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Zertifiziertes Palmöl in Deutschland - Der WWF Palmöl-Check 2015


von Sarah25
20.10.2015
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Palmöl – ein Thema, bei dem ich jedes Mal unwillkürlich zusammen zucke. Es sind jedes Mal die gleichen Diskussionen. Sind die Zertifizierungskriterien des RSPO (Roundtable of Sustainable Palm Oil) strikt genug? Kann man so große Mengen an Palmöl nachhaltig herstellen? Und kann ich selbst überhaupt irgendetwas ändern? Palmöl ist schließlich in fast allen Produkten vorhanden... Mir schwirrt nach diesen Überlegungen jedes mal der Kopf und ich weiß selbst nicht so genau, was ich glauben soll.

Ulli hat im Februar in ihrem Bericht „Palmöl - Unvermeidbares Teufelszeug? Ein Blick über den Tellerrand“ den Nutzen von Palmöl, die Probleme und mögliche Lösungen vorgestellt. Dort könnt ihr alles bisherige zum Thema nachlesen.

Nun gibt es neue Daten vom WWF zum Thema Palmöl. Die Palmöl Scorecard 2015 wurde veröffentlicht. Seit 2009 prüft der WWF Deutschland alle zwei Jahre die Einkaufspolitik der Käufer und Verarbeiter von Palmöl. Dieses Mal wurden insgesamt 200 Unternehmen befragt, viele aus der Lebensmittel- und Drogeriebranche sowie zum ersten Mal auch große deutsche Pharmaunternehmen und Futtermittelhersteller. Erstmalig flossen auch eine höhere Rückverfolgbarkeit und Transparenz durch eine physische Lieferkette in die Bewertung mit ein (hierzu später mehr). Insgesamt konnten zwei Unternehmen die Höchstpunktzahl von 20 Punkten erreichen: Daabon und Agrarfrost. Diese Höchstleistung zeigt, dass es nicht unmöglich ist, die Standards für zertifiziertes Palmöl zu erfüllen.

 

Mehr Tops der Scorecard:
Über die Hälfte der befragten Unternehmen benutzen zumindest teilweise zertifiziertes Palmöl (111 Unternehmen). 30% der Unternehmen benutzen sogar zu 100% zertifiziertes Palmöl. Diese Zahl hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt! Immerhin 46 Unternehmen fragen schon zusätzliche Kriterien, die (noch) nicht Teil der Zertifizierung sind, bei ihren Lieferanten nach. Dazu zählen unter anderem ein Verbot der Umwandlung von Torfböden oder ein klarer Verzicht auf hochgefährliche Pestizide. Der RSPO ist nur ein Mindeststandard, der diese Kriterien nicht abdeckt. Ein Daumen hoch für die Unternehmen, die über die notwendigen Kriterien hinaus nachhaltig denken!

       Palmölplantage in Malaysia © Mazidi Abd Ghani / WWF Malaysia

 

Nun zu den Flops...

Sechs der 200 befragten Unternehmen erhielten nur einen von möglichen 20 Punkten. 75 weitere Unternehmen verweigerten die Auskunft oder machten keine genauen Angaben. Ilka Petersen vom WWF ist vor allem von der Pharma- und Futtermittelindustrie enttäuscht. Diese Bereiche nutzen ca. 20% des Palmöls in Deutschland und nur ein sehr geringer Anteil davon ist zertifiziert. Der pharmazeutisch-chemische Bereich nutzt jährlich rund 155.000 Tonnen Palmöl. Davon sind gerade einmal 12 Prozent zertifiziert, die Futtermittelindustrie nutzt noch einmal die gleiche Menge, wobei der Anteil aus zertifiziertem Anbau sogar bei nur einem Prozent liegt. Keines der befragten Unternehmen in diesen Branchen gab Auskunft über den Palmölverbrauch oder die Herkunft des Palmöls. Ein weiterer Flop ist, dass bis jetzt nur acht Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch machen, Zertifikate von Kleinbauern beim RSPO zu erwerben.

Inka Petersen bemängelt nach der Auswertung der Palmöl Scorecard 2015 in einem Interview mit der enorm: „Viele Unternehmen sind nicht bereit, sich  mit ihren Lieferketten auseinander zu setzen und Verantwortung zu übernehmen. Dabei ist die Umstellung auf 100-Prozent-Zertifizierung sofort machbar. Die Unterstützung für Kleinbauern kommt auch immer noch zu kurz.“

 

Und wie wurden die Unternehmen in der Scorcard eigentlich bewertet?

Wie schon erwähnt konnten bei der Palmöl-Scorecard 2015 maximal 20 Punkte erreicht werden. Für einige allgemeine Kriterien vergab der WWF jeweils ein Punkt:

- Mitgliedschaft beim RSPO

- Klare Selbstverpflichtung zur Umstellung auf 100 % zertifiziertes Palmöl bis spätestens 2015

- Transparente Mengenangaben zum jährlich genutzten Palmöl

- Mitgliedschaft im FONAP oder bei POIG

- Bemühungen, den eigenen Lieferanten zusätzliche Anforderungen – beispielsweise das Umwandlungsverbot von Torfböden – abzuverlangen

- Unterstützung von Kleinbauern durch den Erwerb von Kleinbauern-Zertifikaten

In diesem Bereich konnten Unternehmen also maximal sechs Punkte erreichen. Zusätzlich wurden Punkte für den Anteil an zertifiziertem Palmöl im Unternehmen vergeben mit folgender Abstufung:

100-75%=4P; 50–74,9%=3P; 25–49,9%=2P; 1–24,9%=1P

Außerdem wurde dieses Jahr ein neues Bewertungskriterium eingeführt, das auf den vier verschiedenen Wegen beruht, wie zertifiziertes Palmöl von der Plantage in das Produkt gelangen kann. Die sogenannte Identity Preserved (ID) Methode trennt das zertifizierte Palmöl der verschiedenen Plantagen strikt und vermischt dieses in der Ölmühle nicht. Beim Segregated (S) Modell wird lediglich das zertifizierte Palmöl vom nicht-zertifizierten Palmöl getrennt und das gesamte zertifizierte Palmöl miteinander vermischt. Hingegen kommt es bei der Massenbilanz (MB) zu einer kontrollierten Vermischung von zertifiziertem und konventionellem Palmöl.

Nur bei diesen drei Methoden ist zertifiziertes Palmöl physisch wirklich im Endprodukt enthalten, wobei nur bei den ersten zwei eine strikte Trennung von zertifiziertem und nicht-zertifiziertem Palmöl besteht. Man nennt dieses physische Lieferkette. Zusätzlich gibt es die Book&Claim Methode. Hierbei handelt es sich um einen Online-Handel mit Zertifikaten. Nachhaltige Palmölproduzenten verkaufen GreenPalm Zertikate, die für eine bestimmte Menge nachhaltiges Palmöl stehen. Daher ist keine physische Rückverfolgbarkeit des Öls möglich, sodass dieser Weg für den WWF nur als Übergangslösung oder zur gezielten Unterstützung von Kleinbauern akzeptiert wird.

Aufrgund dieser großen Schwankungen innerhalb der Methoden der Palmölsgewinnung und des Transport, hat der WWF bei der diesjährigen Scorecard Zusatzpunkte für die ersten drei Methoden je nach prozentualem Anteil an der Gesamtnutzung des Palmöls vergeben.


Nur 9 Unternehmen nutzen zu 100 % die physischen Lieferketten Segregated und/oder Identity Preserved. Viele nutzen hingegen die Palmölzertifikate über Book&Claim.

Die Informationen, die dem WWF durch die Unternehmen zur Verfügung gestellt wurden, konnten bei der Bewerung nicht unabhängig überprüft werden. Der WWF verlässt sich auf die Angaben der Unternehmen. Es werden jedoch Plausibilitätsprüfungen durchgeführt.

 

Und wie kann man die Scorecard bewerten?

Allgemein haben sich die Unternehmen in der Nutzung von zertifiziertem Palmöl von Scorecard zu Scorecard verbessert. Es sind sich schon viele Unternehmen der Problematik des Palmölanbaus bewusst und wir scheinen auf dem richtigen Weg hin zu einer nachhaltigen Palmölproduktion zu sein.

Bemängeln könnte man die geringen Zertifizierungsstandards des RSPO, sowie die verschiedenen Wege des Palmöls von der Plantage in das Produkt. Diese haben starke Schwankungen in der Transparenz. Zudem stellt sich die Frage, in wie weit die Angaben der Unternehmen bei der Umfrage korrekt sind. Trotz der Kritik kann man dem WWF bei dieser Aussage wohl zustimmen: „Nichts tun, ist keine Lösung!“

Mir schwirrt auch nach den heutigen Überlegungen zum Thema Palmöl wieder der Kopf. Mich interessiert daher eure Meinung! Was denkt ihr über zertifiziertes Palmöl? Können wir damit die Regenwälder retten? Oder müsste Palmöl wieder aus Kosmetik und Lebensmitteln verbannt werden? Und wenn ja, wie macht man das? Was haltet ihr von der Scorecard des WWFs? Findet ihr die Bewertungen plausibel oder seid ihr skeptisch? Eure Meinung ist gefragt!

Den Palmöl-Check zum Herunterladen findet ihr hier

Bildquellen: Copyright WWF "Der Palmöl-Check: Scorecard 2015

 

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Kommentare (5)
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23.10.2015
Ruben2001 hat geschrieben:
ich hab das video leider nicht mehr gefunden
Sonst hätte ich es verlinkt
23.10.2015
Ruben2001 hat geschrieben:
ich hab mal nen video gesehen das gegen die Verwendung von Palmöl in dem schokoriegel von"KitKat" gerichtet war, seit dem esse ich kein KitKat mehr.

In dem Video war die Standardwerbung des KitKat's zu sehen bis zu dem Moment in dem der Protagonist in den riegel beißt. In dem moment verwandelt sich der Riegel ine einen Orang-Utan Finger. Der man ist diesen ohne weiteres auf und ihn stört es auch nicht das das Affenblut über seinen Schreibtisch spritzt.
Anschließend kam eine kurze info über das aus sterben der Orang-Utans auf borneo aufgrund der abholzung des Regenwalds für Palmöl
22.10.2015
Hummelelfe hat geschrieben:
Toller Beitrag!

Ich habe schon mal gehört, dass bei dem "RSPO" geschummelt wird.
21.10.2015
Jayfeather hat geschrieben:
Also ich kann mich auch nicht so wirklich entscheiden, was ich von zertifiziertem Palmöl denken soll. Natürlich ist NIchts tun auch keine Lösung, aber der Verbraucher denkt, er würde dem Regenwald was Gutes tun, wenn er Produkte mit zertifiziertem Palmöl kauft. Auch wenn das aufgrund der geringen Standards nicht unbedingt stimmt....
Auch, dass die Angaben der Unternehmen nicht geprüft werden, finde ich problematisch. Daher würde ich die Ergebnisse nicht zu genau nehmen. Aber sie liefern einen guten Überblick über die momentane Situation.
21.10.2015
Ronja96 hat geschrieben:
Es ist wirklich traurig, dass so viele Unternehmen keien Auskuft geben. Da muss man ja davon ausgehen. dass es nicht zum Zertifizieren reicht...
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