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'Gallenbären - gefolterte Seelen' Teil I


von Nivis
28.02.2011
11
0
79 P

 

Dunkelheit
Beklemmung
Wehleidiges Wimmern
S   t   i   l   l   e
Eine Tür – sie geht auf
Schritte
Furcht
S    t   i   l   l   e
Plötzlich ein klägliches Geschrei – wie ein Kind, das weint
llllllllll Gitterstäbe llllllllll
Eine Tür – sie schließt sich
Klagendes Winseln
Sie geht auf – Die Tür
Schritte
Stimmen
Angst
Gesichter – sie gaffen
PANIK
Arme und Hände an meinen llllllllll Gitterstäben llllllllll
VERZWEIFLUNG

 Blinzelnd schreckt Willow aus seinem Alptraum auf, blickt sich verängstigt und verwirrt um. Zögerlich schnüffelt er. Seine Sinneszellen explodieren als milde Sonnenstrahlen seinen Körper treffen, als die Düfte der Wildnis seine Schnauze umspielen. Eindrücke, die er seit einigen Tagen erst kennt und die noch immer aufs Höchste beeindrucken.
Ganz langsam beginnt Willow sich aufzurichten. Aus Gewohnheit schaut er nach oben, um nicht an die Gitterstäbe seines Käfigs zu stoßen, um in diesem Moment festzustellen, dass er von keinem Eisengestell umgeben ist.
Er ist frei.
Freiheit.
Eine Welle des Glücks durchfährt ihn, reißt ihn nach oben und lässt ihn schwankend seine schmerzenden Glieder von sich strecken.
Ja, es schmerzt, aber auf eine gute, lebendige Art.
Und da erblickt er sie: seine neuen Freunde, eine Gruppe von Bären, die sein Schicksal teilen.
Willow atmet tief durch, schüttelt sich, als wolle er die Gedanken an seine dunkle Vergangenheit ein für alle Mal hinter sich lassen und setzt seinen gepeinigten aber erhabenen Körper in Gang – seinem neuen Leben des Glücks entgegen.


Ich vermute, dass euch momentan viele Gedanken durch den Kopf gehen. Ihr seid vielleicht verwirrt und geschockt, seid neugierig und wollt nun endlich wissen, was Willow erlebt hat.
Ich werde es euch sagen:

Willow verbrachte 10 Jahre auf einer Bärenfarm in China. Er wurde dort als ein sogenannter „Gallenbär“ gehalten, das heißt, man nutze ihn, um Gallensaft zu produzieren und zu gewinnen. Eine sehr schmerzhafte Prozedur, auf die ich noch einmal genauer eingehen werde.

 

Das Schicksal von Willow teilen nach offiziellen Schätzungen rund 12.000 Bären in ganz Asien. Bärenfarmen sind vor allem in China und Vietnam zu finden, vereinzelt auch in Korea.
Betroffen hiervon sind vor allem asiatische Schwarz- bzw. Kragenbären, traditionell auch Mondbären genannt, Braunbären und die traditionellen Sonnen- bzw. Malaienbären. Laut der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Mond- und Sonnenbären als „gefährdet“, bei Braunbären ist „die Gefährdung anzunehmen“.


                    Braunbär                                  Malaienbär                       Kragenbär

 

- Die Historie -

Die Begründung für diese schreckliche, schon seit über 3000 Jahren bestehende Praxis liegt in der traditionellen chinesischen Medizin, die dem Bären eine besondere Heilkraft zuspricht. Bärengalle gilt als bittere, kalte Medizin, die die Hitze im Körper vertreibt. Daher wird sie zur Behandlung von Fieber, Leberbeschwerden und entzündeten Augen eingesetzt. Derzeit gibt es weltweit 28 patentierte Medikamente, die diese Gallenflüssigkeit beinhalten.
In den frühen 1980er Jahren begann die Haltung von Bären auf Farmen. Zu dieser Zeit übernahmen chinesische Wissenschaftler ein in Korea erarbeitetes Verfahren zur Gallenextraktion bei lebenden Bären. Die Regierung glaubte, damit die hohe Nachfrage nach Galle zu befriedigen und somit einen Rückgang der Wilderei erzielen zu können.
Doch die Situation geriet außer Kontrolle. 10 Jahre später gab es mehr als 400 Bärenfarmen in ganz China.


              Frisch gezapfte Bärengalle

 

Die traditionelle chinesische Medizin, kurz TCM, ist schon seit einigen Jahren unter Beschuss, da sie nicht nur den Bär, sondern eine Vielzahl weiterer Wildtiere, wie z.B. den Tiger, in ihrem Fortbestand bedroht. Zugleich haben sich zahlreiche Mediziner aus aller Welt gegen den Gebrauch der TCM ausgesprochen – einerseits aus ethischen Gründen, andererseits weil die Wirksamkeit dieser Praxis angezweifelt wird; man spricht von einem Placeboeffekt.
Doch die wohl stärksten Argumente gegen die Anwendung der TCM sind die zahlreichen alternativen Methoden der chinesischen Medizin, wie z.B. die chinesische Kräutermedizin.

Wieso muss also noch immer diese schreckliche Quälerei stattfinden?

 

-> 'Gallenbären - gefolterte Seelen' Teil II

 

 

Quellen:
http://www.geo.de/GEO/natur/tierwelt/3599.html?p=2
http://www.animalsasia.org/index.php?UID=FZSHWQUK9FC0
http://www.bild.de/BILD/news/2011/02/22/tierquaeler-an-die-boerse/china-aktien-fuer-aufgeschnittene-baeren.html
http://wwf-arten.wwf.de/detail.php?id=233
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4rengalle
http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Liste_gef%C3%A4hrdeter_Arten
http://www.moonbears.org/index.html
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Kommentare (11)
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30.06.2011
LSternus hat geschrieben:
Mir fällt zum Thema TCM ein Zitat von Hannes Jaenike ein: ,,Da könnte man genauso gut einen Hasen essen, um schneller laufen zu können."
(aus:" Hannes Jaenike im Einsatz für Haie")
07.05.2011
xXStraightEdgeXx hat geschrieben:
@Waldelb3: Weil in China leider alles mögliche erlaubt ist und außerdem glaubt die Bevölkerung daran. Wenns keiner kaufen würde, würds auch keiner produzieren. Und in einem Land, wo Menschenrechte nichts zählen, zählen Tiere leider noch weniger. Ich hab jetzt schon so häufig Berichte über Traditionelle Chinesische Medizin gelesen und könnte jedes Mal wieder heulen...
22.03.2011
Salissa hat geschrieben:
Es ist schrecklich, dass Menschen anderen Lebewesen solche Scherzen zufügen, nur weil sie daraus einen Vorteil ziehen. Dabei ziehen sie ja nichtmal einen Vorteil daraus, obwohl.. doch.. es geht um Geld. Mit diesem Geld haben die Menschen die Macht, alles an sich zu reißen und alles zu zerstören, nur um mehr Geld zu bekommen. Dabei hat die Natur eine viel größere Gewalt als das menschliche Geld. Dies sollte seit den Ereignissen in Japan nun noch deutlicher sein. Irgendwann wird sich die Natur rächen. Da gehe ich ganz stark von aus!
20.03.2011
Nivis hat geschrieben:
@Waldelb3: naja, wir ich das schon gesagt hab. Gemäß der traditionellen cheinesischen Medizin wird dem Mären eine große Heilkraft zugesprochen.Und diese Medizinrichtung hat immernoch sehr viele Anhänger in China, von daher wird von einem großen Teil der Gesellschaft die Wirkung nicht in Frage gestellt. Umso wichtiger ist es hier, Aufklärung zu leisten, damit sich das Bewusstsein der Bevölkerung ändert1
20.03.2011
Waldelb3 hat geschrieben:
Oh, wei... Warum ist das überhaupt erlaubt, wenn es doch sowieso nur Placebo-Effekt ist?!
(Es sollte auch nicht erlaubt sein, wenn es das nicht wäre, also bitte nicht falsch verstehen)
20.03.2011
StrawberryIceCream hat geschrieben:
Das wusste ich nicht und ist aus meiner Sicht ziemlich heftig. So armen Lebewesen sowas anzutun die Jahre lang leiden müssen ist einfach unmenschlich.
20.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist einfach unmenschlich, wie kann man so hilflosen Wesen so etwas antun?!
Und einen Ersatz für diese Medikamente gibt es schließlich auch. Das ist einfach krank.
Und ich denk diesen Menschen ist überhaupt nicht bewusst, dass sie nur für ihre eigene Gesundheit, andere Wesen quälen?!
19.03.2011
KimBeere hat geschrieben:
krass. das wusste ich garnicht.
Es schockiert mich echt immer wieder was für Monster manche Menschen doch sind.

einfach nur traurig, aber zum Glück gibt es auch noch die die dagegen sind.
18.03.2011
anni95 hat geschrieben:
Wow, das ist echt krass. Dass es sowas gibt- furchtbar!

Gut geschrieben, dein Bericht, bringt das Thema echt nah.
18.03.2011
Salamander hat geschrieben:
Oh je das ist so furchtbar dass man nicht darüber nachdenken will! Genauso wie man in China "aus Tradition" Haifischflossensuppe zur Hochzeit und als Mann ein Siegel aus Elfenbein "braucht", wenn ich das richtig in Erinnerung hab! So schrecklich! Aber man muss sowas im Gegenteil öffentlich machen! Danke für den Bericht, besonders das Gedicht hat einen Eindruck hinterlassen...
18.03.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Das ist echt schrecklich was sie den armen Bären dort allles antuhen. Das macht einen richtig Böse!
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