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Ressourcenkriege


von Hanna_Amy
21.02.2015
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Vielleicht habt ihr schon einmal von Blutdiamanten, dem Tantal in Handys, Konfliktholz oder ähnlichem gehört? Diese und viele andere Ressourcen kommen zu einem großen Teil aus Afrika. Dort werden erbittert Kriege und Konflikte um die Ressourcen geführt.

Wer führt Krieg?
In jedem Land und um jede Ressource kämpfen andere Gruppen, Länder und Nationen. Es ist oft sehr schwer zu sagen, wer tatsächlich in die Kriege verwickelt ist und wie weitreichend sie wirklich sind.
Nehmen wir als Beispiel den wahrscheinlich am ehesten bekannten Ressourcenkrieg in der Demokratischen Republik Kongo. Die DR Kongo ist sehr reich an verschiedensten Ressourcen, besonders auch an dem, in elektronischen Geräten enthaltenen, Tantal.
Schätzungsweise 25 verschiedene bewaffnete Gruppen, darunter ugandische, ruandische und burgundische Rebellengruppen sowie nationale Armee-Einheiten zwingen die Bevölkerung zum Abbau der Mineralien. Dies alles geschieht unter grauenhaften Bedingungen: Die Arbeiter müssen die Mineralien abbauen und bis zu 50kg schwere Säcke oft 3Tage lang durch den Dschungel tragen und bekommen dafür einen Hungerlohn. Auch Kinder müssen in den Minen arbeiten, Frauen werden oft vergewaltigt und die Infrastruktur ist großteils zerstört oder nie aufgebaut worden.

Wer verdient daran?
Meist verdient die jeweilige Gruppe, die die Vorherrschaft über das Gebiet hat. Die Gruppen verkaufen die Mineralien zu Schleuderpreisen an die großen, meist westlichen Elektronikkonzerne. Diese verdienen also auch an den Kriegen mit, da die Mineralien billiger sind als jene aus Nicht-Konfliktgebieten. Oftmals profitieren die sogenannten Warlords (Kriegsherren) von den Minen, indem sie illegale „Steuern“ auf die Transporte einheben. Einige Gruppen kooperieren auch bestens mit den Nachbarstaaten Uganda und Ruanda. Die Gewinne werden großteils in Waffen investiert, also profitiert auch die Waffenindustrie von den Konflikten und Kriegen!

Warum unternimmt keiner etwas gegen die Ressourcenkriege?
Im Kongo sind seit 1999 ca. 20.000 Blauhelme, also die größte Friedensmission der Vereinten Nationen anwesend, doch die Gewalt konnte kaum eingedämmt werden. Zahlreiche Probleme stellen auch die fehlende Infrastruktur, die fehlende Bildung, die zerstörte Wirtschaft und die Korruption dar. Die Lage gleicht einem Teufelskreis: Krieg - Bevölkerung wird „versklavt“ → braucht das Geld zum Überleben, wird unterdrückt, ist wehrlos – Ressourcen werden verkauft an westliche Konzerne → wir kaufen Handys, PCs, Edelsteine, Holz... → fördern also indirekt die Kriege – Industrie profitiert von günstigen Preisen und höherer Nachfrage nach Waffen – außerdem sind wir von den Ressourcen abhängig, da wir sie selbst nicht haben, aber benötigen! - jede(r) Staat/Nation (USA, China, Europa...) möchte die Ressourcen für sich – also sie Hand an der Quelle haben, dies ist wesentlich leichter, wenn Krieg herrscht → also fördern die Nationen die Kriege indirekt um sich die Ressourcen zu sichern!

Verbesserungsversuche: Es gibt bereits einige Versuche und Projekte um auf Konfliktmineralien zu verzichten, diese besser zu kennzeichnen und die Herkunft von Mineralien nachzuweisen. Ein niederländisches Unternehmen namens „FAIRPHONE“ hat ein Handy auf den Markt gebracht, welches, soweit möglich, aus konfliktfreien Mineralien hergestellt wird. Auch gibt es Siegel und Zertifikate, die an Lieferungen aus „sauberen“ Minen angeheftet werden. Leider sind diese oft nicht vertrauenswürdig und die UN-Expertengruppe warnt davor, dass möglicherweise durch einen betrügerischen Zertifikatehandel die Rebellengruppen zusätzliche Gewinne machen könnten.
In Deutschland haben Wissenschaftler eine Technik entwickelt, den „Coltan-Fingerprint“, mit der die Herkunft von Tantal eindeutig nachweisbar ist, die Technik wäre prinzipiell einsatzbereit, wird jedoch nicht angewandt.


UMWELT:
Nicht nur die Menschen leiden unter den Kriegen, auch die Umwelt muss einen hohen Preis zahlen! Beim Abbau von Gold und anderem wurden und werden große Flächen Regenwald abgeholzt und Flüsse verschmutzt, so werden ganze Biotope vernichtet, Tiere verlieren ihren Lebensraum und das Ökosystem wird gestört. Auch werden Wälder gerodet, um das Holz zu verkaufen oder gegen Waffen zu tauschen.

Was können wir dagegen tun?
Wir können uns informieren, unser Wissen weitergeben und unser Handeln überdenken. Wir können unser Konsumverhalten verändern, also nicht nur an uns denken, auf Dinge verzichten und evtl. bereit sein etwas mehr Geld zu zahlen. Auch können wir auf die zwar nur bedingt vorhandenen Alternativen zurückgreifen. Man muss ja nicht immer sofort das neueste Handy haben, sobald es am Markt ist und man sollte so damit umgehen das Handy/PC/Kamera etc. auch lange halten und wir nicht gleich wieder neue benötigen. Auch beim Kauf von Möbeln gibt es Kennzeichnungen wie „FSC“, welche ein konfliktfreies Produkt markieren.

Eine Bitte:
Sagt mir ob ihr schon von Ressourcenkriegen gehört habt? Wenn ja, in welchem Zusammenhang und wo? Im Internet, in einer Zeitung, im Fernsehen? Und wenn nein, überrascht euch diese Thematik?

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Kommentare (8)
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05.03.2015
SammySahne hat geschrieben:
In der Schule in unserem EWG (Erdkunde+Wirtschaftskund+Gemeinschaftskunde) Unterricht haben wir den Konflikt in Kongo mit illegal gehandeltem Holz vom Regenwald behandelt. Dort sind wir allerdings eher auf den umweltschädlichen Aspekt eingegangen als auf die Kriege und den menschenunwürdigen Bedingungen. Aber dein Artikel hat so viele Infos, dass ich das gleich nachholen konnte :)
Dass da richtige Kriege ausbrechen, finde ich schockierend, vor allem, dass die Konzerne das versucht haben zu vertuschen (wie schon so oft). Ich glaube, dass die Problematik vielen unbekannt und/oder gar nicht bewusst ist. Wenn das anders wäre, ich glaube, viel mehr Menschen wären bereit, mehr für ihre Elektronik auszugeben und mehr Transparenz zu fordern. Ich finde es richtig schrecklich, wie unbekannt dieses Thema ist.
22.02.2015
KikiFi hat geschrieben:
Hi Hanna_Amy, ja ich habe auch schon von den Ressourcenkriegen gehört bzw. gelesen. Besonders viel von dem Konflikt im Kongo, da ich ein Referat über die Zerstörung des Regenwalds gehalten habe. Ich bin auf Quellen gestoßen, die von über fünf Millionen Toten sprechen. Das ist so entsetzlich. Leider wurde mir auch klar, dass die Situation extrem verfahren und kompliziert ist wie Ju_dith und Luke24 schon angedeutet haben. Ich fürchte, es gibt keine kurzfristige Lösung, diese Konflikte werden sich -wenn überhaupt und unser Hunger nach den seltenen Metallen nicht zu groß ist- erst beruhigen wenn der Rest der Welt endlich zulässt, dass Afrika ernsthaft am Welthandel teilnimmt.
22.02.2015
Ju_dith hat geschrieben:
Ja ich habe schon viel über die Ressourcenkriege erfahren, u.a. weil ich selbst ein Fairphone besitze und mich im Vorfeld viel damit beschäftigt habe.
Das größte Problem ist, wie so häufig, die Ignoranz und Profitgier der Unternehmen. Leider lässt sich daran, meiner Meinung nach, nur etwas durch die jeweiligen Regierungen oder internationale Institutionen ändern. Diese sind aber zu sehr auf die Steuerabgaben und das Wirtschaftswachstum angewiesen, sodass ein Eingreifen nur negative wirtschaftliche und politischen Folgen haben würde. Für eine Lösung müsste man also auf jeden Fall vor Ort in den Krisengebieten helfen ein stabiles System aufzubauen, aber man müsste auch , wie du auch geschrieben hast, in den Industrieländern etwas am System und an der Einstellung ändern!
21.02.2015
Squirrel hat geschrieben:
Danke für den informativen Bericht.
Ja ich habe schon von den Ressourcenkriegen gelesen und bin mir der Problematik bewusst. Leider habe ich das Gefühl damit des öfteren recht alleine zu .
Ein Lösungsansatz ist alle alten Handys wieder in extra Sammelstellen abzugeben damit sie recycelt werden können und keine neuen Metalle geschürft werden müssen.
21.02.2015
Felix_der_Blaue hat geschrieben:
Dein Bericht ist wirklich sehr faktenreich und gleichzeitig interessant geschrieben, super! :-)
Auch ich habe schon von Ressourcenkriegen gehört; in den Nachrichten zwar nur als Randbemerkung, aber das Buch "Klimakriege - wofür im 21. Jahrhundert getötet wird" von Harald Welzer (dt. Soziologe, also nicht direkt sein Gebiet, aber dennoch Spezialist dafür) beschäftigt sich mit Ressourcenkriegen und eben sogenannten Klimakriegen, also solchen, die durch den Klimawandel erzeugt oder geschürt werden. Betrachtet wird das alles noch vom soziologischen Gesichtspunkt, also wie Mensch und Gesellschaft sich verändern, darauf einstellen bzw. eben zu Mördern werden.
Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, der sich für das Thema interessiert! :-)
21.02.2015
Luke24 hat geschrieben:
Ein sehr interessanter Bericht.
Der Kampf verschiedener Gruppen um Rohstoffe ist sicherlich die eine Seite der Medaille. Andererseits sind auch politische bzw. ethnische Gründe für die Konflikte zu benennen. Als die Europäer ihre afrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit entließen, wurden die Grenzen der danach entstandenen Staaten quasi mit dem Lineal gezogen und die Menschen ihrem Schicksal überlassen. Afrika hat u.a. durch die jahrelange europäischen Kolonialreiche einfach eine Entwicklungsstufe nicht nehmen können. Es gab keine Zeit, in der sich Nationalstaaten von "innen heraus" bilden konnten, wie in Europa (z.B. Gründung Italiens und des Deutschen Reiches im 19. Jh.). Ebenso wurde der Kontinent, wie im Bericht schon angedeutet, wirtschaftlich durch die Europäer absichtlich auf einem niedrigen Level belassen. So konnte auch keine wirtschaftliche Entwicklung in Gang kommen.
Schwieriges Thema. Mir fällt kaum eine Lösung ein, wie man den Kontinent da so schnell wieder rausholen könnte ....
21.02.2015
Julia99 hat geschrieben:
Zuerst mal danke für den ausführlichen Artikel :)
Ich hab auch schon von Ressourcenkriegen gehört. Zu den sogenannten Blutdiamanten gibt es auch einen meiner Meinung nach echt guten Film. Er heißt "Blood Diamond" und ist zwar kein Dokumantarfilm, zeigt aber trotzdem sehr gut die schlechten Umstände beim Handel von Diamanten in Afrika.
21.02.2015
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Guten Morgen:)
Danke das du uns auf diese schreklichen Kriege (ich weiß, jeder Krieg ist schrecklich) mit einem guten, ausfühlichen Artikel aufmerksam gemacht hast.
Also ich habe schon über diese Ressurcenkriege etwas gewusst, wir haben in Politik darüber gesprochen, jedoch nicht so ausführlich.
In den nächsten Jahren werden solche Kriege wahrscheinlich zunehmen, da die globale Wasserversorgung, welche ohnehin nicht überall ausreicht, noch weiter durch das wandelnde Klima sinken. Wasser war nur ein Beispil, Erdöl wird auch ein Problem bringen, wenn wir nicht auf Energieträger zurückgreifen, welche erneuerbar sind.
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