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Raising Resistance - Die Konsquenzen der Sojaproduktion


von Sarah25
17.09.2012
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"Stell dir vor du stehst auf einem kleinen Stück Land, schaust nach Norden und siehst Sojafelder. Auch 300 Meter westlich stößt du auf Sojafelder, dort wird gerade Herbizide versprüht. Auch nach Süden hin bietet sich dir ein kilometerweiter Anblick auf Sojafeldern. Östlich sieht die Aussicht auch nicht besser aus. Auf dem Land, auf dem du stehst, sind die Pflanzen vertrocknet. Die angebauten Erdnüsse und Kartoffeln sind verdorben. Früher war die Landwirtschaft deine Lebensgrundlage. Jetzt musst du um deine Existenz kämpfen."

Genauso geht es Geronimo. Dem Kleinbauern gehört ein kleines Stück Land in seiner Heimat Paraguay. Für ihn ist die Erde die Quelle des Lebens und „die Fabrik der Armen". Die Erde gibt seiner Familie und ihm alles, was sie zum Leben brauchen. Die „Campesinos“ sind Selbstversorger, doch ihre Existenz ist bedroht durch die Sojaproduktion.

                                                                          Geronimo

Paraguay ist heute weltweit der viertgrößte Exporteur gentechnisch veränderter Sojabohnen. Soja wird gentechnisch verändert, damit sie resistent gegen das Herbizid Glyphosat ist. Glyphosat wirkt unselektiv gegen alle Pflanzenarten. Die gentechnisch veränderte Soja ist somit einfach vor Unkraut zu schützen. Doch das Herbizid zerstört nicht nur das Unkraut auf den Sojafeldern, sondern auch die angebauten Pflanzen auf den angrenzenden Grundstücken der Campesinos. Ihre Ernte wird zerstört. Zusätzlich verursacht der Einsatz von Herbiziden nicht abschätzbare gesundheitliche Risiken.

 „Manchmal sehe ich den Wald in meinen Träumen vor mir.“, sagt Juana, die Frau von Geronimo. Die gesamte Umgebung ihres Dorfes wurde durch den explosiven Sojaanbau in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf Santa Rosa liegt heute wie eine Insel in einem Meer von Soja. Doch die Kleinbauern des Dorfes wollen sich nicht geschlagen geben und für ihre Unabhängigkeit und Würde kämpfen.

                                                                        Juana

Raising Resistance beschreibt wie sich ein kleines Dorf gegen die Sojaproduktion auflehnt. Zunächst äußern die „Campesinos“ ihre Existenzängste in Gesprächen, später sehen sie sich zur Landbesetzung gezwungen. Aus den „Campesinos“ werden Aktivisten. Sie schlagen ihr Lager inmitten eines Sojafeldes auf, um den Besitzer an der Aussaat zu hindern. „Hier herrscht praktisch Krieg.“, sagt der Anführer der Campesinos.

             Kampf der Campesinos für ihre Rechte und Würde

Doch der Film lässt nicht nur Campesinos zu Wort kommen, sondern auch Sojaproduzenten. Valirio Eichelberger, ein mittelständischer Sojaproduzent brasilianischer Herkunft, ist vom Sojaanbau abhängig. „Wir wollen doch auch nur Geld verdienen, um uns ein schönes Haus kaufen zu können“, erklärt seine Frau. „Das ist das Gesetz der Macht. Wer expandieren will, den kann nichts aufhalten.“, erklärt Clemente Busanello, ein anderer Sojaproduzent. Seine Felder umfassen 5000 Hektar.

                                                                    Sojabohnen

„Das Soja-Modell ist Mord am Volk“, steht auf dem Schild einer Demonstrantin in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Aus allen Landesteilen sind Campesinos angereist und demonstrieren friedlich vor dem Regierungssitz des Präsidenten für ihre Rechte. Doch die Demonstration wird blutig niedergeschlagen. Der damilige Präsident Paraguays Fernando Lugo zeigte Verständnis für die aussichtslose Lage der Campesinos aber seine Versuche, die Situation zu ändern scheiterten an dem wirtschalftlichen Druck der auf der Regierung lastet. „Wir zahlen einen hohen gesellschaftlichen Preis – und dennoch müssen wir anerkennen, dass die steigende Produktion und der Export von Soja eine sehr wichtige Einnahmequelle für das Land darstellen.“

Raising Resistance veranschaulicht gut die Lebenssituation der Campesinos und den Konflikt der Sojaproduktion. Dabei werden alle Beteiligten zu Wort gelassen. Paraguay steht hierbei stellvertretend für viele Orte Südamerikas und weltweit. Orte, wo genetisch manipulierte Sojabohnen angebaut werden, um den hohen Lebensstandard in Europa und Nordamerika zu halten und die steigende Nachfrage nach billigem Fleisch zu decken. Der Film lädt die Menschen zur Reflexion ein, auch über das eigene Konsumverhalten.

                                                                  Sojasprösslinge

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Der Film beschreibt nicht nur die Folgen des Sojanbaus, sondern auch den entschlossenen Kämpfergeist der Bauern. Das hat mir sehr gut gefallen. Geronimo steht auf seinem Stück Land, schaut auf die Sojafelder und hat trotzdem ein Lächeln auf dem Gesicht. Er ist Optimist und glaubt daran, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Dieses Lächeln Geronimos werde ich so schnell nicht vergessen.

Hier der Trailer von Raising Resistance, leider wurde bzw. wird der Film in vielen Kinos nicht gezeigt, im November soll er jedoch auf DVD erscheinen.


Fakten über Soja:

- In den letzten zehn Jahren hat sich die Anbaufläche für die Gen-Sojaproduktion in  Südamerika schätzungsweise von 18 auf 43 Millionen Hektar vergrößert und ist damit heute so groß wie die Fläche der Europäischen Union.
- In Lateinamerika und den USA werden heute über 90%, weltweit mehr als 70% genmanipulierte Sojabohnen angebaut.
- 80% der weltweiten Sojaernte werden als Tierfutter verwendet.

Man kann die Schuld für die Probleme des Sojaanbaus nicht nur bei den Sojaproduzenten suchen, wir müssen auf uns selbst schauen. Ist es nicht verständlich, dass auch ein Mensch in Paraguay ein schönes Haus haben möchte und deswegen Soja anbaut? Unser hoher Lebensstandard geht auf Kosten vieler anderer Menschen.Wir sollten uns fragen, ob es nötig ist, so viel (billiges) Fleisch zu essen. Und wir sollten unsere Mitmenschen über die Konsequenzen des billigen Fleischkonsums informieren.
 

Copyright aller Bilder: Produktion von Raising Resistance

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Kommentare (9)
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26.10.2012
Traeumerli hat geschrieben:
Wow, ein echt guter Bericht! Den Film will ich mir unbedingt ansehen, da das Thema sehr wichtig ist. Auch wenn Paraguay so weit weg erscheint, sind wir doch ALLE indirkt dafür verantwortlich durch unserem Wunsch nach billigen Fleisch.

Schon im Trailer wird die schwere Situation im Konflikt, der Welternährung durch die Landwirtschaft und die dadurch verursachten Schäden deutlich. Es ist wichtig, dass beide Seiten zu Wort kommen. So hat der Politiker recht, dass Soja wichtig für Paraguays Wirtschaft ist.

Kann man die Welternährung, Wirtschaft und eine nachhaltige Landwirtschaft vereinen? Und wenn ja wie?
29.09.2012
Angelina hat geschrieben:
Super Bericht! :-)
Ich denke, wir sollten vielleicht alle unseren hohen Lebensstandard ein wenig runterschrauben und auch an unsere Mitmenschen zu denken. Ich denke nicht, dass es Geronimo darum geht eine Villa am Strand zu besitzen, oder ? Ich denke es geht ihm vielleicht viel mehr darum, einfach seiner Familie ein halbwegs anständiges Leben zu bieten. Außerdem finde ich es echt schade, dass der Film nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit bekommt.
29.09.2012
neongruenerengel hat geschrieben:
Jetzt erst als ich den Bericht zum dritten mal durchgelesen habe ist mir aufgefallen das ich den Film vor gut drei monaten geguckt habe. Das ist echt komisch warum ist mir das nicht früher aufgefallen ???
29.09.2012
Carinaa hat geschrieben:
Dieser Bericht bringt mich echt zum nachdenken. Ich esse hauptsächlich nur Bio-Fleisch, trotzdem denke ich jetzt darüber nach, ganz auf Fleisch zu verzichten, da man ja viel anderes essen kann.
Ein wirklich toller Bericht.
19.09.2012
Sarah25 hat geschrieben:
@tierherzchen: Ich selber bin auch Vegtarierin und habe eigentlich fast noch nie Soja gegessen, weil Gemüse einfach viel besser schmeckt. Allerdings ist der Anteil der Sojaernte, der wirklich als Soja verkauft wird sehr gering im Vergleich zu dem was als Tierfutter verwendet wird. Trotzdem finde ich deinen Einwand zum Essen von Soja gut ;)
18.09.2012
sarahsolaika hat geschrieben:
sehr interessanter bericht und auch der film scheint mir ziemlich interessant!
ich finde es einfach nur traurig, wie es um kleinbauern in entwicklungsländern steht.. die menschen sind so erfolgs- & geldbesessen, dass sie auf gesundheit der menschen u existenzsicherung für alle keinen wert mehr legen. & auch andere menschliche u demnach auch viel wichtigere aspekte werden außer acht gelassen. ich weiß, dass ihr hier alle so denkt wie ich, aber ich muss sowas trotzdem immer wieder loslassen! informiert doch auch alle eure freunde u familie darüber, denn mir zb geht es so, dass nicht viele über solche dinge bescheid wissen!
noch eine vereinigung, die ich euch einfach mal zeigen wollte: http://www.regenwald.org/
starten regelmäßig unterschriftenaktionen, bei denen ich immer seher überzeugt unterschreibe! zb eine zum thema soja: https://www.regenwald.org/aktion/889?ref=nl&mt=1437
18.09.2012
regentag hat geschrieben:
Toller Bericht!
Und du hast völlig Recht, das einzige, was wir wirklich tun können, ist, unser Konsumverhalten zu verändern. Man kann es gar nicht genug Menschen sagen, ESST WENIGER FLEISCH!!
Den Film kenne ich noch nicht, aber jetzt werde ich ihn mir wohl mal anschauen ;) Danke!
18.09.2012
vicktoria hat geschrieben:
ich mag deinen bericht sehr! ich verstehe beide seiten doch gibt es nur eine seite die es mehr verdient gehört und unterstütz zu werden. nochmals danke Sarah 25
17.09.2012
LSternus hat geschrieben:
Es ist einfach furchtbar wie egal die Kleinbaueren den Großunternehmen sind. Solage sich da nichts ändert wird der "Krieg" weiter gehen.
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