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Textilien und Umwelt - Wie arbeitet der WWF?


von NinaFlo
16.09.2010
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Vielen Produkten sieht man ihren ökologischen Fußabdruck nicht an – so auch bei Textilien. Besonders die Herstellung von Baumwolle hinterlässt ihre Spuren. Darum konzentriert sich der WWF beim Thema Textilien darauf, den Baumwollanbau zu beeinflussen und zu verbessern.

Baumwollfasern werden aus den Kapselhaaren der Baumwollpflanze hergestellt. Diese Pflanze braucht mindestens 180 frostfreie Tage – das ist der Grund, warum diese Pflanze in den Subtropen und Tropen angebaut wird. Zudem ist die Baumwollpflanze empfindlich gegen Pflanzenschädlinge und Krankheiten aller Art.

© Mauri Rautkari / WWF-CanonHoher Einsatz von Pestiziden beim Baumwoll-Anbau © Mauri Rautkari / WWF-Canon

Daher werden beim Baumwollanbau reichlich Pestizide benutzt. Obwohl der Baumwollanbau nur 2,4% der weltweiten Ackerflächen ausmacht, werden 11% der weltweit eingesetzten Pestizide im Baumwollanbau angewandt. Die Folgen für Mensch und Umwelt sind schwerwiegend. Der Einsatz von Pestiziden schadet der Gesundheit vieler Menschen, die mit dem Baumwollanbau zu tun haben oder sich in der Nähe der Felder aufhalten. Hinzu kommen die Umweltwirkungen auf Boden- und Wasserorganismen in der Nähe der Baumwollfelder. Durch die Einträge von hormonellen und systemischen Wirkstoffen aus Pestiziden werden die Gewässer belastet. Dies hat Folgen sowohl für die Pflanzen- und Tierwelt als auch für die private Haushaltnutzung der lokalen Bevölkerung.

Hinzu kommt ein gewaltiger Wasser-Fußabdruck: Für jedes Kilo Baumwolle werden 7.000 bis 25.000 Liter Wasser genutzt. Diese Summe ergibt sich daraus, dass in den trockenen Regionen dieser Erde Baumwollfelder im großen Maßstab bewässert werden. Dabei entstehen gewaltige Umweltschäden – der schrumpfende Aral-See in Usbekistan ist ein sichtbares Beispiel hierfür. Das Wasser der Flüsse, die früher den See gespeist haben, wurde und wird für die Bewässerung von Baumwollfeldern verwendet.

© Jamie Pittock / WWF-Canon Die optimale Lösung, um gegen diese Umweltprobleme anzukämpfen, ist der ökologische Anbau von Baumwolle. Hier wird auf Pestizide und Herbizide sowie künstlichen Dünger vollständig verzichtet. Allerdings ist der Bio-Anbau von Baumwolle gegenüber dem konventionellen Anbau sehr aufwendig: Baumwollkapseln müssen von Hand gepflückt und Schädlingen mit biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln zu Leibe gerückt werden. So stellen Farmer beispielsweise Fallen mit Duftlockstoffen für Schadinsekten auf. Baumwolle und andere Nutzpflanzen wachsen auf einer Fläche im Wechsel – dies hilft der empfindlichen Baumwollpflanze ebenfalls gegen Schadinsekten und andere Pflanzenkrankheiten zu bestehen.
Unbedenkliche Schädlingsbekämpfung: natürliche Pheromonfalle © Jamie Pittock / WWF-Canon

Dieser Aufwand des Bio-Anbaus schützt die Umwelt und sorgt dafür, dass die Menschen und Natur vor Ort nicht mehr der Pestizidbelastung ausgesetzt sind. Auf der anderen Seite wird diese Baumwolle dadurch teurer, weil die Erträge teilweise geringer sind und der Bio-Anbau bisher nicht in großem Stil stattfindet. Wer aber die gravierenden Auswirkungen des konventionellen Anbaus kennt, sollte nicht zögern, wenn ein T-Shirt aus Ökobaumwolle einige Euro mehr kostet.

© Jamie Pittock / WWF-CanonTrotz der Vorteile des Bio-Anbaus handelt es sich bisher um einen Nischenmarkt – der Anbau von öko-zertifizierter Biobaumwolle beträgt derzeit nur 0,2 % der gesamten weltweiten Baumwollproduktion. Der WWF ist daher der Meinung, dass wir unsere Augen nicht vor den Folgen der konventionellen Baumwollproduktion verschließen sollten und abwarten, wie langsam der Anteil von Bio-Baumwolle im Markt wächst. Daher setzt sich der WWF auch intensiv mit dem konventionellen Baumwollanbau auseinander.

Frau bei der Baumwoll-Ernte in Indien © Jamie Pittock / WWF-Canon


Aufgabe ist es hier, relativ schnell die Verwendung von Pestiziden zu reduzieren, die Menschen und natürliche Umwelt, die zugleich deren Wasserversorgung wie auch andere Naturerzeugnisse liefert, vor Ort besser zu schützen sowie zugleich den Bewässerungsbedarf zu senken beziehungsweise die Technologien auf effiziente Systeme umzustellen. Hierbei helfen Schulungen der Farmer, Schutzmaßnahmen für Arbeiter auf den Baumwollfeldern und eine bessere Steuerung der Bewässerung. Bei Projekten in Indien und Pakistan, die der WWF initiiert hat, wird genau dies getan. So konnten durch Schulungen der Farmer in Pakistan in einem Modellprojekt der Pestizideinsatz auf einen Schlag um 50% reduziert werden. In einigen Baumwollbetrieben Indiens wird der völlige Verzicht auf Pestizide getestet. Diese Projekte werden anschließend auf weitere Baumwollanbaugebiete ausgedehnt.

Um die Umweltfolgen der konventionell angebauten Baumwolle in globalem Maßstab deutlich zu senken, hat der WWF im Jahr 2005 die Better Cotton Initiative (BCI) mit initiiert. In dieser Initiative sind Vertreter diverser Interessengruppen entlang der Baumwoll-Wertschöpfungskette vertreten: vom Bauern bis zu global tätigen Textilunternehmen sowie Nichtregierungsorganisationen. 

© Edward Parker / WWF-CanonZiele dieser Initiative ist es unter anderem, schädigende Einflüsse durch Pflanzenschutzmittel zu verringern, Wasser wirksamer und sparender einzusetzen und ein gerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen. Die daraus entstandenen Kriterien sollen sicherstellen, dass nachhaltig produzierte Baumwolle nicht nur wasser-, boden- und umweltschonend ist, sondern auch sozial gerecht und wirtschaftlich sinnvoll hergestellt wird.

Die BCI koordiniert verschiedene Aktivitäten um Farmer auszubilden und Unterstützung bei der praktischen Umsetzung zu gewähren. Dazu gehört die Hilfe bei der Gründung von Produktionsgemeinschaften für Kleinbauern wie auch der Zugang zu fairen Finanzierungsinstrumenten. Die Mittel für diese Projekte werden von den Mitgliedern der BCI und externen Geldgebern zur Verfügung gestellt. Des Weiteren ist ein Prüfsystem eingerichtet worden, um eine Baumwollproduktion entsprechend den BCI -Kriterien sicherzustellen.

Baumwollernte in Mexiko: © Edward Parker / WWF-Canon

Vorteil der Better Cotton Initiative ist es, dass durch diese Initiative das Thema effiziente Wassernutzung aufgegriffen wird, welches bisher durch die Kriterien des Bio – Anbaus noch nicht ausreichend abgedeckt ist.

So hoffen wir vom WWF, in der nächsten Zeit die negativen Einflüsse des Baumwollanbaus deutlich reduzieren zu können – durch Unterstützung der Angebotserweiterung von Öko-Baumwolle und durch weltweite Verbesserungen in der konventionellen Produktion. In welcher Weise dies gelingt, hängt auch vom Verhalten jeden Einzelnen ab – inwieweit das Textil aus Öko-Baumwolle gekauft wird, auch wenn es ein paar Euro mehr kostet.

Bericht von Bernhard Bauske, Leiter Business & Industries beim WWF

Titelfoto: © Edward Parker / WWF-Canon

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
21.09.2010
Carina hat geschrieben:
Mich würde noch interessieren woran man erkennt, dass ein Kleidungsstück aus Öko-Baumwolle besteht. Gibt es da ein BCI-Siegel, ähnlich dem MSC-Siegel bei Fisch? Habe bisher nämlich noch nie sowas gesehen...
19.09.2010
Nivis hat geschrieben:
Toll geschrieben. Sehr informativ!
Danke :)
16.09.2010
Morgan hat geschrieben:
toller Bericht!
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