Entdecke die Natur!


Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Campen bei Cougar & Co


von Karl
28.07.2009
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Schonmal 20 Kilometer mit 20 Kilo auf dem Rücken an einem Tag gewandert?

Ich habs heute ausprobiert und auch überlebt. Auch, wenn meine Fersen todesrot ausschauen und meine Waden krampfen, bin ich stolz, dass ich es geschafft habe. Geplant war die Strecke nämlich eigentlich für zwei Tage. Doch als ich am ersten Campground ankam und dort pausierte haben mich ide Mücken und Bremsen vertrieben. Das war zur Mittagszeit, als es unerträglich heiß wurde (ich trug ja Jacke und Handschuhe wegen der Viecher) und man aber im Schatten nirgendwo ausruhen konnte, weil einen die Bugs entweder ausgesaugt oder zu Tode genervt hätten. Also bin ich einfach immer weiter gelaufen und habe fein auf meine Karte geschaut.
Doch ich will erzählen, wie alles begann. Nachdem ich in Calgary meine Sozialversicherungsnummer beantragt hatte, die man benötigt um hier arbeiten zu können, bin ich in den ältesten Nationalpark Kanadas gefahren. In Banff, wo bekanntlich seit Anbeginn der Zeit Japanische Touristen ihr Unwesen treiben und den ganzen Ort in einen einzigen Giftshop verwandelt haben, war echt die Hölle los. Mein Lonely Planet beschreibt es folgendermaßen: Banff im Sommer kann man sich vorstellen, wie in Mitten der riesigen arktischen Karibuherden zertrampelt zu werden. Eine nette Vorstellung, die ungefähr zu trifft. Dem Trubel zu entfliehen war mein Ziel, da ich ja nun mehrere Wochen fast ausschließlich in Millionenstädten zugebracht habe.


Meine Couchsurfing-Hosts in Calgary hatte mir beide unendlich viele Wandertipps gegeben, so dass ich einfach einen beherzigen musste. Ich hatte mich für den Mystic Lake Trail entschieden. Nach dem Besuch bei der Nationalparkverwaltung und Planung der Route und freiwilliger Sicherheitsregistrierung konnte es losgehen. Wenn man nicht zurückkehrt, dann werden Suchpatrouillen aus geschickt, die die Berge und Täler durchkämmen und einen schließlich retten.
Etwas fraglich in so einem Riesenpark, doch ich wär ja doof, wenn ich mich nicht registriert hätte (blaues Solozelt...) Gesagt, getan. Dann hab ich mir den Backcountry Wilderness Pass gekauft, den man benötigt, wenn man abseits der Zivilisation im Nationalpark übernachten möchte.
Dann ging es los. Am selben Nachmittag ging es los. Meine Vorräte (Nüsse, Tütensuppen, Nüsse, Nüsse) sollten eigentlich für eine Woche reichen. Von daher brauchte ich mir wegen der Ernährung keine Gedanken machen. Auf dem Weg zum Trailhead wurde ich zur Begrüssung erstmal bösenstens von einer Rotte marodierender Moskitos überfallen und ausgesaugt, da ich naiver Weise kurze Hosen trug. Das waren echt mal kanadische Verhältnisse, so kanadisch, dass ich mein Zelt in „bester Hanglage“ aufschlug (das ging ja schnelle, denn ich hatte zum Glück im Vorgarten meines Hosts trainiert). Ich war gerade mal eine Stunde bergauf gelaufen, hatte nun aber einfach die Schnauze voll von den Mistviechern. Ich konnte nun aufgrund mehrerer Faktoren nicht schlafen: Schieflage, ein Stein auf Gesäßhöhe (Schonmal auf einem Stein geschlafen?), das laute Brummen der Trucks auf dem Highway, das Hupen der Züge sowie der Hauptgrund: Diverse Geräusche um mein Zelt, das daraus resultierende mulmige Gefühl, Schreie in der Nacht und etwa fünf abgefeuerte Bärenabwehrraketen in meiner Nähe. Ich bekam vier Stunden Schlaf und stand um 6Uhr auf, um zum Trailhead zu hiken.

Das Lustige: Ich hatte den Wanderweg noch nicht mal erreicht, fühlte mich aber schon wie nach einigen Tagen in der Wildnis. Eigentlich hatte ich mir in jener Nacht geschworen, den Hike abzubrechen, einfach weil ich zu viel Angst hatte. Als aber Morgen dann die Sonne schien, war ich plötzlich anderer Meinung. Auf dem ersten Wegabschnitt traf ich zwei Hobbyjäger, die mich gleich einluden doch in zwei Wochen mal mit auf einen Trip zu kommen. Wer weiß, vielleicht verbringe ich ja meinen Geburtstag auf Elchjagd?

Dann hikte ich den 40 Mile Creek entlang, ständig in Erwartung einem Schwarzbären über den Weg zu Laufen, die sich laut der Jäger hier im Sommer gern am Bach reklelten. In der einen Hand das Pfeffersprax, in der anderen der Fotoapparatschnik und permanent rufend (He! Karl is on the trail!) oder singend (es konnte mich ja keiner außer der Bären hören) lief ich für einige Stunden am Creek entlang. Der Wg war nicht so spannend wie erhofft, aber anstrengender als erwünscht. Ab und zu ein schöner Blick und ein paar blühende Blumen am Wegesrand. Auf Steinen balancierend überquerte ich einige Wildbäche. Dann pausierte ich, kochte Wasser ab um meinen Durst zu löschen und bereitete eine erste Tütensuppe. Dann hatte ich ein kleines Problem: Der Trail war weg. Ich war einen verdammten halben Tag unterwegs und plötzlich hörte der Trail an einer Lichtung auf. Nach eingehender Untersuchung der näheren Umgebung mitsamt wildester Botanik fand ich ihn dann doch wieder. Puh.

Nach weiteren zwei Stunden über Stock und Stein kam ich auf meinen Campground, baute in Windeseile mein Zelt auf, da es zuzog und ich von Ferne ein Donnergrollen hörte. Nach eine kurzen Wäsche mit Gletscherwasser hängte ich alles Riechende (Esssen, Kosmetika) an eine Seilvorrichtung in vier Metern Höhe, die präventiv gegen unerwünschten Bärenbesuch Wirkung zeigen sollte und verkroch mich in in meinen Schlafsack, der auf eine Minimaltemperatur von 0 Grad ausgelegt ist. In einer Höhe von etwa 2100 Meter kann es auch im Sommer des Nachts mal schnell unter Null fallen. Davon hatte mir die nette Dame im Beratungscenter natürlich nichts erzählt. Zum Glück hatte ich noch einen Aufpepper dabei (der Mummyliner) und schlief komplett bekleidet. Ein bisschen frosty war ich trotzdem, aber das ging schon. 23 km heute.

„Ich hoffe meine Fersen machen morgen noch mit. Alle Vorkehrungen gegen Bären sind getroffen und ich müsste mich eigentlich sicher fühlen. Morgen geht’s ab auf den Pass.
PS: Hatte ich schon erwähnt, dass die Berge hier gigantisch sind? Nein? Sind sie! “

Heute war ein verdammt harter Tag. Ich hab den Mystic Pass bestiegen und mich dann das Tal im strömenden Regen herunter gequält. Das hat keinen Spaß gemacht und ich hätte gern das Shuttle nach Banff genommen, wenn es denn eines gegeben hätte. 12 Kilometer bergauf und bergab gelatscht. Die Strecke war ekelig. Die Ausblicke gigantisch. Erst den Pass hinauf, dann im Matsch herunter, plötzlich der Fluss auf der falschen Seite, eine halsbrecherische Überquerung. An den Regen hatte ich mich nach zwei Stunden gewöhnt, da ich auch völlig durchnässt war. Die Jacke hält nicht dicht und die Schuhe und Socken sind durch. Positiv: Meine Fersen haben nicht mehr geschmerzt, da sie nun durchgehend gekühlt wurden. Schlimm war der glitschige Modder. Ich musste permanent aufpassen, nicht aus zu rutschen. Als ich das Camp erreichte, glich das einer Erlösung. Ein gutes Gefühl: Eine Nacht noch und ein paar Kilometer, dann ist es geschafft.

Am nächsten Morgen schien die Sonne und nach einigen Stunden Marsch stieß ich auf die ersten Tageswanderer, denen ich mich auch gleich anschloss. Die beiden alpinen Schweizer in den Flitterwochen sollten mich dann in ihrem Hochzeitswagen auch zurück nach Banff bringen.
Vorbei an wunderschönen Wasserfällen und kleinen türkisen Seen ging, wurde mir bewusst, dass ich es geschafft hatte. Die Wanderer wurden immer mehr und auch die Japanerdichte stieg wieder immens, bis wir sogar auf einen geteerten und mit Treppen ausgestatteten Wanderweg stießen, der uns nach nur 3 Kilometern zum Parkplatz führen sollte. Nun ging alles ganz schnell. Plötzlich war ich wieder in Banff.

Ich bin froh, dass ich es gewagt habe und nicht enttäuscht wurde. Die Berge hier halten, was sie versprechen.
 

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Kommentare (1)
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29.07.2009
Philipp hat geschrieben:
Wow, das hört sich echt anstrengend aus aber wegen den Bergen und der Natur hat es sich bestimmt gelohnt
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