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"Was ich tue, tue ich lustvoll" - Die Vision des Niko Paech


von Franzi
07.01.2013
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Wie sähe unsere Welt wohl aus, wenn wir all die guten Vorsätze und Ideen, von denen wir wissen, dass sie besser wären für unsere Umwelt und das Klima, wirklich umsetzen würden?
Wenn wir WIRKLICH nicht mehr fliegen würden? Kein Fleisch mehr essen würden? Kein Auto, keinen Fernseher, keinen Computer und kein Handy besitzen würden?
Die meisten von uns werden sich so einen Lebensstil kaum vorstellen können.
Niko Paech lebt ihn.

Der 51-jährige Wissenschaftler aus Oldenburg ist ein radikaler Wachstumskritiker. Und im Gegensatz zu vielen Anderen setzt er seine Ideen auch konkret um. „Abschied vom Überfluss“ heißt sein neues Buch.
Paech saß erst einmal in seinem Leben im Flugzeug, als er seinen Doktorvater in Washington besuchen musste. Er besitzt weder ein Auto, noch ein Handy, noch einen Fernseher. Außerdem ist er Veganer.
Und seine Forderungen sind nicht weniger radikal: er will 50% aller Autobahnen in Deutschland dicht machen und 75% der Flughäfen schließen. Jeder Mensch hierzulande soll nur noch 20 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Dadurch würden ganze Industriezweige wegfallen, das ist Paech durchaus klar. Besonders Industrien die abhängig sind von fossilen Energien, seltenen Erden und knapp werdenden Metallen haben keine guten Chancen, prognostiziert Paech. „Strukturwandel“ nennt er das.


Auch wenn seine Ideen wie die eines Spinners klingen, sie sind durchaus durchgerechnet. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler hat genaue Vorstellungen, wie unser Leben in Zukunft aussehen soll. Als erstes würde er die gigantischen Subventionen, die in die Wirtschaft fließen, stoppen. Dies hätte wohl oder übel ein Schrumpfen der Wirtschaft zur Folge, die Gelder könnten aber besser in Soziales, Gesundheit und Bildung investiert werden. Um einen breakdown wie in Griechenland zu verhindern müssten frühzeitig krisenfeste Lebensstile geübt werden, „back to the roots“ sozusagen. Jeder soll selbst Gemüse anbauen und sich vom Konsum verabschieden. Statt sich ständig ständig neue Dinge anzuschaffen, sollten die Alten lieber ausgebessert oder repariert werden, in der Nachbarschaft sollte untereinander geteilt werden. So will er verhindern, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme zusammenbrechen.

Denn worum es Niko Paech wirklich geht, ist Glück! Individuelles Glück, welches verantwortbar ist. Damit hat er nicht ganz unrecht, denn obwohl der Konsum der Industrienationen immer weiter ansteigt, werden die Menschen nicht glücklicher. Im Gegenteil, die Zivilisationskrankheit Nummer 1 der reichen Nationen ist die Depression. Die Menschen stehen unter ständigem Telekommunikationsstress und Leistungsdruck, das kann auf Dauer nicht gesund sein. Unsere knappste Ressource ist laut Paech neben dem Öl die Zeit.
„Der Tag hat halt nur 24 Stunden. Wir können uns inzwischen mehr Dinge leisten als wir Zeit und Aufmerksamkeit dafür haben. Das überfordert uns systematisch“, so Paech.
Weiter sagt er, dass wir nur noch konsumieren um zu kommunizieren und versuchen, die eigene Identität durch Konsumgüter zu formen. Hinter allem stehe die Angst, dass andere mehr vorzuweisen haben als wir. Laut Bundesumweltministerium besitzt jeder Mensch im Schnitt unglaubliche 10.000 Sachen! Wirklich gebrauchen tun wir aber nur gut 1/4 davon.

Konsum macht uns also weder glücklich, noch ist er gut für die Umwelt. Der Schein hier in Deutschland trügt außerdem, denn auch wenn unsere Flüsse inzwischen wieder sauberer sind und unsere Städte „grün“, die Umweltschäden werden heutzutage bis zu 60% ausgelagert – nach Asien oder Südamerika.
Am Ende von Paech Vision soll jeder Mensch auf der Welt mit 2,7 Tonnen CO2 pro Jahr auskommen. Er selbst zeigt es uns, und rechnet jede Bahnfahrt und jeden Urlaub in sein persönliches Budget ein. Und gibt dabei jedem Menschen trotzdem noch seine Freiheit!
Denn mit seinen 2,7 Tonnen kann jeder machen was er will. Der eine mag sich eine Flugreise gönnen, der andere lieber Fleisch essen und der Dritte in einem riesigen Haus wohnen. Wenn man mit Freunden zusammenarbeitet könne man sich ja auch einen Teil des Budgets „ausleihen“, so Paech.
Wenn er sich selbst etwas gönnt kann er es richtig genießen. „Was ich tue, tue ich lustvoll“.
So einfach lässt sich die Welt retten.

Seine letzte Botschaft geht an die Regierungen. Denn die machen nach Paechs Meinung noch viel zu wenig. Statt immer wieder kostspielige Klimakonferenzen zu veranstalten bei denen dann sowieso nichts Brauchbares rauskommt, sollte lieber verstärkt Geld in erneuerbare Energien investiert werden.
„Klimaschutz ist wie ein Osterhase: Es gibt ihn schlicht und ergreifend nicht. Bis heute sehen wir kein einziges entwickeltes Land, das Klimaschutz praktiziert, der diesen Namen verdient.“
Auch für die „hoch dotierte Nachhaltigkeitsschickeria“ hat er kein Verständnis. Globalisierte Lebensstile und Umweltschutz sind für Niko Paech unvereinbar. Er hält es für anmaßend den Afrikanern und Asiaten einen nachhaltigen Lebensstil zu predigen, während wir in Europa kein gutes Vorbild abgeben.

Damit ist Niko Paechs Vision radikal und rigoros, aber auch ehrlich. Er beschönigt nichts und sagt knallhart, was die Fakten sind. Wie sich seine Ideen konkret auf die Masse der Bevölkerung übertragen lassen, bleibt offen. Aber einen Ansporn und Gedankenanstoß bieten sie auf alle Fälle.

 

Quellen: Der Tagesspiegel

DIe ZEIT N°49, S. 38

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Kommentare (12)
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18.02.2013
Niiura hat geschrieben:
Ich kann den anderen nur zustimmen: Guter Grundgedanke, aber doch sehr radikal.

Sehr gut finde ich zum Beispiel den Gedanken, dass jeder Mensch einer bestimmten Menge CO2 auskommen muss..Ich zum Beispiel könnte sehr gut auf Fernsehn verzichten und brauch auch mein Handy nur selten (Smartphone besitz ich erst garnicht, jedenfalls nicht so lange, wie mein altes Handy noch einigermaßen mitmacht), auf den PC könnte ich aber nur schwer komplett verzichten...und was man dann wie nutzt könnte man sich ja größtenteils selber einteilen.

Ein wenig hat der Mann mich ja am Anfang an den Philosophen Diogenes erinnert, welcher laut unserem Philounterricht nur in einer Tonne gewohnt hat und auf so gut wie alles verzichtet hat (so wie es möglich war: er hätte wohl auch rohes Fleisch gegessen, wenn er es hätte verdauen können). Dies war seine Art glücklich zu werden.
24.01.2013
igorrogi hat geschrieben:
Schade, dass es nicht viele solche Menschen gibt.
09.01.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Die Forderungen sind ziemlich radikal, aber der Grundgedanke stimmt und sollte weiterverfolgt werden.

Man kann allerdings nicht die letzten Jahre der Entwicklung - ob sie nun gut oder schlecht waren - zurücksetzen. Setzt ein Land auf "0" zurück und ihr bekommt schneller einen Bürgerkrieg als euch lieb ist.
Und auch ein Selbstversorger wird wohl mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten müssen ;)

In kleinen Schritten sollten seine Ideen aber vll. noch etwas angepasst und dann übernommen werden.

Beim Thema Umweltkonferenzen und Klimaschutz kann ich ihm voll und ganz anschließen.....ich glaube eher an den Osterhasen, als daran, dass eine Klimakonferenz in naher Zukunft tatsächliche Entscheidungen und Kosenquenzen hervorbringt
08.01.2013
Juliaaa hat geschrieben:
Fortschritt ist nicht unbedingt etwas Gutes. Ich bin mir sicher, dass die Leute früher viel, viel glücklicher waren, als heute. Trotzdem glaube ich nicht, dass man es schaffen kann, dass sich die Gesellschaft freiwillig zurückentwickelt, obwohl der Großteil daraus profitieren würde.
08.01.2013
Kathinki hat geschrieben:
Ich finde das voll gut,aber ich glaube die Menschheit macht da nicht mit...
Intressanter Bericht!
08.01.2013
Indianerweisheit hat geschrieben:
Toller Bericht! :)
Respekt Niko Paech! Ich bin neugierig auf das Buch.
Vorstellen so zu leben könnte ich mir allerdings nicht, was dadurch bedingt ist, dass ich nunmal in der Konsumgesellschaft mit allen elektronischen Fortschritten aufgewachsen bin.
Ich könnte mir nicht vorstellen ohne diese Dinge zu leben.
ch bewunder die Menschen, die es können sehr!
07.01.2013
Alexina hat geschrieben:
Letztendlich hat der Mann recht. Aber er ist mit seinen Ideen schon sehr radikal. Wenn die Menschen jedoch seine Ideen auch nur teilweise annehmen würden, wäre viel getan.
07.01.2013
Sophal hat geschrieben:
An sich ja ne gute Einstellung aber da machen die anderen leider nicht mit :)
07.01.2013
LSternus hat geschrieben:
Er hat schon recht damit, Dinge aktiv und konsequent umzusetzen.
Was seine Forderungen angeht, denke ich will er zu sehr mit dem Kopf durch die Wand.
Unser Wirtschaftsysthem hat sich zu sehr auf Globaliesierung eingestellt , dass man nicht alles Abschsltn kann.
07.01.2013
PolarBear hat geschrieben:
ich finde den Bericht auch sehr schön und ich bin sehr neugierig auf das Buch geworden :) natürlich ist es sehr schwer, die Ideen komplett umzusetzten, aber wenn man es gar nicht erst versucht, kann es natürlich auch nicht funktionieren ;)
Liebste Grüße :)
07.01.2013
Viveka hat geschrieben:
Interressanter Bericht! Ich find die Grundidee von ihm gut, ich weiß nur nicht, ob sich alle Ideen wirklich realisieren lassen. Es ist meiner Meinung nach für den Menschen sehr schwer sich sozusagen "zurück zu entwickeln". Man müsste die Ideen vielleicht etwas "sanfter" formulieren, so dass die Chancen, diese umzusetzen, realer sind...
07.01.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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