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Ein Dorf


namens Erde


© WWF
Besuch im Reptilium Landau in der /Pfalz


von Tribolonotus
01.04.2012
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Als begeisteter Terrarianer und Hobbyherpetologe zog es mich nun vor zwei Wochen letztlich auch einmal ins Reptilium nach Landau. Ich hatte davor schon einiges gehört, was mich lange zögern ließ, ob ich es mir "antun" will. Rausgegangen mit einem gemischten Gefühl, wollte ich euch an meinem Besuch teilhaben lassen. Absolut überwältigt war ich von den Terrarien. Gerade zu einer Zeit, wo es scheinbar nur noch darum geht, möglichst viele "Exoten" möglichst billig und platzsparend zu halten und schon jeder nach einem Verbot für Exoten schreit, ohne genau zu wissen, was das eigentlich bedeutet, bietet das Reptilium seinen Pfleglingen äußerst große Lebensräume. Sie waren größtenteils gut beleuchtet und schön konstruiert und eingerichtet. Nicht nur fürs Auge, sondern auch fürs Tier. Die Anlagen schienen mir gut gepflegt zu sein und auch die meisten Tiere machten äußerlich einen gesunden Eindruck. Zudem trägt das Reptilium auch seinen Beitrag für die heimische Fauna. Die negativen Aspekte konnte ich letztendlich jedoch auch nicht erwähnenswert lassen und will sie hier mal etwas im Einzelnen ausführen:

1) Terrarium des männlichen Chamaeleo calyptratus (Jemenchamäleon):

Das Jemenchamäleon kommt wie der Name schon sagt aus der Region um Jemen/Saudi-arabien. Wer schon mal dort gewesen ist, weiß dass man nicht nur Wüstenlandschaft erwarten kann. Es gibt dichten grünen Bewuchs, bis hin zu tatsächlichen ariden Regionen. Wer sich nun intensiver mit dem Jemenchamäleon auseinandersetzt, weiß in welchen dieser einzelnen Habitate er lebt. Nämlich dort, wo man ein Chamäleon erwartet. [Mit einigen Ausnahmen zB. Wüstenchamäleon]  Im dichten Blätterwald. Die Ausnahme bilden hier Jemenchamäleons, welche sich auch hin und wieder in Plantagen verlaufen, da es dort einiges an Nahrung gibt. Ansonsten suchen Chamäleons vorwiegend den Schutz vor Fressfeinden durch Tarnung und viele Fluchtmöglichkeiten. Im Terrarium in Landau fehlen dazu leider einige Klettermöglichkeiten und das Terrarium wird vorwiegend von blattlosen, kargen Ästen und Sträuchern beherrscht. Für mich als Chamäleonhalter etwas traurig.

2) Vergesellschaftung und Überbesetzung

Klar, jeder will so ein kleines Paradies daheim haben und sucht sich deswegen die schönsten Arten der Welt aus und packt sie in eine Kiste. Ist doch egal, dass die Bartagame aus Australien kommt und die Schildkröte aus Indien. Packen wir noch ein Chamäleon aus Madagaskar hinzu. Passt super. Am besten auf 1x1m. Allen gehts gut. So leider auch im Reptilium. Dort wird zwar nicht das hier von mir genannte Artenzusammenschmeißen aus allen Kontinenten beschrieben [die meisten Wissen inzwischen, was sich daraus ergibt; siehe Aga-Kröten], sondern soweit ich das beurteilen konnte, sind die meisten zusammengewürfelten Arten in einem Terrarium auch wenigstens aus demselben Kontinent. Trotzdem versuche ich mich weiterhin gegen Vergesellschaftungen einzusetzen. Die Leute wissen nicht, was sie teilweise da ihren Tieren mit antun / es ist ihnen egal. Auch wenn die Terrarien groß sind, finden sich hier doch auch annähernd bis zu 20 Tieren verschiedener Ordnungen, welche nicht gerade klein bleiben. Die Philosophie des Reptiliums ist mir nicht weiter bekannt, aber zustimmen kann ich da auch nicht ganz. Von der Gefährung beiwohnender Arten von zB. Schildkröten, welche oftmals Träger von für andere Arten sehr gefährlicher Darmparasiten sind, ganz zu schweigen.

3) Krankheiten der Tiere

Im Stirnlappenbasiliskenterrarium waren soweit ich das sehen konnte, drei Tiere untergebracht. Einer davon wieß eine deutliche Augeninfektion auf. Schon soweit fortgeschritten, dass sie für niemanden übersehbar war. Vor allem doch wohl nicht für die Pfleger. Kranke Tiere sind umgehend in Quarantäne und fachkundige ärtzliche Behandlung zu versetzen, selbst wenn es sich um keine ansteckende Krankheit handelt. Dabei geht es vorwiegend um Behandlungsmöglichkeiten, eine möglichst keimarme Umgebung zu schaffen, sowie eine verschlimmerte Entzündung zu schaffen. Dies war und ist hier scheinbar nicht der Fall und gibt Neulingen bestimmt nicht die richtige Einstellung, falls ihre Tiere einmal krank werden.

4) Vorführungen

Ich glaube es gibt Exotenvorstellungen stündlich. Als meine Familie und ich im Reptilium waren (4 Personen) setzte sich ein (durchaus mit Fachwissen gesprickter; keine Ironie) junger Pfleger mit einem Phyton regius an unserem Tisch. Das Thema Stress für Exoten will ich hier jetzt nicht neu erläutern, die Thematik ist bekannt und ähnelt den Situationen im Viehtransport. Die Tiere werden herumgereicht. Vorbildlich wenigstens hier: Jeder muss seine Hände vor einer Berührung desinfizieren. Ich weiß nicht wie eine Show in vollem Haus aussieht, will aber nur hoffen, das sie nicht der eines gewisen kleinen Italierners ähnelt. Wer weiß von wem ich rede, wird es verstehen.

Alles in allem, muss ich sagen, eine durchaus gelungene Durchsetzung eines Konzeptes, allerdings mit Verbesserungspotential.

Wie sieht das der WWF und die Mitglieder?

Würde mich über eine rege Diskussion freuen.

Viele Grüße

Jonathan Paul

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Kommentare (2)
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10.04.2012
Tribolonotus hat geschrieben:
Nun ja,
ich will die wertvolle Arbeit des Reptiliums nicht abstreiten, ganz und gar nicht. Ich lobe sie für große Teile ihrer Arbeit. Ich hoffe das hat man auch rausgelesen.

Wie sagt eine große Baumarktkette doch gleich? Es gibt immer was zu tun. Die Terraristik verändert sich täglich. Es werden stündlich neue Erkenntnisse erworben. Sich auf dem aktuellsten Stand zu halten ist da nicht immer leicht und schon hinkt man hinterher.

Was du allerdings falsch siehst, ist, dass man Reptilien nicht wie Hund oder Katze trainieren kann. Es sind und bleiben Wildtiere, die in einem anderem Lebensraum leben. Eine Schlange mit ruhigerem Gemüt mag für Vorführungen geeignet sein, allerdings ist sie nicht trainiert. Auch eine Kobra die mit einer Flöte bespielt wird, ist nicht trainiert. Der Mensch hat gelernt kleinste Reize und Reaktionen der Tiere zu lesen und kann entsprechend reagieren und handeln. Eine Schlange fühlt sich in einer Menschenmenge, die sie begrabscht, nicht wohler, nur weil sie es schon 100 mal durchgemacht hat.

Viele Grüße
03.04.2012
LSternus hat geschrieben:
Ich habe auch schon von den Exotarium Landau gehört, allerdings von seinem guten Ruf und das es eigentlich sehr artgerecht sei. Offenbar gibt es dort bei einigen Dingen noch nachholbedarf.

Zu den Vorführungen: Es ist sicher nicht gut wenn Tiere zu oft vorgeführt werden, aber die Tiere die in diesen Vorführungen gezeigt werden sind in der Regel trainiert. Außerdem kann der Kontakt mit solchen Tieren dabei helfen, dass die Besucher ihre möglichen Ängst und Vorurteile, z.B. gegenüber Schlangen, ablegen.
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