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Local Cloth - Kleidung von nebenan


von Franzi
21.04.2010
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Kleidung aus Nesseln, Hanf oder Leinen....? Wem kommt da nicht da Bild einer verschrobenen „Ökotante“ in den Sinn? Aber so muss es ja vielleicht gar nicht sein...

 

Früher bestand die Kleidung der Menschen in Deutschland hauptsächlich aus Hanf. Äußerlich ist dieser Stoff kaum von Baumwolle zu unterscheiden, nur dass er nicht so schnell kratzt und im Sommer länger kühl hält. Was seine Ökobilanz betrifft, ist er der Baumwolle aber weit überlegen: diese verbraucht, bis man sie ernten kann, pro Kilo zwischen 7.000 und 20.000 Litern Wasser, je nachdem wo man sie anpflanzt. Des Weiteren braucht Baumwolle sehr lange bis sie ernte reif ist, die Bauern haben dann oft keine Zeit mehr, ihre Äcker zwischendurch mit etwas anderem zu bepflanzen. Die Folge: der Boden kann sich nicht erholen, er wird immer nährstoffärmer und muss stärker gedüngt werden. Auch werden durch diese Monokulturen Schädlinge angelockt, welche dann mit Pestiziden bekämpft werden, die teilweise ins Grundwasser sickern. Bio-Baumwolle ist da schon etwas besser, die ist immerhin Pestizid frei.  Wasser braucht sie natürlich trotzdem noch. 

 

Hanf dagegen braucht so gut wie gar kein Wasser, da die Pflanze sehr lange Wurzeln hat, die bis zum Grundwasser reichen. Innerhalb von drei Monaten schießt Hanf bis zu vier Meter hoch und nimmt Unkraut damit die Sonne. Auch gegen Schädlinge hat diese Pflanze ein Mittel: ihr starker Geruch schreckt diese sofort ab und es müssen keine Pestizide zum Einsatz kommen. Hanf ist außerdem nicht sehr anspruchsvoll was die Bodenqualität angeht – er kann fast überall wachsen und wird sogar teilweise verwendet, um vertrocknete Böden wieder aufzulockern. 

 

Ihr seht, alles in allem ist Hanf eine sehr naturverträgliche Alternative zu Baumwolle. Leider wird mit Hanf oft nur die Droge verbunden. Die anderen, vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, werden außer Acht gelassen.

Ein weiteres Problem von Hanf besteht darin, dass die Stängel der Pflanze im Rohzustand ziemlich groß sind und somit schwer zu transportieren. Am Besten für die Wirtschaft und Natur ist es also, Hanf lokal zu verarbeiten. 

Damit wären wir bei „Local Cloth“ angekommen,  also Kleidung aus der Umgebung. Nach Skandalen wie der bei Lidl, welcher seine Billigkleidung doch nicht so sozial korrekt herstellen lässt wie er immer beteuerte, wollen immer Menschen, dass ihre Kleidung statt aus Dritte Welt Ländern lieber aus der Umgebung kommt. Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass die Kleidung nicht dreimal um die Welt geschifft werden muss, bis sie beim Endverbraucher angekommen ist.

 

Die Marke „Vilde Svaner“ z.B. produziert nicht nur in der Umgebung, sie beziehen ihre Stoffe auch direkt von dort, was noch nicht viele Unternehmen machen. Sie arbeiten unter anderem mit Nesseln, aus denen Jahrhunderte lang Kleidung hergestellt wurde. Auch Leinen lassen sich in Deutschland gut anbauen, besonders im Allgäu, wo man dies Pflanze seit 2005 wieder findet.

Alles in Allem muss aber noch mehr getan werden. Das Image von solcher „Bio Kleidung“ ist immer noch verbesserungswürdig. Hilfreich wäre es z.B., wenn mehr bekannte Designer Kleider aus diesen Naturfasern entwerfen würden, die den Leuten zeigen, dass solche Stoffe durchaus gut aussehen können.  Viele Läden, die „Local Cloth“ anbieten, gibt es noch nicht. Aber wer weiß, wie das in ein paar Jahren aussieht:) 

 

Quellen:

DIE ZEIT Nr. 16

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Kommentare (6)
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23.07.2010
L0leka hat geschrieben:
ich kenn eine Seite (www.hempage.com) die soweit ich weiß fast ausschließlich Hanfklamotten produziert. Ich fand damals die Kleidung zwar etwas zu schlicht, dafür haben die wirklich tolle & praktische Taschen aus Hanf die waaaahnsinnig robust sind und trotzdem echt gut ausschauen. Hab so eine als Schultasche gekauft (wie diese oldschool Ledertaschen nur eben aus Hanf) und bin wirklich begeistert. nur so nebenbei =]
01.05.2010
nera8 hat geschrieben:
Cool ich dachte aus Hanf kann man nur Seile herstellen (die ja schon ziemlich grob sind), aber von Kleidung wusste ich nichts. Also danke für die Infos =) Hoffentlich sind die Klamotten nicht zu teuer. Für gute Produkte lege man ja gerne ein paar Euros mehr auf den Tisch, aber es ist blöd wenn man den Namen "Bio" auch bezahlen muss. Das ist dann nicht anders als bei Markenklamotten nur, dass man ein besseres Gewissen hat =P
22.04.2010
Franzi hat geschrieben:
Ich würde einfach mal im internet gucken, da lässt sich bestimmt was finden:) aber wie gesagt, so viele firmen gibt es auch leider noch nicht...
22.04.2010
Maide hat geschrieben:
Ich wünschte nur, dass Hanfklamotten auch so günstig wären, dass mehr Menschen sie sich leisten könnten...
22.04.2010
franzi94 hat geschrieben:
Wo kann man den rausfinden, wo in der Nähe Kleidung aus Hanf angeboten wird?
21.04.2010
Bienenkoenigin hat geschrieben:
Davon hab ich auch schon gelesen! Hanf bietet wirklich total viele Möglichkeiten, dass zu nutzen... schade dass das nicht mehr Modefirmen nutzen... Toller Bericht ;) die Bienenkönigin
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