derzeit bemühen sich Wissenschaftler von der University of Oxford und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt die letzten überlebenden Wölfe zu retten, indem sie sie ihnen Tollwutimpfungen verabreichen!

Die Lebensraumzerstörung macht aber auch den Dscheladas, den Blauflügelgänsen und den Gelbkopfpapageien zu schaffen! Bergnyalas und Äthiopische Steinböcke sind zu dem auch noch durch illegale Trophäenjagd bedroht! Der Bestand der Nyalas liegt derzeit bei etwa 3.000 Exemplaren, bei den Steinböcken sind es sogar nur noch 500!

Doch es gibt auch positive Nachrichten: So gibt es im Hochland mittlerweile mehrere Nationalparks, die sowohl die einzigartige Landschaft des Gebirges als auch den Bestand der verschiedenen Tierarten schützen! Besonders erwähnenswert ist der Sämen-Nationalpark! Dieser liegt im Norden des Gebirges und schützt nicht nur den Riesenberg Ras Daschän, sondern auch den Äthiopischen Steinbock! Als 1963 aufgrund von intensiver Bejagung nur noch 150 Tiere am Leben waren, sorgte der Nationalpark dafür, dass sich der Bestand verdreifachen konnte! Aber auch für Dscheladas, Äthiopische Wölfe und einige mehr ist dieser Nationalpark ein wichtiges Rückzugsgebiet! Der Park wurde sogar von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt!

Hoffen wir, dass uns die einzigartige äthiopische Fauna durch ihn und all die anderen Nationalparks noch lange erhalten bleibt!


Mein Tipp!

2008 wurde im Zoo Zürich das "Afrikanische Gebirge" eröffnet, eine 6.300 m² große Gebirgsanlage, die die äthiopische Landschaft detailgetreu nachstellt! Es ist ein modernes Gemeinschaftsgehege, das sich Dscheladas, Nubische Steinböcke, Klippschliefer und Blauflügelgänse teilen! Ich kann euch nur wärmstens empfehlen, diesen Zoo einmal zu besuchen, er zählt zu den besten Europas und leistet vorbildliche Artenschutzarbeit! Moderne Biotopanlagen, wie dieses Gebirge oder auch eine südamerikanische Nebelwaldlandschaft, machen den Zoo wahrlich einzigartig und sehr lehrreich! Ich kann einen Besuch deshalb jedem ans Herz legen!

Dies war mein bisher aufwendigster Artikel, ich freue mich sehr über Kommentare! :)

Lg Rhino

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Kommentare (10)
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18.02.2012
Himbeere hat geschrieben:
Die Bergnyalas sind wunderschön!!
27.08.2011
Puma hat geschrieben:
Klasse Bericht.Von diesen Tieren hab ich bis jetzt noch gar nichts gehört.Mal gucken,ob ich mal in diesen Zoo komme.Würde mich mal wirklich interessieren.
23.08.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Cooler Bericht :)
22.08.2011
Franzi hat geschrieben:
Super Artikel, danke :) Manche der Tierarten hätte man wirklich nicht unbedingt in Afrika vermutet ;) Gut dass es inzwischen schon einige Schutzmaßnahmen gibt :)
Und sollte ich mal nach Zürich kommen weiß ich wo ich zuerst hingehe ;)
21.08.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Danke das du das du den fehlenden Teil noch gemacht hast. Ich würde gern in den Zoo Zürich gehen nur leider ist der zu weit weg :(
21.08.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Cool :) Schöne Bilder :) Schöne Landschaft :)
21.08.2011
FabianN hat geschrieben:
Danke für den wirklich super gelungenen Bericht und auch den Tipp des Züricher Zoos.
Von vielen dieser Tiere habe ich noch nie etwas gehört, obwohl ich das Gebirge schon kannte ;)
21.08.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Ok mach ich :)
21.08.2011
Rhino hat geschrieben:
Lars: danke :) lies dird en Bericht aber bitte nochmal durch, wenn ich ihn fertig gestellt habe! es fehlöen leider zwei noch mehrere Teile des Berichts :(
21.08.2011
Lars0220 hat geschrieben:
Guter Bericht :) Hab ich noch nie was von gehört das es dieses Gebirge gibt. Und ich wuste auch nicht das es da Steinböcke gibt :)
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