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© WWF
Wie unsere Jeans Chinas Arbeiter und Umwelt beeinflussen


von ClaraG
08.05.2012
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Die Jeans wurden im 16. Jahrhundert in Italien erfunden. Dort trugen italienische Matrosen in Genua erstmals Hosen aus einem festen, mit Indigo gefärbtem Stoff, der auch gegen Nässe und vor allem Salzwasser widerstandsfähig war.
Die Italiener nannten diese Hosen „Blu di Genova“, im Französischen wurde daraus „Bleu de Gênes“ und im Englischen „Blue Jeans“.
Um 1850 lieferte der deutsche Kaufmann Levi Strauss in San Francisco Blue Jeans für Minenarbeiter in Kalifornien und löste damit die eigentliche Karriere dieser Hosen aus.
Der Kult um die Jeans begann erst hundert Jahre später.

Heute kommt ein Drittel aller Jeans aus China.
Das liegt vor allem an den Hungerlöhnen der Arbeiter, die für eine Jeans umgerechnet gerade mal einen Cent bekommen.
Die Hauptstadt der chinesischen Textilindustrie ist mit 5000 Kleiderfabriken und 400 000 Arbeitern Zhongshan [dschongschan], eine Stadt in der Nähe von Hongkong.
In ihrem Stadtteil Shaxi [schatchi] werden die Jeans für die Marken der USA und Europas produziert.

Arbeitsunfälle sind hier an der Tagesordnung und viele Arbeiter klagen über
Augenprobleme, sowie Rücken- und Gelenkschmerzen.
Die Arbeiter in den Färbereien und Wäschereien sind zusätzlich besonderen Risiken durch den Kontakt mit Chemikalien ausgesetzt.
Je dunkler die Färbung der Jeans werden soll, umso mehr Chemikalien werden benötigt. Dann werden die Fasern mit Ätznatron und Säure behandelt, um die Aufnahme der Farbe zu verbessern. Meist sind die Arbeiter gegen die zersetzenden Dämpfe nicht geschützt.

Wenn die Jeans genäht sind, werden sie zur weiteren chemischen Behandlung in die Wäscherei geschickt.
Die Jeans werden dann mit Bleiche, Enzymen und Bimssteinen in einer Waschmaschine gewaschen. Am Ende des Waschgangs ziehen die Arbeiter mit bloßen Händen die nasse Ladung heraus und bringen sie zum Trocknen in einen auf 40°C geheizten Raum.
Der ständige Wechsel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit führt zu Arthritis und Hautverletzungen und auch die giftigen Dämpfe in den Trockenräumen tragen nicht zur Gesundheit der Arbeiter bei.

Die meisten Arbeiter hoffen auf eine bessere Zukunft, doch die wenigsten können diesen Traum realisieren.
Meist arbeiten sie jeden Tag mehrere Stunden, um danach in 20 Quadratmeter großen Räumen zu jeweils 8 Personen einzuschlafen.
Selbstverständlich müssen sie für diese Räume, das Wasser und die Verpflegung bezahlen.

Aber nicht nur die Menschenrechte der Fabrikarbeiter werden verletzt, auch Chinas Umwelt leidet.
Auf den Baumwollfeldern werden Unmengen an Pestiziden versprüht (bei T-shirts sind es 150g Insektengift/T-shirt, für Jeans habe ich keine Daten gefunden)
Beim Färben, Bleichen, Waschen und Bedrucken von Textilien werden Unmengen gesundheitsschädigender Chemikalien eingesetzt.
Dazu gehören Dauergifte wie Nonylphenol, Octylphenol und perfluorierte Sulfonate, aber auch giftige Schwermetalle.
Die Abwasser werden dann direkt in die umliegenden Flüsse gekippt, wo sie die Umwelt stark belasten.

Die Jeansfabrikanten sehen aber scheinbar keine Notwendigkeit diese Umweltverschmutzung zu vermeiden.
Warum auch?
Für sie ist es das Billigste. Genau wie bei den Hungerlöhnen der Arbeiter.


Quellen:
http://www.kontinente-media.org/downloads/0609-hintergrund.pdf
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5196
http://www.indienhilfe-herrsching.de/pdf/AG21-Kino-Einfuehrungen/ChinaBlue.pdf

Bild: © Mauri Rautkari / WWF-Canon

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Kommentare (8)
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09.06.2012
Anais hat geschrieben:
man hört ja viel und kann sich ja auch das meiste denken, aber beim lesen des berichts bekommt man doch aufgrund des einen oder anderen kleidungstücks ein schlechtes Gewissen. danke ;)
17.05.2012
Flora212 hat geschrieben:
Krass,
wenn man drüber nachdenkt vermutet man sowas,( vorallem bei billigmarken wie kik) in der heutigen Zeit schon...
Vorallem in China...
Aber die richtigen Zahlen und Fakten treffen einen dann doch....
Am Schlimmsten für mich ist, dass ich mich richtig hilflos gegenüber 5000 fabriken fühle.
10.05.2012
ClaraG hat geschrieben:
Also es gibt definitiv Geschäfte und vorallem Online Versandshäuser die faire Jeans anbieten.
Ich kenn jetzt auf Anhieb nur dieses hier: http://www.zuendstoff-clothing.de/de
Aber ich denke wenn man mal "faire Jeans" bei Ecosia eingibt müsste man da bestimmt noch mehr finden.
09.05.2012
Taki hat geschrieben:
Das ist halt der Vorteil der Globalisirung.
09.05.2012
Taki hat geschrieben:
Das ist halt der Vorteil der Globalisirung.
09.05.2012
Cookie hat geschrieben:
Toller Bericht Clara! Wirklich gut geschrieben und man will sich eigentlich am liebsten sofort die Jeans vom Leib reißen... :S
Urmelis Frage interessiert mich aber auch, weißt du da was? Ich hab allerdings dann die Befürchtung, dass diese Jeans von meinem Taschengeld unbezahlbar sein würde, da halte ich mich vielleicht lieber ans Gebrauchtkaufen...
09.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Autsch.....eigentlich liebe ich meine Jeanshosen..... gerade aber nicht.
Und hier in Dland wird wegen 3 zusätzlicher Urlaubstage geklagt.......der Westen meckert wie immer auf einem sehr sehr hochen Niveau.

Gibt es denn auch Vorzeigemarken die man halbwegs bedenkenlos kaufen kann?
09.05.2012
MarcelB hat geschrieben:
Ja, mich nervt die ganze Problematik um die ökologischen und sozialen Standards in mehreren Schwellen- und Entwicklungsländern auch schon jahrelang. Besonders denke ich auch an die KiK Produktion in Bangladesh, schreckliche Bilder und ne tolle Doku gibts dazu.
Die Frage ist, was müssen wir tuen um dem System der Hungerlöhne entgegenzuwirken... Ich finde da muss deutlich mehr Druck von unabhängigen NGOs kommen!
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