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Firmen ohne Gewissen? Teil 6


von Carina
20.02.2011
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79 P

Dies ist der letzte Teil meiner Berichtreihe. An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz erwähnen, dass die Firmen, die ich euch vorgestellt habe, nur eine kleine Auswahl sind. Es gibt leider noch viel, viel mehr Konzerne, die keinerlei Skrupel haben, wenn es darum geht, Profit zu machen.

Ich hoffe, dass ich euch mit meinen Berichten noch einmal vor Augen führen konnte, wie wichtig es ist, sich Gedanken darüber zu machen, was man einkauft. Denn mit jedem Kauf entscheiden wir auch, welche Firma unser Geld kriegt. (Unter der Rubrik „Fair kaufen“ gibt es zu dem Thema viele nützliche Tipps.) Und hier noch ein kleines Zitat aus dem Buch „Uns gehört die Welt“, das mir bei den Recherchen für meine Artikel sehr weitergeholfen hat: „Lassen wir uns nicht verkaufen. Lassen wir uns vor allem nicht für dumm verkaufen. Dann gehört und die Welt.“

McDonald’s

Gewinn (2008): 4,3 Milliarden Dollar
Beschäftigte: 1,4 Millionen

McDonald’s ist die größte Restaurantkette der Welt. Täglich essen etwa 52 Millionen Menschen in einer der 30.000 Filialen des Konzerns.

McDonald’s ist auch der weltweit größte Verbraucher von Rindfleisch. Das Futter für die Rinder und Hühner, die bei McDonald’s zu Hamburgern und Chicken McNuggets verarbeitet werden, wird vor allem aus ärmeren Ländern wie Brasilien importiert. Dort wird auf riesigen Monokulturen zum Beispiel Soja als Tierfuttermittel angebaut, sodass der einheimischen Bevölkerung wenig fruchtbares Land bleibt, um selbst Lebensmittel anzubauen.

Weil in Brasilien tätige Agrarfirmen für den Soja-Anbau den Regenwald abholzen, verpflichtete sich McDonald’s nach einer Greenpeace-Kampagne im Jahr 2006 dazu, keine Gentech-Soja aus neu gewonnen Flächen im Amazonasgebiet zu importieren, und erhielt dafür sogar Lob von den Umweltschützern. Im September 2007 allerdings warf die Organisation foodwatch dem Konzern vor, für die täglich 100.000 Kilogramm Rindfleisch, die allein in Deutschland zu Burgern verarbeitet werden, gentechnisch veränderte Futtermittel zu verwenden. Der Konzern argumentierte, dass es nicht genügend gentechnikfreies Futter auf dem Markt gebe.

Für die Herstellung der Happy-Meal-Spielzeugfiguren wurden in Hongkong 160 Kinder im Alter von 12 bis 13 Jahren ausgebeutet. Sie arbeiteten mit gefälschten Ausweisen und verdienten nur 1,50 Euro am Tag. 2006 gab McDonald’s diese Missstände zu und versprach, etwas dagegen zu unternehmen. Noch im selben Jahr kam es in einer chinesischen Fabrik, die McDonald’s belieferte zu Verhaftungen von ArbeiterInnen, die gegen schlechte Arbeitsbedingungen und zu niedrige Löhne protestiert hatten. Auch diesmal zeigte sich McDonald’s besorgt und verwies auf seine strengen Verhaltensregeln für Lieferanten. Wie so oft ist aber das Problem, dass die großen Multis ihre Lieferanten finanziell so stark unter Druck setzen, dass diese gar nicht anders können, als den Druck an ihre ArbeiterInnen weiterzugeben.

McDonald’s beutet seine Beschäftigten auch in Europa aus. 2007 zeigte das ZDF-Magazin Frontal21, wie willkürlich McDonald’s MitarbeiterInnen kündigte, Betriebsräte schikanierte und gegen Hygiene- und Sicherheitsauflagen verstieß. Ein ehemaliger Schichtleiter berichtete von schockierenden Vorkommnissen. Unter anderem sagte er: „Immer wieder habe ich Mitarbeiter erwischt, die in den Burger gespuckt haben. Das war meistens aus Frust auf McDonald’s.“

In letzter Zeit unternimmt McDonald’s halbherzige Versuche, um sein „grünes Image“ zu verbessern: Das große goldene „M“ soll künftig nicht mehr auf rotem, sondern auf grünem Grund prangen. Der Farbwechsel sei auch als „Bekenntnis und Respekt vor der Umwelt zu werten“, erklärte der Vizechef von McDonald's Deutschland Holger Beeck der Financial Times Deutschland. Man wolle die „Verantwortung gegenüber dem Erhalt natürlicher Ressourcen verdeutlichen“, sagt er in einer Presseerklärung. Der neue Anstrich scheint bisher allerdings der einzige Schritt in diese Richtung.


Nestlé

Produkte, Marken: Nahrungs- und Genussmittel der Marken Nescafé, Nesquik, Nespresso, Mövenpick, Vittel, Maggi, Thomy, After Eight, KitKat, Lion, Nuts, Smarties u.a.
Gewinn (2008): 12 Milliarden Euro
Beschäftigte: 283 000

Nestlé ist der größte Lebensmittelkonzern der Welt.

Das Unternehmen bezieht viele seiner Ausgangsprodukte aus Ländern, in deren Landwirtschaft selbst niedrige Menschenrechtsstandards nicht eingehalten werden. Vor allem bei der Gewinnung von Kakao und Kaffee werden Menschen ausgebeutet. An der Elfenbeinküste arbeiten Kindersklaven in der Kakaoernte für Produkte der Firma. Da Nestlé Marktführer bei diesen Produkten ist, hat die Firma großen Einfluss auf die Weltmarktpreise und ist für das Elend der Kleinbauern und Landarbeiter zu einem großen Teil mitverantwortlich.

Seit Jahrzehnten kritisieren Menschenrechtsorganisationen den Konzern für seine Vermarktungsmethoden von Babynahrung. Um den Absatz ihres Milchpulvers zu steigern, hat Nestlé vor allem in ärmeren Ländern durch Werbung und Gratisproben immer wieder versucht Mutter vom Stillen ihrer Kinder abzubringen. Die Verwendung von Milchpulver ist aber in vielen Regionen gefährlich, weil es für die ärmere Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt. Bei der Verwendung von dreckigem oder infiziertem Wasser werden die Babies einer großen Gefahr ausgesetzt. Nach zahlreichen Protesten durch UNO-Organisationen verpflichtete sich der Konzern zu Werbebeschränkungen, die aber immer wieder umgangen werden. So berichtete etwa die britische Zeitung „Guardian“ im Mai 2007 davon, wie Nestlé-Vertreter in Bangladesch in Geburtenkliniken aggressive Werbung für Muttermilchersatz betrieben hätten.

Nestlé tritt auch massiv für die Privatisierung von Trinkwasser ein, um selbst Geschäfte damit machen zu können. Trinkwasser ist die Lebensgrundlage aller Menschen – sollte es zu einer Ware werden, trifft man damit die Ärmsten dieser Welt. Wer den Film „We feed the world“ gesehen hat, erinnert sich vielleicht an ein Zitat des damaligen Nestlé-Chefs Peter Brabeck, der wortwörtlich sagte: „Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung der Bevölkerung privatisieren oder nicht. Und da gibt es zwei verschiedene Anschauungen. Die eine Anschauung, extrem, würde ich sagen, wird von einigen, von den NGOs vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heißt, als Menschen sollen sie einfach das Recht haben, Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung.“

In Kolumbien werfen Gewerkschaftler dem Konzern seit Jahren vor, abgelaufene und verdorbene Lebensmittel zu verkaufen, Gewerkschaften zu unterdrücken und von der in Kolumbien sehr häufigen Gewalt gegen Gewerkschaftsmitglieder zu profitieren. In einem Dokument der Schweizer Menschenrechtsorganisation Multiwatch heißt es: „Was die dominante Position von Nestlé charakterisiert und erklärt, ist auch seine Fähigkeit, aus der extremen politischen Situation des zerrütteten Landes Profit zu schlagen.“

Greenpeace wirft Nestlé außerdem vor, dass für die Palmödelproduktion für die KitKat-Schokoriegel indonesischer Urwald abgeholzt und damit die Lebensgrundlage der bedrohten Orang-Utans vernichtet wird.

Aber hier noch eine Info zum Kitkat-Riegel, die ich gefunden habe: Der wird nämlich seit Januar 2010 in England und Irland nur noch als Fairtrade-Variante verkauft. Um das Siegel der "Fairtrade Labelling Organization" (FLO) zu bekommen, garantiert Nestlé seinen Lieferanten einen Mindestpreis. Die 600 Bauern, die die Bohnen für den neuen "Kit Kat"-Riegel produzieren, verpflichten sich im Gegenzug dazu, ökologische und soziale Standards einzuhalten. Unter anderem ist der Einsatz von Kinderarbeit verboten. Und diese Umstellung liegt unter anderem daran, dass die Menschen immer mehr Fairtrade- und Bio-Produkte kaufen.


Siemens

Produkte Marken: Telefone, Lampen, Schienenfahrzeuge, Bosch Haushaltsgeräte, Fujitsu Siemens Computer u.v.m.
Gewinn (2008): 5,9 Milliarden Euro
Beschäftigte: 427 000

Siemens zählt zu den größten Firmen der Elektrotechnik und Elektronik.

Der Konzern ist mit 34 Prozent an der französischen Firma Areva NP beteiligt – das Unternehmen, das weltweit am meisten Kernkraftwerke entwickelt und gebaut hat.

Außerdem beteiligte Siemens sich an der Konstruktion des Drei-Schluchten-Damms in China, für den ganze Städte, Dörfer und Ökosysteme zerstört und rund 1,4 Millionen Menschen zwangsweise umgesiedelt wurden. Siemens ist auch einer der beiden Eigentümer des Wasserkraft-Unternehmens Voith Siemens, das für zahlreiche ähnliche Megastaudämme in ärmeren Ländern Generatoren und Turbinen liefert.

Ende 2007 geriet Siemens wegen einer Schmiergeldaffäre an das Licht der Öffentlichkeit: Insgesamt seien in den Jahren zuvor bis zu 1,3 Milliarden Euro im Ausland als Bestechungsgelder eingesetzt worden. Neben deutschen Staatsanwaltschaften ermittelten Strafverfolger in der Schweiz, Italien, Griechenland, Ungarn, China, Indonesien, Norwegen, Israel und Russland gegen ehemalige und aktive Manager des Konzerns. Und die irakische Regierung verklagte 2008 das Unternehmen sogar wegen Schmiergeldzahlungen an das Regime des ehemaligen Diktators Saddam Hussein.

Quellen:
Klaus Werner-Lobo, „Uns gehört die Welt“
www.mcdonalds.com
http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/nachhilfe_fuer_mcdonalds_in_sachen_urwaldschutz/
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5072&tx_ttnews[backPid]=5069&tx_ttnews[tt_news]=67116&cHash=3074a87f06
http://www.greenpeace.org/raw/content/international/press/reports/eating-up-the-amazon.pdf
http://www.multiwatch.ch/de/f97000171.html
http://www.humanrights.ch/home/de/Schweiz/Politik/Aussenwirtschaftspolitik/TNC/idart_3683-content.html
http://www.humanrights.ch/home/de/Schweiz/Aussenpolitik/Aussenwirtschaftspolitik/TNC/idcatart_4520-content.html
http://www.babynahrung.org/nestle.html
„We feed the world“
http://www.greenpeace.de/themen/waelder/presseerklaerungen/artikel/kitkat_suesses_mit_bitterem_beigeschmack/ansicht/bild/
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,665977,00.html
http://www.ais-online.de/6/pdcnewsitem/00/79/39/index_6.html
http://www.stern.de/wirtschaft/news/unternehmen/chronik-die-siemens-schmiergeld-affaere-587445.html
 

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Kommentare (5)
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28.08.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Hey Carina, danke für diese richtig gute Bericht-Reihe. Es hat mir mal wieder gezeigt, dass ich aufpassen muss, wo ich was kaufe. Leider war ich manchmal echt schokiert, da Unternehmen dabei waren, wo ich niemals gedacht hatte, dass sie so krass schlecht mit Menschen und der Umwelt umgehen. Also nochmal Danke für die viele Arbeit die du hier reingesteckt hast! glg, Hanna (;
02.08.2011
LushandPeace hat geschrieben:
Als Referat haette ich dir dafuer 14P. gegeben xD
22.02.2011
TobiS hat geschrieben:
Mich stört, dass die Zahlen alle veraltet sind. Trotzdem zeigt der Bericht die Folgen der freien Marktwirtschaft. Ich habe zu diesem Thema gestern angefangen einen Roman zu lesen: Max Barry - Logoland.

Das Beispiel mit dem Kitkat-Riegel zeigt aber auch, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen kann, indem er Fairtrade und Bio kauft.
21.02.2011
Carina hat geschrieben:
danke, danke :)
ich hätte es eigentlich gerne noch ein bisschen markiert hier und da, um es übersichtlicher zu machen, aber dabei bricht die seite immer zusammen... ich hoffe, es ist so auch einigermaßen lesbar!
20.02.2011
Carphunter hat geschrieben:
schrecklich... wo soll man denn noch sachen kaufen, ohne ein schlechtes gewissen haben zu müssen?
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